Col di Lana, 2452 m

Mehr Höhenwanderung als Gipfeltour und entsprechend aussichtsreich. Am Verbindungsgrat zwischen Sief und Col di Lana einige gesicherte Passagen (Drahtseile, Klammern), für ganz Ungeübte deshalb nicht geeignet. Vor einem Betreten der Stollen am Col di Lana muss gewarnt werden; wegen des brüchigen Gesteins hohe Einsturzgefahr! (Autor: Eugen E. Hüsler)
12 km
750 m
5.00 h
Unter den »Sieben Steinen« hindurch Den Auftakt zur Höhenwanderung macht der Abstieg vom Rifugio Valparola (2168 m) – vorbei am gleichnamigen kleinen See – über teilweise sumpfige Wiesen und durch eine kurze, steile Rinne (Drahtseile) auf ein gesichertes Band, das zum Bosco di Vizza hin ausläuft. Unter den zerklüfteten Südabbrüchen der Setsas (Sieben Steine) quert das Weglein erst horizontal, dann ansteigend zu dem grasigen Kamm, der den Pico Setsas mit dem Monte Sief verbindet. Auf dem Pico Setsas (2429 m), dem schroffen Vorbau der »Sieben Steine«, befand sich im Krieg ein Beobachtungsposten. Die Kuppe wird auch Richthofenriff genannt, nach dem deutschen Geologen Ferdinand von Richthofen (1833–1905), weil sich hier Schlerndolomit und Cassianer Schichten verzahnen, zwei Gesteine, die das Landschaftsbild der westlichen Dolomiten mitprägen: harter, kaum geschichteter Kalk und dunkle, weiche Tuffe. Kriegsspuren Am flachen Siefsattel (2209 m; 1.30 Std.) stößt man auf Frontspuren: verfallene Unterstände, Stacheldraht, Krater. An der Nordflanke des Monte Sief sind die Schützengräben des Ersten Weltkriegs original rekonstruiert worden, teilweise sogar samt Holzabdeckungen. Mit prächtiger Aussicht hinüber zur firngleißenden Marmolada, die sich so wirkungsvoll von dem schwarzen Vulkangestein des Padònkamms abhebt, steigt man zwischen den Gräben hinauf zum höchsten Punkt des Monte Sief (2424 m; 2.15 Std.). Er besteht – wie der Col di Lana – aus vergleichsweise weichem Tuffgestein. Lediglichambenachbarten Dente del Sief (2424 m) zeigt sich schroffer, blockiger Fels. Das Weglein weicht dem Aufschwung nach rechts aus; eine kurze, aber fast senkrechte Passage meistert man leicht an soliden Eisenbügeln. Drahtseile leiten anschließendamGrat entlang sanft abwärts, vorbei an Schützengräben; Holzstufen führen zum Gipfelgrat des Col di Lana, über den man rasch den höchsten Punkt gewinnt (2452 m; 2.45 Std.). Etwas abseits, am Ansatzpunkt des Ostgrates, steht ein Denkmal für die Opfer des blutigen Ringens. Teriòl Ladin Natürlich kann man auf der gleichen Route zurückgehen; eine empfehlenswerte Alternative bietet der »Teriòl Ladin«, ein Wiesenpfad, der die gesamte Westflanke des Col di Lana quert. Man folgt vom Gipfel absteigend einem von der Erosion ziemlich gezeichneten Zickzackweg, wobei die Civetta die ungefähre Richtung vorgibt. Hinter dem Ciapel de Napoleon, einer felsigen Gratkuppe, die entfernt an die Kopfbedeckung des berühmten Korsen erinnert, zweigt rechts eine deutliche Wegspur ab. Sie führt über einen Geröllhang schräg hinunter zum Plan de la Chicia (2125 m), wo man auf den »Teriòl Ladin « stößt. Nun in leichtem Auf und Ab – zur Linken die mächtige Sellaburg – westseitig um den Col di Lana herum (Murmeltiere!). Am Passo di Sief (2209 m; 4.15 Std.) mündet der »Teriòl Ladin« in den Anstiegsweg. Auf ihm zurück zum Passo di Valparola (2168 m; 5.45 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied750 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortSt. Kassian (1563 m), Ferienort im Hochabtei
AusgangspunktValparolajoch (2168 m), Straßenpass zwischen dem Hochabtei und dem Ampezzano
EndpunktValparolajoch (2168 m), Straßenpass zwischen dem Hochabtei und dem Ampezzano
TourencharakterAuf der Fahrt über die »Große Dolomitenstraße« dürften ihn die meisten übersehen, gibt es links und rechts der berühmten Passstraße doch entschieden Attraktiveres zu bestaunen als den breit-behäbigen, bis unter den Gipfel grünen Rücken, der sich im Winkel über den Tälern des Cordévole und des Andraz-Bachs erhebt. Kein markantes Profil, auch kein Dolomitfels, der Klettermöglichkeiten verspricht. Und der größte Vorzug des Col di Lana ist von der Straße aus überhaupt nicht zu erkennen, dazu braucht’s eine Landkarte: seine freie Lage im Zentrum der Dolomiten – und die entsprechend großartige Aussicht. Rundum schauen Um dieses Panorama zu erleben, steigt man vor allem auf den Berg, und wer bei passendem Wetter – etwa an einem Föhntag im Herbst – oben steht, hat sie alle im Blick, die hundert Dolomitzacken zwischen Rosengarten und Antelao (3264 m), zwischen Peitlerkofel (2875 m) und Agnèr (2872 m). Der gesprengte Gipfel Der Col di Lana ist nicht bloß ein Berg mit großer Aussicht, sondern einer mit (schrecklicher) Geschichte. Von Kriegsbeginn an entbrannte ein heftiger Kampf um den strategisch sehr günstig gelegenen Gipfel. Nachdem ihn Kaiserschützen erobert hatten, rannten die Italiener fast ohne Pause gegen deren Gipfelstellung an, allein bis zum Wintereinbruch fast hundertmal (!). Weitere Angriffe im Frühjahr 1916 wurden ebenfalls abgewiesen; deshalb entschloss man sich zum Bau eines Minenstollens. Am 17. April 1916 detonierten fünf Tonnen Nitrogelatine und sprengten den Gipfel samt Besatzung in die Luft. Rund 170 Mann starben. Noch heute gähnt ein tiefer Trichter in der geschundenen Erde; unmittelbar daneben steht eine Gedenkkapelle.
KartentippTabacco 1:25 000, Blatt 07 »Alta Badia – Arabba – Marmolada«
MarkierungenFarbmarkierungen, Wegnummern 23, 21
VerkehrsanbindungEine gut ausgebaute Straße führt von Stern via St. Kassian hinauf zum Valparolajoch, 14 km. Buslinie, Parkplatz
GastronomieKeine Einkehrmöglichkeit unterwegs, am Valparolajoch bewirtschaftete Hütte
Tourismusbüro
Tourismusverband Alta Badia, Col-Alt-Straße 36, I-39033 Corvara; Tel. +39/0471/83 61 76, corvara@altabadia.org, www.altabadia.org

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