Col de Torrent, 2918 m

Vom Val d’Hérens ins Val d’Anniviers (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
13 km
1250 m
5.00 h
Bei Sierre im Rhonetal geht es nach Süden in das noch sehr ursprüngliche Val d’Anniviers (zu deutsch: Eifischtal). Es ist ein Tal mit schroffen Felswänden über sonnigen Matten. Dicht schmiegen sich die verwitterten, schindelgedeckten Häuser an steile Hänge. Für Urlauber ein malerisches Bild – doch für die Einwohner sieht die Wirklichkeit ganz anders aus. Wie mühsam sich die Arbeit der Bergbauern in solchem Gelände gestaltet, macht ein oft gebrauchter Stoßseufzer deutlich: Selbst Hühner müssten hier eigentlich Steigeisen tragen. Das hochgelegene, einst nur schwer zugängliche Val d'Anniviers findet in Geschichtsbüchern erst im Mittelalter Erwähnung. Viele Anniviarden, wie die Talbewohner heißen, führten bis vor wenigen Jahrzehnten noch ein fast nomadenhaftes Leben. Sie wanderten je nach Jahreszeit zwischen ihrem Tal (in dem sie Kartoffeln oder Roggen anbauten und Viehzucht betrieben) und dem Rhonetal (wo sie Weinberge besaßen) hin und her.
Heute führt eine gut ausgebaute Straße ins Tal der Navisence. Hauptanziehungspunkte sind Grimentz und der Lac de Moiry sowie Zinal im benachbarten Val de Zinal (von Vissoie oder Grimentz zu erreichen). Das Val d’Anniviers bietet schöne Wandermöglichkeiten, eignet sich jedoch auch für Tagesausflüge mit dem Auto. Auf keinen Fall sollten Sie versäumen, von Vissoie (im Val d'Anniviers) einen Abstecher auf schöner Bergstraße nach St. Luc und Chandolin zu machen. Diese typischen Walliser Bergdörfer mit ihren malerischen, blumengeschmückten Holzhäusern lohnen einen Besuch. Drei Pässe verbinden das Val d’Hérens mit dem Val d’Anniviers: der Pas de Lona von Eison nach Grimentz, der Col de la Couronne von Les Haudères über die Moiryhütte nach Grimentz und der Col de Torrent von Villa zum Lac de Moiry und nach Grimentz. Der Torrentpass, gebräuchlichster und schönster Übergang, ist unser nächstes Tourenziel.
Der Wegverlauf.
Aufstieg zum Col de Torrent.
In der Ortsmitte von Villa der Richtungshinweis zum Col de Torrent. Dann sanfter Anstieg über offenes Almgelände. Die dichtgedrängten Häuser des Dorfes bleiben bald zurück, auch die auffallend vielen Alphüttchen, die der Versorgung des Viehs dienen. Bei einer Gabelung nach 15 Minuten folgen wir der Markierung Les Lachiores, in großen blauen Buchstaben auf einen Stein gemalt. In Kehren zieht sich der Steig den Hang entlang. Wiederholt sind Bächlein zu queren. Kurz hinter den Alphütten von Les Lachiores zweigt ein Pfad nach Volovron ab (weiter nach Eison, Trogne und St. Martin). Recht finster wirken im Süden die Wächter von Les Haudères, Petite und Grande Dent de Veisivi. Hoch über dem Talgrund von Arolla grüßt der Pigne d’Arolla im Morgenlicht. Immer mächtiger bauen sich im Westen Aiguilles Rouges d’Arolla, Mont de l’Etoile und Pointe de Vouasson auf. Wie aus einer Spielzeugschachtel wirken jetzt die Dörfer »Auf den Felsen«.
Über liebliche, hügelige Weideböden gelangen wir zur ausgedehnten Alp Le Cotter. Neben den Überresten einer verfallenen Hütte links des Weges ist der Boden von Edelweiß übersät. Sie recken ihre samtweißen Köpfchen dem Sonnenlicht entgegen. Als wilder Kontrast wirken mächtige Felsbrocken in ihren warmen Brauntönen. Von der Natur eigenwillig geformt, stehen sie wie hingepflanzt über das Hochplateau verstreut.
Von Le Cotter ist ein sanft geneigter Hang zu traversieren. Vorbei geht es an einem Seelein (2536 m) und zwischen Seegras, Polsterblümchen, Schusternägeln und Hauswurz stetig höher, zum Schluss steiler auf den Col de Torrent (2918 m), Einsattelung zwischen Sasseneire und Pointe du Prélet. Ein großartiges Panorama breitet sich vor uns aus. Nach dem ersten überraschenden Blick zu den Bergen und Gletschern über dem Talschluss von Moiry steigen wir den Grat in Richtung Pointe du Prélet unschwierig weiter empor bis Punkt 2986. Die Mühen des Aufstiegs werden mit einer unvergleichlichen Rundsicht und einzigartigen Tiefblicken belohnt. Am meisten fesselt der Anblick der Dent Blanche – etwas ferner Dent d’Hérens, Tête de Valpelline und Tête Blanche. Wildzerklüftet fließt der Glacier de Moiry ins Tal. Blaugrün leuchtet das Wasser des Lac de Moiry herauf. Aber wir genießen auch die Aussicht in den ganzen oberen Teil des Val d’Hérens.
