Die Isarauen

Unterwegs im Naturschutzgebiet.
Zunächst gut befestigter Wanderweg am Isarufer, der nach etwa 3 km in einen Trampelpfad übergeht. Nach einem kurzen Anstieg über Treppenstufen zum Aussichtspunkt folgt ein längeres Stück auf einem Waldweg zur Jugendsiedlung Hochland. Abschließend geht es auf dem ursprünglichen Wanderweg zurück. (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
10 km
60 m
3.00 h
Lebendige Wildflusslandschaft.
Aus geologischer Sicht ist die Isar noch extrem jung – ihre Geschichte begann gerade mal vor 12 000 Jahren. In dieser Zeit hat der größte bayerische Fluss eine fantastische Flusslandschaft geschaffen, die einzigartig ist. Links und rechts des Gewässers sind weite Auen entstanden, durch die man sich an vielen Stellen erst einmal durchkämpfen muss, um das von Kies- und Sandbänken gesäumte Ufer zu erreichen. Doch damit nicht genug: Nach der großen Schneeschmelze in den Bergen veränderte der Fluss jedes Jahr seinen Lauf, schwemmte Büsche und Bäume weg und verlagerte die Kiesbänke oft um Hunderte von Metern.
Bedingt durch die große Wasserentnahme im Oberlauf sowie aufgrund verschiedener Flussregulierungen und Uferbefestigungen hat die Isar viel von ihrer ursprünglichen Dynamik verloren. Inzwischen wurden einige dieser Maßnahmen rückgängig gemacht, sodass wenigstens von Bad Tölz bis zur Pupplinger Au wieder annähernd eine Wildflusslandschaft entstehen konnte. Diese gilt es auf dieser Wanderung zu erkunden.
Die Isar abwärts.
Wer mit dem Auto kommt, geht zunächst auf einem schmalen Weg ein kurzes Stück oberhalb der Isar flussabwärts, bis er rechts hinunter zum Fluss kommt. Von der etwas südlich liegenden Bushaltestelle überquert man vorsichtig die Autostraße und steigt dann auf der gegenüberliegenden Seite die Böschung zur Isar hinab. In beiden Fällen wandern wir auf dem breiten Uferweg in nördlicher Richtung am Wasser entlang. Links im Gebüsch steht alle 200 Meter eine Tafel mit den so genannten Flusskilometern – die Beschriftung »193,4« bedeutet beispielsweise, dass die Isar bis zu ihrer Mündung in die Donau noch 193,4 Kilometer zurücklegen wird.
Pflanzliche Vielfalt.
Bald können wir links und rechts am Wegesrand die faszinierende Vielfalt der wilden Orchideen betrachten, beispielsweise das violette Knabenkraut, den gelben Frauenschuh oder die verschiedenen Ragwurzarten. Die Ragwurz gilt als Sexualtäuschblume und stellt damit eine biologische Besonderheit dar: Die Form ihrer Blüte ahmt täuschend echt ein Insektenweibchen nach; gleichzeitig ziehen Blütenduftstoffe das paarungswillige Männchen an. Bis dieses dann beim Berühren der Blüte den Schwindel bemerkt, hat es bereits die Bestäubung der Blüte erledigt.
Im weiteren Verlauf des Wegs finden wir immer wieder Stellen, an denen wir zu den Kiesbänken der Isar hinabsteigen können, um eine gemütliche Ruhepause einzulegen und dem Plätschern des Wassers zu lauschen. Ab 2004 soll das Isarwasser wieder Badequalität haben, nachdem alle Orte an der Isar ihre Kläranlagen entsprechend ausgebaut haben. Im Wasser selbst werden wir nur mit etwas Glück einen Fisch sehen können. Das liegt daran, dass nur wenige Fischarten die hohe Fließgeschwindigkeit mögen, darunter zum Beispiel die Äsche und in ganz seltenen Fällen noch der Königsfisch im Süßwasser, der Huchen.
Flusslandschaft im ständigen Wandel.
Nach etwa 3 Kilometer Wegstrecke führt der befestigte Weg in einem weiten Bogen von der Isar weg. Wir hingegen bleiben weiterhin am Wasser und folgen einem schmalen Trampelpfad, der direkt am Ufer entlang weiter flussabwärts führt und erreichen jetzt den landschaftlich schönsten Teil der Isar, der noch weitgehend unberührt ist.
Manchmal liegen beide Ufer eng beieinander, sodass eine starke Strömung entsteht; an anderen Stellen finden wir Kiesbänke, an denen der Fluss nur knietief ist. Nach jedem Hochwasser verändert sich das Bild etwas. Oft werden ganze Uferstücke samt den Büschen weggeschwemmt, an anderer Stelle entstehen neue Kiesbänke. Im darauf folgenden Jahr stellt sich auf einer neuen Kiesbank erster Bewuchs in Form von gelb blühendem Habichtskraut ein, später folgen Silberwurz und Thymian. Bleibt die Landschaft unverändert, stellen sich in den folgenden Jahren Weiden- und Tamariskenbüsche ein. Kiefernbäume hingegen finden wir nur weiter vom Fluss entfernt an Stellen, die schon seit Jahrzehnten von keiner Überschwemmung mehr erreicht worden sind.
Das Ganze von oben.
Wir bleiben immer auf dem Trampelpfad durch das Unterholz, folgen dann bei der Tafel »190« links einem ausgetrockneten Bachbett und steigen bei »189,6« links auf einem Treppensteig die steile Uferböschung hinauf. Oben angekommen, stehen wir an einem Aussichtspunkt und haben einen schönen Blick auf die eben durchwanderte Flusslandschaft. An Tagen mit guter Fernsicht können wir dahinter die Gipfel der bayerischen Voralpen sowie des Wettersteingebirges gut erkennen.
Wir folgen nun dem Forstweg in südlicher Richtung und kommen leicht abschüssig zur Jugendsiedlung Hochland. Leider gibt es hier keine Einkehrmöglichkeit. Wer sich jedoch für die Jugendarbeit interessiert, kann sich dort gerne informieren. Wir gehen ein kurzes Stück auf der Teerstraße von der Jugendsiedlung weg und kommen dann links über einen schmalen Pfad zur Isar hinunter und erreichen dort wieder den Weg, den wir anfangs gekommen sind und den wir jetzt zum Ausgangspunkt zurück nehmen.

