Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn - erstes Weltnaturerbegebiet der Alpen

Wanderung über dem Grossen Aletschgletscher und durch den berühmten Aletschwald; leicht. (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
15 km
150 m
6.00 h
Auf dem oberen Gletscherweg zum Märjelensee -  Vom Bettmergrat aus können trittsichere Geher in 1¼2 Stunde über einen Wandersteg unschwierig den Gipfel des Bettmerhorns ersteigen (2856 m). Unsere Tour wird jedoch auch ohne Gipfelerlebnis voller Höhepunkte sein. In wenigen Minuten zum Aussichtspunkt Gletscherblick – eindrucksvoll der Anblick des Grossen Aletschgletscher, darüber die Kette der Berner Alpen. Leicht abfallend wandern wir dann über Steintreppen und eine Weganlage hinab zur Roti Chumma (2348 m). Das Panorama ist unbeschreiblich, und ständig weht eine frische Brise vom Gletscher herauf. Über einen in den Fels gehauenen breiten Weg wird die Gratkante erreicht, die sich vom Eggishorn zum Märjelensee hinabzieht. Einst füllte der Märjelensee das ganze Märjelental aus und floss ins Fieschertal ab oder er versetzte die Leute von Naters in Angst und Schrecken, wenn er ausbrach und sich das Wasser durch die Massaschlucht ergoss. So hatte der See zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch folgende Ausmaße: Länge 1600 Meter, Breite 460 Meter, größte Tiefe 78 Meter, mittlere Tiefe 23 Meter. Nach Westen wurde der See durch die hohe Eiswand des Aletschgletschers gestaut und auf dem See schwammen fast hausgroße Eismassen. Mit dem Gletscherrückgang ist das grandiose Naturphänomen verschwunden. Selten hat der See noch viel, meistens nur wenig oder kaum mehr Wasser. Wer zu Beginn des Sommers diese Wanderung macht, kann vielleicht einmal wie wir Glück haben und einen kleinen Abglanz des berühmten Märjelensees erleben. Doch auch wenn das Märjelental unterm Grossen Aletschgletscher nicht mehr wie in vergangenen Zeiten an eine Polarlandschaft erinnert, ist das Gebiet mit einzelnen Tümpeln voll Wollgras und dem aufgestauten Vordersee doch ganz zauberhaft. Auf dem unteren Gletscherweg zum Greichergrat: Gerne wird die Wanderung als Rundtour durchgeführt: vom Vordersee durch den Tällitunnel oder um den Tälligrat herum nach Kühboden (Mittelstation der Fiesch-Eggishornbahn) und zurück zur Bettmeralp und evtl. weiter zur Riederalp. Wir kehren zur Roti Chumma zurück, verlassen den oberen (vom Bettmergrat kommenden) Gletscherweg nach rechts und befinden uns auf dem fast eben verlaufenden unteren Gletscherweg. Diese wunderschöne Route, die zum Teil einer uralten Wasserfuhre folgt und beeindruckende Tiefblicke gewährt, wurde 1987 von den Gemeinden Ried, Greich und Goppisberg sowie vom Verkehrsverein und den Verkehrsbetrieben Riederalp zwischen Moosfluh und Roti Chumma ausgebaut. Über eine kleine Hochfläche wandern wir auf den Greichergrat/Biel (2292 m). Leicht ansteigend kann man von hier zur Moosfluh gelangen und mit der Gondelbahn nach Riederalp hinabfahren. Lohnend ist es auch, von Biel der Krete über Moosfluh zur Bergstation Hohfluh zu folgen und per Sesselbahn nach Riederalp zu fahren. Durch den Aletschwald zur Riederalp: Doch uns lockt der nahe Aletschwald. Wir wählen den Moränenweg und erleben einen ganz herrlichen Spaziergang inmitten uralter Arven, vermodernder Baumstümpfe und leuchtender Alpenrosenhänge. Von der Riederfurka am Rande des Aletschwaldes (2064 m; hier evtl. das Pro Natura Zentrum mit Ausstellung und Alpengarten besichtigen) schlendern wir auf dem alten Saumweg leicht hinab nach Riederalp (1925 m). Nach einem Besuch des Alpenmuseums Riederalp Talfahrt mit der Gondel oder Großkabinenbahn nach Mörel. UNESCO-Höhenweg