Bodenschneidhaus

Im Jahr 2002 übernahm das Ehepaar Helga und Herbert Gerweck die Hüttenpacht. Während Herbert sich als gelernter Handwerker um die Wartungsarbeiten kümmert und kocht, hält Helga die Hütte sauber und meistert die organisatorischen Aufgaben. Und sie verbreitet unter den Hüttengästen gute Laune. (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
13 km
580 m
3.00 h

Die Zeitungs-Anekdote

Wenn man die sympathische Helga so reden hört, kann man sich kaum vorstellen, dass ihr irgendjemand Schimpfwörter an den Kopf schleudern könnte. Nicht ohne Schmunzeln erzählt sie als kleine Anekdote, dass ihr Derartiges doch einmal widerfuhr: Sie bekam bei Schlechtwetter einen Anruf, ob die Hütte geöffnet sei. Dies konnte sie bejahen, und weil die Gelegenheit günstig schien, fragte sie den Anrufer, ob er so freundlich sein würde, ihr aus dem Tal die Tegernseer Tageszeitung mitzubringen.

Mit der Dämmerung – als sie die Zeitung längst abgeschrieben hatte – betrat eine Familie die Hüttenstube, allen voran ein zorniger 6-Jähriger, der der verdutzten Hüttenwirtin sogleich ein »Du blöde Kuh« entgegenschleuderte. Es stellte sich heraus, dass der Vater seinen Sohn nur mit größter Mühe für den Restaufstieg zur Hütte hatte motivieren können; sein Hauptargument war dabei stets gewesen, dass er der Hüttenwirtin versprochen habe, die Zeitung abzuliefern. Jedenfalls ließ sich der aufgebrachte Bub selbst mit einer heißen Schokolade nicht besänftigen. Vielleicht hätten ihm die Hüttenhaustiere – Birkhähne, Auerhähne, Dachs, Marder, Fuchs und Wildhasen – eher Trost gespendet.

Alpines Gelände

Für kleine Überraschungen ist auch das Gelände rund um das Bodenschneidhaus gut. Obwohl die Hütte von sanften Almböden umgeben ist, sind die umliegenden Wege alles andere als ein Spaziergang. Offensichtlich nehmen viele ungeübte Wanderer die bayerischen Vorberge auf die leichte Schulter. Die Probleme beginnen bereits beim Übergang über den Freudenreichsattel Richtung Spitzingsee: Die markierte Hauptroute quert unmittelbar unter den nordseitigen Steilflanken der Bodenschneid.

Wegen reichlicher Wasservorkommen ist der schattige und abschüssige Steig sogar bei Schönwetter glitschig, was verbreitet zur Verunsicherung führt. Darum war Helga Gerweck der Hinweis wichtig, dass es anstelle dieses Übergangs die Variante über die Almböden der Freudenreichalmen gebe. Hierfür steigt man gleich hinter der Hütte auf Steigspuren links durch den Wald ab und vom Almhochplateau zum Freudenreichsattel empor. Sollte der Weg noch nicht markiert sein, geben die Hüttenleute vor Ort gerne genaue Auskunft.

Aufstieg zur Bodenschneid

Auch der Hüttenberg, die Bodenschneid, zeigt sich manchmal von seiner garstigen Seite. Der Anstieg zieht sich direkt über die steilen Nordhänge empor, die in den ersten Frostnächten jedoch rasch vereisen. Wir haben im Oktober 2003 Wanderer beobachtet, die wegen der vereisten Trasse abenteuerlich in das verschneite Gelände auswichen und somit von der Route abkamen; Anfang des Monats hatte es bereits über einen halben Meter Neuschnee gegeben. Auch wenn es komisch klingt, die Bodenschneid erfordert bei derlei Verhältnissen durchaus das Anlegen von Grödeln oder Steigeisen.

