Inselsberg

Wahrzeichen des Thüringer Walds Waldwanderung auf bequemen Wegen und zum Teil wurzeligen Pfaden, die festes Schuhwerk erforderlich machen. (Autor: Bernhard Pollmann)
13 km
250 m
3.30 h
eiherrenstein Die Waldschänke beim Dreiherrenstein am Großen Weißenberg ist Ausgangspunkt der bequemsten und naturschönsten Rennsteig-Wanderung zum Inselsberg. Der Dreiherrenstein ist der berühmteste Dreiländergrenzstein am Rennsteig, obwohl er eher unscheinbar im Wald steht. Hier grenzten die Staaten Kurhessen (Grenzkürzel - KH), Sachsen-Gotha (SG) und Sachsen-Meiningen (SM) aneinander, heute sind es die thüringischen Landkreise Schmalkalden-Meiningen, Gotha und Wartburgkreis. Der Thüringer Komponist Ludwig Böhner widmete dem Grenzstein am Weißenberg sogar eine Oper: »Der Dreiherrenstein« wurde 1848 in Meiningen uraufgeführt. 1863 schrieb der badische Dichter Victor von Scheffel in seinem Rennsteiggedicht: »Und als wir kamen zum Dreiherrensteine, briet schon am Spieß das Reh, das wir erlegt, am Steintisch ward im traulichen Vereine im Namen der drei Herrn des Mahls gepflegt ... Ein Deutschland nährt den Thüring, Hessen, Franken, und echter Liebe setzt kein Markstein Schranken!« 50 Jahre später wurde am Dreiherrenstein das Scheffel-Denkmal (1913) enthüllt, ein Findling mit dem Reliefbild des badischen Barden. Die Waldschänke wurde 1911 errichtet. Zum Venezianerstein Vom Dreiherrenstein bei der Waldschänke führt der Rennsteig in grasreichem Fichtenwald an der Grenze der Landkreise Schmalkalden-Meiningen (südlich) und Gotha sacht bergan und überschreitet den Großen Weißenberg. Wo er beim Abstieg aus dem Wald tritt, öffnet sich links der Blick über die Gründe im Einzugsbereich der Emse hinweg auf den Inselsberg; Bank und Tisch laden an dieser Aussichtsstelle zur Rast. Nach Überschreiten des Zigeunerkopfs passiert der Rennsteig eine Schutzhütte und erreicht dann die Brotteroder Hütte (725m), wo der von Brotterode heraufführende Wanderweg einmündet. Nun führt der Rennsteig an der kleinen Beerberggrotte (ausgeschilderter Abstecher) vorbei zum aussichtsreichen Beerbergstein, wo Tisch und Bänke zur Rast laden, und erreicht wenig später den aussichtsreichen Venezianerstein (830m) am Westfuß des steilen Inselsberg-Gipfels. Der Name des Felsens, vor dem Schutzhütte und Bank zur Rast einladen, geht auf die sagenumwobenen Venediger (Venezianer) zurück. Die Venezianer oder Venediger sind die geheimnisumwittertsten spätmittelalterlich-en Schatzsucher der deutschen Mittelgebirge und des Alpenraums. Alljährlich im Frühjahr schwärmten sie von Venedig aus in die erzreichen Gebirge, verstanden sich auf Wünschelruten und Zauberei, konnten sich wie die Zwerge unsichtbar machen, traten zu zweit oder in kleinen Gruppen als ärmlich gekleidete Hausierer auf, handelten zum Schein mit Tinte und seltsamen Käfern, die niemand brauchen konnte, erkundigten sich beim Handeln aber nach Erzlagern und wuschen nachts Gold aus den Bächen, hoben Schätze und wurden die größten Nutznießer des unterirdischen Reichtums im Thüringer Wald, im Harz und anderen Gebirgen. Wenn der erste Schnee fiel, kehrten sie mit prall gefüllten Säcken zurück in ihre Heimatstadt, wo sie bei ihrem Lehrmeister, dem Teufel, in die »schwarze Schule« gingen. Inselsberg Vom Venezianerstein führt der Rennsteig steil hinauf Richtung Inselsberg-Gipfel. Gleich oberhalb des Venezianersteins laden am Wegrand Sitzbänke mit guter Südwestaussicht (Rhön) zur Rast, dann taucht der Rennsteig in die Buchenwälder des Inselsbergs. Sie sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen und waldökologisches Forschungsgebiet: Die Buche hat hier wie auch in den meisten anderen Gebieten des Thüringer Waldes ihren natürlichen Standort. Am Ende des Buchenwalds ist der Gipfelbereich mit seinen Türmen, Gasthöfen und Aussichtsstellen erreicht. Wegen seiner isolierten Hochlage galt der Inselsberg jahrhundertelang als höchster Gipfel Thüringens. Herzog Ernst der Fromme von Sachsen-Gotha und Altenburg ließ 1649 – ein Jahr nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs – das erste Haus auf dem Gipfel errichten, das achteckige Jagdhaus »Octogon«. Goethe übernachtete im Juli 1784 im »Salon« des herzoglichen Jagdhauses und beobachtete am folgenden Morgen den Kampf der Sonne und der Wolken. Eine alte Wetterregel besagt, auf dem Inselsberg gibt es zehn schöne Abende, aber nur einen schönen Morgen. 1836 wurde das Haus durch ein Unwetter zerstört. Auch die nachmalige englische Queen Victoria, deren Mutter der Dynastie Sachsen-Coburg-Gotha entstammte, erstieg den Inselsberg. Während ihrer Ausbildung zur Monarchin soll die 15-Jährige 1834 beim Blick vom Inselsberg gesagt haben: »Und wäre ich nicht, was ich bin, hier würde mein wirkliches Zuhause sein.« Wie über die Schneekoppe im Riesengebirge verlief auch über den Inselsberg eine Staatsgrenze, und wie auf der Schneekoppe hatte jeder Staat sein eigenes Gasthaus: Auf hessischer Seite eröffnete 1810 die »Hessische Herberge«, die nach der Annexion des Gebiets durch Preußen (1866) in »Preußischer Hof« umbenannt wurde; auf sachsen-gothaischer Seite wurde 1851 das Gasthaus »Stadt Gotha« eröffnet. 1911 wurde als dritter gastronomischer Betrieb das in Einzelteile zerlegte Wartburg-Gasthaus auf dem Inselsberg aufgebaut. Reitsteine und Schenkenwiese Von der Aussichtsplattform vor dem Gaststättenbereich führt der Rennsteig Richtung »Grenzwiese« über Stufen hinab zum Busparkplatz und biegt am unteren Ende rechts zu den aussichtsreichen Reitsteinen ab. Auf einem steilen, teilweise sehr aussichtsreichen Fels- und Wurzelpfad geht es abwärts im Reitsteinemassiv mit Blicken auf die Grenzwiese, auf Brotterode in der Quellmulde der Truse und auf den südöstlichen Thüringer Wald – ein sehr schöner Weg, der schließlich auf einen Asphaltweg mündet. Auf ihm geht es kurz abwärts, bis links ein mit der Richtungsangabe »Umgehung Reitsteine« ausgeschilderter schmaler Weg abzweigt. Der gelegentlich mit einem gelben Quadrat markierte Weg führt im Wald aufwärts, trifft auf die Gaststättenzufahrt und hält neben dieser weiter aufwärts, bis vor der Straßenserpentine Stufen zur Straße hinabführen; wir queren die Straße und folgen einem Waldpfad in Serpentinen abwärts. Wenn der Pfad auf die Landstraße trifft, geht es links zum Parkplatz Schenkenwiese und dort links in den Wald hinauf. Die Schenkenwiese ist das alpine Abfahrtsgebiet des Inselsbergs. In sachtem Anstieg führt der Hangweg durch Fichtenbuchenwald, passiert die Schleppliftschneise und dann mit weiter Aussicht den Skipistenkahlschlag und erreicht gleich darauf eine Wegekreuzung, an der wir auf dem Hangweg bleiben (rechts hinab geht es zum Steinernen Amt, einem der für den Inselsberg charakteristischen Porphyrfelsen; er bietet eine hervorragende Aussicht auf den nordwestlichen Thüringer Wald, auf die Wartberge und das Vorland). An der Stelle, wo der rot markierte Schlotweg von Winterstein heraufkommt, steht eine Sitzbank. Im Nordwesthang fällt der Blick hinab in das Inselsberger Loch, das flankiert wird vom Kleinen Inselsberg (rechts) und vom Scharfenberg. Wenn der Hangweg, der Grauer Weg genannt wird, schließlich bei der Bergwachthütte auf den Rennsteig trifft, gehen wir rechts hinab zum bekannten Venezianerstein und folgen dem Rennsteig zurück zum Ausgangspunkt.