Bettmerhorn-Eggishorn Diese im Sommer 2004 eröffnete Gratwanderung bietet im Norden eine großartige Aussicht auf den Grossen Aletschgletscher und ins UNESCO-Weltnaturerbegebiet Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn. Die drei Berge »Jungfrau, Aletschhorn und Bietschhorn«, die dem Weltnaturerbe seinen Namen gaben, sind zum Greifen nahe. Im Süden hat man einen fantastischen Blick ins Rhonetal, ins Binntal und auf die Berge der Walliser Alpen. Die Wanderung von der Gondelbahn-Bergstation Bettmerhorn bis zur Luftseilbahn-Bergstation Eggishorn dauert etwa 4 Stunden. Von der Bergstation Bettmerhorn gelangt man über einen Wandersteg in ca. 30 Minuten aufs Bettmerhorn. Nun geht es über die Gratkante in leichter Kletterei, die mit Seilen abgesichert ist, bis zum Punkt 2722. Weiter an Seilen gesichert abwärts in die Eislücke. Von hier erreicht man über einen Wanderweg die Bergstation Eggishorn. Rückfahrt: von der Riederalp mit der Gondelbahn oder Großkabinenbahn nach Mörel und per Bus nach Betten-Tal. Tour-Ausgangsort gut erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Höhenweg Wanderung

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied150 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortBetten-Tal (814 m), 3 km nordöstlich von Mörel.
AusgangspunktBergstation Bettmerhorn (2643 m).
TourencharakterVor 100 Millionen Jahren drifteten Afrika und Europa gegeneinander. Beim Zusammenprall der Kontinente schoben unvorstellbare Kräfte die Alpen aus dem Urmeer. Gesteinsmassen gerieten in Bewegung, schoben sich ineinander, rissen ab, brachen, kippten um. Die alpine Faltung hinterließ ein Chaos und gleichzeitig eine Vielfalt verschiedener Gesteinsschichten. Gewaltige Eismassen bedeckten das Land, sie verformten das Gelände und hobelten Täler aus. Am Ende der letzten Eiszeit vor gut 16 000 Jahren löste sich der eisige Klammergriff. Jährlich wachsen die Zentralalpen um rund einen Millimeter. Die zerstörerische Gewalt der Erosion sorgt jedoch dafür, dass die Alpen nicht in den Himmel wachsen. 1972 entstand die »UNESCO-Konvention zum Schutze des Kultur- und Naturerbes der Welt«. Sie soll dazu beitragen, bedeutende Kultur- und Naturobjekte zu schützen. Die Welterbeliste »World Heritage List« ist seither auf 721 Kultur- und Naturerbestätten in 124 Staaten gewachsen. In der Schweiz gehören bisher 4 Kulturgüter zu den Welterbestätten - die Altstadt von Bern, der Klosterbezirk von St. Gallen, das Kloster Mustair und die Tre Castelli in Bellinzona. Zu den bekanntesten Weltnaturerbe-Gebieten zählen u.a. die Galapagosinseln, der Yellowstone Nationalpark und der Serengeti Nationalpark. Sie alle stellen einzigartige Formationen und Gebiete dar, die wegen ihrer ästhetischen Schönheit und als Lebensräume seltener Tier- und Pflanzenarten internationale Bedeutung besitzen. Am 13. Dezember 2001 beschloss das Welterbekomitee in Helsinki die Aufnahme der Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn-Region als erstes Naturerbe im gesamten Alpenraum in die Welterbeliste. Kandidaten für die Welterbeliste müssen einen hohen Standard erfüllen. Das erste Weltnaturerbe der Alpen unterliegt besonders strengen Kriterien. Das Gebiet stellt die größte vergletscherte Region in den Alpen dar, in deren Zentrum der Grosse Aletschgletscher liegt. Im Mai 2002 wurde der Verein »UNESCO Welterbe Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn« gegründet, ein Netzwerk der Gemeinden und der beiden Kantone Bern und Wallis. Ein wichtiges Ziel ist die Erweiterung des Welterbegebietes in Richtung Blümlisalp im Westen und in Richtung Aargletscher und Grimselgebiet im Osten. Damit würden die gesamten