Ein Bergbauernhof wie aus dem Bildebuch

Alpine Steige im Hölltobel, Trittsicherheit ist erforderlich; Schotter- und Teerstraßen (Autor: Martina Gorgas)
11 km
350 m
4.00 h
Wer mit kleineren Kindern unterwegs ist oder nicht so »bergfit« ist, muss auf den Besuch des sehenswerten alten Bergdorfes Gerst ruben nicht verzichten: Man erreicht es auch bequem auf einer breiten Schotterstraße bzw. Teerstraße, die zwar manchmal etwas steil, aber sogar kinderwagentauglich ist. Ein Tipp: Machen Sie diese Tour am Samstag, dann ist das kleine Museum in Gerstruben geöffnet.
Ausgangspunkt dieser Tour ist das Areal der Nebelhornbahn und der Oybelehalle in Oberstdorf. Hier kann man den Wegweiser zu den Wanderwegen nicht verfehlen, dem wir ortsauswärts folgen. Gleich danach taucht links ein erstes Schild auf, das uns den Wanderweg ins Trettachtal weist, jenes breite, offene Tal der reißenden Trettach, das wir im ersten Teil dieser Wanderung kennen lernen. Die Trettach entspringt südlich von Oberstdorf. Von ihrer Quelle nahe der Trettachspitze fließt sie in nördlicher Richtung durch das nach ihr benannte Trettachtal.
Wenig später führt rechts ein mäßig ansteigender Schotterweg nach Gerstruben, dem wir folgen. Der Weg ist gut ausgebaut und in diesem Bereich sogar kinderwagentauglich. Nach etwa 30 Minuten über- queren wir auf einer Brücke die Trettach und halten uns weiter Richtung Gerstruben. Vorbei am Weiler Gruben durchwandern wir eine romantische Ahornallee. Unser Weg verläuft durchweg am Ufer der Trettach entlang, abwechselnd bergauf und bergab, und schon bald tauchen vor uns die ersten Gipfel der Allgäuer Hochalpen auf.
Hölltobel oder Schotterstraße?
Wir befinden uns jetzt am Dietersberg mit seinen naturnahen Mischwäldern entlang der Trettach und des Dietersbachs, die große Bedeutung für die hiesige Artenvielfalt haben. Im Bergwald wachsen vor allem tief wurzelnde Tannen, die dafür sorgen, dass der Wald seine wichtige Schutzfunktion vor Lawinen, Muren und Hochwasser wahrnimmt.
Nach etwa einer Stunde beginnt nun der eigentliche Anstieg nach Gerstruben, der uns durch das Dietersbachtal, ein östliches Nebental des Trettachtales, führt. An der Wegkreuzung müssen wir uns entscheiden, welche Variante wir bevorzugen: den bequemen Aufstieg auf der Schotter- bzw. Fahrstraße oder den anspruchsvolleren Aufstieg für Trittsichere durch den Hölltobel. Was die Wegdauer anbelangt, gibt es kaum einen Unterschied: In einer weiteren Stunde Gehzeit haben wir das malerisch gelegene Gerstruben erreicht.
Abenteuer Hölltobel
Wir haben uns für den reizvollen, abwechslungsreichen, aber durchaus anspruchsvollen Aufstieg durch den Hölltobel entschieden und halten uns daher an der Wegkreuzung rechts. Der gesamte Weg ist sehr gut ausgeschildert, sodass wir unsere Karte getrost im Rucksack stecken lassen können. Vorbei am Berggasthof Riefenkopf mit dem gleichnamigen Berg wandern wir zuerst noch ein Stück auf der Teerstraße, danach auf einem breiten Schotterweg talwärts. Es geht vorbei an Wiesen und Weiden und bereits jetzt tun sich großartige Ausblicke auf die Kette der Allgäuer Hochalpen auf. Wenig später zweigt rechts ein schmaler Steig ab, dem wir bergauf folgen. Nachdem der erste Teil der Wanderung eher gemächlich war, erwartet uns nun ein recht knackiger Aufstieg, der Trittsicherheit voraussetzt. Wir steigen auf schmalem Pfad über Stock und Stein auf, unser Weg wird immer wieder von kleineren Bächen und Zuflüssen des Dietersbaches gekreuzt. Über Kehren geht es bergauf, teilweise über Geröll und felsigen Untergrund, teilweise auf Stufen. Vor allem bei Nässe sind hier Wanderstöcke hilfreich, damit man auf den Steinen und Felsen nicht ausrutscht. So erklimmen wir nach und nach den beeindruckenden Hölltobel, die Durchbruchsschlucht des Dietersbaches von seinem Talboden gegen das Haupttal der Trettach. Ein Höhepunkt des Aufstiegs ist sicher die Überquerung des rauschenden Wildbachs, die je nach Wasserstand mehr oder weniger abenteuerlich ist.
Ein Dorf unter Denkmalschutz
