Gruttenhütte

Klettern am Wilden Kaiser (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
5 km
850 m
3.00 h
Wilde Felsen statt bunt blühender Wiesen.
Die Sage führt die Entstehung des Kaisergebirges auf eine Gruppe von Sennern zurück, die auf den fruchtbaren Almen ein üppiges und gottloses Leben geführt haben sollen. Als Strafe dafür habe ein schreckliches Gewitter das Almgebiet samt seinen Sennern hinweggeschwemmt. Anstatt der blühenden Wiesen und Weiden habe man danach nur noch wilde Felsen vorgefunden.
Der Name des Kaisergebirges.
Zwischen Treffauer und Ellmauer Halt steht der »Kaiserkopf«. Auch über das Wahrzeichen des Kaisergebirges gibt es eine Sage, die mit Kaiser Karl dem Großen zu tun hat. Mit etwas Fantasie kann man tatsächlich in der Felsformation ein Haupt erkennen, etwas abgerutscht die Krone in Form der Ellmauer Halt. Weiter erkennt man die auf der Brust gefalteten Hände, und die weißen Schneeflächen stellen den Hermelinmantel dar. Daneben stehen die drei Riesen des Scheffauer und halten Wache.
Von Ellmau zur Gruttenhütte.
Insbesondere die Kletterer möchten natürlich möglichst schnell in den Fels und wählen deshalb den Anstieg von der Wochenbrunner Alm. Man erreicht sie über eine gebührenpflichtige Mautstraße, die von Ellmau direkt auf das Kaisergebirge zuführt. Vom Parkplatz ist man dann in etwa eineinhalb Stunden auf der Hütte. Der Anstieg führt zunächst relativ steil durch den Wald, etwa nach zwei Drittel der Strecke bekommt man zum ersten Mal einen freien Blick auf die höher gelegenen Felswände und die gegenüberliegenden Berge. Der Steig führt nun bis zur Gruttenhütte überwiegend durch felsiges Gelände, stellt aber keine Schwierigkeit für geübte Wanderer dar.
Über die Gaudeamushütte und die Klamml.
Einen Vorgeschmack auf die felsigen Passagen oberhalb der Hütte kann man bei einem kleinen Umweg über die Gaudeamushütte bekommen. Dazu zweigt man bereits kurz hinter dem Parkplatz von der Wochenbrunner Alm rechts ab und wandert über die Almwiesen zur im Sommer bewirtschafteten Gaudeamushütte.
Von dort geht man zunächst in Richtung Ellmauer Tor und nimmt dann nach etwa einer Viertelstunde Gehzeit einen Steig (Weg Nr. 813), der zunächst leicht, später dann immer steiler in einer Rinne hinaufführt. An ihrem Abschluss wartet ein kaminartiger Durchschlupf, die so genannte Klamml. Hier sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Zur Sicherheit sind an dieser Stelle einige Eisenbügel im Fels verankert. Oberhalb der Klamml kommt man dann auf den ursprünglichen Steig von der Wochenbrunner Alm und erreicht etwa 20 Minuten später die schon von weitem sichtbare Gruttenhütte.
Herrlicher Ausblick von der Hütte.
Von der sonnenbeschienenen Terrasse hat man einen sehr schönen Blick hinunter nach Ellmau in das so genannte Söll-Landl. In die andere Richtung blickt man auf die Felsspitzen von Tuxegg und Treffauer. Mit dem Fernglas kann man die eine oder andere Klettergruppe gut erkennen.
Die Vegetation um die Hütte zählt zu den schönsten in der ganzen Alpenregion. Wer die Augen offen hält, findet Enzian, Almrausch, Frauenschuh, Feuerlilie oder Türkenbund. Im Frühjahr kann man die seltene Zwergalpenrose sehen. Sehr stimmungsvoll ist die Sonnwendfeier, wenn die Mitglieder der Bergwacht auf allen umliegenden Gipfeln ein großes Feuer entzünden.
Auf die umliegenden Gipfel.
Die Wahl der Gipfelziele hängt sehr stark vom Können des Einzelnen ab. Die einzige Tour, bei der gute Trittsicherheit ausreicht, ist das Tuxegg, wenn man vom letzten kurzen Stück auf den Gipfel absieht, das nur durch Klettern überwunden werden kann. Im Zweifelsfall gibt einem der Hüttenwirt entsprechenden Rat. Nur mit absoluter Trittsicherheit, alpiner Erfahrung und hundertprozentiger Schwindelfreiheit sind Ellmauer Halt, Hintere Goinger Spitze, Hintere Karlspitze oder Treffauer zu begehen. Die Steige sind zwar meist mit Stahlseilen, Leitern oder Eisenstäben gesichert, dennoch ist der Einsatz von Brust- und Hüftgurt sowie zwei daran geknüpften etwa 1 1/2 Meter langen Seilen empfohlen. Mit den an den beiden Seilenden befestigten Karabinerhaken kann man sich dann am Stahlseil oder der Leitersprosse einhängen. Wer sich nicht ganz sicher fühlt, kann auch eine geführte Tour bei einem Bergführer buchen. Ziele wie Kopftörlgrat oder die Vordere Karlspitze hingegen sind nur mit entsprechender Klettererfahrung und Ausrüstung zu erreichen.
Von Hütte zu Hütte unterwegs.
Ausgehend von der Gruttenhütte kann man noch weitere Hütten im Wilden Kaiser erreichen, darunter Stripsenjochhaus (1577 m, 3 1/2 Std.), Anton-Karg-Haus (829 m, 3 1/2 Std.), Babenstuber Hütte (Biwak, 2341 m, 2 1/2 Std.) oder die Kaindlhütte (1318 m, 6 Std.).

