Bergeisamkeit am Karwendelhauptkamm

Anstieg 1 Std., Abstieg 1 Std.; insgesamt 2 Std. (Autor: Michael Pröttel)
33 km
2200 m
10.00 h
Freitag 7,5 km 3 Std. ’ 800 HmHüttenzustieg PleisenhütteGemütlicher Auftakt entlang der jungen IsarScharnitz – PleisenhütteWegverlauf Vom Scharnitzer Bahnhof (964 m) aus geht man zuerst hinunter zur Hauptstraße und folgt dieser nach links. Bald überquert man die Isar und wendet sich wieder links. Man unterquert die Bahnlinie und folgt nun einem den Fluss begleitenden Uferweg. Dieser mündet in eine Teerstraße, der man erneut nach links folgt. Zuerst geht es die Isar flach entlang weiter nach Osten, dann wird die Teerstraße zunehmend steiler. Kurz vor dem rechts liegenden »Schönwieshof« weist schließlich ein Holzschild nach links zur »Pleisenhütte«. Nun laufen wir ein gutes Stück auf einem breiten Forst-weg zunächst noch ansteigend, dann wieder flacher weiter, bis wir die Fahrstraße direkt nach der ersten Brücke verlassen können. Man wendet sich nach rechts ab und steigt durch schönen Mischwald nun auf einem Fußweg bergan. Bald trifft man wieder auf die breite Forststraße, geht aber nur ein Stück auf ihr entlang und verlässt sie wieder, indem man sich an einer Gabelung links hält. Zuletzt gelangt man in immer freier werdendem Gelände und sanft ansteigender Querung zur schön ge-legenen Pleisenhütte (1757 m, 3 Std.) hinauf.Samstag 13,5 km 8 Std. ’ 900 Hm, ‘910 HmÜber den Karwendelhauptkamm zum KarwendelhausBeeindruckende Bergwanderung über die einsamen KarwendelkarePleisenhütte – Mitterkar – Breitgrieskarscharte – Marxenkar – KarwendelhausWegverlauf Von der Pleisenhütte (1757 m) folgt man zunächst dem Wegweiser zur Pleisenspitze nach Norden. Nach etwa 20 Minuten muss man aufpassen: An einer Abzweigung wendet man sich nach rechts. Der nun schmälere Weg führt unterhalb einer kleinen Felswand nach Osten. Es geht weiter durch die Latschenzone hindurch, immer den Markierungen folgend ins Mitterkar, das man in etwa derselben Höhe quert (1.30 Std., 1900 m). Man wandert unter den senkrechten Wänden des Rückens, der zur Larchetkarspitze führt, vorbei bis zum Ausläufer des Südgrates, der vom Gaugg-Turm herabzieht, und weiter zur sogenannten »Kuchl«. Von hier hat man einen tollen Blick ins Hinterkar mit Riedelkarspitze und Breitgrieskarspitze.Unter Felswänden laufen wir zu einem grasbewachsenen Rücken und über diesen abwärts zu einem Steinmann. Nun wendet man sich nach links und steigt in einer Geröllrinne steiler bergab (Vorsicht Steinschlag!), weiter zum Teil weglos, aber gut markiert durch das weite Hinterkar. Über einen steileren Grashang halten wir uns auf den Fuß des Südsporns der Riedelkarspitze zu. Dort, wo die Schotterreiße mit dem Karboden zusammentrifft, hält man sich rechts und steuert die Westseite der Breitgrieskarspitze an. In deren Westflanke hilft ein Drahtseil über steile Schrofen auf ein breites Geröllband. Über dieses Band quert man nach Süden, bis man den Südgrat der Breitgrieskarspitze erreicht hat. Von hier aus kann man in wenigen Minuten über den Grat zusätzlich den Gipfel der Breitgrieskarspitze besteigen (3.45 Std., 2590 m – Kletterstellen bis I nach UIAA, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind erforderlich!).Nachdem man wieder bei dieser Abzweigung angelangt ist, folgt man dem Südgrat noch ein kurzes Stück und wendet sich dann nach links, um einen Schrofenrücken hinunterzusteigen. Schließlich quert der Weg hinüber zur Breitgrieskarscharte (4.30 Std., 2388 m), wo eine Biwakschachtel vor eventuellen Wetterstürzen Schutz bietet. Östlich der Breitgrieskarscharte nun wieder steiler empor auf den Sattel, der westlich der Kleinen Seekarspitze liegt. Von hier geht es nordseitig in den obersten Karboden des Seekarls hinab – bis weit in den Sommer hält sich hier eine Schneerinne, in der abgerutscht werden kann. Über grasdurchsetztes Gelände erreichen wir nach rechts ostwärts hinunter das Marxenkar (gut auf die Markierungen achten!). Dieses weite Kar wird flach nach Osten gequert (6.45 Std., 2000 m), bevor ein letzter Anstieg über steile Schrofen (altes Drahtseil) zum Bergrücken zwischen Marxenkar und Schlauchkar hinaufführt. An der dortigen Weggabelung (7:10 Std., 2100 m) folgt man der Beschilderung »Karwendelhaus«. Auf der anderen Seite geht es nun über den ebenfalls steilen »Brendelsteig« (Drahtseile) hinunter ins Schlauchkar. Nachdem man dieses gequert hat, stößt man auf einen deut-licheren Weg und hält sich links zum Karwendelhaus (8 Std., 1771 m).Sonntag ca. 16 km 6.30 Std. ’ 500, ‘850 HmÜber den Gjaidsteig zur HochlandhütteUnter den riesigen Wandfluchten der Nördlichen KarwendelketteKarwendelhaus – Bäralpsattel – Wörnersattel – Hochlandhütte – MittenwaldWegverlauf Vom Karwendelhaus (1771 m) folgt man den Serpentinen hinunter zu den Almgebäuden der Hochalm. In einer Linkskurve der Fahrstraße zweigt nach rechts der Beginn des Gjaidsteigs ab. Dieser führt in einer sehr langen, aber angenehm zu gehenden Querung immer in westlicher Richtung zum Bäralpsattel (1.15 Std., 1820 m) hinauf. Hier sollte man eine Pause einlegen und den Blick zurück auf die Kare und Gipfel des Karwendelhauptkammes ge-nießen. Vom Sattel wandern wir zunächst gemächlich nach Nord-westen durch die Karmulde der Bäralp hinab, bevor ein kurzes Stück absolute Trittsicherheit gefragt ist. Als zum Teil kühn in den Fels gesprengtes Band (teilweise Drahtseile) führt der Steig nun hinunter auf die Nordseite der Nördlichen Karwendelkette. Man quert nun entlang riesiger Schuttreißen, welche die Wandfüße zwischen Raffelspitze und Hochkarspitze bedecken, immer nach Westen. Ein kurzer Gegenanstieg bringt uns zunächst auf die Kammleitenwände hinauf, eine Art Ausläufer der Hochkarspitze. Dahinter geht es auf der anderen Seite wieder ins schattige Wörnerkar hinab. Hier wird es noch einmal anstrengend, da aus dem Kar heraus ein letzter Anstieg zum Wörnersattel (4 Std., 1989 m) zu bewältigen ist. Dieser wunderschöne Platz bietet sich für eine Rast unbedingt an, genießt man doch wunderschöne Ausblicke auf das Werdenfelser Land und das Wettersteingebirge. Nun folgt man den Wegweisern zur Hochlandhütte nach Westen hinab, wobei der Weg zunächst ziemlich erodiert und schlecht ist. Wo es flacher wird, wendet er sich nach Süden und führt in angenehmer Querung hinüber zur Hochlandhütte (4.45 Std., 1623 m). Unterhalb der Hütte steigt man geradeaus (westlich) zur Oberen Kälberalm ab. Im folgenden Tälchen muss man den Bach links überqueren (Wegweiser »Mittenwald«), um zur Unteren Kälberalm zu gelangen. Hier hält man sich wieder links und wandert zum Schluss auf dem breiten Forstweg der »Dammkarstraße« hinunter nach Mittenwald. Man unterquert die Bundesstraße, geht dann nach rechts und wieder nach links und überquert die Isar. Von hier folgt man der breitesten Straße zum nahe gelegenen Bahnhof Mittenwald (6.30 Std., 923 m).Zweitagesvariante Für konditionsstarke Bergsteiger gibt es die Möglichkeit, diese Dreitagestour auf zwei Tage zu verkürzen, indem man auf der Biwakschachtel an der Breitgrieskarscharte über-nachtet. Ich selbst habe die Tour so ausgeführt. Für den Aufstieg bis zum Biwak benötigt man 7.30 Std. Am nächsten Tag ist dann mit einer reinen Gehzeit von 10 Std. zu rechnen. Zu berücksichtigen ist, dass man natürlich einen schwereren Rucksack (Verpflegung, Schlafsack etc.) tragen muss. Auf der Breitgrieskarscharte gibt es im Hochsommer kein Wasser, wir konnten aber noch Ende Juni problemlos Schnee schmelzen. In der kleinen Biwakschachtel haben maximal vier Personen Platz zum Schlafen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour33 km
Höhenunterschied2200 m
Dauer10.00 h
AusgangspunktScharnitz (964 m).
