Hirschsprung und Judenkirche

Meist breite Wald- und Wiesenwege, mit steilem Anstieg zur Judenkirche. (Autor: Gerald Schwabe)
7 km
220 m
2.00 h
Start am Hirschsprung Wir beginnen unseren Weg am Hirschsprung, einem schmalen Felsdurchbruch an der Straße von Obermaiselstein nach Tiefenbach. Zwischen den hohen Felswänden ist gerade genug Platz für die Straße und den Fußweg. Vor uns liegt ein etwa 500 Meter langer, enger Talabschnitt, der mit seinen freundlichen Buchenwäldern und den hohen Felswänden aus hellem Kalkstein fast an die Felsschluchten von Altmühl oder Donau erinnert. Seltsamerweise fehlt der Fluss, der diesen Einschnitt und den Felsdurchbruch am Hirschsprung erschaffen hat. Des Rätsels Lösung: Vor der letzten Eiszeit floss die Breitach – vom Kleinwalsertal kommend – durch dieses Tal, ehe sie sich in mühevoller Arbeit einen neuen Weg in Form der Breitachklamm grub. Das vor uns liegende Flusstal fiel daraufhin trocken und zeugt nur noch von der fräsenden Kraft, die die alte Breitach damals an den Tag gelegt haben muss. Wir durchschreiten den engen Talabschnitt auf einem Fußweg neben der ruhigen Straße, bis sich das Tal weitet. Dann überqueren wir die Straße und folgen einem Weg am Waldrand. Bald erreichen wir offene Wiesen mit Blick auf Fellhorn und Trettachspitze und biegen an der nächsten Abzweigung nach links ab. 100 Meter nun bergauf, bevor wir uns nach rechts wenden und ohne nennenswerte Steigungen am Waldsaum entlang in Richtung Tiefenbach wandern. Zur Judenkirche Hinter dem kleinen Friedhof der fotogenen Dorfkirche St. Barbara schlängelt sich der Pfad den Hang durch den herrlichen Buchenwald hinauf. Wir passieren eine lange, hohe Felswand aus glattem Schrattenkalk, die bei Kletterern sehr beliebt ist – was man an dem »gepiercten« Äußeren deutlich erkennen kann. Am Kapf, einer kleinen Wiese mit schönem Ausblick auf den Oberstdorfer Talkessel, biegen wir nach links ab und erreichen auf einem steilen Weg den höchsten Punkt der Wanderung, die sogenannte Judenkirche: ein mächtiger, natürlicher Felsbogen aus hellem Kalk, dahinter eine steinbruchartige Höhlung. Eine jüdische Kirche hat sich hier nie befunden, vielmehr scheint der ursprünglich mittelalterliche Begriff eher auf einen nicht-christlichen, also heidnischen und irgendwie unheimlichen Ort hinzuweisen. Unheimlich ist dieser Ort nicht, aber eine Faszination und gewisse Magie kann man ihm nicht absprechen. Zurück zum Hirschsprung Von der Judenkirche folgen wir einem steilen Waldweg bergab, der uns nach wenigen Minuten auf einen Wirtschaftsweg bringt. Wir passieren einige Almhütten, und gehen durch Almwiesen, gespickt mit Obstbäumen, hinab zum Gasthaus Jägersberg, von wo sich uns ein prächtiger Blick auf Oberstdorf, Rubihorn und Co. bietet. Links am Gasthaus vorbei steigen wir leicht durch blühende Wiesen bergan und folgen ab jetzt den Wegweisern zum Hirschsprung. An einer Weggabelung nehmen wir den rechten Weg, der uns allmählich bergab führt. Nach 15 Minuten zweigt links ein schmaler Waldweg ab. Wir passieren einen kleinen Wasserfall und folgen diesem wunderschönen Pfad bis zum Waldrand. Vor uns breiten sich die sonnendurchfluteten Wiesen von Oberdorf und Obermaiselstein aus, im Hintergrund erheben sich Weiherkopf und Wannenkopf. Über diese Wiesen laufen wir ohne größere Steigungen in 20 Minuten zurück zu unserem Ausgangspunkt am Hirschsprung. Variante Wer sich die Kalkfelsen auch noch von innen ansehen möchte, dem sei ein Besuch der Sturmannshöhle empfohlen. Diese ist in 30 Minuten zu Fuß vom Parkplatz Hirschsprung zu erreichen. Auf bequem zu begehenden Stufen (festes Schuhwerk vorausgesetzt) geht es 300 Meter tief in eine manchmal etwas enge Spalthöhle hinunter zu einem gurgelnden Höhlenbach; nichts für Klaustrophobiker! Und auch nichts für Frostbeulen angesichts einer konstanten Höhlentemperatur von vier Grad.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour7 km
Höhenunterschied220 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
StartortTiefenberg
AusgangspunktHirschsprung (Parkplatz an Straße zwischen Tiefenberg und Obermaiselstein), 860m
TourencharakterBizarre Felsformationen mit seltsamen Namen, ein beeindruckendes Tal und ein wunderschöner Weg durch stille Laubwälder und blühende Wiesen erwarten uns bei dieser beschaulichen Umrundung des Ochsenberges, eines mächtigen Schrattenkalkklotzes bei Tiefenbach.
Beste Jahreszeit
KartentippUK L 8 Allgäuer Alpen 1:50 000, Bayerisches Landesvermessungsamt; Zumstein Wanderkarte Nr. 4 Oberstdorf
VerkehrsanbindungMit Pkw oder Bus (Haltestelle direkt am Parkplatz; Bus ab Oberstdorf und Fischen)
GastronomieGasthof Jägersberg 900 m
Höchster Punkt
Judenkirche, 1080m

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Gerald Schwabe

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