Der Gemmipass

Abwechslungsreiche Gipfel- und Passwanderung mit hochgelegenem Ausgangspunkt und nur kurzen Steilanstiegen. Am Üschenegrat ist Trittsicherheit erforderlich, beim Gemmiweg handelt es sich um einen komfortabel breiten Saumpfad. Immer wieder wechselnde Szenerien und Ausblicke. Auch Teilbegehungen (etwa bis Schwarenbach) möglich, natürlich auch ein Abstieg nach Leukerbad über den alten Gemmiweg (siehe Tour 41). (Autor: Eugen E. Hüsler)
20 km
940 m
7.00 h
So schrieb Sebastian Münster 1550: »Gegen Occident des bads steigent über sich biss zum himmel grausam felsen / die erschröcklich seind anzusehen von wegen jrer höhe und rühe / ja an manchem ort sich lassen ansehen als wöllen sie oben abher fallen / und alles so hie unden ist erschlagen. [...] Unnd wo einer neben dem weg hinab sicht / kompt jm ein grausamme tieffe entgegen / die kaum on schwindel des haupts mag angeblickt werden. Ich weiss wol do ich auss dem bad auff disen berg stig / den zu besichtigen / zitterten mir mein hertz und bein.« Manche Passwanderer ließen sich auf den Berg tragen, »mit dem Gesicht nach hinten gekehrt und verbundenen Augen«. Gemeint war der Weg über die jähe Gemmiwand oberhalb von Leukerbad, der in vielen Serpentinen verläuft – längst als Wanderroute eine Attraktion des Walliser Kurortes. Tragen lassen sich die Reisenden auch heute noch, von der Seilbahn allerdings. Die führt von Leukerbad direkt zum Pass, von dem der »fürchterliche Weg« ins Dalatal hinunterzieht. Er wurde Mitte des 18. Jahrhunderts von Tiroler Arbeitern zu einem Saumpfad ausgebaut. Zu einer richtigen Straße reichte es allerdings nicht. So gehört die Gemmi nach wie vor den Wanderern. Und den Schafen, die im Sommer rund um den Daubensee weiden. Am letzten Sonntag im Juli findet hier ein großes Schäferfest statt – auf Walliser Boden notabene, verläuft die Kantonsgrenze doch nicht über die Wasserscheide, sondern knapp südlich der Spittelmatte. Bergab! Nach der luftigen Seilbahnfahrt, die schöne Einblicke in die Gemmiwand und auf den Verlauf des historischen Passweges bietet, geht’s auf breitem Weg zunächst sanft bergab zum unteren Ende des rund anderthalb Kilometer langen, scheinbar abflusslosen Daubensees (2207 m). Nach einer kleinen Gegensteigung am Seestutz (alter Bergsturz) wandert man talauswärts zum altehrwürdigen Berghaus Schwarenbach (2060 m; 1.15 Std.). Knapp zwei Kilometer weiter ist der ausgedehnte Boden der Spittelmatte erreicht, überschreitet man die Grenze zwischen den Kantonen Wallis und Bern. Die Alp wurde am 11. September 1895 von einer riesigen Eis - lawine verwüstet, die sich hoch am Altels (3629 m) gelöst hatte. Heute ist von dem Gletscher kaum mehr etwas übrig geblieben. Zwischen den Bergsturztrümmern verbirgt sich links das Arvenseeli (Abstecher, 10 Min.). An der Weggabelung auf der Spittelmatte (1872 m) hält man sich links und folgt der Sandstraße hinauf zur Seilbahnstation Sunnbüel (1934 m; 2.15 Std.). Über den Üschenegrat Hier weist ein Wegzeiger links hinunter in eine licht bewaldete Geländemulde. Bei der Winteregghütte (1888 m; privat) beginnt der Anstieg zum Üschenegrat. Das gut angelegte Steiglein schwindelt sich zwischen Bergsturztrümmern hindurch, schneidet dann einen Grashang und schraubt sich schließlich in kurzen Kehren hinauf zu einem prächtigen Aussichtspunkt (2165 m; 3 Std.) am Nordgrat des Gällihorns. Hier wechselt man auf die Westseite des Üschenegrats. Der Weg folgt ihm mit leichtem