Im Karwendel hoch über dem Ahornboden

Zur Plumsjochhütte Technisch einfache, aber doch längere Bergtour im hochalpinen Bereich. Den Anstieg teilt man sich rücksichtsvoll mit vielen Mountainbikern, der Abstieg führt einsam über kleine Bergpfade und Wiesen. (Autor: Lisa Bahnmüller)
13 km
650 m
4.00 h
Das Karwendel wird manchmal großspurig als die bayerischen Dolomiten bezeichnet. Das stimmt nicht ganz, denn der Großteil des Karwendelgebirges liegt auf österreichischem Hoheitsgebiet. Das Rißbachtal oder, wie viele auch sagen, die Eng, ist nur aus dem bayerischen Isarwinkel zu erreichen und somit wird das ganze Gebiet von den meisten Einheimischen mehr oder weniger annektiert. Was sicherlich nicht weiter schlimm ist, haben doch die Tiroler und Bayern vieles gemein und das nicht erst seit der europäischen Vereinigung. Dem optischen Vergleich mit den Südtiroler Dolomiten halten die Felsmassive der Karwendelberge aber locker stand und darauf sind alle – Tiroler wie Bayern – gemeinsam stolz. Südlich von München gibt es weit und breit keine anderen Berggipfel, die bereits vom Tal aus so sehr das Gefühl einer mächtigen Bergwelt vermitteln. Genau aus diesem Grund kann von Einsamkeit an einem sonnigen Herbsttag leider keine Rede sein. Zu Tausenden ziehen Autos, Bergsteiger und Ausflügler zu den Engalmen am Talende. Das soll uns aber nicht abschrecken, denn nur wenige wollen zur Plumsjochhütte, zu der überdies der einfachere Weg von Pertisau am Achensee hinaufführt. Alle, die von der Hütte aus weiter den Kompar oder die Mondscheinspitze besteigen wollen, sind wahrscheinlich schon früher aufgestanden als wir. Wegverlauf - Vom Hagelhüttenparkplatz geht es zunächst an den Hütten vorbei durch ein Gatter über die Brücke des Rißbachtales. Auf einer Forststraße wandern wir ein Stück aufwärts und biegen dann in einer starken Linkskurve rechts auf einen schmalen Pfad ab, der uns über einen Steg auf die andere Seite des Plumsbaches bringt. Im Zickzack geht es aufwärts zu einer breiten ungeteerten Almstraße. Hier folgen wir links dem Schild »Plumsjoch«. Zunächst ist die Straße fast eben und schattenlos, dann steigt sie an. Dabei werden wir oft von schnellen Mountainbikern überholt. Mit ein bisschen Rücksicht und Nachsicht ist aber für alle genug Platz. Die Aussicht auf die umliegenden Berge verändert sich nun mit jedem gewonnenen Höhenmeter. Wir überqueren in einer Kurve noch einmal das Bachbett und bald danach zweigt links von der großen Forststraße ein kleiner Pfad ab, der nur für Wanderer bestimmt ist. Der Weg wird schmäler, wir wandern bereits an den ersten Latschen vorbei – den einzigen Baumsträuchern, die sich noch in dieser Höhe halten können. Vor uns sehen wir die freistehende Plumsjochhütte, die wir nach insgesamt zwei Stunden über einen kleinen Sattel erreichen. Bei frischem Schweinebraten, verschiedenen Brotzeiten, aber auch sehr leckerem Kaffee und Mohnkuchen hat man Zeit, die Aussicht zu bewundern. Die massiven Felswände scheinen zum Greifen nahe. Fragen Sie den freundlichen Hüttenwirt, vielleicht hat er Zeit, Ihnen die Berggipfel zu nennen. Um den Rundweg zu vollenden, wandern wir an der Hütte vorbei und biegen dann gleich scharf links ab (Schild »Kompar«). In der Ferne an der Bergflanke kann man die Hasentalalm bereits sehen, an der wir später vorbei kommen werden. Der Weg steigt leicht an und verschwindet dann fast zwischen den niedrigen Latschen. Diese sind jedoch