Brünnsteinhaus

Das Brünnsteinhaus ist im Bergdreieck Trainsjoch, Großer Traithen und Brünnstein die einzige Übernachtungshütte. Sie liegt privilegiert unter der Südwand des Brünnsteins und somit auf der Sonnenseite des Berges. (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
8 km
400 m
4.00 h

Vier Anstiege plus Varianten

Schwer zu sagen, welche der Aufstiegsvarianten nun am ehesten zu empfehlen ist. Wer es eilig hat, gelangt vom Inntal am schnellsten an sein Ziel. Zwei Aufstiege bieten sich aus östlicher Richtung an: Von Buchau geht es zum Teil gnadenlos steil durch das waldige Brünntal empor; wir schwitzten hier im Hitzesommer 2003 Blut und Wasser. Die Trockenheit war zu dieser Zeit so groß, dass es auf dem Brünnsteinhaus kein Trinkwasser gab. Doch kühle Getränke schmeckten im schattigen kleinen Biergarten trotzdem.

Vorteil dieser Variante: Wenn man über Großalm und Längaualm absteigt, kehrt man auf abwechslungsreicher Rundtour zum Ausgangsort zurück. Nur unwesentlich länger dauert der zweite Anstieg von Mühlau, doch wird dieser etwas langweilig auf Fahr- und Forstwegen zurückgelegt.

Der dritte, landschaftlich vielleicht reizvollste Anstieg beginnt in der Rosengasse und führt durch schattigen Wald hinauf in das großzügige Almgelände zwischen Traithen und Brünnstein. Die letzten Kilometer werden in östlicher Richtung ohne nennenswerten Höhenunterschied zurückgelegt. Wer diesen Zugang wählt, kann nach dem Aufstieg über den Dr.-Julius-Mayr-Steig den Brünnstein quasi überschreiten, indem er in westlicher Richtung zur Himmelmoosalm absteigt. Von hier bieten sich einige Varianten für die Rückkehr zum Auto an, sportlich Ambitionierte können sogar den Gipfel des Großen Traithen noch mitnehmen.

Die Biker kommen vom Nesseltal

Mit rund 11 Kilometer Strecke ist der Anmarsch vom Ursprungtal mit Abstand der längste. Diese Route (der vierte Anstieg) ist bei den Bikern beliebt, obwohl das Gefährt unterhalb der Wirtsalm geschultert werden muss. Die Biker, die das Brünnsteinhaus in ihre Tagesetappe mit einbeziehen, bereiten der Hüttenwirtin Petra Rotter zuweilen ein wenig Kopfzerbrechen. Natürlich sind auch sie willkommene Gäste, doch viele lassen sich vom Moser Bike-Führer zu tollkühnen Fahrten inspirieren.

Obwohl dort die Auffahrt zum Brünnsteinhaus als sehr schwer beschrieben wird, überschätzen viele immer wieder ihre eigenen Möglichkeiten. Zur Abschreckung erzählt Petra von einem tragischen Fall: Ein einheimischer Biker wandte sich nach der Hütteneinkehr per Handy an seine Freundin, um die abendliche Heimkehr anzukündigen; fatalerweise stürzte er jedoch bei der Abfahrt zu Tode.

Lob von Moser

Der Moser-Führer zählt die Gegend zwischen Brünnstein, Traithen und Trainsjoch übrigens zu den schönsten Landschaften des bayerischen Alpenraumes. Ein dickes Lob bekommt auch das Brünnsteinhaus ab: »Das Brünnsteinhaus ist durch seine vorgelagerte, unter Bäumen versteckte Terrasse ein schönes Rastplätzchen mit tollen Ausblicken zum Kaisergebirge. Für eine Steigerung dieses Panoramas empfiehlt sich der kurze Aufstieg zum Brünnsteingipfel mit der kleinen Kapelle ... Das Bike bleibt selbstverständlich auf der Hütte zurück!«

Durch einen Felsspalt zum Gipfel

Das Problem ist nur, dass extreme Biker vor lauter Sportsgeist gar keinen Blick für die schöne Landschaft haben. Der Tipp, den Brünnstein über den Dr.-Julius-Mayr-Weg zu besteigen, kann jedoch bedenkenlos an alle Wanderer weitergegeben werden. Der (Kletter-)Steig beginnt unmittelbar an der Hütte und führt rasch in felsiges Terrain. Über Trittstufen und eine Eisentreppe erreicht man den landschaftlichen Höhepunkt der Route, einen engen Felsspalt. Durch diesen gelangt man zu weiteren Eisentreppen und bald darauf zu einem luftigen, breiten Band, von dem sich beeindruckende Tiefblicke ergeben.