Wanderwege Thüringer Wald

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied250 m
Dauer3.30 h
Schwierigkeit
StartortDer Wintersportort Brotterode liegt im Thüringer Wald am Südfuß des Großen Inselsbergs.
AusgangspunktDreiherrenstein (740m) am Großen Weißenberg nordwestlich von Brotterode.
TourencharakterDer Inselsberg (917m) am Rennsteig ist das Wahrzeichen des Thüringer Walds und eines der attraktivsten Wanderziele in Thüringen. Inselartig abgesetzt, überragt der »thüringische Rigi« fast 100 Höhenmeter den Kamm des Gebirges. Berühmt sind die spätherbstlichen Inversionslagen, wenn sich der Vulkangesteinsgipfel wie eine Sonneninsel aus den Nebelniederungen erhebt und der Blick fast endlos über das Wolkenmeer schweift, aus dem im Nordwesten die Wartburg, im Norden Hörselberge, Kyffhäuser und Brocken, im Osten die Drei Gleichen, im Süden und Südosten Schneeberg, Beerberg, Kickelhahn und Adlersberg sowie im Südwesten die Kuppen der Rhön tauchen. Obwohl während der Sintflut auch die Arche Noahs auf dem Inselsberg geankert haben soll, verdankt dieser Quarzporphyr-Härtling seinen Namen nicht der markanten Insellage - Namensgeberin war die Emse, die in seiner Nordwestflanke entspringt.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte 1 - 50 000 Rennsteig (Thüringer Landesvermessungsamt).
VerkehrsanbindungA 4 Weimar – Eisenach, Ausfahrt Waltershausen, dann über Waltershausen und Tabarz nach Brotterode.
GastronomieWaldschänke, Inselsberg.
Tourismusbüro
Tourismus Inselberg Brotterode, Haus des Gastes, Bad Vilbeler Platz 4, 98599 Brotterode, www.brotterode.com

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Bernhard Pollmann, Matthias Wibber u.a.

Deutschlands Wanderparadiese

Deutschlands Wanderparadiese stellt 200 Touren für jeden Geschmack in Deutschlands schönsten Wanderregionen vor.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema