Der Weg durch den Weinberg

beschauliche Wanderung auf festen Wegen, Wirtschaftssträßchen und Nebenrouten des Rhonetals; geringe Höhenunterschiede. Mehrtägig oder in beliebigen Teilstrecken durchführbar. (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
54 km
20 m
10.00 h
Die Talwanderung von Dorf zu Dorf -  Vom Bushalt hinauf zum Dorfe Branson, dessen Bewohner einst zahlreiche Rebmauern und -mäuerchen bauten, um ihren Weinberg überhaupt erst anlegen und dann erhalten zu können. Der Weg zieht über einen mächtigen Schuttkegel hin und an den Siedlungen der Gemeinde Fully vorbei (Vers-l'Église, Châtignier, Saxé, Mazembroz). Ausgedehnt sind die Apfel- und Birnbaumplantagen sowie die Anpflanzungen von Blumenkohl, Tomaten und Melonen entlang des Rhoneufers. Wir erreichen Saillon, eine malerische Ortschaft aus dem 13. Jahrhundert mit Bayardturm. Von hier weiter Blick über die Talebene. Nach Verlassen des mittelalterlichen Dorfes wird die Salentse überschritten und wir wandern nach Leytron, einem schmucken Dörfchen am Fuße der schwindelerregenden Kalkwand des Ardève. Der nächste Ort ist Chamoson, an den Hängen des Schuttkegels der Losentse gelegen: der wilde Bergbach hat dem dortigen Weinberg besonders fruchtbare Erde zugeführt. Zwischen Ardon und Magnot Benutzen der Kantonsstraße. Wieder auf dem Weg durch den Weinberg, geht es angenehm weiter zum Winzerdorf Vétroz, das eingebettet liegt in seinen Rebberg mit vielen Rebmauern aus trockenem Gestein. Vor uns liegt das Gebiet der großen Gemeinde Conthey, deren Talgrund für Obst- und Gemüseanbau genutzt wird, während die Rebberge an den ausgiebig besonnten Talhängen liegen. An der Route die Dörfer Sensine und Vuisse, dann der See von Mont-d'Orge, an dessen Ufern schon im allerersten Frühling die Mandelbäume blühen. Vom Dorfe Ormône folgt der Weg dem Lauf der Suone Lentine, deren kostbares Nass Reben und Felder vor dem Verdursten bewahrt. Bald darauf befinden wir uns hoch über Sion (deutsch = Sitten), der Hauptstadt des Wallis mit romantischer Altstadt zu Füßen der Burghügel Valère und Tourbillon. Von den Schluchten der Sitter auf der Straße Richtung Le Mont, dem Ausgangspunkt der 1453 erbauten Suone Clavoz. Auf dieser Strecke ist der ganze Zauber einer Walliser Suone zu entdecken. Es folgen die Dörfer Signèse, Uvrier und Saint-Léonard (hier bedeckt ein 300 m langer unterirdischer See eine Höhle). Weiter führt die Wanderung über Flanthey, Ollon und Champzabé nach Corin-de-la-Crête mit Blick auf die weite Rhoneebene. Die Route senkt sich zum Château de Villa im Nordwesten der Stadt Sierre hin ab (deutsch = Siders). Zahlreiche Hügel formen die reizvolle Gegend – sie gilt als die sonnenreichste der Schweiz. In den Nebengebäuden des Schlosses befindet sich eine Önothek mit einer Auswahl von über 500 Walliser Weinen sowie ein Teil des Walliser Reb- und Weinmuseums, der zweite Teil ist im Zumofenhaus in Salgesch zu finden. Beide Orte sind verbunden durch den 2- bis 21¼2-stündigen Rebweg, der inmitten einer prächtigen Landschaft durch den Weinberg führt, vorbei an Winzervierteln und 45 Informationstafeln. Eingebunden ist ein Streifzug in das Naturschutzgebiet der Raspille-Schlucht. Nach dem Besuch des Weinmuseums steigen wir von Salgesch den von zwei Suonen durchzogenen Weinberg hinan und gelangen zum Dorfe Varen. Einzigartig ist der Blick zum gesamten Pfyn-Wald. Umgeben von Reben wandert es sich beglückend hinauf nach Leuk-Stadt. Mit einem Bummel durch die bezaubernde mittelalterliche Stadt (zahlreiche Bauten aus dem 15. und 16. Jahrhundert) endet die Wanderung durch den Weinberg. Rückfahrt: von Leuk/Susten mit Bahn oder Bus nach Martigny. Tour-Ausgangsort gut erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Höhenweg Wanderung

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour54 km
Höhenunterschied20 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
StartortMartigny (476 m) im Rhonetal.
