Der »Viel Drumherum«-Berg

Übern Petersberg zu den Astenhöfen und zur Riesenkopfalm Unschwere Bergwanderung auf Wegen und Pfaden, an einigen Stellen schlecht ausgeschildert. (Autor: Lisa Bahnmüller)
12 km
700 m
4.00 h
Kunst, Kultur und Geschichte gibt es auf dieser Tour als Gratiszugabe. Denn geschichtsträchtigen Boden betritt man bereits an der Ruine Falkenstein. Kunstgenuss wird einem in der romanischen Peterskirche mit dem aus vielen Jahrhunderten stammenden Kirchenschmuck zuteil. Weltlicher Natur ist die Einkehr an den Astenhöfen, hier treffen wir auf bayerische Gemütlichkeit. Die Bauernhäuser gehören zu den höchstgelegenen ganzjährig bewirtschafteten Anwesen der Alpen. Und vor lauter »Drumherum« vergisst man, dass es vor allem eine herrliche Wanderung hoch über dem Inntal ist. Wegverlauf - Wir starten an der Ruine Falkenstein und gehen auf dem breiten Weg, der bergseitig an der alten Burg vorbeiführt. Bei einer neuen Kapelle biegen wir rechts auf einen kleinen Steig ein und folgen nun der Markierung. Wir wandern durch einen Hohlweg an einem Marterl vorbei und treffen wiederum auf eine Forststraße. Diesmal folgen wir aber nicht der Markierung nach links, sondern halten uns geradeaus. Über die Wiese neben dem Weg hat man einen freien Blick auf die Rachelwand. Hier stand die erste, um 1296 vollkommen zerstörte Burg Falkenstein. Am Ende der Wiese biegt der Weg nach rechts, wir aber biegen vor dem Bach links ab zu einer Bergstraße. Wir folgen ihr aufwärts und biegen kurz darauf links zum Petersberg ab. Die modernen, bronzenen Kreuzwegstationen des Rosenheimer Künstlers Josef Hamberger säumen unseren Weg bis zur kleinen romanischen Bergkirche am Petersberg. Die Kirche ist immer einen Besuch wert. Wir können aber auch im Biergarten daneben eine erste kleine Pause einlegen und die Aussicht über das bayerische Voralpenland und das Inntal genießen. Weiter geht es, zunächst vorbei am Bergkreuz, steil hinunter zu der vorhin verlassenen Straße, auf der wir links weiterwandern. Bald passieren wir den um 1639 aus Bruchsteinen erbauten Hof, der »Bauer am Berg« genannt wird. Gemächlich geht es nun zwischen Wiesen hindurch. Bald folgt ein heller Mischwald, wir passieren zwei Diensthütten des Forstamtes und erreichen dann schnell die Astenhöfe. Sie zählen noch heute zu den höchstgelegen ganzjährig bewirtschafteten Bauernsiedlungen der Alpen. Wieder lädt eine Wirtschaft zur Rast ein und frisch gestärkt nehmen wir nun die letzten Etappe in Angriff. Vor dem ersten Hof führt uns ein Schild kurz bergauf und dann rechts in den Wald. Am Waldrand halten wir uns an der Weggabelung links und sind nun gleich darauf an der Riesenkopfalm. Nun gilt es auf die Uhr zu schauen, denn Gipfelstürmer brauchen von hier mit An- und Abstieg noch knapp eine Stunde auf den großen Riesenkopf. Dafür lassen wir die Alm links liegen und klettern am Wald über die Weideabsperrung. Dann geht es steil nach links bergauf. Vom Gipfelkreuz auf 1337 m hat man einen echten Rundum-Blick. Zurück wandern wir zunächst zur Riesenkopfalm. Dort geht es am Rand der Almwiese den Bach entlang, den wir dann fast am Ende der Wiese über ein Brücklein überqueren. Im Wald treffen wir auf einen talwärts führenden Weg. Nach einer weiten Rechtskurve öffnet sich der dichte Wald und lässt uns auf den Großen Madron über dem Inntal schauen, den größeren Nachbargipfel des Petersberges. Jetzt schulen wir unser Pfadfinderauge und suchen ca. 20 m vor einer Telefonleitung, die den Weg quert, links einen kleinen Pfad. Wenn wir wenige Meter abwärts die ersten roten Markierungen finden, sind wir richtig. Der rote Punkt führt uns an den nächsten Kreuzungen immer links zum »Bauern am Berg«, dort treffen wir auf den schon bekannten Anstiegsweg. Flott geht es nun auf dem gleichen Weg wieder abwärts zur Wiese unter der Rachelwand. Nun biegen wir aber nicht nach rechts auf unseren Aufstiegsweg, sondern