Schließlich geht es durch eine Schuttrinne und eine weitere Felsstufe zum Brünnsteingipfel mit Kapelle und Kreuz. Vorsicht ist beim Aufstieg vor allem wegen Steinschlag geboten, den allzu Unvorsichtige leider immer wieder auslösen. Oben angekommen am langgezogenen Gipfelgrat findet jeder seinen Rastplatz.

Länge: Von der Rosengasse auf Weg 651 (2 1/2 Std.); von Buchau durch das Brünntal (1 3/4 Std.); von Mühlau über Rechenau auf Weg 49 (2 Std.); vom Ursprungtal durch das Nesseltal über Gießenbachhütte oder Steilenalm (3 1/2 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied400 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktRosengasse am Sudelfeld, Buchau bzw. Mühlau über dem Inntal, Nesseltal am Ursprungpass
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDas Brünnsteinhaus ist im Bergdreieck Trainsjoch, Großer Traithen und Brünnstein die einzige Übernachtungshütte. Sie liegt privilegiert unter der Südwand des Brünnsteins und somit auf der Sonnenseite des Berges. Während die benachbarten Gipfel im Frühjahr noch schneebedeckt sind, ist der reizvolle Dr.-Julius-Mayr-Steig zum Brünnstein aufgrund von Sonneneinstrahlung und Steilheit bereits lange ausgeapert. Ab Mitte März schließt die Hüttenwirtin Petra Rotter ihre Hütte allerdings für sechs Wochen bis Ende April zu. Abgesehen davon bleibt, nachdem viele Wege zum Brünnsteinhaus führen, die Qual der Wahl für den Aufstieg.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 8, Tegernsee – Schliersee – Wendelstein, 1:50.000
VerkehrsanbindungMit dem Auto auf der Salzburger Autobahn (A 8) bis zur Ausfahrt Weyarn, dann auf der B 307 über Miesbach und Schliersee nach Bayrischzell. Hier entweder weiter Richtung Ursprungpass oder auf der Sudelfeldstraße über den Pass bis zur Abzweigung Mittleres Sudelfeld/Grafenherberg und bis zum Wanderparkplatz an der Rosengasse. Wer von Buchau oder Mühlau aufsteigt, nimmt am besten die Inntalautobahn Ausfahrt Oberaudorf; ca. 2 km nördlich vom Ort zweigt nach links eine kleine Straße nach Buchau ab, Mühlau hingegen wird auf der kleinen Straße südlich von Oberaudorf erreicht.
Tipps
Ein Bad im Auerbach: Nördlich vom Brünnstein fließt, eingebettet in einer tiefen Schlucht, der Auerbach. Wer also die Wanderung mit einem kühlenden Bad verbinden will, steigt vom Ausgangsort Buchau etwa 100 Höhenmeter in die Bachschlucht ab und findet flussaufwärts oder flussabwärts der Brücke erholsame Nischen. Im Hochsommer nutzen einige jüngere oder junggebliebene Menschen die romantischen Plätzchen gar für eine Nacht unter freiem Himmel.
Informationen
Hüttenporträt
Höhe: 1342 m
Erbaut: 1894 (DAV-Sektion Rosenheim)
Bewirtschaftet: Ganzjährig, außer Mitte März bis Ende April; Anfang November bis 26. Dezember nur Sa/So geöffnet
Kulinarischer Tipp: Kartoffeln mit Quark, Kuchen
Hüttenwirtin: Petra Rotter. Telefon: 08033/14 31
Betten: 14
Lager: 40
Materialbeschaffung: Auf Fahrweg; die Hüttenwirtin muss sich die Lebensmittel selbst aus dem Tal beschaffen.

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