Dauer: 3 Std.
Wanderparkplatz Abzweigung Lochen – Aussichtspunkt Schuss 1:30 Std., Jugendsiedlung Hochland 45 Min., Wanderparkplatz 45 Min. ;
Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied60 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWanderparkplatz an der Landstraße Königsdorf–Bad Tölz in der Nähe der Bushaltestelle Lochen
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterSüdlich von Bad Tölz können wir eine noch weitgehend intakte Wildflusslandschaft erleben, die nach jedem Hochwasser ihr Bild ändert.
Hinweise
Die Wanderung ist auch im Winter sehr gut zu machen.
KartentippKompass-Wanderkarte Nr. 180: Starnberger-/ Ammersee, 1:50 000
VerkehrsanbindungMehrmals täglich Busverbindung mit der Linie 371 zwischen Wolfratshausen und Bad Tölz; die Haltestelle heißt Abzweigung Lochen. Mit dem Auto fährt man auf der B 11 von Wolfratshausen über Geretsried nach Königsdorf und biegt dort links Richtung Bad Tölz ab. Nach etwa 3,5 km liegt linker Hand der Wanderparkplatz.
GastronomieUnterwegs keine Einkehrmöglichkeiten
Tipps
Die Jugendsiedlung Hochland. Auf dem Gelände der ehemaligen »Oberen Rothmühle« bietet die Jugendsiedlung Hochland Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche in den Isarauen. Dabei werden Kenntnisse über ökologische Zusammenhänge und die bewusste sinnliche Wahrnehmung der Natur vermittelt. Das Naturerlebnis steht dabei grundsätzlich im Vordergrund. Weitere Informationen unter Tel.: 08041/769 80, Fax: 08041/76 98 20, E-Mail: info@jugendsiedlung-hochland.de, Internet: www.jugendsiedlung-hochland.de
Tourismusbüro
Stadtverwaltung, Hauptstr. 54, 82549 Königsdorf, Tel.: 08179/9 31 20, Fax: 08179/93 12 22; Stadtverwaltung, Karl-Lederer-Platz 1, 82538 Geretsried, Tel.: 08171/629 80, Fax: 08171/622 90, E-Mail: Stadtverwaltung@geretsried.de, Internet: www.geretsried.de

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