Creux du Van

Spektakuläre Schlucht- und Höhenwanderung zu einem Naturdenkmal. Teilweise rutschige Wege und steile Abschnitte, Trittsicherheit erforderlich. Wer die Areuse-Schlucht länger genießen möchte, startet von Boudry. Dann verlängert sich die Tour um zwei Stunden. (Autor: Iris Kürschner)
Vom Bahnhof Champ du Moulin (648 m) über die Gleise nach rechts hinunter zum Naturschutz-Informationszentrum (617 m, geöffnet Sa/So 10–17 Uhr, Mitte Mai – Mitte Sept.) und dem Nordufer der Areuse folgen. Am Kraftwerk geht der Fahrweg in einen Feldweg über und erreicht schon bald den engsten und wildesten Teil der Areuse-Schlucht. Wildromantisch wölbt sich die Natursteinbrücke Saut de Brot (651 m, 30 Min.) über das stiebende Wasser, und jenseits überwinden Treppen die enge Klamm. Kurz dahinter nach links in Serpentinen steil durch Wald empor. Hier und da wird die Zufahrtstraße zur Ferme Robert gekreuzt oder ihr ein Stück gefolgt. Ganz plötzlich öffnet sich der Wald zu einer verwunschenen Lichtung mit der Ferme Robert (972 m, 1:15 Std.) im Talboden des Felsenkessels Creux du Van. Das typische Bauernhaus aus dem Jahre 1750 ist heute ein rustikales Gasthaus mit Übernachtungsmöglichkeit. Über dem Eingang hängen zwei Bärentatzen. Erinnerung an den letzten Petz, der hier 1757 von Daniel Robert erlegt worden war. Beachtenswert auch die zwei großen Findlinge, die der eiszeitliche Rhonegletscher aus dem Wallis hierher transportiert hat. Über den breiten Wanderweg steuert man nun direkt auf die senkrechten Felswände zu, wird aber schon bald wieder von Wald verschluckt. Hinter der Fontaine Froide (»Kalter Brunnen«, 1126 m), einer gefassten Sickerquelle, die bei den Einheimischen als heilsam gilt, wird's erst richtig steil. Der Sentier du Single (Dialektwort von sanglier = Wildschwein), ein Zickzackpfad, treibt den Schweiß aus den Poren. Hat man die Höhe erklommen, sind es nur noch ein paar Meter nach rechts, und man schaut in ein unvergleichliches Naturwunder hinab. Über hundert Meter stürzen gebänderte Kalkwände im Halbrund senkrecht in die Tiefe. Ein schwindelndes Gefühl, an der Abbruchkante dieses spektakulären Felsenkessels zu stehen. Ein Fernglas ist nützlich, wenn man die Gämsen und Steinböcke beobachten will, die sich mitunter am Fuße der Wände tummeln. Über den höchsten Punkt Le Soliat (1463 m) am Rande des Kraters entlang. Etwa auf halber Strecke befindet sich der Falkenhorst, eine kleine Plattform, gern genutzt auch als Echo-Felsen. Der Ausblick schweift über den tiefen Einschnitt der Areuse-Schlucht nach Norden und zur Hochebene von Ponts-de-Martel. Am westlichen Ende des Halbrunds geht es zur Ferme du Soliat (1382 m, 3 Std.). In der urigen Bergwirtschaft hängen die Würste von der Decke, prasselt das Kaminfeuer und zwischen knarzenden Dielen lässt sich ganz vorzüglich Fondue essen. Vom Haus nach rechts durch das Viehgatter in den Wald, bis ein Hinweisschild in Richtung Travers weist. Diesem nach rechts abwärts gegen Westen, dann gegen Süden folgen, bis der Wald (Bois des Lacherels) sich bei La Banderette (1061 m) wieder öffnet und freien Blick auf das Val de Travers gewährt. Das stattliche Jurahaus des Club Jurassien kann von Selbstversorgern gemietet werden, beherbergt aber auch ein Museum zur hiesigen Fauna und Flora (geöffnet Mai–Okt. 8–18 Uhr). Dem Feldweg kurz nach rechts folgen, nach links durch ein Viehgatter über die Weide zum Hof Haut de la Côte (1025 m) absteigen und nach links wieder in den Wald, zuletzt über offenes Gelände nach Travers (735 m, 5 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied846 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktChamp du Moulin (648 m).
EndpunktTravers (735 m), 14 km von Champ du Moulin entfernt.
TourencharakterDas von der Areuse durchflossene Val de Travers bildet ein langgezogenes Transversaltal zwischen Neuchâtel und Pontarlier und ist die wichtigste Verbindungstrecke vom Schweizer Mittelland nach Frankreich. Wer da schnell hindurchreist, dem bleibt eine Menge verborgen. Abseits der Schnellstraße kleine verschlafene Dörfchen, wie Môtiers, mit kulturellen wie landschaftlichen Sehenswürdigkeiten. Am östlichen Talende verbirgt die waldige Felsenkrete des Eselrückens (Dos d'Âne) das gewaltigste Naturdenkmal der Schweiz, die U-förmige Felsenarena des Creux du Van, bevor das Tal sich zur großartigen Areuse-Schlucht verengt und der Fluss wildschäumend durch das Trou de Bourgogne brodelt, wie die Einheimischen den Durchbruch der Jurafalte nennen, durch den man ins Val de Travers gelangt. Auf einem malerischen Pfad kann nun die Schlucht durchwandert werden, verbunden mit einem Aufstieg zum Creux du Van eine der eindrücklichsten Wanderungen des Schweizer Jura.
Beste Jahreszeit
KartentippLandeskarte der Schweiz 1:50 000, Blatt 241T Val de Travers oder 1:25 000, Blatt 1163 Travers.
MarkierungenGelbe Raute, gelbe Wegweiser.
VerkehrsanbindungAnfahrt von Neuchâtel N 10 Richtung Pontarlier, hinter Rochefort Abzweig links steil nach Champ du Moulin hinunter. Parkplatz am Naturschutzzentrum. Regionalzüge von Neuchâtel nach Champ du Moulin und Travers.
GastronomieHôtel de la Truite (617 m) in Champ du Moulin, Tel. 032/855 11 34.
Tipps
Eine interessante Führung unter Tage, ins Stollenlabyrinth einer ehemaligen Asphaltmine, bietet sich bei La Presta an. Das Bergwerk zwischen Travers und Couvet war einst Europas bedeutendster Asphaltlieferant. Ab 1830 wurde hier der Rohstoff abgebaut. Im Laufe der Zeit entstanden über 100 Kilometer Stollen durch den bitumenhaltigen Kalk. Wegen Erschöpfung der Vorräte musste der Betrieb dann 1986 eingestellt werden. Heute ist das Areal als Schaubergwerk eingerichtet mit kleinem Museum und Restaurant. Der besondere Gag auf der Speisekarte: in Asphalt gekochter Schinken. Führungen 1.April – 20.Okt., tgl. 10:30 und 14:30 Uhr, Juli/August auch 12:30 und 16:30 Uhr, 21.Okt. – Ende März, So. 12:30 und 14:30 Uhr, Tel. 032/864 90 64.
Unterkunft
Ferme Robert (972 m), Tel. 032/863 31 40; Ferme du Soliat (1382 m), Tel. 032/863 31 36; La Banderette (1061 m), zu vermieten nur an Selbstversorgergruppen, Tel. 032/ 863 22 84; Hôtel-Restaurant Crêt-de-l'Anneau in Travers, Tel. 032/863 11 78.
Tourismusbüro
Verkehrsbüro-Centre sportif, CH-2108 Couvet, Tel. 032/889 68 96, Fax 889 62 90, E-Mail info.vdt@ne.ch, Internet www.vdt.ch

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