Berner Hochalpen im Weltnaturerbe eingeschlossen. Im Sinne der Welterbekonvention haben die Gemeinden innerhalb des Gebietes die Charta vom Konkordiaplatz unterzeichnet. Der Konkordiaplatz symbolisiert gewissermaßen die Vereinigung der verschiedenen Kräfte über die Kantons- und Gemeindegrenzen hinaus zu einer gemeinsamen Idee. Die Intension ist, die Landschaft um die Jungfrau, das Aletschhorn und das Bietschhorn den künftigen Generationen in ihrer ästhetischen Schönheit zu bewahren. Die Region Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn zählt allein 107 größere und kleinere Eisströme, die insgesamt 250 Quadratkilometer (oder 47% der Gesamtfläche) bedecken. Das Gebiet umfasst große Bergketten mit alpinem und subalpinem Charakter. Beispielhaft können ökologische Prozesse beobachtet werden. Auf der Fläche von 540 Quadratkilometern dieses Weltnaturerbes ragen neun Gipfel über die magische Grenze von viertausend Metern in den Himmel, hinzu kommen zahlreiche Dreitausender. Fast die Hälfte der Fläche ist vergletschert. Die Gletscher reagieren sehr stark auf Klimaschwankungen der Erde. Gegenwärtig ziehen sie sich auf breiter Front zurück. Im Mittelalter und nochmals im 16. Jahrhundert erreichten die Gletscher in den Alpen einen markanten Tiefstand. In der Neuzeit sind die Hochstandsphasen um 1600, 1820 und 1860 (Zeitspanne der kleinen Eiszeit) nachgewiesen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich das vergletscherte Gebiet um ca. 43 Quadratkilometer verringert. Der derzeitige Prozess verläuft schneller. Die Temperatur steigt seit Beginn des 20. Jahrhunderts etwa dreimal so rasch an wie am Ende der letzten Eiszeit. Das Abschmelzen der Gletscher hätte dramatische Folgen für die Menschheit, weil dann die Eisströme ihre Funktion als Wasserspeicher verlieren. Das Aletschgebiet gilt als eine der großartigsten und vielfältigsten Alpenregionen. Die überwältigende Bergwelt von Eiger, Mönch und Jungfrau (Grenzgipfel zwischen Berner Oberland und Wallis), der Grosse Aletschgletscher mitsamt dem faszinierenden Aletschwald aus uralten Lärchen und Arven, die eindrucksvollen alten Kulturlandschaften des Baltschiedertales sowie die Walliser Felsensteppe der Bietschhorn-Südabdachung – sie bilden gemeinsam in ihrer majestätischen Schönheit eine ganz außergewöhnliche Landschaft. Der Grosse Aletschgletscher mit seinen 23 Kilometern Länge und einer Fläche von 80 qkm ist der größte und längste Alpengletscher. Seit seinem Höchststand im Jahre 1860 zieht sich der mächtige Eisstrom stetig zurück. Das Gletschertor liegt heute gut 3 km weiter bergwärts. In den letzten 2500 Jahren stieß der Gletscher nicht weniger als achtmal vor und zurück. Auf dem Konkordiaplatz beträgt die Eisdecke heute etwa 900 Meter. Die Eismassen bewegen sich hier mit 180 Metern im Jahr talwärts. Eine Schneeflocke, die auf dem Jungfraujoch zu Eis erstarrt, benötigt theoretisch 150 bis 200 Jahre bis sie die Gletscherzunge erreicht. Nach dem Rückgang des Eises siedelten sich vor etwa 9000 Jahren auf den Moränenwällen (heute Aletschwald) erste Pionierpflanzen in Form von Gräsern und Kräutern an, ihnen folgten Bäume und Sträucher wie Weiden, Birken und Lärchen. Die Arve kam erst 1000 Jahre später dazu und übernahm die Vorherrschaft. Aletschwald und Aletschgletscher verleihen der Landschaft ein faszinierendes Bild. Die extremen klimatischen Bedingungen über dem Gletscher lassen die Bäume langsam wachsen. Arven von nur 1 Meter Höhe stehen schon 40 bis 50 Jahre im Wald. 600 bis 700 Jahre alte Bäume (allein ca. 75% Arvenbestand) sind keine Seltenheit. 1933 wurde das 220 Hektar große Aletschwald-Reservat unter Naturschutz gestellt. 