Abstieg zum Lac de Moiry.
Wer auf der gleichen Route nach Villa zurückkehren will, muss mit 2¼ Stunden Gehzeit rechnen. Wir wollen nach Osten ins Val de Moiry hinabwandern. Unser Abstiegsgelände gleicht in etwa jenem auf der anderen Seite des Cols. Im Grunde einer symmetrisch geformten alten Gletschermulde liegt der Lac des Autannes. Der Pfad führt in Kehren den steinigen Hang abwärts. Immer wieder wird der Blick gefesselt von der wilden Fels- und Eiskulisse über dem Talschluss. Vom Lac des Autannes (2686 m), einer Oase der Ruhe, schlendern wir zur Torrentalp hin. Der Boden ist übersät von Alpenblumen. Hier verbringen die kleinen, zähen Eringerkühe den Bergsommer.
Schon bald ist der Lac de Moiry erreicht (2249 m). Einst durchfloss die Gourga dieses kleine Nebentälchen. 1959 wurde ihr Wasser gestaut, und es entstand in dieser schönen Landschaft mit dem Glacier de Moiry im Hintergrund der 77 Millionen Kubikmeter fassende Stausee. Eine 148 Meter hohe Staumauer hält das gebändigte Wasser gefangen. Eine acht Kilometer lange Straße verbindet Grimentz mit dem Stausee und führt an seinem östlichen Ufer bis an den Gletscher.
Busfahrt nach Grimentz.
Per Bus geht es nach Grimentz mit der schönsten Dorfstraße des Wallis. Die Einwohner, Zeugen einer rauen und harten Vergangenheit, haben es verstanden, sich den Erforder-nissen der Gegenwart anzupassen, ohne das Erbe ihrer Vorfahren in Vergessenheit geraten zu lassen. Wahllos durcheinander stehen Scheunen, Speicher, Stadel und Wohnhäuser. Besonders schön wirken die ältesten hohen Gebäude (16.Jh.). Die Häuser mit den dunkelbraunen Balken sind verschwenderisch geschmückt durch eine Fülle bunter, leuchtender Blumen in Kupferkesseln, Weidenkörben und Kästen vor Fenstern, Balkonen und an Wänden. Als Dachabdeckung wurden entweder Granitplatten oder Lärchenschindeln verwendet. Das älteste Haus, das Burgerhaus (von 1550; 1947 restauriert), beherbergt in seinem großen Weinkeller sehr alte Fässer. In einem dieser Fässer, dem Fass des Bischofs, lagert der berühmte Gletscherwein, der den Burgern von Grimentz für spezielle Gelegenheiten vorbehalten ist.
Weitere Tourenvorschläge.
• St.Luc/Tignousa (Sessellift) – Bella Tola und zurück (3¾ Std.);
• Evolène – Volovron – Eison – St.Martin – Luette (4½ Std.; zurück mit dem Bus).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied1250 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortEvolène (1371 m) oder Les Haudères (1436 m) im Val d’Hérens.
AusgangspunktVilla (1742 m) auf den Felsen über Evolène; Start in Ortsmitte.
EndpunktGrimentz
Tourencharakterinteressante Wanderung mit unschwieriger Passüberschreitung.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1:50 000, Blätter 273 T (Montana) und 283 T (Arolla; beide mit eingezeichneten Routen).
Verkehrsanbindungwie bei Tour 22 nach Evolène oder Les Haudères; mit möglichst frühem Bus nach Villa. Rückkehr: am Ende der Tour (oder am nächsten Tag, falls Nächtigung in Grimentz) von Grimentz per Bus nach Sierre im Rhonetal und ggf. weiter über Sion ins Val d’Hérens, wenn eigenes Auto dort steht (Busfahrten vorher erkunden).
GastronomieRestaurant Lac de Moiry (Val de Moiry) und div. Möglichkeiten in Grimentz/Val d'Anniviers.
Unterkunft
Restaurant Lac de Moiry (Val de Moiry) und div. Möglichkeiten in Grimentz/Val d'Anniviers.

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Heinrich Bauregger

Von Hütte zu Hütte

Die 40 schönsten Wege von Hütte zu Hütte in den Bayerischen Hausbergen zwischen Berchtesgaden und Allgäu stellt dieser Band vor.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema