Herthasee und Königsstuhl

Zu den Kreideklippen im Nationalpark Jasmund Wald- und Hochuferwanderung auf wurzeligen Pfaden mit einigen Auf- und Abstiegen und fantastischen Ausblicken. Wer abkürzen will, gelangt vom Herthasee auf ausgeschilderten Wanderwegen zurück nach Lohme. (Autor: Bernhard Pollmann)
15 km
200 m
4.00 h
Schwanenstein Im Seebad Lohme auf dem bis zu 70m hohen Steilufer an der Nordküste der Halbinsel Jasmund beginnt der mit dem Zeichen Blaustrich markierte »Hochuferweg« Richtung Königsstuhl (4km). Von der Abbruchkante der Steilküste bietet sich ein faszinierender Blick über den Norden der Insel bis zum Kap Arkona. Eine Treppe mit 213 Stufen und steile Serpentinenwege führen vom Ort hinunter zum steinigen Strand und zum Yachthafen. Unten liegt einer der größten Findlinge Rügens, der »Schwanenstein« - Der 162 t schwere Block aus rötlichem Granit lagert im flachen Wasser der Ostsee vor der Steilküste des Seebads Lohme in der Nähe des Yachthafens. Seinen Namen trägt er nach den Schwänen, die früher im Winterhalbjahr die Kindlein brachten. Während im Sommer die Störche für den Nachwuchs sorgten, übernahmen diese Aufgabe im Winter, wenn die Störche im Süden weilen, die Schwäne: Sie fischten die Kinder aus dem Meer und legten sie zum Trocknen auf den Schwanenstein, wo sie von den glücklichen Eltern gefunden wurden. Ohne diesen steilen Abstecher hinab zum Schwanenstein folgt der Hochuferweg aussichtsreich der Steilküste, taucht oberhalb des Hankenufers in die Buchenwälder des Nationalparks Jasmund ein und führt durch die Wälder zum Königsstuhl. Königsstuhl Die bis zu über 100 m aufragenden Kreideklippen der Stubbenkammer mit dem Königsstuhl sind das Wahrzeichen Rügens. Am Königsstuhl befindet sich das Nationalpark-Zentrum als Informationsbasis für die Besucher des Nationalparks. 118m entragt der Königsstuhl fast senkrecht der See und gewährt eine überragende Aussicht auf die Steilküste mit den Felsen der Kleinen und der Großen Stubbenkammer sowie hinaus aufs Meer. Der Eintritt auf das kleine, geländergesicherte Felsplateau lohnt sich trotz Gedränge. Rechts (südlich) fällt der Blick über einen schluchtartigen Einschnitt hinweg auf die Felsen der Kleinen Stubbenkammer, jenseits des Einschnitts links – hier soll sich Claas Störtebeker versteckt haben – zeigen sich die Felswände der Großen Stubbenkammer. Von der Hangkante oberhalb beider Einschnitte bieten sich hervorragende Profilansichten des Königsstuhls, die auch auf zahlreichen Aquarellen, Sepien und Ölgemälden seit der Zeit der Romantik dargestellt sind. Der heute »klassische« Profilblick bietet sich an der Viktoriasicht auf dem Hochuferweg in Richtung der Kleinen Stubbenkammer. Seinen Namen trägt der Königsstuhl der Sage zufolge nach einem Wettstreit: Diejenigen, die in alter Zeit die Königskrone erringen wollten, mussten den Felsen besteigen. Wer als Erster den Gipfel erreichte und auf einem dort bereitgestellten Stuhl Platz nahm, erhielt die Krone. Einer anderen Version zufolge trägt der Felsen seinen Namen, weil König Carl XII. von Schweden hier während des Nordischen Kriegs einen Sessel habe aufstellen lassen, von dem aus er ein Gefecht seiner Flotte gegen die Dänen beobachtete. Herthasee Vom Königsstuhl lohnt der kurze Abstecher zum sagenumwobenen Herthasee: Hinter dem Pendelbuswendeplatz taucht der Weg in den Wald ein und führt an den Resten der Herthabuche und an zwei so genannten Opfersteinen vorbei zum Herthasee, dem tiefsten See Rügens (11m). Seit den Forschungen des Danziger Historikers und Geografen Philipp Clüver (1616) wird der von alten Buchen umgebene See mit dem Kult in Verbindung gebracht, den der römische Geschichtsschreiber Publius Cornelius Tacitus im Zusammenhang mit der nordischen Erdgöttin Nerthus beschreibt. Auch der Name »Herthaburg« für die Ringwallanlage an diesem eiszeitlichen Schmelzwassersee geht auf Clüvers Gleichsetzung Nerthus = Hertha zurück. Da nur »Todgeweihte« an diesen Ritualen teilnahmen, kannte Tacitus die Vorgänge nur vom Hörensagen – seither blüht die Fantasie. Der Ufereinschnitt am Bohlensteg im Osten des Sees soll die Stelle sein, an der der Wagen der Göttin in den See gefahren und die Göttin dann von den Todgeweihten gewaschen wurde. Die ringumwallte Herthaburg am Steilufer nördlich des Sees soll die Kulisse für Fruchtbarkeitskulte gebildet haben, und wenn ein Wanderer in Vollmondnächten an den See gelangt und sieht, wie »die weiße Frau« zwischen Seerosen badet, hat sein letztes Stündlein geschlagen: Mit Gewalt zieht es den Bebenden zum See, und sobald er das Wasser