Länge.
Von Scheffau über Riedlhütte (3 Std.); von Ellmau über Wochenbrunner Alm (3 Std.); vom Parkplatz Wochenbrunner Alm (direkt 1 1/2 Std., über Gaudeamushütte und Klamml 2 Std.); von Going oder Stanglwirt über Gaudeamushütte und Klamml (3 1/2 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour5 km
Höhenunterschied850 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktScheffau, Ellmau, Going oder Stanglwirt
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDie steil aufragenden Felswände des Wilden Kaisers bilden eine grandiose Gebirgskulisse oberhalb der Gruttenhütte. Während die einen sofort zum Klettern aufbrechen, genießen die anderen den schönen Blick von der sonnenbeschienenen Terrasse hinunter ins Söll-Landl.
Die beiden Gebirgszüge des Kaisergebirges, der Zahme und der Wilde Kaiser, können unterschiedlicher nicht sein. Wie der Name schon vermuten lässt, sind die Berge des Zahmen Kaisers eher flach und rund geformt, was die Wanderer vor keine allzu großen Probleme stellt. Ganz im Gegensatz dazu sind die Gipfel des Wilden Kaisers extrem felsig und damit stellenweise sehr schwer zu bezwingen. Die Ursache dafür liegt in den unterschiedlichen Gesteinsarten der beiden Gebirgszüge. Während das weichere Gestein des Zahmen Kaisers durch die Erosion abgerundet worden ist, konnten Wind und Wetter dem harten Fels des Wilden Kaisers nichts anhaben.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 9, Kaisergebirge, 1:50.000
VerkehrsanbindungMit der Bahn stündlich von München über Rosenheim nach Kufstein, von dort weiter mit dem Bus nach Scheffau, Ellmau oder zum Stanglwirt. Mit dem Auto fährt man auf der A 93 vom Inntal-Dreieck nach Kufstein und weiter auf der B 173 über Söll nach Ellmau. Der kürzeste Anstieg ist vom Parkplatz der Wochenbrunner Alm, der über eine gebührenpflichtige Mautstraße von Ellmau aus zu erreichen ist.
Tipps
Klettern am Wilden Kaiser. Für Anfänger wird bei der Gruttenhütte und am Stripsenjochhaus eine umfassende Ausbildung in Praxis und Theorie vermittelt. Dazu zählen Klettertechniken, Knotenkunde, Anseilarten, Standplatzbereitung, praxisnahe Wetterkunde, Bergrettung, Tourenplanung, Orientierung, Umgang mit Karte und Kletterführer, Erste Hilfe, alpine Gefahren und Ausrüstungskunde. Darüber hinaus werden für Erfahrene schöne Klettertouren durchgeführt. Termine und weitere Informationen bei Alpinschule am Wilden Kaiser, Tel.: 0043/5358/30 62 oder Internet: www.alpinistik.com
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1620 m. Erbaut: 1900, 1961–64 erweitert und renoviert (DAV-Sektion Turner-Alpenkränzchen). Bewirtschaftet: Täglich von Pfingsten bis Mitte Oktober. Kulinarischer Tipp: Schweinsbraten. Hüttenwirt: Ernst Erhart. Telefon: 0043/5358/22 42. Betten: 48. Lager: 105. Materialbeschaffung: Über Güterweg aus Auwald. Besonderheit: Ideales Klettergebiet.
Tourismusbüro
Tourismusverband Kufstein, Unterer Stadtplatz 8, A-6330 Kufstein, Tel: 0043/5372 / 622 07, Fax: 0043/5372 / 6 14 55, E-Mail: kufstein@netway.at, Internet: www.kufstein.at

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