vorbildlich zurückgeschnitten und wir flanieren förmlich mit herrlicher Aussicht über die Südflanke des Satteljochs. Nur die Sonne und das ständige – wenn auch leichte – Bergauf-bergab strengen ein wenig an. Bald blicken wir auf den tief unter uns liegenden Ahornboden, dessen einzeln stehende Bäume nun wie Spielzeuge aussehen. Jetzt wird der Weg freier. Wir passieren in sicherer Entfernung einen Hangabrutsch, sind aber immer noch nahe dran, um in den Schwindel erregenden Abgrund zu schauen. Vor uns liegt der nächste Gipfel, der Kompar. Genau in der Mitte des Sattels biegen wir am Übergang links in einen abwärts führenden Bergpfad ab. Wir passieren nacheinander in großen Abständen den Hochleger, dann den Mittelleger (Materialseilbahn) und anschließend den Niederleger der Hasentalalmen. An der letzten wird der Weg wieder zu einer Forststraße. Auf dem Weg ins Tal kommen wir noch an einem schönen Wasserfall vorbei. Kurz danach stehen wir wieder an der Brücke über den Rißbach, die wir schon vom Aufstieg kennen. Wissenswertes: Der Naturpark Karwendel ist mit seinen 730 km2 das größte zusammenhängende Schutzgebiet der Alpen. Das gesamte Gebiet ist eine einzige Offenbarung. Zumindest für das Auge stimmt hier einfach alles. Die Flora und Fauna, das Freizeitangebot und die einzigartige Landschaft harmonieren perfekt miteinander. Aber es gibt auch Probleme. Die Blechlawinen der Ausflügler an sonnigen Wochenenden ufern derart aus, dass man bereits Pläne zur Verkehrsbeschränkung ausgearbeitet hat. Der Bergsteigerbus ab Lenggries ist z.B. ein Versuch. Die Verhaltensregeln im Naturschutzgebiet sollten deshalb beachtet werden: Wir bleiben auf dem Weg und nehmen keine Abkürzungen, Pflanzen pflücken wir lieber in unserem Garten, Hunde müssen an die Leine, offenes Feuer ist verboten. Autos gehören auf die ausgewiesenen Parkplätze, das Betreten des Rißbaches ist zwischen Hagel- und Neunerhütten von April bis August zum Schutz der Vogelbrutstätten untersagt. Lärm erschreckt die Tiere und den Abfall nehmen wir wieder mit nach Hause. So haben wir alle hoffentlich noch sehr lange Freude an diesem Fleckchen Erde.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied650 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktAn der Materialseilbahn des Parkplatzes Hagelhütten im Engtal.
EndpunktWie Ausgangspunkt
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Nr. 26, Karwendelgebirge 1 - 50000
VerkehrsanbindungAuto Über Bad Tölz, Lenggries und Sylvenstein nach Vorderriß, dann links nach Hinterriß abbiegen. Ab der Mautstelle ca. 6,8 km, an der Materialseilbahn bei den Hagelhütten parken. Bahn/Bus Umweltverträglicher und ohne Parkplatzsuche geht es mit dem Bergsteigerbus ab Bahnhof Lenggries.
GastronomieDie Plumsjochhütte ist von Mai bis Oktober bewirtschaftet, keine Ruhetage. Auf dem urigen Berggasthof kann man auch übernachten.
Tipps
Viele interessante Informationen rund um den Naturpark Karwendel findet man im Internet auf der Seite www.karwendel.org. Die Länge der Tour darf man bei der Rast an der Plumsjochhütte nicht unterschät- zen. Trotz des Aufstiegs hat man hier erst die Hälfte der Strecke und Zeit hinter sich. Bei aufziehendem Gewitter ist der Höhenweg zur Hasentalalm gefährlich, es ist besser, am Aufstiegsweg zurückzugehen.
Tourismusbüro
Infozentrum Karwendel in Hinterriß, A-6215 Hinterriß Nr. 14, Tel. +43/(0)5245/250

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