berührt, verschlingen ihn die Fluten. Weitere Objekte, um die sich nebelige Sagen ranken, sind die Herthabuche am Weg zum Königsstuhl, der unmittelbar benachbarte »Opferstein« und der »Füßchenstein«. Viktoriasicht und Wissower Klinken Vom Königsstuhl führt die Blaustrich-Markierung an einem Garten-Restaurant vorbei in den Wald und auf dem Hochuferweg zur Viktoriasicht: Hier bietet sich eine exzellente Profilansicht des Königsstuhls. Durch prachtvolle Buchenwälder führt der Hochuferweg weiter zum Kollicker Ort, hinter dem ein weiterer Höhepunkt wartet: Auf diesem 2km langen Abschnitt zwischen Kollicker Ort und Tipper Ort sind die Ufer im Durchschnitt 60m hoch. Nach Passieren einer Sitzbank mit wundervollem Blick auf die Steilküste und den Kieler Wasserfall senkt sich der Hochuferweg in den V-förmigen Einschnitt, durch den sich der Kieler Bach – kurz nach der Einmündung des Brisnitzer Bachs – in einem Wasserfall in die Ostsee ergießt. Eine Leiteranlage führt durch die Felswände hinab zum Kieler Ufer, von dem aus der Kieler Wasserfall nach starken Regenfällen am besten zu sehen ist. Vom Tal des Kieler Bachs führt der Hochuferweg weiter südwärts, anfangs auf Stufenanlagen, dann ist die Ernst-Moritz-Arndt-Sicht erreicht. Auf diesem Felsvorsprung öffnet sich der Blick auf die kilometerlange Kreideküste, auch die Wissower Klinken sind in Sicht. Wenig später erwartet ein weiterer Höhepunkt: die Wissower Klinken. Die beiden sanft geschwungenen Kreidewände waren ursprünglich Teil einer geschlossenen Uferwand, die die Kräfte der Erosion im Lauf der Zeit auseinander brechen ließen. Seit dem letzten kolossalen Felssturz 2005 ist nur noch ein Rest von ihnen erhalten. Die Wissower Klinken werden oft als Vorbild für Caspar David Friedrichs berühmtes Gemälde »Kreidefelsen auf Rügen« (um 1818) bezeichnet. Wer an einer Nationalparkführung teilnimmt, bekommt in der Nähe der Viktoriasicht erzählt, dass sich Friedrich von den Felsen an der Kleinen Stubbenkammer habe inspirieren lassen. Bei den Wissower Klinken lädt das gemütliche Restaurant »Waldhalle« zur Einkehr ein. Sassnitz Von den Wissower Klinken führt der Blaustrich-Wanderweg durchs Tal des Wissower Bachs und hinauf zur Cäciliensicht, quert das Tal des Lenzer Bachs und leitet am Hengst, einer vorgeschichtlichen Ringwallanlage, vorbei zur Piratenschlucht, in der sich Claas Störtebeker und seine Spießgesellen versteckt haben sollen. Hart an der Kante zwischen den überhängenden Ästen der alten Rotbuchen, unter die sich auch Eiben und Eschen mischen, bieten sich immer wieder eindrucksvolle Tiefblicke durch die Felsabstürze und hinaus auf die See. Schließlich senkt sich der Weg hinab zum Buswendeplatz Sassnitz/Wedding. Am reizvollsten ist es, hier ans Wasser zu wechseln und am Findling »Klein Helgoland« vorbei stadteinwärts zur Seebrücke zu promenieren. Von hier führt die Strandpromenade weiter, bis bergwärts die Hafenstraße ins Zentrum abzweigt, oben gehen wir links (Hauptstraße) und bald rechts zum Bahnhof.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied200 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortDas Seebad Lohme auf Rügen liegt an der Nordküste der Halbinsel Jasmund in unmittelbarer Nachbarschaft des Nationalparks Jasmund.
AusgangspunktBushaltestelle und Parkplatz in Lohme.
TourencharakterDer Hochuferweg zwischen Lohme und Sassnitz längs der Kreideklippenküste des Nationalparks Jasmund auf Rügen zählt zu den naturschönsten Wanderrouten im deutschen Norden und ist ein Teilstück des Europäischen Fernwanderwegs 10. Wegen der prachtvollen Buchenwälder mit zum Teil jahrhundertealten Bäumen und seiner Artenvielfalt ist der für Fahrräder gesperrte Weg am reizvollsten im Frühling. Jungsteinzeitliche Megalithen, bronzezeitlich bearbeitete Steine und der »Herthaburg« genannte Burgwall beim sagenumwobenen Herthasee zeugen von der jahrtausende alten Anwesenheit von Menschen in diesem Gebiet. Zur Zeit der Romantik entdeckten Maler und Dichter die Kreideklippen, Buchenwälder, Strände, Baumriesen und Hünengräber dieses Gebiets und verewigten sie in Gedichten, Zeichnungen und Gemälden.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte 1 - 50 000, Blatt 1004 Insel Rügen.
VerkehrsanbindungB 96 Stralsund – Bergen – Sassnitz, bei Sagard abzweigen Richtung Glowe, dann Richtung Lohme. Buslinie 408 Sassnitz – Hagen – Lohme – Glowe – Altenkirchen.
GastronomieLohme, Königsstuhl, Waldhalle, Sassnitz.
Tourismusbüro
Tourismusverein Gemeinde Lohme, Dorfstraße 23, 18551 Lohme/Rg., www.lohme.de

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