Breithorn, Mitterhorn, Äulhorn, Achselhorn

Ein herrlicher Höhenweg von Gipfel zu Gipfel (Autor: Joachim Burghardt)
Das Riemannhaus ist ein idealer Tourenstützpunkt - Es befindet sich am Rand der großen Hochfläche des Steinernen Meeres, ist nach dem Matrashaus auf dem Hochkönig die höchstgelegene bewirtschaftete Hütte der Berchtesgadener Alpen und bietet raschen Zugang zu rund zehn Gipfeln im Umkreis. Die felsigen Erhebungen in Hüttennähe stehen so dicht bei-einander, dass sich eine Überschreitung förmlich aufdrängt.
Durchs wilde Felsgelände.
Ein rascher und landschaftlich eindrucksvoller Zustieg beginnt am Wanderparkplatz in der Stabler Au nördlich von Maria Alm und führt zunächst auf einem Fahrweg bergauf. Nach der Talstation der Materialseilbahn geht es auf einem alpinen Steig weiter, der recht bald durch steiles Felsgelände führt und durch Stufen und Drahtseile entschärft ist (siehe auch Tour 23). Einer der spektakulären Hüttenzustiege rund um den Königssee! Kaum zu glauben, dass auf diesem Felsenpfad in einem schneereichen August schon mit Ski abgefahren wurde! Weiter oben beeindruckt dann die pralle Wand des eulenförmigen Sommersteins, an deren Fuß es schließlich die letzten Meter zur Hütte vorbeigeht.
Breithorn und Mitterhorn.
Die nun folgende, stellenweise anspruchsvolle Gipfelüberschreitung kann bei entsprechender Kondition als Halbtagestour unternommen werden. Am besten packt man sie nach einer Übernachtung im Riemannhaus in aller Herrgottsfrühe an! Der markierte Weg führt nördlich, dann westlich von der Hütte weg. Der Abzweig des Weges in Richtung Ingolstädter Haus bleibt rechts, und zügig rückt nun das Breithorn näher, dessen Gipfel man schließlich durch Fels- und Schuttgewirr ohne Schwierigkeiten gewinnt. Schon Hermann von Barth rühmte 1874 das Breithorn als den besten Aussichtsgipfel weit und breit, und dem ist nichts hinzuzufügen! Der Weiterweg zum Mitterhorn führt ein kurzes Stück den Gipfelhang wieder hinunter und quert dann nordwestlich zum Grat hinüber. Hier passiert er die Drei Docken, die von Ludwig Purtscheller erstbestiegen wurden und die, wären sie nur etwas eigenständiger, zu den am schwersten zu besteigenden Erhebungen des Steinernen Meeres gerechnet werden könnten. Der weitere Wegverlauf verlangt nun deutlich mehr als die Besteigung des Breithorns – es geht über ausgesetzte Bänder und recht abgespeckten Fels zum Mitterhorn hinüber, wobei man einige Male schon mit der Hand zupacken darf.
Zwei stillere Gipfel.
Vom Mitterhorn steigt man steil zur Gamsfeldnieder ab und steuert in der Folge nicht das weiter westlich gelegene Persailhorn an – das wäre der »Saalfeldener Höhenweg« –, sondern das direkt nördlich aufragende Äulhorn, das in der Literatur auch als Aulhorn, Alhorn und Ahlhorn erscheint. Der seilversicherte felsige Steilaufschwung zu seinem Gipfel verlangt entschlossenes Zupacken und einen sicheren Tritt – wer diese Voraussetzungen erfüllt, wird den Aufstieg als kurze Genusskraxelei in Erinnerung behalten. Nun ist der technisch anspruchsvollste Teil der Tour geschafft. Während sich auf dem Saalfeldener Höhenweg mitunter viele Bergsteiger gegenseitig auf die Klettersteigsets treten, ist man beim folgenden Übergang zum wenig ausgeprägten Achselhorn oft allein. Die Höhenwanderung auf dem Kamm bis zur Weißbachlscharte gestaltet sich unschwierig, äußerst reizvoll und entspannt – der Blick wandert über die rechterhand liegende Hochfläche, und kein Hindernis weit und breit stört das Auge. Erst seit einigen Jahren ist dieser Übergang wieder markiert und in den Karten verzeichnet. Aus der Weißbachlscharte geht es nun südöstlich zur Wegscheid hinab und nach einem 150-Meter-Zwischenaufstieg zur Äulhöhe auf dem Eichstätter Weg zum Riemannhaus zurück.

GEHZEITEN.
Stabler Au – Riemannhaus 3 Std., Riemannhaus – Breithorn gut 1 Std., Mitterhorn 0:30 Std., Äulhorn 0:30 Std., Achselhorn 0:30 Std., Weißbachlscharte 0:45 Std., über die Wegscheid zum Riemannhaus 1:30 Std., Stabler Au 2:30 Std.; insgesamt 10–11 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied1750 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
StartortMaria Alm, 802 m
AusgangspunktWanderparkplatz in der Stabler Au oberhalb von Maria Alm, 1160 m
EndpunktBreithorn, 2504 m; Mitterhorn, 2491 m; Äulhorn, 2481 m; Achselhorn, 2467 m
TourencharakterHochalpine, durchweg markierte Tour. Auf das Breithorn unschwieriger Wanderweg. Zum Mitterhorn deutlich anspruchsvoller, teils ausgesetzt, Drahtseilsicherungen. Hinab zur Gamsfeldnieder steil und felsig, auf das Äulhorn ebenfalls steil, Drahtseilsicherungen. Vom Breithorn bis hier immer wieder leichte Kletterstellen (I), Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Anschließend unschwierig zum Achselhorn und weiter zur Weißbachlscharte. Zurück zum Riemannhaus gut markierter Weg über die Hochfläche. Bei Gewitterneigung gefährlich, ausreichend Getränke mitnehmen!
Hinweise
BESTE JAHRESZEIT. Juli bis Oktober
KartentippAV-Karte 10/1 »Steinernes Meer« 1 - 25 000
VerkehrsanbindungMit dem Auto von der Deutschen Alpenstraße oder Bad Reichenhall über Lofer und Saalfelden. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwierig zu erreichen
GastronomieRiemannhaus, 2177 m. AV-Hütte, bew. Mitte Juni bis Anfang Oktober. Tel. - 0043/65 82/733 00, www.riemannhaus.de
Tipps
Geübte Bergsteiger können bei Bedarf bereits kurz nach dem Gipfel des Achselhorns rechts (östlich) weglos über eine steile Rinne zur Hochfläche und zum Eichstätter Weg absteigen. Aus der Weißbachlscharte kann unschwierig noch der Schartenkopf mitgenommen werden. Der weitere Gratübergang zum Hollermaißhorn ist anspruchsvoll und lohnend (siehe Tour 25).

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Joachim Burghardt

Vergessene Pfade um den Königssee

Stille Wege und einsame Gipfel rund um den Königssee - ein alpiner Genuss für den Bergsteiger, der nicht nur dorthin gehen mag, wohin alle schauen!

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema