Auf die Pragser Hochalpe

Recht lange, aber wenig schwierige Rundwanderung. Überwiegend gute Wege, lediglich der Abstieg von der Pragser Furkel verlangt erhöhte Vorsicht (Geröll, nach Regen sehr rutschig!). Bezieht man den Abstecher zum Hochalpensee mit in die Tour ein, erhöht sich die Gehzeit auf etwa 7.45 Std. (Autor: Eugen E. Hüsler)
17 km
900 m
6.00 h
Zu den Hochalpenhütten.
Beim Auftakt zur großen Wanderrunde ist man selten allein, weder am Parkplatz noch auf dem westseitigen Uferweg des Pragser Wildsees. Im lang gestreckten, nach Westen ansteigenden Grünwaldtal wird es dann allmählich ruhiger. Viele Ausflügler bleiben bereits bei der Grünwaldalm (1590 m; 45 Min.) hängen, und es sind meistens nur wenige, die bei den (neuen) Hochalpenhütten ankommen (2114 m; 2.45 Std.), wo die Luft bereits dünner, die ausgeschenkte Milch dafür umso dicker ist. Sie haben einen längeren Anstieg hinter sich, die Jause also redlich verdient und dazu noch einen Einblick in zwei »Herzkammern« der Pragser Dolomiten gewonnen: ins Seitenbach- und ins Lärchenbachtal, die beide von einem Kranz zer-klüfteter Gipfel umrahmt werden. Auffallend sind die gewaltigen Schuttströme, die aus den Steilflanken zu Tal ziehen, wo sie den schütteren Waldbestand regelrecht unterwandern. Mancher Baum steht »knietief« im Geröll. Das macht klar, weshalb die Pragser Dolomiten bei Kletterern kaum Interesse finden – ganz im Gegensatz zu den Geologen, die hier verschiedene Entwicklungen der Gebirgsbildung ausgemacht haben: Sarl- und Dürrensteindolomit, Pragser und Plätzwieseschichten.
Der Hochalpensee.
Die Hochalpenhütten haben Straßenanschluss, was einigermaßen erstaunt, wähnt man sich doch in einem weltabgeschiedenen Dolomitenwinkel, und zwar nicht etwa – wie man annehmen könnte – über das Grünwaldtal, sondern von St.Vigil her. Die Topopgrafie ist hier allerdings recht unübersichtlich, von Buckeln und Gräben gezeichnet. In so einem Graben verbirgt sich anderthalb Kilometer weiter westlich der Alphütten der lang gestreckte Hochalpensee (2252 m), dessen ladinischer Name Lé de Fossedöres so viel wie Wildgrabensee bedeutet. Seine Umgebung ist bekannt für eine überaus artenreiche Flora, was wohl daran liegt, dass der nur vier Meter tiefe Bergsee an der geologischen Nahtstelle zwischen Quarzphyllit und Dolomit liegt.
Für den Abstecher von den Hochalpenhütten zum See muss man mit einer Gehzeit von etwa 1.30 Std. rechnen (hin und zurück); der Weg ist rot-weiß mit der Nr. 6 markiert.
Über die Hochalm zur »Chinesischen Mauer«.
Der Weiterweg zur Hochalm führt von den Hochalpenhütten zunächst über Wiesenhänge bergan gegen das Joch Lapadures. Nochmals rund 100 Meter Anstieg brin-gen einen auf den abgeflachten, von Edelweiß übersäten Südrücken des Flatschkofels – und dann hat man sie vor sich, die Hochalpe bis hinüber zur Pragser Furkel, eine riesige grüne Schräge, rund drei Kilometer breit und über mächtige Felsbalmen ins Grünwaldtal ab-stürzend: ein Sommerparadies fürs Vieh, für Pferde und Murmeltiere.
Gipfel schauen.
Uns kommt’s auch ein bisschen paradiesisch vor, wie wir auf dem Höhenweg, mehrere markante Gräben ausgehend, hinüberwandern zur Pragser Furkel. Sonnige Wiesenbuckel laden zur Rast, aber auch zum Schauen. Von hoher Warte aus überblickt man fast die gesamten Pragser Dolomiten, von der Dreifingerspitze (2479 m) und dem Munt Paracia (2444 m) im Westen über den Muntejela de Senes (2787 m) im Süden bis zum Dürrenstein (2839m) im Osten. Knapp links hinter dem Seekofel (2810 m), der über seine mächtige Nordwand direkt zum Prag-ser Wildsee abbricht, schaut der höchste Gipfel der Dolomitengruppe ins Bild, die Hohe Gaisl (3146 m), ein riesiger Felsdom mit ausladenden Graten. Bei den Italienern heißt sie Croda Rossa, was sich auf die tiefroten Felsausbrüche in ihren Gipfelwänden bezieht: Bruch. Der Berg hat denn auch seinen Ruf weg, wird mehr gemieden als bestiegen, weil das Gestein extrem brüchig ist. 1865 versuchte der Wiener Paul Grohmann vergeblich, ihn zu bezwingen; zwei Jahre später war E.R.Whitwell, geführt vom Ampezzaner Santo Siorpaës und dem Berner Oberländer Christian Lauener, erfolgreich.
Vergleichsweise bescheiden nimmt sich neben der Hohen Gaisl der Herrstein (2447 m) aus, der sich – von der Hochalpe aus gut zu sehen – direkt östlich über dem Prag-ser Wildsee aufbaut. Er bietet dafür den schönsten Tiefblick auf das Gewässer; von den »Zwölf Aposteln«, etwa auf halber Wegstrecke, schaut man fast senkrecht hinunter auf die Wasserfläche.
Abstieg.
Die Aussichts- und Höhenwanderung endet an der Pragser Furkel (2225 m; 4.45 Std.). Hier stößt man auf eine (vergleichsweise winzige) »Chinesische Mauer«, die sich am Rand der weitläufigen Alm bis hinauf zu den Felsen erstreckt und von den Almbauern in vielen Jahren aufgeschichtet wurde.
Der Abstieg führt zunächst steil (Vorsicht bei Nässe!) zwischen den Felsen hinunter in flacheres Gelände und dann hinaus zur Kaserhütte (1937 m). Wenig tiefer stößt man im Wald auf eine Forstpiste, deren Schleifen sich aber abkürzen lassen. Vorbei am Hof Riedl (1563 m) wandert man zurück zum Parkplatz am Pragser Wildsee (6.15 Std.).

Pragser Wildsee – Grünwaldalm 45 Min., Grünwaldalm – Hochalpenhütten 2 Std., zur Pragser Furkel 2 Std., zum Pragser Wildsee 1.30 Std. Insgesamt 6.15 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied900 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortPrags (Schmieden, 1222m), aus mehreren Weilern bestehende Talgemeinde
AusgangspunktGroße, gebührenpflichtige Parkplätze vor dem Pragser Wildsee (1489m)
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDas Landschaftsjuwel der Pragser Dolomiten schlechthin ist ihr Wildsee, rund 30 Hektar groß und damit das größte natürliche (und im Sommer bis zu 14 Grad warme) Gewässer der Dolomiten. Umrahmt von licht bewaldeten Steilufern, liegt der bis zu 36Meter tiefe See am Nordfuß des Seekofels (2810 m), dessen Nordabstürze sich im Wasser spiegeln. Aufgestaut wurde er in prähistorischer Zeit durch einen Bergsturz, der vom Herrstein abging; heute staut sich an Schönwettertagen das (Auto-)Blech auf der Anfahrt, sind selbst die großen Parkplätze dem Ansturm kaum gewachsen. Wer die Poesie dieses Bergwinkels spüren will, tut gut daran, zumindest den Wochenenden auszuweichen. Oder er macht eine große Wanderung hinauf in die Pragser Dolomiten und kommt erst wieder hinunter ins Tal, wenn die Ausflügler längst ihr Eis und ihren Kaiserschmarrn verzehrt haben und nur noch ein paar wenige Besucher auf den Uferwegen unterwegs sind. Da liegt der See, an dessen (unterirdischem) Abfluss das große, Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Hotel steht, schon im Schatten. Hier waren im Mai 1945 weit über hundert prominente KZ-Häftlinge untergebracht, welche die SS aus Dachau verschleppt hatte, um sie bei Verhandlungen mit den Alliierten als Geiseln zu benützen. Am 4. Mai 1945 wurden sie von der US-Armee befreit.
Hinweise
Pragser Wildsee – Grünwaldalm 45 Min., Grünwaldalm – Hochalpenhütten 2 Std., zur Pragser Furkel 2 Std., zum Pragser Wildsee 1.30 Std. Insgesamt 6.15 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 031 »Pragser Dolomiten–Enneberg«
VerkehrsanbindungVon der Pustertaler Straße erreicht man den Pragser Wildsee über eine gut ausgebaute Straße, Abzweigung zwischen Welsberg und Niederdorf. Gute Busverbindungen
GastronomieHochalpenhütten, Ende Juni bis Anfang September; Grünwaldalm, im Sommer bewirtschaftet
Informationen
Tirtlen – eine Pustertaler. Spezialität Zutaten für den Teig: 250g Roggenmehl 250g Weizenmehl 1Esslöffel Öl 2Eier etwas Milch Zutaten für die Füllung: 200g Topfen 100g Kartoffeln, gekocht und geraspelt 2Esslöffel Schnittlauch 40g Zwiebeln, fein gehackt Salz Zubereitung Aus den Zutaten einen geschmeidigen Teig kneten, dann 30Minuten ruhen lassen. Für die Füllung gehackte Zwiebel in Butter dünsten und erkalten lassen. Mit den restlichen Zutaten vermischen und nach Geschmack salzen. Aus dem Teig eine Rolle (Durchmesser 5Zentimeter) formen und in Scheiben schneiden. Mit dem Nudelholz die Scheiben handtellergroß austreiben, Füllung darauf geben, mit einem zweiten Blatt zudecken und Ränder fest andrücken. In heißem Fett schwimmend ausbacken. Einen guten Appetit wünscht Mama Kostner!
Tourismusbüro
Tourismusverein Pragser Tal, Außerprags 78, I-39030 Prags, Tel. +39/0474/74 86 60, info@pragsertal.info, www.pragsertal.info

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