1974 erwarb der Schweizerische Bund für Naturschutz die auf der Riederfurka um 1900 von Sir Ernest Cassel als Sommersitz erbaute Villa Cassel und eröffnete hier das erste Naturschutz-Zentrum der Schweiz mit ständiger Ausstellung sowie einem Alpengarten. Es trägt heute den Namen »Pro Natura Zentrum«. Einen besonders starken Eindruck von den gewaltigen Ausmaßen des Grossen Aletschgletschers gewinnt man vom Aletschbord auf der Bel-alp. Uralte Tradition auf der Belalp ist der Schäfersonntag: Am letzten Wochenende im August kehren etwa 2000 Schwarznasen-Schafe (Ghornute) von den Aletschalpen zur Belalp zurück. Unter den steilen Felswänden von Gross-Fusshorn und Geisshorn über der orografisch rechten Seite des Aletschgletschers liegen die kommunalen Weiden der Burgergemeinde Naters. Als die Natischer noch von der Landwirtschaft allein lebten, zogen sie im Monat Mai mit ihrem gesamten Haushalt zum Maiensässweiler Blatten hoch. Um ihre fruchtbaren Weiden und alten Stadel nicht verkommen zu lassen, leistet sich noch heute ein Häuflein Alteingesessener den Luxus (vom Staat subventioniert), wie die Vorväter Ghornute zu züchten. Im Juli werden die hübschen, jedoch wenig profitablen Tiere für zwei Monate zu den hochgelegenen Weideböden der Burgergemeinde geführt. Zu den meistbesuchten Regionen im Aletschgebiet zählen die Bettmeralp sowie die Riederalp mit der auf einem Hügel gelegenen Kapelle Maria zum Schnee (17. Jh.). 1985 erstellten Verkehrsbetriebe, Gemeinde und Verkehrsverein von Bettmeralp den Gletscherweg Aletsch. Als Trasse diente ein von Schafhirten benutzter kleiner Pfad unter Eggishorn und Bettmerhorn zwischen Bettmergrat und Märjelensee. Die 11/2 Stunden dauernde Wanderung hoch über dem Grossen Aletschgletscher gehört mit zum Schönsten in diesem Gebiet. Ausgangspunkt ist die Bergstation Bettmerhorn (2643 m). Auch für jene, die nicht wandern wollen, lohnt sich eine Gondelfahrt zum Bettmerhorn: ein Panoramarestaurant lädt ein zum Schauen und Rasten. Dauer:
gesamt 6 Std.; Bettmergrat – Märjelensee 11/2 Std.; Märjelensee – Biel 21/2 Std.; Biel – Riederfurka – Riederalp 2 Std. Höhenunterschied: ? 150 m, ? 800 m; Bettmergrat – Märjelensee ? 350 m; Märjelensee – Biel ? 80 m und ? 90 m; Biel – Riederfurka – Riederalp ? 70 m und ? 360 m.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1 - 50000, Blatt 264 T (Jungfrau; mit eingezeichneten Routen).
VerkehrsanbindungÖV - mit der Matterhorn Gotthard Bahn z. B. von Brig nach Betten-Tal (auch Busverbindung). Auto: aus dem Rhonetal über Brig oder über den Furkapass ins Tal des Rotten und hinunter bis Betten-Tal. Nun mit der Seilbahn zur Bettmeralp und weiter per Gondel auf den Bettmergrat.
GastronomiePanorama-Restaurant Bettmergrat, Restaurant Riederfurka.
Unterkunft
Riederfurka, Gletscherstube am Vordersee und Kühboden; Riederalp (1925 m), Sesselbahn zur Hohfluh, Gondelbahn zur Moosfluh; Gondelbahn von der Bettmeralp (1957 m) aufs Bettmerhorn.
Tourismusbüro
Aletsch Tourismus - CH-3983 Breiten, Tel. 027/9286000, Internet: www.aletsch.ch. Mörel (759 m). Seilbahnen: Riederalp und Tunetsch. Verkehrsbüro: CH-3983 Mörel, Tel. 027/9286020, Fiesch (1050 m). Seilbahn nach Kühboden-Eggishorn; Bergsteigerschule. Fiesch-Fieschertal Tourismus: CH-3984 Fiesch, Tel. 027/9706070, Internet: www.fiesch.ch. Betten-Tal (917m). Talstation der Luftseilbahnen nach Betten und Bettmeralp. Bettmeralp Tourismus: CH-3992 Bettmeralp, Tel. 027/9286060; Internet: www. bettmeralp.ch. Bettmeralp-Bahnen, Internet: www.bettmeralpbahnen.ch. Riederalp Tourismus: CH-3987 Riederalp, Tel. 027/9286050; Internet: www.riederalp.ch.

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