Gumpenkarspitze und Geiselstein

Die sehr lohnende, außerordentlich abwechslungsreiche Rundtour mit Besteigung zweier markanter Gipfel setzt am Geiselstein etwas Kletterfertigkeit (II), an der Gumpenkarspitze Übung im Grasschrofengelände voraus. Beide Gipfel nicht bei Nässe besteigen! Der Rückweg bietet auf dem Prinzregentensteig eine wildromantische Szenerie von großer landschaftlicher Schönheit. Er verlangt an einigen ausgesetzten Stellen konzentriertes und trittsicheres Gehen. (Autor: Günther Laudahn)
10 km
1520 m
6.00 h
Ausgangsort für die Rundtour ist der große Parkplatz am Hotel Ammerwald an der Straße Linderhof – Reutte. Erstes Ziel ist die Roggentalgabel unterhalb des Westrückens der Hochplatte. Für den Aufstieg dorthin gibt es zwei Möglichkeiten. Am schönsten ist es, vom oberen Ende des Parkplatzes zur nahen Landesgrenze zu gehen und hier auf schattigem Waldweg zum Schützensteigsattel mit der Jägerhütte, dann weiter Richtung Niederstraußbergsattel zum Ochsenängerle aufzusteigen, einem flachen Boden am Rand des Köhlebachtals. Kurz bevor der Weg zum Köhlebach einschwenkt, zweigt rechts der markierte Pfad zur Roggentalgabel ab, der wenig ansteigend über den Wiesenrücken am Rand des Bachtals, am Schluß in Kehren zur Roggentalgabel, dem Sattel zwischen Hochplatte und Hochblasse emporzieht. Nur unwesentlich kürzer, aber steiler und mühsamer ist der Aufstieg hierher durchs Roggental - Vom Parkplatz Ammerwald folgt man 7 Minuten der Straße nach Linderhof, bis links ein breiter Forstweg abzweigt, der zum Eingang des Roggentals führt. Nun geht es auf schmalem Steig, mehrmals den Roggentalbach überquerend, zum Talschluß unter der breiten Südostflanke der Hochplatte und nach links hinauf zur Roggentalgabel. Von der Roggentalgabel gelangen wir auf wenig ansteigendem Hangweg in zehn Minuten zum Fensterl, zwei Löchern im Fels an der Einsenkung zwischen Hochplatte und Krähe. Durch das rechte Loch zwängt sich der Steig auf die Nordwestseite, quert seilgesichert fast horizontal eine Plattenpassage und zieht dann über Schrofen und Geröll in Kehren, im unteren Teil durch grobes Blockwerk, hinunter ins Gumpenkar, wo er bald auf den vom Gabelschrofensattel herabkommenden Steig trifft. Genau an dieser Stelle ist der Einstieg zur Gumpenkarspitze. Über dem hier ansetzenden Grashang erhebt sich eine Felswand, die dem Gipfel der Gumpenkarspitze vorgelagert ist. Noch unterhalb der Wand entragt ein Felsbug dem Grashang. Auf ihn steigen wir auf guten Tritten zu. Am günstigsten ist es, ihn links zu umgehen (die Umgehung rechts ist steiler). Dann streben wir rechts aufwärts einer Graskante zu, die eine mäßig steile grasige Abdachung einleitet. Von hier ab ist die Route durch die Geländestruktur eindeutig vorgegeben und durch Trittspuren erleichtert. Der Gipfelkörper entsendet nach Nordnordost, parallel zum Kamm, mehrere Grasrücken. Den untersten haben wir jetzt gewonnen und steigen auf Trittspuren zur rechten Ecke der Felswand und an ihr vorbei über Grasschrofen, immer gut gestuft, zum obersten querlaufenden Rücken empor. Er geht gipfelseitig in eine Schrofenrippe über, auf der wir in leichter Kletterei rasch einen Absatz erreichen. Hier haben wir den Gipfel dicht vor uns. Eine Rechtskehre noch und über das leichte Schlußgratl, und schon ist es geschafft. Wir stehen am winzigen Stahlrohrkreuz der Gumpenkarspitze, blättern im Gipfelbuch von 1967 und genießen die Stille, den Blick auf den hellen Kalkzahn des Geiselsteins und auf den dunklen schlanken Gabelschrofen auf