Der Saloberkamm

Eine sehr reizvolle leichte Kammwanderung. Schöne Tiefblicke ins Vilstal und eindrucksvolle Aussicht auf die jenseits emporragenden Nordflanken von Brentenjoch und Aggenstein. (Autor: Günther Laudahn)
9 km
1580 m
7.00 h
Wir beginnen unsere Rundwanderung an einem Parkplatz in der Nähe des Bahnhofs Pfronten-Steinach. Wenn man von Pfronten kommt, biegt man 350 Meter hinter dem Bahnhof am Schild »Zirmgrat« nach links ab. Der asphaltierte Fahrweg überquert gleich die höher liegenden Bahngleise und endet auf dem geräumigen Parkplatz vor der Vils. Auf dem Bild kann man den Zufahrtsweg und den Parkplatz am linken Rand erkennen. Jenseits der Brücke beginnt der »Südaufstieg« zum Falkenstein. Er ist wesentlich günstiger und landschaftlich schöner als der Aufstieg über den Westrücken von Meilingen aus, der zudem einen weiteren Rückweg erfordert. Der gut ausgebaute, fast möchte man sagen gepflegte Steig zieht an den bewaldeten Steilhängen des Falkensteins bergan, immer wieder hübsche Blicke ins Vilstal bietend, windet sich in angenehmer Steigung empor und erreicht schließlich die Mariengrotte in einer großen Nische der hier 60 Meter hohen, leicht überhängenden Gipfelwand des Falkensteins. Von der eindrucksvollen Grotte führt der nun geländerbewehrte Weg in mehreren Kehren zum Kamm, wo er zwischen Gipfel und Burghotel Falkenstein mündet. Zu dem 1988 vollständig renovierten Hotel unmittelbar unterm Gipfel kann man ab 18 Uhr mit dem Pkw hinauffahren. Der Falkensteingipfel, den man vom Hotel in wenigen Minuten erreicht, ist ein hervorragender Aussichtspunkt. Im Süden und Südwesten bilden Brentenjoch, Aggenstein und Breitenberg eine beeindruckende Kulisse. Nach Westen schauen wir über die unterhalb des Gipfelaufbaus liegende Schloßangeralpe und Pfronten-Steinach hinweg auf den Kienbergkamm mit dem nach Osten vorgeschobenen Pfrontner Berg. Auch dieser Höhenzug bietet eine interessante, allerdings etwas anspruchsvollere Kammtour (Tour 17). Im Osten erblicken wir unsere nächsten Gipfelziele, Einerkopf und Zwölferkopf, bewaldete Kuppen mit steilem, felsigem Abfall ins Vilstal und weniger steilen Hängen nach Norden. Der Höhenweg ist auf der Nordseite unterhalb der Kammhöhe geführt, beide Erhebungen sind von dort leicht zu ersteigen. Zum letzten Gipfel, dem Zirmgrat, leitet der Weg unmittelbar. Auf dem Falkenstein, der um die erste Jahrtausendwende Besitztum der Augsburger Bischöfe war, erbaute Bischof Heinrich 1059 eine Burg als Zufluchtsstätte für kriegerische Zeiten. Sie wurde 1646 auf Befehl der Landesregierung Tirols zerstört, um den gegen Ende des 30jährigen Kriegs anrückenden Schweden keinen wertvollen Stützpunkt in die Hände fallen zu lassen. 1884 kaufte Bayernkönig Ludwig II. die Ruine mit der Absicht, an deren Stelle ein Schloß zu bauen. Doch der Plan kam, zum Glück für den Saloberkamm, nicht mehr zur Ausführung. Ein Modell des geplanten Prachtschlosses befindet sich im Schloß Neuschwanstein. Gehen wir nach diesem kleinen historischen Rückblick unsere Kammwanderung an. Zunächst gilt es, etwa 120 Höhenmeter in den Sattel vor dem Einerkopf abzusteigen. Die gewundene Asphaltstraße zieht hinunter. Wir folgen ihr nur bis zur ersten Linkskehre und benützen dann den Weg, der die Straßenwindung abkürzt und kurz darauf wieder in die Straße mündet. Wir kommen an einem kleinen schmiedeeisernen Gedenkkreuz vorbei. Es erinnert an den Falkensteinsepp, genannt Kohlseppl, 1842–1913, der hier oben vierzig Jahre gelebt hat. Der Einsiedler mit bürgerlichem Namen Josef Köpf wohnte in einem Hüttchen auf dem grasigen Kopf neben der Straße, auf dem jetzt der Gedenkstein für die im zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten der 97. Jägerdivision steht. Als König Ludwig den Fahrweg auf den Falkenstein zum Materialtransport für das geplante Schloß bauen ließ – die heutige Asphaltstraße verläuft auf dieser alten Fahrwegtrasse –, war der Kohlseppl als Kantinenwirt tätig. Auf dem Friedhof von Weißensee hat er seine letzte Ruhe gefunden, unter einem schlichten Grabstein mit eingravierter stilisierter Darstellung des Falkensteingipfels. Einige Meter hinter dem Gedenkkreuz biegt die Straße scharf nach links ab. Hier führt geradeaus eine nicht markierte, aber deutliche Pfadspur erst am Rücken, dann auf steilen Tritten, schließlich als verwachsenes Steiglein in den flachen Sattel hinab. Eine andere leichte Abstiegsmöglichkeit bildet ein schmaler Hangweg, der 30 Meter hinter der Straßenbiegung abzweigt. Natürlich kann man auch, nur wenig länger, auf der Straße zum Sattel gehen. Dort beginnt der mit »Salober Alm« beschilderte Weg. Nach einigen Minuten erreichen wir den Ansatz des EinerkopfNordwestrückens, über den wir aufsteigen wollen. Wir verlassen nun den markierten Weg und steigen auf Trittspuren, den untersten ziemlich steilen grasigen Aufschwung und die darüber querliegenden dicken Baumstämme rechts umgehend, am Rücken empor. Der Windbruch, der vormals den Anstieg erschwerte, wurde 1994 beseitigt, so daß man auf dem nun freien Rücken problemlos aufsteigen kann. Die steile Grasschrofenstufe im oberen Teil wird am einfachsten links umgangen, und über den anschließenden nur noch wenig geneigten Kamm ist man schnell auf dem Einerkopf. Statt über den Nordwestrücken aufzusteigen, kann man auch dem Hangweg Richtung Saloberalp weiter folgen und vom Sattel hinter dem Einerkopf auf Pfadspuren über den Ostrücken den Gipfel gewinnen, wobei die kleinen Aufschwünge auf kurzen Bändern mit guten Tritten erstiegen werden. Das dauert etwas länger als der Anstieg über den Nordwestrücken. Lohnend ist dieser kleine Abstecher auf den Einerkopf allemal. Die Aussicht ist ähnlich wie die vom Falkenstein, aber nun bildet dieser selbst einen hübschen Blickpunkt. Auf dem Ostrücken steigen wir zum Sattel vor unserem nächsten Ziel, dem Zwölferkopf, ab. Hier ist der direkte Aufstieg am Nordwestrücken leicht. Den Aufschwung am Sattel ersteigt man auf nach links hochleitenden Grastritten. Oberhalb zieht der nun weniger steile grasige Rücken ohne Schwierigkeit mit deutlicher Pfadspur zum Gipfel des Zwölferkopfs. Auch er ist ein prächtiger Aussichtspunkt, auf dem man meist allein sein wird. Vom Zwölferkopf leitet ein Pfad am Südostrücken in den nächsten Sattel. Dies ist auch die einfachste Aufstiegsmöglichkeit. Man trifft hier auf den Höhenweg, der nun unmittelbar zum Zirmgrat, unserem letzten Gipfel führt. Von der Gipfelbank bietet sich ein besonders schöner, ganz freier Ausblick hinab ins Vilstal und auf die Tannheimer Berge. Der Abstiegsweg zur Saloberalp leitet zunächst in kurzen Kehren im Bereich einer erdigen Waldschneise hinab, überquert diese und erreicht nach ausholendem Bogen schließlich einen Zaun. Für die Fortsetzung haben wir zwei Möglichkeiten - Die kürzeste und bequemste ist ein Wiesenpfad, der hinter dem Durchlaß beginnt und am Waldrand mit wenig Gegenanstieg zur Alp führt. Abwechslungsreicher, aber gut eine Viertelstunde länger ist der markierte Normalweg links vom Zaun. Er überquert ziemlich steil eine Kuppe und zieht dann von der Einsattelung dahinter am nordseitigen Hang des Saloberkopfs mit hübschem Tiefblick auf den Weißensee empor, zuletzt leicht abwärts zur Saloberalp, mit insgesamt etwa 60 Meter Gegenanstieg. Die auf einem weiten Absatz gelegene, gern auch als Alleinziel besuchte Alp mit einer großen Terrasse ist außer November / Dezember und der zweiten Aprilhälfte ganzjährig geöffnet. Sie bietet einen schönen Blick auf Brentenjoch und Aggenstein und eine willkommene Rast vor unserem mehr als einstündigen Rückweg. Zum Abstieg folgen wir dem bei der Alp beginnenden, mit »Vils« beschilderten markierten Weg. Er führt ein ganzes Stück am Hang entlang und dann in zwei Kehren zu einem Querweg. Nach links geht es an der Ruine Vilseck (Vilsegg) vorbei nach Vils. Wir folgen dem Weg nach rechts (Schild »Zirmenweg – Mariengrotte«), der Richtung Pfronten ins Vilstal zieht. Auf diesen Weg trifft man auch – etwas rascher –, wenn man, wie auf der Karte angedeutet, am Beginn der zweiten Linkskehre geradeaus auf einer Pfadspur die wenigen Höhenmeter absteigt. Fünfzig Meter hinter der Abzweigung zur Mariengrotte leiten kurze Kehren an acht Marterln mit Bildern vom Kreuzweg Christi vorbei hinab zum breiten Weg im Tal. Hier wandern wir durch die Vilsauen am Fuß des Saloberkammes zum Parkplatz zurück. Bei der »Mariengrotte« handelt es sich nicht um die große Grotte am Falkenstein, sondern um eine ganz kleine Grotte, die man vom Abzweig in etwa 15 Minuten erreicht.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied1580 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz an der Vils, beim Bahnhof Pfronten-Steinach, 842 m.
Beste Jahreszeit
GastronomieSalober Alp, 1088 m.
Höchster Punkt
Falkenstein, 1268 m – Einerkopf, 1262 m – Zwölferkopf, 1283 m – Zirmgrat, 1292 m.
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