Auf den Spuren der Säumer

Recht lange, aber sehr abwechslungsreiche Talwanderung, größtenteils komfortabler Saumweg. Etwas Ausdauer erforderlich, auch Teilbegehungen möglich. Vom Grimsel Hospiz bis zum Hotel Handegg führt ein

Erlebnisweg mit zahlreichen Infortafeln. (Autor: Eugen E. Hüsler)
16 km
1110 m
4.00 h
Stauseen Und dann die großen Stauseen am Oberlauf der Aare und ihrer Quellbäche! Sie sind aus diesem großartigen alpinen Ensemble nicht mehr wegzudenken, vor allem natürlich der gut sechs Kilometer lange Fjord des Grimselsees (1909 m). Die verzweigten Kraftwerksanlagen wurden in mehreren Etappen realisiert; Baubeginn war 1925. Und abgeschlossen ist der Ausbau wohl immer noch nicht (siehe Tour 2).Auswanderer und Alte Wege Lange vor den Kraftwerksbauern waren die Wegebauer da. Obwohl auch schon in gallo-römischer Zeit benutzt, erlangte die Grimselroute erst im Spätmittelalter einige Bedeutung. 1397 schlossen die Anrainer einen Vertrag über Bau und Unterhalt eines durchgehenden Saumpfades vom Brienzer See via Grimsel und Griespass bzw. den Albrunpass bis ins Pomat (italienisch Val Formazza). Der »Alte Zollbrief« regelte den Handel, der bald einen bedeutenden Aufschwung nahm. Das Vorhaben wurde vermutlich durch die Auswanderung vieler Haslitaler ins Oberwallis (Goms) und in das obere Tocetal begünstigt. Eine echte Konkurrenz zum Gotthardweg bildete die Strecke allerdings nie. Teile des historischen Pfades sind noch erhalten; der Abschnitt von Innertkirchen bis Guttannen wurde in jüngster Zeit fast durchgehend wiederhergestellt.Tourismus Um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfasste die Eisenbahn-Euphorie auch das Haslital, doch der Plan einer Bahnlinie über den Grimselpass kam nie über das Projektstadium hinaus. Es blieb bei der Brünigbahn, die ab 1888 das Tal mit Luzern verband, und sechs Jahre später konnte die moderne Grimsel-Passstraße dem Verkehr übergeben werden. Sie hat heute vor allem touristische Bedeutung, aber auch eine sportliche. Als Teilstück des Pässeklassikers Furka – Grimsel – Susten wird sie gerne von gut trainierten Radlern befahren. Die sind lautlos unterwegs, ganz im Gegensatz zu den ledergewandeten Motorradlern, die vorzugsweise in Rudeln und mit Beschleunigungsgejaule die Grimselregion heimsuchen ...Zum Handegg Die Wanderung startet in Guttannen (1057 m), dem obersten Dorf an der Grimselstrecke. Es hat seinen Namen keineswegs zufällig; ein kurzer Blick hinauf in die steilen Flanken des Retzlihorns (3263 m) macht klar, wie wichtig der Schutzwald über dem Dorf ist. Trotzdem wurde Guttannen immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht, zuletzt durch das Hochwasser vom August 2005, als eine Riesenmure aus der Rotlaui die Grimselstraße verschüttete und die Aare vorübergehend aufstaute. Der Geröllkegel liegt immer noch im Tal; die Straße wurde verlegt, der gut markierte Wander-weg ebenso. Er folgt hinter dem Guttanner Ortsteil Sunnsyten (= Sonnseite) nur kurz der östlichen Tal?anke, weicht dann dem Geschiebe aus. Taleinwärts verläuft er mehr oder weniger parallel zum Asphaltband, das am »Staibenen« (= Stiebenden) in einem Tunnel verschwindet. Wenig weiter liegt links die Kraftwerkszentrale Handegg unter dem gleichnamigen, bewaldeten Felsriegel. Der Fußweg kürzt die weit ausholende Straßenschleife ab. Auf der Höhe sollte man sich den kleinen Abstecher zum Handeggfall nicht entgehen lassen (Hinweistafel). Den rund 50 Meter hohen Wassersturz haben die Kraftwerke Oberhasli zwar stark gezähmt, er bietet aber trotzdem noch ein sehenswertes Schauspiel. Einen Prachtblick auf den Fall genießt man von der neuen, spektakulären Hängebrücke hinüber zur Talstation der Gelmer-Standseilbahn (siehe Tour 4).Zum Grimsel Hospiz Der Grimselweg führt vom Hotel Handegg (1401 m; 1.30 Std.) abseits der Straße durch das Blockfeld der Handegglauenen ?ach zum sogenannten »Säumerstein«, wo früher Rast gemacht wurde (Grillplatz), dann über die aus dem kompakten Granit geschlagenen Stufen der »Hälen Platten« in die Talweitung von Chüenzentennlen. Eine Inschrift erinnert an den berühmten Gletscherforscher Jean Louis Agassiz, der an den Aargletschern seine Forschungen betrieb. Hier überquert man die junge Aare zweimal auf den historischen Böglibrücken, dann steigt der Pfad an zum Räterichsboden-Stausee (1767 m). An seinem abschüssigen Ostufer geht’s über den aus dem Fels gesprengten Plattenweg weiter zum Nordende, wo die beiden Betonsperren des Grimselsees (1909 m) ins Blickfeld kommen. Die Markierungen leiten bergan zur Passstraße; man verlässt sie aber in der Linkskehre gleich wieder und steigt an zur Krone der Seeufereggmauer. Auf dem Granitbuckel des Spittelnollens (1980 m) thront das neue Grimsel Hospiz (4 Std.). Sein Vorgänger verschwand beim Hochstau des Sees in den Fluten. Von der großen Terrasse hinter dem Gebäudekomplex bietet sich ein herrlicher Blick über den Fjord auf das Oberaarhorn (3631 m).Zum Pass Die Straße steigt in vier weiten Schleifen vom Stausee über die vom Eis gezeichnete Berg?anke hinauf zur Wasserscheide. Wanderer folgen ihr nur bis zur ersten Serpentine (1968 m), biegen dann wieder in den historischen Saumpfad ein, der ebenfalls den Grimselpass (2164 m; 4.45 Std.) ansteuert. Knapp jenseits der Scheitelhöhe liegt der Totensee zwischen Gras?ecken und Rundbuckeln; darüber ragen einige Dreitausender des Gotthardmassivs und des Obergoms (Pizzo Rotondo, 3192 m; Blinnenhorn, 3374 m) in den Himmel. Es lohnt sich, einen kleinen Spaziergang rund um das Gewässer zu unternehmen, denn von seinem Südufer hat man freie Sicht auf die Furkastraße und den Rhonegletscher. Der bietet ein jämmerliches Bild, seine Zunge – die vor 150 Jahren bis in den Talboden von Gletsch hinabreichte – ist gerade noch knapp zu sehen. Und auch der Firnpanzer des Galenstocks (3630 m), immerhin der höchste Gipfel der Urner Alpen, hat im Zuge der Klimaerwärmung schon große Löcher bekommen.