AusgangspunktBranson nördl. Martigny bzw. ein anderer Ort im Rhonetal.
TourencharakterEingeführt wurde die Rebe im Wallis durch die Römer im 1. Jahrhundert v. Chr., als Cäsar die Gallier besiegte. Aber erst im 3. Jahrhundert begann man mit der Kultivierung des Weinstockes. Rund 15000 Hektar Land werden in der Schweiz für den Rebbau genutzt, davon mehr als ein Drittel im Wallis. Das bedeutendste Walliser Weingebiet erstreckt sich zwischen Martigny und Leuk über dem orografisch rechten Rhoneufer. Allerdings bringt auch die Hügellandschaft am linken Ufer der Rhone ausgezeichnete Weinsorten hervor. Zwei mächtige Alpenketten überragen den weiten, vom Festlandklima beherrschten Talboden. Mit seiner geringen Nebelbildung, den hohen Sommertemperaturen und den wenigen Niederschlägen, die sich dank des warmen und günstig auswirkenden Föhnes bis weit in den Herbst hineinziehen, weist das Wallis ein wahres Steppenklima auf. Die in unterschiedlichen Höhen (zwischen 450 m und 800 m) terrassenförmig übereinander angelegten Rebberge reichen bis ins Rhonetal hinab. Dadurch ist das Wallis sowohl flächen- (5200 Hektar) als auch mengenmäßig (50 Mio. Liter) der größte Weinanbaukanton der Schweiz. Es werden saftige und charakteristische Weine erzeugt. So erlangte beispielsweise Visperterminen mit seinem auf einer Höhe von 1100 Metern gelegenen Weinberg (dem höchsten Europas) weltweit Berühmtheit. Die Rebsorte Savagnin (hier »Heida oder Paien «) ergibt einen sehr würzigen Weißwein. Die raue Gegend der Walliser Rebberge, deren Reichtum in dem kargen Boden steckt, fördert die Gewinnung eines besonderen Weines. Große Weine stammen immer von Reben, die leiden müssen. Das Rebland im Wallis ist arg zerstückelt - 22 000 Besitzer teilen sich den Rebberg – davon verfügen nur 250 Domänen über mehr als zwei Hektar. Es gedeihen über 40 Rebsorten, von denen jedoch drei Rebsorten (Pinot Noir, Chasselas, Gamay) rund drei Viertel des Bodens einnehmen. Auch an Hanglagen, deren Neigung 70 Prozent betragen kann – terrassenförmig übereinander gelegt, durch Trockenmauern gestützt – stoßen wir auf Rebberge. Die Steine wurden von Generationen zusammengetragen, um dem Hang einige Quadratmeter Rebland zu entreißen. Diese Reben bringen einen außergewöhnlichen Wein hervor. Hier bleibt jedoch die Mechanisierung extrem gering, und das bedeutet für den Winzer hohe Produktionskosten. Das bis zur Öffnung des Eisenbahn- (1860) und Straßennetzes von der Außenwelt abgeschnittene Wallis nimmt im 20. Jahrhundert am wirtschaftlichen Aufschwung und freien Handel teil. Die Rebe schmückt die hügeligen Hänge in der ihr eigenen Weise. Viel Mühe, Anstrengung und Schweiß verbergen sich hinter den unüberschaubaren, in Reih' und Glied stehenden Armeen von Rebstöcken. Ist der Winter vorüber, kommt der erste Schnitt – von ihm hängt die Ernte wesentlich ab. Dann muss die harte, raue Erde umgebrochen werden. Ein zweites Mal greift der Winzer zur Schere: Dieser Arbeitsgang wird das Erlesen genannt und ist mit entscheidend für die Qualität der kommenden Ernte. Die Reben wachsen und machen das Aufbinden nötig. Nun heißt es ständig Warten und Pflegen. Mühsam ist bei der großen Trockenheit das Bewässern: wie schon zu Zeiten der Vorfahren gelangen