Rast am Gipfel

Abgesehen von den kleinen Schwierigkeiten im Anstieg zeigt sich der Gipfel von seiner schönsten Seite. Nach Überwinden der letzten Felsstufe öffnen sich weite Blicke gen Süden auf Risserkogel, Schinder, Blauberge, Rofan und Karwendelgebirge, ja selbst die Eisgipfel der Stubaier und Zillertaler Alpen lugen südlich des Inntals vereinzelt hervor. Das majestätische Gipfelkreuz ist auf einem stattlichen Sockel befestigt und ragt auffällig in die Höhe. Auf der Südseite des Gipfelkamms breiten sich üppige Wiesen aus, auf denen sich bequem Brotzeit machen lässt. Wer anschließend im Gratbereich zu den Firstalmen absteigt, kann den Tag mit dem Weg über die Freudenreichalmen in das Dürnbachtal als schöne Rundtour abschließen.

Alternativ mit dem Bike

Das Bodenschneidhaus ist nicht zuletzt bei den Bikern ein beliebtes Ziel. Ausgangsort ist dann meist jedoch nicht Fischhausen-Neuhaus, sondern Schliersee. Vom Ortsteil Krainsberg führt eine Forststraße westlich an den Erhebungen Brunstkogel und Westerberg vorbei zum so genannten Stachus, einem Wegkreuz mit Abzweigungen nach Fischhausen-Neuhaus und Kühzagl; Möglichkeiten für ausgedehnte Rundtouren Richtung Tegernsee oder Valepp sind also reichlich vorhanden. Das Bodenschneidhaus ist jedenfalls für Biker wie Wanderer gleichermaßen ein lohnender Zwischenstopp, auch wenn sich der Ausblick im Nordschatten der Bodenschneid in Grenzen hält.

Länge: Vom Bahnhof Fischhausen-Neuhaus auf der Bodenschneidstraße in das Dürnbachtal, dort auf bezeichnetem Weg durch Wald und über Almwiesen zum Bodenschneidhaus (1 3/4 Std.); vom Spitzingsattel über Obere Firstalm sowie Freudenreichsattel und Freudenreichalmen zur Hütte (1 3/4 Std.)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied580 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktFischhausen-Neuhaus, Spitzingsee
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterSchöne Lage inmitten weiter Almwiesen 
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 8, Tegernsee – Schliersee – Wendelstein, 1:50.000
VerkehrsanbindungMit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) von München zum Bahnhof Fischhausen-Neuhaus; wer vom Spitzingsattel losgehen will, steigt in den RVO-Bus um (direkter Anschluss). Autofahrer nehmen die Strecke über Schliersee nach Fischhausen-Neuhaus (Parkmöglichkeit am Bahnhof oder am Eingang des Dürnbachtals) oder fahren hinter dem Ort rechts zum Spitzingsee hoch (großer Wanderparkplatz).
Tipps
Baden im Schliersee: Das kühle Wasser des Schliersees ist für ein erfrischendes Bad nach der Tour wie geschaffen. Am unbebauten Westufer wird die Ruhe der Wanderer lediglich ab und zu vom Tuten der Bayerischen Oberlandbahn unterbrochen. Auf Höhe der kleinen Insel Wörth, die geübte Schwimmer problemlos erreichen, liegt inmitten der Natur die schönste Badestelle mit allerdings zum Teil etwas feuchten Wiesen. Wer von Fischhausen-Neuhaus nicht so weit wandern will, kann bereits an der Südspitze des Sees ins Wasser springen.
Informationen
Hüttenporträt
Höhe: 1353 m
Erbaut: Anfang 20. Jh. (DAV-Sektion Bodenschneid)
Gastronomie: Montag Ruhetag, außer an Feiertagen, aktuelle Öffnungszeiten und Betriebsferien siehe Hüttenhomepage: www.bodenschneidhaus-schliersee.de
Kulinarischer Tipp: Gams- und Hasenbraten, Schweinsbraten mit Bärlauchknödel
Hüttenwirte: Helga und Herbert Gerweck. Telefon: 08026/46 92 
Betten: 16 (8 DZ). Lager: 30
Materialbeschaffung: Auf Forstwegen von Schliersee
Besonderheit: Eine Kuckucksuhr in der Hüttenstube
Tourismusbüro
Gäste-Information Schliersee, Bahnhofstr. 11a, 83727 Schliersee, Tel.: 08026 / 6 06 50, Fax: 08026/60 65 20, Internet: www.schliersee.de

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