Herzogstandhäuser

Die Berghütte des Märchenkönigs (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
12 km
700 m
3.00 h
Wechselnde Eigentümer.
Nach dem Tod Ludwigs II. ging das Haus in den Besitz des Freistaats Bayern über. Dieser verpachtete es an den Deutschen Alpenverein, der seinerseits ein Übernachtungshaus anbaute. 1958 erwarb dann die Familie Hartl aus Benediktbeuern die Herzogstandhäuser. Als Willi Hartl 1978 auf dem Güterweg tödlich verunglückte, übernahm die Familie Zauner aus Kochel den Besitz und bewirtschaftet ihn nun in der zweiten Generation. In ihre Zeit fiel auch das verheerende Feuer, dem der Gebäudekomplex vollständig zum Opfer fiel.
Der Großbrand am 19. November 1990.
Aus dem Bericht der Feuerwehr Kochel erfahren wir Einzelheiten über die Ereignisse in jener Nacht, in der die Herzogstandhäuser bis auf die Grundmauern niederbrannten. Um 23.23 Uhr ging der Alarm ein, dass in der Küche des Herzogstandhauses ein Feuer ausgebrochen sei. Als kurz darauf die beiden Löschfahrzeuge an der Talstation der Herzogstandbahn eintrafen, mussten die Feuerwehrleute entsetzt feststellen, dass alle Sessel der Bahn ausgebaut waren, da diese gerade technisch überholt wurde. Als einziger Ausweg blieb die Materialseilbahn, mit der allerdings innerhalb von 20 Minuten nur drei Mann ohne schweres Gerät hinaufgebracht werden konnten. Nach einer Stunde waren so gerade mal neun Feuerwehrleute auf dem Berg, die von der Seilbahn aus ihre Löschgeräte durch den Schnee zum Einsatzort tragen mussten. Die Löschversuche der Männer waren vergebens, zumal kaum Wasser zur Verfügung stand. Da die Fahrzeuge auch über den Güterweg wegen der hohen Schneedecke nicht hinaufkamen und wegen der Dunkelheit keine Hubschrauber eingesetzt werden konnten, mussten die meisten Feuerwehrleute von unten hilflos zusehen, wie die Herzogstandhäuser vollständig niederbrannten. Der Feuerschein war weithin im Oberland zu sehen.
Die neuen Herzogstandhäuser.
Schon im darauffolgenden Frühjahr machte man sich daran, die Häuser wieder aufzubauen. Heute findet man geschmackvoll eingerichtete moderne Räume vor, an den Wänden erinnern zahlreiche verblichene Bilder und Gemälde an die alte Zeit. Fotos aus jüngster Zeit zeigen, dass auch etliche Prominente die Herzogstandhäuser besuchen, allen voran der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, in dessen Wahlkreis der Herzogstand liegt.
Zwei verschiedene Wege vom Walchensee.
Oberhalb von Urfeld beginnt ein bequem zu gehender Güterweg (Nr. 441) hinauf zum Herzogstand, der ebenso von Mountainbikern bzw. mit dem Kinderwagen benutzt werden kann. Zunächst mit Blick auf den Walchensee, später auch auf das Oberland wandert man gemütlich nach oben. Etwa nach zwei Drittel des Wegs wird ein Bergrücken überschritten, anschließend sieht man den Gipfel samt Herzogstandhäusern vor sich. Alternativ bietet sich die Route über einen schmalen Steig an, der direkt an der Talstation der Herzogstandbahn beginnt und zunächst in engen Serpentinen steil durch den Wald hinaufführt. Nach Überquerung des Wassergrabens geht es dann in einer weiten Schleife zu den Herzogstandhäusern.
Der Weg auf den Gipfel.
Schon von den Herzogstandhäusern ist der Steig zum Gipfel des Herzogstands gut zu erkennen. Zunächst quert man fast eben die Ostseite des Martinkopfs, anschließend geht es in weiten Serpentinen durch den Latschenwald hinauf.
Herrliche Aussicht.
Der Blick vom Gipfel ist überwältigend, direkt unter uns liegt der Walchensee mit seiner tiefblauen Wasseroberfläche, dahinter baut sich das Karwendelgebirge auf und weiter Richtung Süden sieht man bei guter Fernsicht die Tauern mit Großglockner und Venediger. Südwestlich kann man das Wettersteingebirge mit der Zugspitze erkennen sowie etwas versetzt die Stubaier Gletscher. Richtung Westen sieht man den Heimgarten und im Hintergrund die Ammergauer und Allgäuer Berge. Im Osten steht der Jochberg in nächster Nähe, dahinter kommt die Benediktenwand, dann die Tegernseer Berge und in der Ferne die Rofanspitze und der Wilde Kaiser. Im Alpenvorland schließlich die oberbayerische Seenplatte mit Kochel- und Staffelsee, im Norden Starnberger See und Ammersee und am Horizont die Großstadt München.
Vom Herzogstand zum Heimgarten.
Wer genügend Zeit hat und über Trittsicherheit und Schwindelfreiheit verfügt, kann direkt vom Gipfel auf einem der schönsten Gratwege in den Voralpen hinüber zum Heimgarten wandern. Der Steig ist durch Drahtseile gesichert, die Etappe dauert etwa eineinhalb Stunden. Vom Heimgarten kommt man in zweieinhalb Stunden über die Ohlstädter Alm zum Grünen Sattel und über einen erneuten leichten Anstieg zurück zur Talstation der Herzogstandbahn.