Nach etwa einer Stunde Gehzeit seit dem Wegweiser nach Gerstruben erreichen wir die malerisch gelegene Alpsiedlung auf 1 155 m Höhe, die mittlerweile komplett unter Denkmalschutz steht. Das einstige Alpendorf Gerstruben zählt heute noch fünf dunkle Holzhäuser und die Marienkapelle, alle zwischen 400 und 500 Jahre alt. Die kleine Siedlung war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts von Bergbauernfamilien bewohnt. Bis vor 90 Jahren gab es nur einen Fußweg nach Gerstruben, und bis 1953 wurden alle Lasten mit Pferd und Wagen heraufgebracht. Bei gutem Wetter hat man von hier oben einen fantastischen Panoramablick über die Kette der Allgäuer Hochalpen – uns bleibt er leider verwehrt, da dichte Wolken vor den Gipfeln hängen. Doch wir lassen uns nicht verdrießen und stärken uns erst einmal im Berggasthof Gerstruben, bevor wir uns die kleine Siedlung näher anschauen. Der Rückweg verläuft wie der Hinweg – je nach Kondition und Anspruch durch den Hölltobel oder auf der Fahrstraße.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied350 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortOberstdorf, Oybelehalle/Nebelhornbahn
AusgangspunktOberstdorf, Oybelehalle/Nebelhornbahn
EndpunktOberstdorf, Oybelehalle/Nebelhornbahn
TourencharakterBei dieser Tour haben Sie die Wahl: Wenn Sie einen anspruchsvollen, abwechslungsreichen Aufstieg mit leichtem Abenteuercharakter bevorzugen, steigen Sie durch den Hölltobel auf nach Gerstruben. Unterwegs erwarten Sie kleine Klettereinlagen und ein reißender Wildbach, den es zu überqueren gilt - also genau das Richtige für größere Kinder, die die Herausforderung suchen.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Nr. 3, Allgäuer Alpen/Kleinwalsertal, 1: 50 000
VerkehrsanbindungAuto. Auf der A 96 München–Lindau bis Ausfahrt Jengen/Kaufbeuren; weiter Richtung Kempten und auf der A 7 Richtung Füssen. Am Autobahndreieck Allgäu auf die A 980 Richtung Oberstdorf bis Ausfahrt Waltenhofen; weiter nach Oberstdorf, am Ortseingang der Ausschilderung zur Nebelhornbahn folgen und dort parken Bahn. Bahnlinie München– Oberstdorf; vom Bahnhof Oberstdorf mit dem Elektrobus zur Oybelehalle/Nebelhornbahn
GastronomieBerggasthof Gerstruben. Der krönende Abschluss unserer Wanderung ist die gemütliche Einkehr im Gasthaus Gerstruben – bei schönem Wetter draußen vor dem Haus mit Alpenblick, ansonsten in der hübschen Gaststube mit Kachelofen. A propos Kachelofen: Die Wanderung nach Gerstruben eignet sich auch hervorragend als Winterwanderung, dann aber natürlich über die Fahrstraße. Auf der Karte stehen lokale Spezialitäten wie Spinatknödel oder Maultaschen. Wer eine kalte Brotzeit bevorzugt, probiert den frischen Bergkäse oder den aromatischen Hirschschinken. Gut schmecken tut es hier allemal. Gerstruben 1, 87561 Oberstdorf, geöffnet tgl. 9–18 Uhr, außerhalb der Saison Mo geschl., Tel. 08322/95 92 90, Fax 08322/95 92 91; Dodier- André@web.de, www.gerstruben.de
Tipps
Gerstrubener Museumshaus Das außen wie innen nahezu unverändert erhaltene »Jakobe-Haus« – diesen Namen verdankt es seinem früheren Besitzer Jakob Huber – wurde vor einigen Jahren renoviert und in ein sehenswertes kleines Museum umgewandelt. Der traditionelle Bauerngarten wurde wieder angelegt, die Stuben und die Küche, die Ställe, der Heuboden und die Tenne wurden mit ihrem ursprünglichen Inventar ausgestattet. In einem Nebenraum vermitteln Bilder aus historischer Zeit einen lebhaften Eindruck vom harten und arbeitsreichen Leben der einstigen Bewohner dieses Bauernhauses. Während der Saison Sa 13–16 Uhr geöffnet
Informationen
Tourismus Oberstdorf, Prinzregenten Platz 1, 87561 Oberstdorf, Tel. 08322/70 00, Fax 08322/70 02 36, info@oberstdorf.de, www.oberstdorf.de
Tourismusbüro
Tourismus Oberstdorf, Prinzregenten Platz 1, 87561 Oberstdorf, Tel. 08322/70 00, Fax 08322/70 02 36, info@oberstdorf.de, www.oberstdorf.de

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Martina Gorgas, Georg Hohenester u.a.

Meine Lieblingsalm

Urige Gemütlichkeit, kulinarische Schmankerl, geniale Aussicht: Wer etwas Besonderes sucht, erliegt dem Charme der Lieblingsalmen in diesem originellen Hüttenführer

Jetzt bestellen