folgen der Bergstraße. Sie bringt uns zu einem weiteren wunderschönen alten Bauernhof, dem »Wagner am Berg«. Das fast 300 Jahre alte Anwesen war zu klein für einen rein landwirtschaftlich geführten Betrieb. Der Bauer übte zusätzlich den Beruf der Wagnerei aus. Wir wandern weiter bergab. Kurz ehe der Wald endet, brauchen wir erneut ein bisschen Spürsinn. Noch im Wald beginnt auf der rechten Seite an einem Zaun ein schmaler Weg. Über diese Abkürzung erreichen wir eine Fahrstraße, der wir nun nur noch für wenige Minuten nach rechts folgen müssen und schon stehen wir wieder vor der Ruine Falkenstein. Wissenswertes: Erste schriftliche Aufzeichnungen belegen mit dem Datum 1130 am Petersberg die Gründung eines Klosters durch das Geschlecht der Falkensteiner. Die neun Jahre später fertig erbaute Klosterkirche wurde durch den Freisinger Bischof Otto geweiht. Historische Ausgrabungsfunde am benachbarten Großen Madron zeugen jedoch von einer viel früheren vorchristlichen und sogar keltischen Siedlung. Vermutlich bedeutet der keltische Name »Madron« soviel wie »Berg der Gemeinschaft«. An diesem Berg war also eigentlich immer schon etwas los. Die Kirche beherbergt Kunstschätze aus sieben Jahrhunderten. Besonders zu beachten ist das schöne spätromanische Portal. Die Eingangsäulen stützen sich auf einen Widder- und Bärenkopf, hier hat sich keltische Tiersymbolik weit in die christliche Zeit hinein erhalten. Schön ist auch die Figur des hl. Petrus am Hochaltar, ganz besonders zu erwähnen ist das romanische Kreuz mit einem äußerst würdevollen Christus am Seitenaltar.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied700 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktRuine Falkenstein südwestlich von Flintsbach.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterÜbern Petersberg zu den Astenhöfen und zur Riesenkopfalm - Unschwere Bergwanderung auf Wegen und Pfaden, an einigen Stellen schlecht ausgeschildert.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Nr. 8, Tegernsee-Schliersee 1 - 50000
VerkehrsanbindungAuto Von der Salzburger Autobahn auf die A 93 (Inntalautobahn), Ausfahrt Brannenburg/Degerndorf/ Oberaudorf. Über Degerndorf nach Flintsbach, in die Astenstraße an den Fuß der Ruine Falkenstein. Parkmöglichkeiten am Wegrand. Bahn Bahnlinie München – Rosenheim – Kufstein/Station Flintsbach. 20 min. Aufstieg bis zur Ruine Falkenstein.
GastronomieGasthaus Petersberg (Ruhetag ist Montag; vom 1.11. bis 31.3. Montag+Dienstag), Astenhöfe - Freitag Ruhetag.
Tipps
Die zwei Astenhöfe inmitten ihrer Wiesen waren, solange man es geschichtlich verfolgen kann, stets die letzte Zuflucht der Bewohner des Inntales. Während kriegerischer Unruhen flüchteten sich die Inntaler Bauern hierher in das sichere Versteck am Berg. Kein einziges Mal wurde dieser schwer erreichbare und verborgen gelegene Winkel von feindlichen Truppen entdeckt. Aus der Ruine Falkenstein entstammt das im Mittelalter bedeutende bayerische Adelsgeschlecht »von Falkenstein-Herrnstein«, dessen Untergang jedoch bereits Mitte des 13. Jh. einsetzte. Allein die bedeutende Lage, hoch auf dem Rachelfelsen, das gesamte Inntal kontrollierend, spricht für die Macht und das Ansehen der Falkensteiner. Historiker haben aber auch den sogenannten »Codex Falkensteinensis« entdeckt, eine Art Grundbuch aus dem 12. Jh. In diesem einzigartigen Dokument erfahren wir viel über das Leben im bayerischen Mittelalter. 1296 wurde die Burg zum ersten Mal zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte weiter unten im Tal. Aber bereits ab dem 16. Jh. verlor die Burg an Bedeutung und wurde mehrfach verkauft, verpfändet, geplündert und langsam und stetig zur Ruine. Nur der Bergfried ist heute bewohnt, der Rest bis auf wenige Mauerreste verbrannt, verfallen und verschwunden.
Tourismusbüro
Verkehrsamt Flintsbach, Tel. 08034/3066-20

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