Durch Rappen- und Alploch

Typische Schluchtwanderung auf gut ausgebauten Wegen, durch die steilsten Abschnitte auf Steganlagen. Für Personen mit Höhenangst und kleine Kinder kann das Gehen auf den Stegen unangenehm werden. (Autor: Karin Pegoraro, Manfred Föger)
6 km
200 m
2.00 h
Am Parkplatz in Gütle empfängt uns ein wahrer Riese; der 41 Meter hohe Mammutbaum überragt die Gehölze und Gebäude in seiner Nachbarschaft und steht wie ein Wächter am Eingang in die geheimnisvolle Welt der Schluchten. Wir gehen links an der gewaltigen Baumgestalt vorbei und steigen auf einem geschotterten Weg einen kleinen Hang hinauf zu einer schmalen Nebenstraße. Wir folgen ihr für wenige Meter aufwärts, spazieren dann den Weg rechts dem Eingang der Rappenlochschlucht entgegen. Tief unten rauscht die Dornbirner Ach, die sich durch ihren wildbachartigen Charakter auszeichnet. Bei Trockenheit nur ein mageres Rinnsal, kann sie nach einem Gewitter plötzlich zu einem reißenden Fluss anschwellen. Sie entspringt am Fuß des Hohen Freschen und mündet bei Hard in den Bodensee. Im Mittel transportiert sie jährlich rund 155 Milliarden Liter Wasser durch die Klammen an ihrem Oberlauf.
Im feuchten kühlen Bereich um die Ach gedeiht ein üppig grüner Laubmischwald. Nach wenigen Minuten erreichen wir die Jausenstation am Schluchteingang. Von links kommend mündet hier die Kobelach in den Hauptfluss. Wo sich die tosenden Wassermassen treffen, erkennen wir auf Felsen nahe den Fluten eigenwillige Skulpturen aus Metall, kombiniert mit verschiedenen anderen Werkstoffen. Die Figuren stehen in enger Verbindung zum Wasser und sollen die spirituelle Kraft und das Geheimnisvolle des Ortes unterstreichen. Sie tragen Namen wie Wassermann, Ikarus und Nixenprinzessin. Tafeln am Wegesrand erzählen ihre mystischen Geschichten.
Wir überqueren den ersten hohen Steg; nur auf einer Seite gibt ein Holzgeländer Halt, auf der anderen trennt uns nur das Druckrohr des Kraftwerks Ebensand vom tosenden Abgrund. Nun dringen wir tiefer in die Klamm ein. Ursprünglich verliefen die Alpenflüsse parallel zu den Gebirgskämmen. Bald weitet sich die Schlucht und wir befinden uns auf einem gemütlichen Spazierweg mit Ruhebänken, die zum Verweilen einladen. Doch schon wird die Klamm wieder enger. Auf weiteren Stegen und teilweise kühn an die Wände gebauten Steiganlagen steigen wir in der Schlucht höher hinauf. Die Gischt des Wassers hält den Fels fast ganzjährig feucht und lässt eine eigene hochspezialisierte Pflanzenwelt gedeihen. Zarte Farne wurzeln in engen, humusgefüllten Ritzen, giftgrüne Moospolster und schleimige Algenrasen überziehen die feuchtesten Stellen.
Bald erreichen wir die atemberaubende »Rappenlochschluchtsperre«, eine der ältesten Gewölbebogensperren Vorarlbergs. Sie wurde 1829 von Franz Alois Negrelli erbaut, der später durch die Planung des Suezkanals weltberühmt wurde. Wir überqueren die Staumauer und gehen unter einem zeitweise fließenden Wasserfall hindurch zu einer Schotterstraße, der wir nach rechts am Ufer des Staufensees entlang folgen. Am Ende des Sees liegt das Kraftwerk Ebensand. Es ging bereits 1899 in Betrieb und ist damit das zweitälteste Kleinkraftwerk Vorarlbergs.