zum Teil auch heute noch die »Heiligen Wasser« vom Fuße der Gletscher in Kilometer langen Suonen hierher (zum Thema Suonen s.a. Tour 33). Mai und Juni sind die Monate des stärksten Wachstums. Um den Früchten soviel Licht und Luft wie möglich zuzuführen, müssen eine Anzahl von Blättern und Geiztrieben in der Traubenzone ausgebrochen werden – man spricht von Köpfen und Auslauben. Die Zeit verrinnt im Rhythmus der Natur – Tage, Wochen, Monate … Vergessen sind Angst, Mühsal und Arbeit beim Anblick der reifenden Traube – und dies mehr noch, wenn die Zeit der Weinlese (im Oktober) gekommen ist. Dann vermischen sich die grellen Farben der Traubenkisten mit den bunten Kleidern der Winzerinnen. Die im Wallis angebauten Rebsorten sind vielfältig und abwechslungsreich, jedoch machen allein vier Traubensorten etwas mehr als 80% der Produktion aus. Es handelt sich um Chasselas oder Gutedel, der den Fendant ergibt, Rhin oder Sylvaner, von dem der Johannisberg stammt, Gamay und Pinot Noir (Blauburgunder), aus deren Mischung der Dôle entsteht. Außer diesen vier bedeutendsten Sorten werden im Wallis über zwanzig, zum Teil autochthone oder sehr seltene Traubenarten kultiviert. Diese Spezialitäten finden bei den Weinliebhabern in letzter Zeit immer mehr Anklang. Der folgende Routen-Kurzbeschrieb mag als Anregung dazu dienen, sich die Walliser Weinberge wandernd zu erschließen. Die Wegstrecke ist gemäß den in der Schweiz üblichen Normen der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege (SAW) markiert. Die gelben (mit Signet versehenen) Wegweiser am Anfang und Ende jeder Etappe sowie an Kreuzungen und an wichtigen Punkten geben Auskunft über Standort, Gehrichtung und Marschzeiten. Die in Branson (nördl. von Martigny) beginnende Wanderung kann in kurzen Abständen unterbrochen werden, um mit dem auf der Weinstraße verkehrenden PTT-Bus zum Ausgangspunkt zurückzukehren oder eine Bahnstation im Rhonetal anzufahren. Dauer: gesamt 17 bis 18 Std.; Branson – Saillon 3 Std.; Saillon – Vétroz 31/2 Std.; Vétroz – Sion 31/2 Std.; Sion – Sierre 4 Std.; Sierre – Leuk/Susten 4 Std.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1 - 50000, Blätter 272 T und 273 T (St.-Maurice und Montana; beide mit eingezeichneten Routen).
VerkehrsanbindungÖV - Martigny ist Bahnstation; von dort per Postbus nach Branson. Auto: Anfahrt über die Autobahn Zürich – Bern – Vevey nach Martigny; oder über die Autobahn Bern – Spiez nach Kander-steg, per Autoverladung durch den Lötsch-bergtunnel ins Rhonetal und über Sierre und Sion nach Martigny.
Gastronomiein den meisten am Wege liegenden Weindörfern sowie in den Talorten entlang der Rhone.
Höchster Punkt
Leuk, 750 m
Unterkunft
in den meisten am Wege liegenden Weindörfern sowie in den Talorten entlang der Rhone.
Tourismusbüro
Martigny (476 m). Campingplatz. Martigny Tourisme: CH-1920 Martigny, Tel. 027/7212225, Internet: www.ortm.ch. Sion (510 m). Campingplatz. Sion Région Tourisme: CH-1951 Sion, Tel. 027/ 3224433; Internet: www.sion-region.ch. Sierre (540 m). Campingplatz. Office du Tourisme: CH-3960 Sierre, Tel. 027/4558535. Leuk (750 m). Campingplatz. Verkehrsbüro: CH-3952 Leuk/Susten, Tel. 027/4731094.

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