EndpunktMittenwald (911 m).
TourencharakterWer von Scharnitz nach Mittenwald will, der kann natürlich ganz gemütlich entlang der Isar ins »Mekka des Geigenbaues« spazieren. Um einiges großartiger ist jedoch der lange Umweg über die Pleisenhütte, den Karwendelhauptkamm und das Karwendelhaus! Diese einzigartige Hochgebirgswanderung hat man vor allem dem legen-dären »Pleisentoni« zu verdanken. In den 1950er-Jahren erbaute Toni Gaugg die Hütte unter der Pleisenspitze aus eigener Muskelkraft und wurde dafür von seinen Mitbürgern aus Scharnitz anfangs belächelt. Das Holz für den Bau hatte er in der Umgebung der Hütte eigens geschlagen. Auf der Suche nach einer Quelle für die Wasser-versorgung entdeckte er zahlreiche Höhlen, in einer fand er sogar die Knochen eines urzeitlichen Elches. Später kundschaftete er den hier beschriebenen Übergang von seiner Hütte zum Karwendelhaus aus und ließ einen ausrangierten Unimog-Aufsatz zur Breitgrieskarscharte fliegen. Schon mancher Wanderer war bei einem überraschend aufziehenden Gewitter für die seltsame Biwakschachtel mehr als dankbar. Und bei seinem Sohn Siggi, der heute die Pleisenhütte bewirtet, dürfen wir uns – nicht nur bei Nebel – für die roten Markierungspunkte bedanken. Im Gedenken an den 2007 im Alter von 88 Jahren gestorbenen Pleisentoni trägt diese vielleicht schönste Karwendelüberschreitung seinen Namen.
Beste Jahreszeit
KartentippWK 323 »Karwendel – Mittenwald« 1:50000, Freytag & Berndt. Oder genauer: Alpenvereinskarten Nr. 5/1 und 5/2 »Karwendelgebirge« (Westliches und Mittleres Blatt) 1:25000.
VerkehrsanbindungMit dem Auto über die A 95 nach Garmisch-Partenkirchen. Von hier weiter auf der B 2 an Mittenwald vorbei nach Scharnitz. Vom Endpunkt der Tour in Mittenwald fährt man mit dem Zug zum Nachbarbahnhof Scharnitz zurück. Mit dem Zug: Die Bahnhöfe Mittenwald und Scharnitz erreicht man bequem von München aus über Garmisch-Partenkirchen.
Unterkunft
Pleisenhütte (privat, 1757 m), bewirtschaftet von Anfang Juni bis Mitte Oktober sowie ganzjährig an Wochenenden, Tel. 0043/664/ 9158792; Karwendelhaus (DAV, 1771 m), bewirtschaftet Anfang Juni bis Mitte Oktober, Tel. 0043/ 5213/5623, Internet: www.karwendelhaus.com, sowie Hochland- hütte (DAV, 1623 m), bewirtschaftet von Ende Mai bis Mitte Oktober, Tel. 0174/9897863.
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