Nur wenige Meter südlich des Krafthauses empfängt uns der »Einstieg« in die zweite Klamm. Auch im Alploch folgen uns auf Schritt und Tritt Spuren aus der Erdgeschichte. Im angeschnittenen Gestein sind deutlich die Faltungen der Schichten zu erkennen, die durch die unvorstellbaren Kräfte während der Bildung der Alpen entstanden sind. Kaum haben die soliden Stege zwischen den eng zusammentretenden Schluchtwänden Platz, ein Gefühl der Enge nimmt uns gefangen. Überall gluckst und rauscht das Wasser durch Spalten und über steile Felsen herab.
Nach etwas mehr als einen Kilometer erreichen wir die Straße Dornbirn – Ebnit (1:30 Std.). Hier machen wir kehrt und wandern durch das Alploch zurück zum Staufensee. Durch den geänderten Lichteinfall erscheinen die Felswände ganz anders als beim Aufstieg, immer wieder neue Bilder. Beim Kraftwerk Ebensand folgen wir nicht dem Hinweg, sondern halten uns links und überqueren auf einer kleinen Brücke die in diesem Abschnitt sanft dahinfließende Dornbirner Ach. An seinem westlichen Ufer wandern wir nun am Staufensee entlang. Immer wieder laden Holzbänke zu einer erfrischenden Rast am klaren Wasser oder im Schatten riesiger Buchen ein. Bald kommen wir an die vom Anstieg bekannte Staumauer und folgen demselben Weg zurück zum Ausgangspunkt im Gütle (2:30 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour6 km
Höhenunterschied200 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktDornbirn, Ortsteil Gütle.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterVerschiedenste Kräfte und Einflüsse haben die Landschaft im und um den Bregenzerwald gestaltet. Während und nach den Eiszeiten waren es vor allem die Flüsse und Bergbäche, die ihr Erscheinungsbild prägten. Am Übergang zwischen Mittelgebirge und Rheintal treffen wir bei Dornbirn auf zwei der größten Schluchten Mitteleuropas. Rappen- und Alploch sind symptomatisch für die Region: ursprünglich von der Natur geschaffen, wurden sie vom Menschen für seine Zwecke umgestaltet und präsentieren sich heute teilweise als fast künstliche Welten. Auf Schwindel erregenden Stegen und schmalen Pfaden entdecken wir die beiden Klammen.
Beste Jahreszeit
Kartentippreytag & berndt-WK Bregenzerwald, 1:50 000. Kompass-WK 2 Bregenzerwald – Westallgäu, 1:50 000.
MarkierungenMischung aus alter und neuer Wanderwegemarkierung; Wegweiser an allen wichtigen Kreuzungspunkten.
VerkehrsanbindungDornbirn liegt im nördlichen Rheintal und ist auf allen internationalen Verbindungsrouten und über die Rheintalautobahn leicht zu erreichen. Am südlichen Stadtrand führt eine Straße in Richtung Ebnit. Nach wenigen Kilometern erreicht man Gütle; hier gebührenpflichtige Parkmöglichkeit. Vom Bahnhof Dornbirn (Haltestelle der Westbahn und aller Regionalzüge) verkehrt die Buslinie 47 (Dornbirn–Ebnit), vom Stadtzentrum die Stadtbuslinie 4 bis Gütle.
GastronomieTraditionsreicher Gasthof in Gütle; unterwegs Jausenstation; im Sommer kleiner Kiosk am Staufensee.
Tipps
Achtung: Bei Hochwasser sind immer wieder Sperrungen möglich. Daher ist es sinnvoll, sich vor Start der Tour über ihren Zustand zu erkundigen. Im Winter ist die Tour nicht durchführbar (Wintersperre).
Unterkunft
Unterkunftsmöglichkeiten aller Art in Dornbirn.
Tourismusbüro
Dornbirn Tourismus, Rathausplatz 1, A-6850 Dornbirn, Tel. 05572/2 21 88, Fax 05572/3 12 33, tourismus@dornbirn.at, www.dornbirn.at
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