Chasseral

Beliebte und gemütliche Kamm- und Hüttenwanderung mit Rückkehr durch eine wilde Schlucht mit Steilaufstieg. (Autor: Iris Kürschner)
13 km
548 m
4.00 h
Vom Hotel Chasseral (1548 m) folgt man dem von Felsrippen durchzogenen Grat in südlicher Richtung zum Scheitelpunkt der Passstraße, überquert diese und hält sich weiter auf dem Gratweg. In leichtem Auf und Ab durch felsiges Gelände, dann etwas steiler eine Weide hinunter zur Métairie de l'Ile (1352 m), der ersten zünftigen Bergwirtschaft. Ein Stück den Alpweg hinunter und nach rechts wieder auf den gelb-rot markierten Jurahöhenweg, der dem Grat folgt. Nachdem man die rechts etwas unterhalb gelegene Métairie d'Aarberg (1265 m) passiert hat, zweigt die Route nach links über Weiden zur Alpwirtschaft von Chuffort (1225 m; 1:35 Std.) hinunter. Hier wird der Gratweg verlassen und nach rechts am Steinmäuerchen entlang Richtung Clémensin gewandert. An einer Alphütte vorbei geht es über Weiden abwärts auf einen Fahrweg, dem man nach links folgt. Schon bald öffnet sich ein wunderbarer Blick ins Val de Ruz und auf die Häusergruppe von Clémensin (1011 m; 2:05 Std.). Auch hier wieder eine Métairie, diesmal mit Übernachtungsmöglichkeit. Am markanten Haus mit Glockenturm biegt man in den Feldweg nach rechts, der sich eben in den Wald zieht. Die erste Wegegabelung nach links einschlagen, bis der Pfad auf einen weiteren Forstweg stößt, dem nach links abwärts gefolgt wird. An der nächsten scharfen Linkskurve nach rechts ist bald der Eingang zur Combe Biosse (2:45 Std.) erreicht. Man passiert zwei Brücklein in nördlicher Richtung. Danach wird der breite Weg längs des Baches immer schmäler und in schweißtreibendem Anstieg die wilde, steinige Schlucht erkämpft, bis einen der Wald in ein kleines Hochtal ausspuckt. In nun gemächlicher Steigung längs des Grabens über Weiden zur Chasseralstraße und diese ein paar Meter nach rechts entlang, bis nach links das letzte Steilstück zum Chasseral bewältigt werden muss (4:30 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied548 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGroßer Parkplatz am Hotel Chasseral, 1548 m.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterEs ist noch gar nicht so lange her, dass der Chasseral eine weltabgeschiedene Gegend war, in der die wenigen Bergbauern dem kargen Kalkboden in beschwerlicher Arbeit gerade einmal ein dürftiges Überlebensminimum abringen konnten. Milch, Käse und Rahm wurden im Sommer in der als natürlichem Kühlschrank genutzten Eishöhle aufbewahrt, einer ganzjährig vereisten Bodenvertiefung im Gelände der Métairie-des-Limes-du-Haut. Anfang des 20. Jh. kam als zusätzliche Einkommensquelle limitiertes Schnapsbrennen hinzu. Nach dem Verbot des Absinth durften die Bauern die heimische Enzianwurzel zu Hochprozentigem verarbeiten, wobei sich die erlaubte Menge nach dem vorhandenen Viehbestand richtete. Erst in den dreißiger Jahren (1933–36) wurde die Passstraße von Nods nach St-Imier gebaut und das Gebiet aus seiner Abgeschiedenheit gelöst. Der Tourismus kam, doch die weltentrückte Atmosphäre hat er nicht verscheuchen können. Manche selten gewordene Tier- und Pflanzenart ist hier noch anzutreffen: Auer-, Birk- und Haselhuhn, Wiesenpieper, verschiedene Spechtarten und Raubvögel, bis hin zum Hermelin und Luchs. Unter den Enzianen, Anemonen und Orchideen lassen sich zahlreiche Raritäten aufspüren. Seit 1977 steht das Gebiet im Bundesinventar der geschützten Landschaften und Naturdenkmäler.
