Der Österreichische Schinder

Sehr schöne, mit Abstieg durch das Schinderkar auch recht abenteuerliche Bergwanderung, die als beschriebene Rundtour absolute Trittsicherheit und an einer Stelle auch etwas Klettergewandtheit verlangt. Der Schinder ist, wie alle Grenzberge der Bayerischen Voralpen, ein herrlicher Aussichtsgipfel. (Autor: Horst Höfler, Gerlinde M. Witt)
10 km
900 m
5.00 h
Vom Parkplatz an der Vereinigung der von Enterrottach und der vom Spitzingsee nach Valepp führenden Straßen geht man etwa 150 Meter in Richtung Enterrottach zurück und auf einer Brücke über die Weiße Valepp. Kurz der Forststraße folgen, bis nach links der bezeichnete Steig zum Schinder abzweigt. Durch schönen Mischwald in Südrichtung oberhalb der Valepp bequem aufwärts, dann westlich in einen Bachgraben, den man quert. Bald darauf folgt eine mit Drahtseil gesicherte, plattige, jedoch nur mäßig steile Felsquerung. Man gelangt auf eine Forststraße, folgt ihr kurz nach rechts bis zur deutlich markierten Fortsetzung des Steiges und quert sie weiter oben noch einmal. Durch Wald zur Trausnitzalm (etwa 1420 m). Von dort südlich zur Einmündung des von der Erzherzog-Johann-Klause heraufführenden Weges. Dann leitet der Steig im freien Gelände (immer wieder schöner Tiefblick zur Trausnitzalm) auf den vom Schinder südöstlich herabziehenden Rücken. Über ihn, zuletzt durch eine steile Latschengasse, auf den Gipfelgrat und links zum Kreuz. Abstieg - Entweder auf dem Anstiegsweg. Oder vom Gipfel auf dem Kamm in Westrichtung auf und ab, bis ein roter Pfeil nach links abwärts weist. In einer schrofigen, durch Latschen führenden, dann felsigen, steilen Rinne im freien Gelände (Sicherungen) südseitig hinunter. Danach westlich ins Schindertor zwischen Österreichischem und Bayerischem Schinder. Jetzt nördlich den Sicherungen und roten Markierungen folgend abwärts. Längs eines Drahtseils zu einem Felsenfenster und über ein fast senkrechtes Wandl (Eisenstifte, Seil) auf das steile Geröll. Zuerst direkt in einer Rinne hinunter, dann den Pfadspuren folgend abwärts in die Latschenzone. Ab dem Karboden prägt sich ein Steig aus. Nach einer Art »hohlen Gasse« weist eine rote Markierung nach rechts (»Parkplatz Valepp«). Auf dem Pfad geht es durch den Wald zu einer Forstdiensthütte und von dort auf der Forststraße zurück bis zum Ausgangspunkt. Oder von der Wegverzweigung geradeaus weiter zu einem mit Ahornbäumen bestandenen Boden. Auf gutem Steig durch Wald zur Schlagalm und vollends hinab zur Mautstraße im Tal der Weißen Valepp. In Ostrichtung zurück zum Parkplatz.

Dauer - Parkplatz – Trausnitzalm etwa 1.45 Std.; Trausnitzalm – Österreichischer Schinder gut 1 Std.; Österreichischer Schinder – Schinderkar – Parkplatz etwa 2.15 Std. Höhenunterschied: Parkplatz – Trausnitzalm etwa 520 m; Trausnitzalm – Österreichischer Schinder etwa 390 m.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied900 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz (etwa 900 m) ca. 500 Meter nördlich des Forsthauses Valepp.
TourencharakterZwischen Blaubergkamm und dem Massiv des Hinteren Sonnwendjochs steht der Schinder, ein Bergstock mit den Erhebungen Pfaffenkopf (1622 m), Rothkogel (1686 m), Bayerischer Schinder (1790 m) und Österreichischer Schinder (1808 m), den man auch Trausnitzberg nennt. Von Süden gesehen beeindruckt der Schinder nicht sonderlich. Doch seine wilde Nordseite gehört zu den markantesten Bergansichten in den Bayerischen Voralpen. Großartig steht er plötzlich da, wenn man etwa winters mit den Skiern auf der Wildfeldalmroute zum Rotwandhaus hinaufschlurft. Aber auch im Sommer kann sich der Schinder dank seiner schroffen Flanken durchaus sehen lassen. Am schönsten wirkt er vom Stolzenberg aus. Da steht man dem zerklüfteten Grenzberg unmittelbar gegenüber. Für geübte Skibergsteiger ist der Schinder ein tolles Ziel. Durch das nordseitige Schinderkar führt eine rassige Tourenabfahrt. Besonders ihre Einfahrt ist schmal und steil. Hier sollte man die Technik des Umspringens beherrschen und möglichst keinen Sturz bauen. Als wir den Schinder zum ersten Mal mit Skiern besuchten, musste er als Ersatzziel für den Hochkönig herhalten. Denn in den Berchtesgadener Alpen hing bedrohliches Gewölk. Noch bei der Rückfahrt durch den Chiemgau goss es in Strömen. Doch über »unseren« Schlierseer Bergen wurde der Himmel zunehmend freundlicher, und plötzlich sagte eine Freundin - »Wie wär's denn mit dem Schinder?« Ich hatte zuerst überhaupt keine Lust dazu, brummelte etwas von »was is' scho' da Schinda gega'n Hochkönig?«. Aber ich ließ mich umstimmen – und hatte es nicht zu bereuen. Superfirn bei der Abfahrt durchs steile Kar, was will der Skitourenfreund mehr? Auch im Sommer heißt's beim Abstieg vom Schindertor ins Schinderkar aufpassen. Sicherungen helfen über die etwas unangenehmeren Passagen. Danach kann man im feinen Geröll des Kars recht mühelos hinuntergehen. Ich sage absichtlich »hinuntergehen«. Vom »Abfahren« in solchen Karen mag ich überhaupt nicht mehr schwärmen, seit mir bewusst geworden ist, dass sich auch im Geröll Pflanzen befinden – die so genannten Schuttfluren. Wer sich den Abstieg ins Schinderkar nicht zutraut, geht eben wieder auf dem einfachen Anstiegsweg über die Trausnitzalm zum Ausgangspunkt bei Valepp zurück. – Im Übrigen kann man auch den Bayerischen Schinder ersteigen: Vom Schindertor ist's – Latschenschlieferei inbegriffen – nicht einmal eine halbe Stunde hinauf.
Beste Jahreszeit
KartentippTopographische Karte Mangfallgebirge, 1 - 50 000, Bayerisches Landesvermessungsamt München.
VerkehrsanbindungVon Rottach-Egern nach Enterrottach und auf der über die Monialm führenden Mautstraße zum Parkplatz bei der Vereinigung der beiden Straßen.
GastronomieTrausnitzalm (während der Weidezeit). n Forsthaus Valepp (893 m), privat, November bis Weihnachten geschlossen, sonst ganzjährig bewirtschaftet, 15 Schlafplätze, Tel. - 0 80 26/7 12 81.

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