der anderen Seite. Nach Westen schauen wir auf die Gipfel der Säulinggruppe mit Hohem Straußberg, Säuling und Branderschrofen. Über dem Gumpenkar begrenzt die Hochplatte das Blickfeld. Genau auf der Anstiegsroute, immer auf die vorhandenen Trittspuren achtend, kehren wir zum untersten Grasabsatz zurück. Es ist vorteilhaft, von hier nicht auf der Anstiegsroute am Felsbug vorbei zur Einstiegsstelle abzusteigen, sondern nach links auf einem breiten Grasband zu dem zum Geiselsteinjoch hinüberziehenden Weg, wie dies auf der Karte angedeutet ist. Das Joch ist der Auftakt zu unserem nächsten Ziel, dem Geiselstein. Wenn Sie sich den anfangs erwähnten Anforderungen gewachsen fühlen, gehen Sie's an. Der markierte Steig führt über Schrofen und Geröll unter der Westwand entlang zum Einstieg. Den Markierungen folgend steigt man auf der Rippe inmitten der Rinne steil, aber gut gestuft und griffig empor. Sie bäumt sich auf halber Höhe zu einer mehrere Meter hohen, durch zwei Stahlstifte gesicherten sehr steilen Stufe auf. Ein roter Punkt zeigt die vorgesehene Route an. Es ist die schwierigste Stelle, ein satter IIer. Leichter ist es jedoch, hier der Markierung nicht zu folgen, sondern nach rechts in die enge Steilrinne hineinzuqueren und dort die Stufe zu überwinden. Nach Rückkehr auf die Rippe geht es verhältnismäßig leicht über Schrofen zur Schulter unter dem Gipfelkopf und auf schmaler Steilrampe zum kurzen Schlußgrat und zum Kreuz. Das Gipfelbüchlein zeigt, daß der Geiselstein häufig bestiegen wird. Es ist ja auch eine recht ansprechende Kletterei in der Westrinne. Welche Freuden die anderen Wände bieten, wissen nur die Kletterer. – Auf der Normalroute steigen wir zum Geiselsteinjoch ab. Der Rückweg wartet mit einem alpinen Leckerbissen auf, der diese Tour besonders lohnend macht, auch ohne den Geiselstein. Vom Geiselsteinjoch folgt man dem Weg Richtung Wankerfleck, der in vielen kurzen Kehren am locker bewaldeten Grashang zu einem Querweg hinabzieht. Nach rechts geht es zum Wankerfleck, links beginnt der Prinzregentensteig »nur für Geübte«, der nach dem bayerischen Prinzregenten Luitpold (1821–1912) benannt wurde. Ob der Steig damals schon existierte und der Prinzregent ihn begangen hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls ist seine Begehung ein fürstliches Vergnügen. Der Prinzregentensteig verläuft zunächst mit wenig Auf und Ab im Höhenbereich zwischen 1520 und 1540 Metern, mitunter sehr schmal und ausgesetzt am Steilhang, ständig einen hübschen Blick hinab ins Lobental und auf die Gipfel der Säulinggruppe bietend, quert eine breite felsige Mulde, über der die gezackte Gratverbindung zwischen Gumpenkarspitze und Gabelschrofen aufragt, umgeht in ausholendem Bogen den Nordwestgrat des Gabelschrofens und steigt dann stetig zu dem vom Gabelschrofensattel herabkommenden Weg an. Der Steig ist nicht nur von großer landschaftlicher Schönheit, er verlangt auch einiges an Konzentration und Trittsicherheit, und er erspart zudem durch Umgehung des Gabelschrofensattels mehr als 200 Höhenmeter. Auf guten Wanderwegen über Niederstraußbergsattel und Jägerhütte klingt diese schöne Rundtour aus.

Dauer - ohne Geiselstein: 1290 m, 6,5 bis 7,5 Stunden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied1520 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz beim Hotel Ammerwald an der Straße Linderhof – Reutte, 1080 m.
Beste Jahreszeit
Höchster Punkt
Gumpenkarspitze, 1910 m – Geiselstein, 1884 m.
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