Länge.
Mit Kinderwagen oder Mountainbike über den Güterweg von der Kesselberghöhe (Weg Nr. 441, 2 Std.); von der Talstation der Herzogstandbahn über einen stellenweise steilen Steig (2 1/2 Std.)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied700 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz hinter der Kesselberghöhe oder Talstation der Herzogstandbahn
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterSchon König Ludwig II. wusste um die Vorteile des Herzogstands: Er ist gut zu erreichen und bietet vom Gipfel einen fantastischen Rundblick. Kein Wunder, dass er dort seine Jagdhütte bauen ließ. Auch heute noch zählen die Herzogstandhäuser zu den beliebtesten Bergzielen des bayerischen Alpenvorlands.
Ursprünglich hieß der Berg am Walchensee Farchenberg. Der Name »Herzogstand« geht auf Herzog Wilhelm von Bayern und seinen Bruder Herzog Ludwig zurück, die im 16. Jahrhundert hier häufig zum Jagen hergekommen sind. Berühmtheit hat der Herzogstand schließlich durch König Ludwig II. erlangt. Der Märchenkönig wählte ihn zu seinem Lieblingsberg und wollte anfangs direkt auf dem Gipfel eine Hütte errichten lassen. Erst durch langes Zureden der bergerfahrenen Einheimischen ließ er sich davon überzeugen, dass die ungeschützte Gipfellage für ein Domizil ungeeignet sei. So entstand 1865 etwas darunter das so genannte Königshaus, in dem der König mindestens 22-mal gewesen sein soll.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 7, Murnau – Kochel – Staffelsee, 1:50.000
VerkehrsanbindungStündliche Verbindung mit der Bahn von München nach Kochel. Von dort fährt alle zwei Stunden der RVO-Bus Nr. 9610 Richtung Garmisch-Partenkirchen, Ausstieg ist »Kesselberg-Passhöhe«. Mit dem Auto nimmt man die Autobahn A 95 München–Garmisch-Partenkirchen, Ausfahrt Murnau/Kochel. Von dort sind es 9 km nach Kochel am See und weitere 5 km auf der B 11 bis zur Passhöhe am Kesselberg. Der Parkplatz ist gleich rechts nach der ersten abwärts führenden Kehre. Alternativ kann man auch an der Talstation der Herzogstandbahn parken.
Tipps
Fahrt mit der Herzogstandbahn. Die Sesselbahn überbrückt täglich von 9 bis 16.15 Uhr die 800 Höhenmeter auf den Fahrenbergkopf (1600 m); die Bergstation befindet sich ganz in der Nähe des Herzogstandhauses. Weitere Informationen unter Tel.: 08858/236 oder unter www.herzogstandbahn.de im Internet. erfrischendes bad im walchensee In Urfeld beginnt beim Hotel Post ein schöner Wanderweg am Nordostufer des Walchensees entlang. An diesem Weg locken auch einige schöne Badestellen. Doch Vorsicht, das Wasser des Walchensees ist – wie es sich für einen Gebirgssee gehört – ordentlich kühl.
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1573 m. Erbaut: 1992 nach Brand neu errichtet (privat). Bewirtschaftet: Täglich ganzjährig außer vom 10. November bis 20. Dezember. Kulinarischer Tipp: Schweinsbraten, Kaiserschmarrn. Hüttenwirt: Siegfried Zauner. Telefon: 08851/234. Betten: 34. Lager: 50. Materialbeschaffung: Mit der Herzogstandbahn und über Güterweg von der Kesselberghöhe.
Tourismusbüro
Tourist-Information, Ringstraße 1, 82432 Walchensee, Tel.: 08858/4 11, Fax: 08858/275, E-Mail: touristinfo@walchensee.net, Internet: www.walchensee.de

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