Auf und Ab, führt einmal über eine kurze Felsstufe, tangiert dann den Grat und steigt zuletzt steil an zur Wyssi Flue (2472 m; 5 Std.), deren Gipfelwiese zu einer Rast vor den Dreieinhalbtausendern im Osten einlädt (Altels, Balmhorn, Rinderhorn). Markante Berggestalten auch im Westen mit dem Trümmerzacken des Tschingellochtighore (2735 m) als Blickfang, dem Lohnermassiv als größte Massenerhebung auf dieser Seite des Panoramas. Zurück zum Gemmipass Am grasigen Grat entlang leiten die Markierungen bergab zum Schwarzgrätli (2383 m), wo links der Weg nach Schwarenbach (2060 m) abzweigt. Man folgt ihm über einen steilen Wiesenhang hinunter bis zu einem lang gestreckten Felsriegel. Nur wenig unterhalb – knappe 50 Höhenmeter über dem Gasthaus – bietet sich die Möglichkeit, nach rechts zu einer weiß-rot-weiß markierten Spur zu queren (kein Hinweis!), die an der westlichen Talseite allmählich gegen die Rote Chumme (2302 m) ansteigt. Hier stößt man auf den Weg zur Engstligenalp. Links geht’s zwischen den Felsen hinab zum Daubensee (2207 m). An seinem Westufer entlang führt ein ordentlicher Pfad zum oberen See-Ende und über einen steinigen Hang hinauf zur Buckellandschaft des Gemmipasses (2322 m; 7 Std.) mit Seilbahnstation, Berghotel und großer Schau auf die Walliser Viertausender, angeführt von Mischabel (Dom, 4545 m), Weisshorn (4505 m), Matterhorn (4478 m) und Grand Combin (4357 m). Weniger schön ist die Halbruine des alten Hotels Wildstrubel wenig unterhalb des Neubaus ...

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour20 km
Höhenunterschied940 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortLeukerbad (1402 m), berühmter Kurort im Dalatal
AusgangspunktBergstation (2346 m) der Gemmipass- Seilbahn
EndpunktBergstation (2346 m) der Gemmipass- Seilbahn
TourencharakterAuf Straßenkarten sucht man den Gemmipass (2322 m) vergebens, dabei gehört er doch zu den ältesten Alpenübergängen der Schweiz, einst wichtiger Transitweg vom Berner Oberland ins Wallis. Historischen Berichten kann man allerdings entnehmen, dass die Bergreise alles andere als angenehm gewesen sein muss.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 263 T
MarkierungenWeiß-rot-weiße und gelbe Markierungen, gelbe Wegzeiger
Verkehrsanbindungim Rhonetal (Bahnstation) über eine gut ausgebaute Straße (Linienbus).
GastronomieBerghotel Wildstrubel, Juni–Nov., Tel. 027/470 12 01, www.gemmi.ch. Berggasthaus Schwarenbach, Feb.– Okt., Tel. 033/675 12 72, www.schwarenbach.ch. Restaurant Sunnbüel bei der Seilbahnstation
Tipps
Ein Haus mit Geschichte Trotz der Schreckensgeschichten über den alten Gemmiweg wurde der Pass zu allen Zeiten rege begangen. Und als ihn Wolfgang Menzel in seinen »Sommertagen im Wallis« 1834 beschrieb (»Er ist unstreitig das Wundersamste, was von Menschenhand in den Alpen gefunden wird«), hatte er seinen Schrecken eigentlich bereits verloren, war der Abschnitt über die Gemmiwand zu einem vergleichsweise komfortablen Saumpfad ausgebaut. Fast 100 Jahre stand damals bereits das Gasthaus Schwarenbach. 1742 errichtet, gilt es als eines der ältesten Berghotels der Schweiz, und viel Prominenz machte am Gemmiweg schon Station. Hotel Schwarenbach, CH-3718 Kandersteg, Februar bis Oktober; Tel. 033/672 12 72, E-Mail: info@schwarenbach.ch, www.schwarenbach.ch
Informationen
Tourist-Info Leukerbad Tourismus, Rathaus, CH- 3954 Leukerbad, Tel. 027/ 472 71 71, E-Mail: info@leukerbad. ch, www.leukerbad.ch