Lamsenjochhütte

Großartige Felsszenerie (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
10 km
700 m
3.00 h
Lob vom Kletterpapst.
Selbst Reinhold Messner bezeichnet die Anstiege auf Lamsenspitze und Hochnissl in seinem Buch »Klettersteige Ostalpen« (1978) als »das reichste Klettersteigprogramm, das als zusammenhängende Bergfahrt unternommen werden kann«. Anders ausgedrückt: Ergiebigere und auch schönere Klettersteige sind in den nördlichen Kalkalpen kaum anzutreffen. Angst vor veralteten Anlagen muss niemand haben: Die Klettersteige durch den Brudertunnel und auf die Lamsenspitze wurden im Jahr 2002 gründlich saniert und mit neuen Seilen versehen.
Klettersteig mit Tunnelausgang.
Beide Klettersteige können auch vom ganz gewöhnlichen Wanderer bewältigt werden, vorausgesetzt, er ist trittsicher und schwindelfrei. Da die steilsten und somit schwierigsten Passagen jeweils am Anfang der Kletterpassagen liegen, kann jeder seine Tauglichkeit gleich auf die Probe stellen. Wenn in einer Gruppe Anfänger dabei sind, muss man sie besonders anleiten und Rücksicht nehmen. Um die Klettersteigtauglichkeit zu testen, sollte man den Anfänger nach Überwinden der ersten Steilstufe in die Tiefe blicken lassen und vor allem darauf vorbereiten, dass diese Passagen auch wieder abgestiegen werden müssen.
Der Brudertunnel.
Der Einstieg zum Brudertunnel beginnt nur wenige Minuten oberhalb der Lamsenjochhütte am Fuß der steil aufstrebenden Wand. Eisenbügel führen drahtseilgesichert fast senkrecht in die Höhe, die Tiefblicke werden mit jeder Stufe imposanter. Dann wird das Gelände bis zum Eingang des Lams- oder Brudertunnels – eines natürlichen Felstunnels – langsam etwas flacher. Besonders anregend ist der Ausstieg aus dem Tunnel: Über eine leicht überhängende Passage zieht man sich quasi auf die andere Seite des Bergkamms. Vom Tunnelinneren aus ergibt die dunkle Silhouette des Kletterers vor dem hellen Himmel im Hintergrund ein bizarres Fotomotiv. In schneereichen Jahren kann es passieren, dass der Tunneleingang von meterhohen Eiswällen versperrt ist. Eine kurze Rücksprache vor der Tour mit dem Hüttenwirt Walter Bliem kann also nicht schaden.
Hochnissl – ein Hochgenuss.
Die Südseite ist ein mit einzelnen Felspartien durchsetztes Wiesen- und Schrofengelände und somit wesentlich flacher als der luftige Nordanstieg. Beim Tunnelausgang stößt man auf jenen Steig, der von der Lamsscharte hinüberführt; der Weg über die Scharte ist übrigens eine mögliche Alternative zum Klettersteig durch den Lamstunnel. Weiter geht es stets knapp unterhalb der Kammhöhe in südöstliche Richtung, an manchen Stellen kann man beim Blick in den steilen Abgrund das Dach der Lamsenjochhütte erkennen.
Nach Überschreitung der Rotwandlspitze kann auch der Gipfel der Steinkarlspitze noch als kleine Zugabe erklommen werden. Dann folgt der Abstieg durch einen steilen Kamin, eine gut gesicherte Schlüsselstelle. Ein letzter Aufschwung noch, und mit der Hochnisslspitze ist der östliche Eckpfeiler des Karwendel-Hauptkamms erreicht. Ebenso grandios wie der anregende Anstieg ist der Gipfelblick auf das Karwendel sowie Zillertaler, Stubaier und Ötztaler Alpen jenseits des Inntals. Nach der Gipfelrast entschlossen wir uns für den Abstieg in das Inntal, um vom Gasthof Karwendelrast auf Umwegen zum Achensee zurückzutrampen. Auf diese Weise erfährt man bei der Hochnissl-Überschreitung einen sagenhaften Landschaftswechsel von schroffem Felsgelände in saftig-grüne Almmatten.
Lamsenspitze – eine alpine Herausforderung.
Noch um eine Nuance schwieriger als die Hochnisslspitze ist die Besteigung der Lamsenspitze. Der das Tal und die Hütte beherrschende Berg fällt mit steilen Kanten nach Nordosten und Südosten ab, dazwischen öffnet sich die eindrucksvolle Ostwand. Diese gut gegliederte Wand ist bei Kletterern äußerst beliebt und bietet zahlreiche Routen sämtlicher Schwierigkeitsgrade. Der Hauptgipfel ist übrigens von der Hütte nicht einsehbar. Der Normalanstieg führt von der Lamsenjochhütte entweder auf dem bezeichneten Steig über eine plattige Wandstufe oder dem Umweg Lamstunnel zur Lamsscharte. Von der Scharte geht es kurz abwärts, bevor die breiten Schutthänge westwärts gequert werden. Aus der Karmulde ziehen zwei Felsrinnen die Südwand empor, die auf dem neu versicherten Klettersteig mit ein wenig Umsicht gefahrlos erklommen werden können. An schönen Wochenenden sind manchmal ganze Karawanen unterwegs, dann empfiehlt sich zum Schutz gegen losgetretene Steine das Tragen eines Schutzhelms. Nach Erreichen einer kleinen Schuttterrasse quert man problemlos zum Gipfel. Sehr beeindruckend ist von hier der Blick in die Eng und über das Falzthurntal hinaus zum Achensee.
Beliebter Stützpunkt.
Wer es sich irgendwie einrichten kann, sollte dieses grandiose Gebiet während der Woche besuchen. Denn besonders bei Schönwetter ist die Lamsenjochhütte an Sommerwochenenden oft restlos überbucht. Zu den rund 150 Übernachtungsgästen kommen dann noch die Tagesausflügler; die Lamsenspitze ist auch als Tagestour sehr beliebt. Wenn man jedoch an den kniffligen Stellen anstehen muss, mindert sich der Kletterreiz ganz erheblich, abgesehen davon, dass dann die Steinschlaggefahr zu einem ernsten Problem werden kann.