Gesamt 4.45 Std.

Guttannen – Handegg 1.30 Std., Handegg – Grimsel Hospiz 2.30 Std., Grimsel Hospiz – Grimselpass 0.45 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied1110 m
Dauer4.00 h
StartortGuttannen (1057 m)
AusgangspunktOrtsmitte Guttannen
EndpunktGrimselpass (2164 m)
TourencharakterDie Grimsellandschaft wird in ganz besonderem Maß von der Wasserkraft geprägt: Das Eis hat die Berg?anken abgehobelt, den Granit glatt geschliffen, es befördert tonnenweise Gestein ins Gletschervorfeld. Hier übernimmt das Wasser den Weitertransport, talabwärts oder schließlich hinaus zum Brienzer See, wo es dafür sorgt, dass dessen Volumen Jahr für Jahr ein bisschen kleiner wird.
Beste Jahreszeit
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blätter 255 T und 265 T
MarkierungenGelbe Wegzeiger, weiß-rot-weiße Markierungen
VerkehrsanbindungGuttannen liegt an der Grimselstraße, etwa auf halber Strecke zwischen Meiringen und dem Grimselpass. Im Sommer Postbuslinie
GastronomieEinkehrmöglichkeiten in Guttannen, Handegg, Grimsel Hospiz und Passhöhe
Tipps
GASTHAUS BÄREN Seinen Platz hat der »Bären« mitten im Dorf, in Guttannen, und das passt gut zu diesem Haus, das seit sechs Generationen im Besitz der Familie Ru?bach ist und dabei in Würde alterte: bodenständig und gemütlich. Hier wird ehrlich (und gut) gekocht, ist Gastfreundschaft keine Floskel. Vorgänger von Johannes Ru?bach, der das Haus 1806 übernahm, war Niklaus Fahner, der in den Koalitionskriegen, die im ausgehenden 18. Jahrhundert die Schweiz erschütterten, eine nicht ganz unbedeutende Rolle spielte. Seine Ortskenntnisse nützend, führte er eine Abteilung französischer Soldaten in den Rücken der österreichischen Truppen, die den Grimselpass besetzt hielten. Durch das Umgehungsmanöver überrumpelt, mussten sich die Österreicher über die Furka zurückziehen. Geschichte ist auch im »Bären« noch lebendig: An den Wänden der Gaststube hängen einige schöne alte Ansichten, u. a. von der Grimselstraße und vom alten Hospiz. Hotel Bären, CH-3864 Guttannen, Tel. +41(0)33/973 12 61, E-Mail: info@baeren-guttannen.ch, www.baeren-guttannen.ch

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