Auf den Gamsbeil, 2169 m

Einsame Bergtour auf einen weiten Grasgipfel - Die Wanderung ist einfach. Allerdings gibt es an der beschriebenen Aufstiegsroute oberhalb der Westerachalm über längere Strecken keine Wegspur. Man darf diese Etappe deshalb nur bei guter Sicht begehen, dann ist sie leicht zu finden. Wer sich das nicht zutraut, steigt entlang der beschriebenen Abstiegsroute auf. (Autor: Siegfried Garnweidner)
10 km
910 m
4.00 h
Über die Karalm zur Westerachalm Ist das Auto abgestellt, wandert man am Fahrweg an der Schranke vorbei und kurz zur Karalm hinauf. Dann geht es ein wenig abwärts und auf fast einem Kilometer relativ eben taleinwärts. Anschließend schwingt sich das Sträßchen deutlich auf, führt an einem Jagdhaus vorbei, schlängelt sich in Kehren das Tal hinauf, führt an der Stichstraße zur Kar-Hochalm vorbei und flacht spürbar ab. In einer engen Rechtskehre führt es über die Untere Grundache. Dort zweigt man links ab, um dem markierten Wanderweg zu folgen. Dabei geht es bald über den Bach, und wenn zu Saisonbeginn auf den Höhen der Schnee schmilzt, kann das Wasser deutlich anschwellen. Dann braucht man ein wenig Glück, um keine nassen Füße zu kriegen. Die markierte Route steigt nun auf der östlichen Talseite an. Der Talgrund weitet sich und ehe er sich wieder verengt, verzweigt sich der Weg an beschilderter Stelle. Dort geradeaus weiter, nach rechts über den Bach und durch ein relativ enges Tal hinauf. Bei der Talverzweigung rechts halten und neben einem tiefen Graben zur Westerachalm hinauf. Weglos zum Gamsbeil Bei der Alm gibt es zwei Möglichkeiten weiterzugehen. Die einfachere und kürzere ist allerdings nicht markiert und weglos. Doch wer ein wenig Gespür für die richtige Routenführung hat, darf sich das ruhig zutrauen. Zunächst folgt man einem Schafsteig gegen Nordwesten, bis dieser über einen breiten, schwach ausgeprägten Rücken leitet. Dort links abdrehen und in gestuftem, übersichtlichem Berggelände geradewegs auf den Rücken südlich einer markanten, unbenannten Graskuppe (die man mit dem Gipfel verwechseln könnte). Auf dem Rücken wird der markierte Weg zum Gamsbeil erreicht. Auf ihm rechts abdrehen, an der steilen Gratkuppe links vorbei und – steile Hänge querend – zum Gipfelaufschwung. In der Grasflanke etwas links schwenken, immer steiler hinauf und zuletzt ein wenig über Felsen zum Gipfelkreuz. Rückweg über die Geigenscharte Wer nicht entlang der Aufstiegsroute absteigen möchte, kann beim Rückweg auf dem markierten Wanderweg bleiben und auf die Geige zugehen. Dann nördlich dieses felsigen Rückens in mehrmaligem Auf und Ab gegen Südosten den steilen Hang queren und rechts haltend in die Geigenscharte, 2028 m. Aus der Scharte nach Nordosten zu einem Bachgraben und durch diesen steil hinaus, bis die Westerachalm und die Aufstiegsroute erreicht sind. Dabei bitte zu Saisonbeginn aufpassen, wenn im Graben noch Schnee liegt. Man könnte ausrutschen oder gar durch die Schneedecke ins Wasser fallen. Der restliche Abstiegsweg verläuft auf der Anstiegsroute. Die possierlichen Schafe Wer ein wenig aufmerksam durch die Bergwelt spaziert, wird vielleicht in der Nähe des Straßenendes bemerkt haben, dass dort noch die alten Grundmauern einer verfallenen Alm zu sehen sind. Und rund um diese Grundmauern wächst hauptsächlich Ampfer. Der Fachmann nennt dies »Lägerflora« (oder Legerflora). Denn auf den Einständen der Almen, wo sich das Vieh zusammendrängte, ist der Boden – auch nach 50 Jahren noch – überdüngt und es wachsen nur solche Pflanzen, die viel Stickstoff brauchen, also Ampfer. Diese Lägerflora ist aber auf die Nähe von Almen (Legern) beschränkt, denn flächendeckend verursacht das Weidevieh keine Überdüngung. Jedenfalls solange es sich um Rinder handelt. Dramatischer sieht es mit der Schafbeweidung aus. Diese possierlichen Tiere, die in den Kitzbüheler Alpen sehr zahlreich und den Sommer über weitgehend unbeaufsichtigt, also wild leben, fressen alles kurz und klein. Da sie sehr gute Futtermittelverwerter sind, ist ihr Dung scharf und stickstoffhaltig. Obendrein sind diese Tiere auch recht gute, schwindelfreie Kletterer und deshalb ist vor ihnen kein Winkel sicher. Spätestens am Gipfelgrat des Gamsbeils wird man die Folgen bemerken. Der Weg ist stark verunreinigt und wer nicht aufpasst, kann ausrutschen und hinunterfallen. Obendrein stinkt es wie auf einem Misthaufen und an eine gemütliche Gipfelrast zu denken, braucht Überwindung. Die Alpenblumen sind auch am Gamsbeil längst durch die Überdüngung für immer verschwunden. Am Gipfel wachsen statt Enzian und Aurikel heute Ampfer, Brennnesseln und Frauenmantel.

