Jegertosse, 2154 m, und Doldenhornhütte

Abwechslungsreiche, mit einigen Felspassagen gewürzte Runde an der Westflanke des Doldenhorns. Einmalige Aus- und Tiefblicke, fantastisch die gewaltigen Plattenschüsse über dem Weg zur Doldenhornhütte. Üppige Flora, vor allem am Weg zum Jegertosse. Die Querung der Felswand im Rücken der Fisialpe ist nur für Schwindelfreie ein Genuss; alternativ Direktabstieg nach Kandersteg möglich (Autor: Eugen E. Hüsler)
In die Steilwand Die Tour startet mitten in Kandersteg (1176 m), führt erst einmal entlang der Haupt- und Dorfstraße taleinwärts. Dabei kann man bequem Haus- und Bergmauern rundum in Augenschein nehmen. Eindeutig älter sind die großen Steine, obwohl auch das eine oder andere Gebäude mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Nicht alle tragen ihr Alter so würdevoll wie das Ruedihaus von 1753 (heute Hotel). Gleich gegenüber weist ein gelbes Wanderwegeschild zur Doldenhornhütte. Damit ist natürlich nicht das Waldhotel gleichen Namens gemeint, dessen Chaletfassade am Bergfuß zwischen den Bäumen herausguckt (25 Min.). Es bleibt links; der Weg führt in den Wald und anschließend in vielen Kehren am steilen Hang aufwärts. Zunächst gibt’s nur wenig Aussicht (dafür zwei Verzweigungen, an denen man sich jeweils rechts hält); das ändert sich I de Schleife, einer großen Lichtung. Kein Wunder, dass an diesem schönen Platz ein Haus steht, bietet sich hier doch ein herrlicher Blick. Ziemlich genau einen Kilometer höher ragt die First (2548 m) – nomen est omen! – in den Himmel, über einen langen Grat mit dem Bunderspitz verbunden; drunten an der Kander rattern die Züge der BLS vorbei. Am Weg zum Jegertosse quert man in einen seichten Graben; dahinter führt der kunstvoll trassierte Weg in felsiges Gelände. Den senkrechten Aufschwüngen geschickt ausweichend, gewinnt er zügig an Höhe, tangiert dabei eine markante Rinne mit alten Lawinenverbau - ungen. Bei einer kleinen Alphütte (2094 m) ist der Rand des Fisischafbergs erreicht. Eine deutliche Spur leitet, nur noch kurz ansteigend, zwischen weiteren Verbauungen südwestwärts hinüber zur »Gipfelwiese« des Jegertosse (2154 m; 3.15 Std.): ein Blumenbalkon über dem Abgrund! Herrlich der Blick übers Gasteretal auf Balmhorn (3698 m) und Altels (3629 m), schwindelerregend der Tiefblick in den flachen Boden des Gasteretals. Zur Doldenhornhütte Der Weiterweg führt zunächst zurück zur Verzweigung bei der Hütte am Fisischafberg, dann über die weitläufige, steinige Fisialp schräg hinunter zur Alphütte (1964 m; 4.15 Std.), wo man sich bei Käse, Brot und einem Rivella stärken kann. Dann geht’s weiter bergab über einen felsdurchsetzten Hang, bis ein blaues Schild nach rechts weist. Die schmale Spur verläuft zunächst flach, steigt dann steil an zum Fuß senkrechter Felsen und quert schließlich auf einem schmalen Band hinaus und hinab in das Gämsrevier des Oberen Bibergs. Hier stößt man auf den weiß-rot-weiß markierten Weg zur Doldenhornhütte. Er steigt über gewaltige Plattenschüsse schräg an zu dem Haus (1915 m; 5.15 Std.). Von dem nahen Aussichtspunkt (Hinweisschild) bietet sich ein bezaubernder Tiefblick auf den felsumrahmten Oeschinensee (1578 m). Zurück ins Tal Der Abstieg über den Hüttenwegführt bald in den Wald, dann über ein paar kleine Felsstufen hinunter zum Undere Biberg und in längerer Querung zum »Bärentritt«. Die kurze gesicherte Felsstufe entlässtdenWanderer in den Öschiwald. Auf der Straße oder dem parallel verlaufenden Wanderweg talabwärts nach Kandersteg (6.45 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied1080 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortKandersteg (1176 m)
AusgangspunktBahnhof Kandersteg oder kleiner Wanderparkplatz beim Hotel Doldenhorn, gut einen Kilometer südlich des Dorfkerns
EndpunktBahnhof Kandersteg oder kleiner Wanderparkplatz beim Hotel Doldenhorn, gut einen Kilometer südlich des Dorfkerns
TourencharakterKleider machen Leute, das wusste schon Gottfried Keller, und Steine machen Berge. Schroffe, extrem kantige manchmal, wenn der Stoff danach ist. Wie rund um Kandersteg. Da haben Eis und Wasser den Kalkfels nachhaltig modelliert, ein Trogtal mit Steilwänden ausgehobelt. Darüber liegen herrliche Terrassen, von denen man gleichermaßen nach unten, nach oben und in die Ferne schaut. Die schönste ist ein Blumenbalkon fast senkrecht über dem Eingang ins Gasteretal, wo du zwischen tausend Blumen liegst und dir die Sonne auf den Bauch scheinen lässt: der Jegertosse.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 263 T »Wildstrubel«
MarkierungenWeiß-rot-weiße und weiß-blau-weiße Markierungen, gelbe und blaue Wegzeiger
VerkehrsanbindungKandersteg liegt am Nordportal des alten Lötschbergtunnels. Direkte Züge von Bern via Thun und Frutigen
GastronomieFisialp, im Sommer einfach bewirtschaftet; Doldenhornhütte, Mitte Juni bis Ende September; Tel. 033/ 675 16 60
Tourismusbüro
Kandersteg Tourismus, Ch-3718 Kandersteg; Tel. +41(0)675 80 80, info@kandersteg.ch, www.kandersteg.ch

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