Länge.
Direktester Anstieg von der Gramaialm im Falzthurntal auf gutem Steig (1 1/2 Std., AV-Weg 201); vom Alpengasthof Eng über Binsalm und westliches Lamsenjoch (2 1/4 Std.)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied700 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktFalzthurntal, Eng
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDer Alpenpark Karwendel umfasst zwischen Inn, Isar, Achensee und Seefelder Senke eine Fläche von 920 Quadratkilometern. Jeder Winkel dieses schroffen Gebirges hat seine reizvollen Seiten, doch was der Wanderer rund um die Lamsenjochhütte auf engstem Raum vorfindet, gehört zu den schönsten Landschaften im östlichen Alpenraum. Der Klettersteig durch den Brudertunnel zur Hochnisslspitze etwa ist atemberaubend schön, und auch wer durch die südliche Turnerrinne zur Lamsenspitze hochkraxelt, erfährt angesichts der grandiosen Kulisse Adrenalinstöße.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 26, Karwendelgebirge, 1:50.000
VerkehrsanbindungMit dem Pkw über Bad Tölz und Sylvensteinspeicher oder Holzkirchen und Tegernsee nach Maurach am Achensee, dort rechts nach Pertisau abzweigen. Im Ort links halten und durch das Falzthurntal zur Gramaialm (Mautstrecke). Alternativ über Lenggries und Sylvensteinspeicher nach Vorderriß und auf der mautpflichtigen Straße zum Alpengasthof Eng. Dort hält auch der Bergsteigerbus von Lenggries (bis dorthin mit der Bahn); die Anreise zum Achensee mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht zu empfehlen.
Tipps
Alternative Binsalm. Wer auf der Lamsenjochhütte für die geplante Übernachtung wegen Überfüllung keinen Platz mehr findet, kann sich alternativ auf der Binsalm mit schönem Blick in die Eng einquartieren. Die Alm hat von Mitte Mai bis Ende Oktober geöffnet und verfügt über je 40 Betten und Lager; die Lamsenjochhütte ist von hier in gut einer Wanderstunde zu erreichen. Tel.: 0043/5245/214.
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1953 m. ERBAUT: 1908 (DAV-Sektion Oberland). Bewirtschaftet: Anfang Juni bis Mitte Oktober. Kulinarischer Tipp: Fleisch aus eigener landwirtschaftlicher Produktion, eigene Käserei im Tal. Hüttenwirt: Walter Bliem. Telefon: 0043/5244/6 20 63. BETTEN: 30. Lager: 120. Materialbeschaffung: Versorgungsweg vom Stallental (Inntal). Besonderheit: Umweltgütesiegel vom DAV.

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