Der Sella-Ringbandweg

Wenig anstrengende, sehr aussichtsreiche Höhenwanderung an der sonnigen Südseite des Sellamassivs. Ordentlich markierte Wege, etwas Trittsicherheit notwendig. (Autor: Eugen E. Hüsler)
10 km
1090 m
5.00 h
Panoramawandern.
In etwa einer Stunde steigt man vom Pordoijoch (2239 m) auf ins Geröllkar unterhalb der Forcella Pordoi, wo rechts der Ringbandweg abzweigt (ca. 2600 m; 1 Std.; Hinweistafel). Die deutliche, markierte Spur läuft ohne nennenswerte Höhenunterschiede über die riesige Schuttterrasse, manchmal unmittelbar am Felsfuß. Man passiert den Ansatzpunkt des winzigen Joël-Tälchens, durch das ein Weglein vom Ossario del Pordoi (Kriegerdenkmal) heraufkommt. Wenig weiter markiert eine Tafel den Beginn der Via ferrata Piazzetta, einem extrem schwierigen Klettersteig zum Piz Boè. Der Ringbandweg biegt unter den senkrechten Felsen der Punta delle Fontane (2809 m) in die Gran Valacia ein und passiert am Felsfuß der Ponte eine weitere Abzweigung zum höchsten Gipfel des Sellamassivs.
Ein Haus mit Geschichte.
Wenig weiter kommt die Kostnerhütte (2536 m; 3.30 Std.) ins Blickfeld. Benannt wurde sie nach Franz Kostner (1877–1968), einem Pionier des Tourismus im Hochabtei und echtem Selfmademan. Er war Bergführer, Hotelier (er erwarb das Hotel Posta Zirm in Corvara, heute erstes Haus am Platz), Fuhrunternehmer und lange Jahre auch Bürgermeister von Corvara. Als Obmann des Tourismusvereins förderte er den Bau einer Hütte auf der Ostseite des Sellastocks.
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs ver-hinderte ihre Fertigstellung, und der Rohbau verfiel nach und nach. Erst 1988 sollte die Bergsteigergemeinde hier ein Refugium bekommen; der CAI Bozen errichtete über den alten Grundmauern eine gemütliche Hütte. Kleine Pointe am Rand: Franz Kostner war wiederholt mit Gottfried Merzbacher auf großer Expedition in Tschienan; Merzbacher wiederum war Erstbesteiger der Cima dell’Uomo und der Schiara in den Dolomiten.
Abstieg.
Er verläuft über den Plan Boè: von der Kostnerhütte kurz zurück, dann links über Geröll in einen Graben (Sfessuraca). Zwischen Felsen leiten die Markierungen steil abwärts und schräg hinaus gegen den Bec de Rozes (2187 m). An der Wegkreuzung hält man sich rechts und steigt über steinige Wiesen hinunter zum licht bewaldeten Plan de Boè. Mit dem Ru de Boè wandert man, vorbei am Rifugio Plan Boè (1810 m), talauswärts nach Arabba (1601 m; 5 Std.).

Pordoijoch – Beginn Sella-Ringband 1 Std., zur Kostnerhütte 2.30 Std., nach Arabba 1.30 Std. Insgesamt 5 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied1090 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortArabba (1601m), kleiner Ferienort im Buchenstein (Livinallongo)
AusgangspunktPasso Pordoi (2239m), Straßenpass zwischen dem Fassatal und dem Buchenstein, höchster Punkt der Großen Dolomitenstraße
EndpunktArabba
TourencharakterDie Natur hat es in diesem Fall wirklich gut gemeint mit den Wanderern von heute: ein solider Untergrund aus Schlerndolomit, geschützt durch weitgehend wasserundurchlässige Raiblerschichten, darüber gebankter Hauptdolomit und eine dünne Spur im Geröll – schon ist die Aussichtspromenade am großen Ringband an der Südseite der Sella fertig. Sie verbindet das Geröllkar unterhalb der Forcella Pordoi mit der Kostnerhütte am Col de Stagn: wenig Aufstieg, viel Genuss und noch mehr Aussicht. Blickfang ist natürlich vor allem die Marmolada (3343 m), deren Eispanzer so wirkungsvoll zum fast schwarzen Vulkangestein des Padònkamms kontrastiert; doch der Horizont spannt sich vom Latemar im Südwesten über die Fassataler Berge bis zum Zoldano (Civetta, 3220 m, Pelmo, 3168 m) und zu den Dreitausendern der Ampezzaner Dolomiten.
Hinweise
Pordoijoch – Beginn Sella-Ringband 1 Std., zur Kostnerhütte 2.30 Std., nach Arabba 1.30 Std. Insgesamt 5 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 07 »Alta Badia–Arabba–Marmolada«
VerkehrsanbindungZum Pordoijoch kommt man von Arabba bzw. Canazei über die Große Dolomitenstraße, 9 bzw. 12 km. Gute Busverbindungen
GastronomieFranz-Kostner-Hütte, Ende Juni bis Ende September, Tel. 0338/8759838. Rifugio Plan Boè, im Sommer bewirtschaftet, Tel. 0436/79339
Informationen
Auf das »Dach« der Sellagruppe. Der kürzeste Weg auf den Piz Boè (3152 m) startet schon fast an der 3000-Meter-Marke. Mit der Seilbahn schwebt man in wenigen Minuten vom Pordoijoch (2239 m) hinauf zum Sas Pordoi (2950 m). Und von dort ist es dann nicht mehr weit bis zum großen Panorama – knapp 1.30 Stunden auf einem viel begangenen Weg mit Zwischenabstieg in die Forcella Pordoi (2829 m). An den etwas ausgesetzten Stellen wurden Drahtseile montiert; die Capanna Piz Boè ist im Sommer bewirtschaftet.
Tourismusbüro
Azienda Turistica Arabba Livinallongo, I-32020 Arabba-Livinallongo, Via Boè 17, Tel./Fax +39/0436/78 00 19, info@arabba.it, www.arabba.it

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