Dauer - ges. 43/4 Std. Parkplatz – Karalm 1/4 Std., Karalm – Westerachalm 13/4 Std., Westerachalm – Gamsbeil 1Std., Gamsbeil – Geigenscharte 1/2 Std., Geigenscharte – Westerachalm 1/4 Std., Westerachalm – Parkplatz 1 Std. Höhenunterschied: ?? 910 m Parkplatz – Karalm ? 20 m, Karalm – Westerachalm ? 580 m, Westerachalm – Gamsbeil ? 270 m, Gamsbeil – Geigenscharte ? 170 m ? 40 m, Geigenscharte – Westerachalm ? 140 m, Westerachalm – Parkplatz ? 600 m

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied910 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortParkplatz südlich von Aschau im Spertental, am Ende der Mautstraße im Unteren Grund, kurz vor der Karalm, 1300 m
AusgangspunktParkplatz südlich von Aschau im Spertental, am Ende der Mautstraße im Unteren Grund, kurz vor der Karalm, 1300 m
TourencharakterSpektakulär sehen die Berge rund um das Spertental, mit Ausnahme des Großen Rettensteins, nicht aus. Dieses eher gemütlich wirkende Wald- und Wiesengebirge eignet sich gut für weniger ambitionierte Wanderer, die die Einsamkeit in der Bergwelt genießen wollen und die der Ehrgeiz nicht auf die allerhöchsten Gipfel treibt, denn über die 2000-Meter-Marke gehen die Berge nicht sehr weit hinaus. Trotzdem sind die Wege lang. Denn zwischen den Gipfelhöhen ziehen sich ausgedehnte Täler hin, die meist von Forst- oder Almstraßen erschlossen sind. Die wenigsten darf man – gegen Maut – mit dem Auto befahren, deshalb ist dies das ideale Terrain für Mountainbiker. Genau in dieses Bild passt der Gamsbeil, der schon fast zu den höheren Gipfeln in diesem verträumten Alpenbereich gehört.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarte, 1 - 50000, Blatt 29 (Kitzbüheler Alpen)
VerkehrsanbindungVon Kitzbühel über Kirchberg-Aschau auf der Mautstraße in den Unteren Grund
GastronomieOberlandhütte im Spertental in der Nähe der Mautstelle und Labalm (1264 m, unterhalb des Ausgangspunkts etwas abseits der Fahrstraße)
Tipps
Mit dem Mountainbike Wer die Maut sparen und noch etwas weiter hinauffahren möchte, kann vom großen Parkplatz gleich neben der Mautstelle mit dem Mountainbike den Unteren Grund hinauffahren. Das geht anfangs recht moderat, steigt aber zwischendurch auf etwas mehr als 15% an. Insgesamt kann man die 8,2 km in etwa 1 - 20 Std. mit dem Rad strampeln. Spätestens auf etwa 580 m Höhe stellt man das Stahlross dann ab. Hinunter schafft man das Ganze in einer knieschonenden Viertelstunde.
Höchster Punkt
Gamsbeil, 2169 m
Unterkunft
Oberlandhütte im Spertental in der Nähe der Mautstelle und Labalm (1264 m, unterhalb des Ausgangspunkts etwas abseits der Fahrstraße)
Tourismusbüro
Kirchberg in Tirol, Tel.: 0043/(0)5357/2309; Internet: www.tirol.at/kirchberg
Mehr zum Thema