Heute ziert den höchsten Punkt des Chasseral (1607 m) ein Fernmeldeturm gewaltigen Ausmaßes. Mit seinen unzähligen Antennen und Empfangsschüsseln erhöht er den Gipfel um weitere 120 Meter. Das etwas unterhalb gelegene Hotel mit seinem stattlichen Satteldach gleicht im Äußeren den juratypischen Chalets. Die Gestaltung des Innenlebens fiel leider einem dieser etwas unromantischen weiträumigen Selbstbedienungsrestaurants zum Opfer, was vermuten lässt, dass der Andrang mitunter von Massen bestimmt wird. Allerdings beschränkt sich das in der Regel auf die Wochenenden und Sommerferien. In den Tagen dazwischen schlummert der Chasseral wieder in der Einsamkeit. Und so lässt sich die beliebte Kammwanderung über den langgestreckten Höhenzug auch am besten wochentags unternehmen. Auf der ersten Hälfte schwelgt das Auge im Ausblick. Bei klarer Sicht spannt sich die weiße Alpenkette über den östlichen Horizont im Kontrast zu den grünen endlosen Hügelwellen des Jura im Westen. Bei soviel Schau muss man fast aufpassen, nicht über den steinigen Pfad zu stolpern. Doch zahlreiche Bergwirtschaften unterwegs geben die Gelegenheit, das Ganze mit Muße und einem guten Glas Flüssigem zu betrachten. Die zweite Hälfte wirkt dann fast wie ein Eindringen in den Berg selbst. Durch die enge Jurafalte der wildromantischen Combe Biosse (seit 1977 Naturschutzgebiet) wird in strengem Aufstieg der Chasseral zurück erobert. Die Route kann natürlich auch in umgekehrter Richtung angegangen werden, ist aber dann etwas kniemörderischer.
Beste Jahreszeit
KartentippLandeskarte der Schweiz 1:50 000, Blatt 232T Vallon de St-Imier; 1:25 000, Blatt 1125 Chasseral; Wanderkarte 1:60 000 Berner Jura–Seeland, Kümmerly+Frey.
MarkierungenGelb-rote Raute, gelbe Hinweisschilder.
VerkehrsanbindungPassübergang zwischen dem Tal von St-Imier und dem Bielersee; Anfahrt auf schmaler Bergstraße von St-Imier oder Nods, Zufahrt zum Hotel mautpflichtig; Busverbindung Chasseral–St-Imier.
GastronomieMétairie d'Aarberg (1265 m), Tel. 032/751 34 22, Mo Ruhetag; Métairie Chuffort (1225 m), Tel. 032/751 22 58, Di Ruhetag; Métairie de l'Ile (1352 m), Tel. 032/751 27 33, Do Ruhetag.
Tipps
Métairie kommt vom lateinischen medietas (die Hälfte). Damit wurden die Bauern- oder Meierhöfe bezeichnet, deren es im Chasseral-Gebiet so viele gibt, weil ihre Pächter dem Grundbesitzer die Hälfte des Bodenertrags abliefern mussten. In einigen dieser stattlichen Höfe wird bis heute Käse hergestellt. Die meisten haben auf dauerhafte Gastronomie umgestellt, in manchen kann auch übernachtet werden. Eigentlich sollte man auf eine Anreise zum Chasseral mit Auto oder Bus verzichten. Ein viel eindrücklicheres Erlebnis bietet sich im Auf- oder Abstieg durch die Combe Grède (911 m). Diese mystische Waldschlucht zieht sich als tiefe Kerbe von der Nordflanke des Chasseral nach Villeret hinunter. Jede Menge Sagen ranken sich um die düstere Kluft. Da erzählt man sich von Hexen, die im Schutze der Felsen den erntevernichtenden Hagel vorbereiteten. Andere vermuten irgendwo im Schlund die Werkstatt von St.Nikolaus und seinen Weihnachtsfrauen. Tatsache ist, dass sich eine mittlerweile stattliche Kolonie von Gämsen in den felsigen Waldflanken tummelt, deren Vorfahren 1956 hier ausgesetzt wurden. Davor ging es der Natur nicht so gut. Im 19. Jh. nutzten Eisenindustrie und Köhler den Wald zu fleißig als Energiespender. Durch die Entwicklung neuer Energiequellen ging der Bedarf glücklicherweise zurück, und Anfang des 20. Jh. begann man wieder mit der Aufforstung. Seit 1932 steht das Gebiet um die Combe Grède unter Naturschutz, und die alte Wildheit ist zurückgekehrt. Im oberen Teil der Schlucht stellt sich eine hohe Kalkwand in den Weg, die mit Hilfe mehrerer Metallleitern ohne Probleme überwunden wird, doch der Route noch einen zusätzlichen Hauch von Abenteuer verleiht. Aufstieg von Villeret (763 m) zum Chasseral 2:30 Std. Vorsicht bei Nässe!
Unterkunft
Hôtel Chasseral (1548 m), Tel. 032/751 24 51 oder Tel. 079/ 443 48 02; Métairie de Clémesin, Mi Ruhetag (1050 m), Tel. 032/ 853 14 18.
Tourismusbüro
Office du Tourisme du Jura bernois, Avenue de la Liberté 26, CH-2740 Moutier, Tel. 032/493 64 66, E-Mail info@jurabernois.ch, Internet www.jurabernois.ch Office du Tourisme du Val de Ruz, Rue de l'Epervier, CH-2053 Cernier, Tel. 032/889 68 91, E-Mail info.vdr@ne.ch, Internet www.ne.ch/tourism

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