Anenhütte

Beliebte Hüttenwanderung im hintersten Lötschental auf gut markierten Wegen. Nicht versäumen den Abstecher zur Zunge des Langgletschers. Grandiose, hochalpine Kulisse (Autor: Eugen E. Hüsler)
12 km
690 m
4.00 h
Tourismus gab es zwar schon sehr früh, und mit dem Bietschhorn (3934 m) steht hier einer der großartigsten Alpengipfel überhaupt, der sich im Konzert der Walliser Viertausender locker behauptet. Zum Rhonetal riegelt die Lonzaschlucht das lang gestreckte Tal ab – vielleicht auch ein Grund, weshalb neue Ideen manchmal ein bisschen länger brauchen, bis sie im Lötschental angekommen sind. Erst lange nach der Bahn bekamen die Dörfer Straßenanschluss. Die BLS sah sich deshalb noch 1939 (!) genötigt, in einem Brief vor dem neuen Verkehrsmittel, dem Auto, zu warnen, das »fürs gesamte Lötschental ein großes Unglück wäre«. Von einem Niedergang des Tourismus ist da nachzulesen, auch, dass brotlose Zeiten für das Transportwesen anbrechen würden, ja sogar der sonntägliche Kirchgang schien in Gefahr durch Autolärm, Staubwolken und Kotspritzer der Fahrzeuge ... Ob dem Schreiber da die Angst vor einer neuen Konkurrenz die Feder führte? Die neue Anenhütte Längst haben Straße und Bahn zu friedlicher Koexistenz gefunden, und so mancher Besucher reist bequem per Bahn und Auto durch den alten Lötschbergtunnel an. Zwanzig Kilometer sind’s vom Südportal in Goppenstein (1216 m) bis zum Straßenende ganz hinten im Tal, bei der Fafleralp. Da werden dann die Wanderschuhe geschnürt, geht es Richtung Langgletscher und hinauf zur neuen Anenhütte. Sie steht seit dem September 2008 auf einer Hangterrasse hoch über der Zunge des Langgletschers. Ihr Vorgänger, bereits 1895 eröffnet, wurde anderthalb Jahre zuvor durch eine gewaltige Staublawine bis auf die Grundmauern zerstört. Am neuen Haus, einem sehr funktional wirkenden, schiefergrauen Kubus, dürften sich wohl die Geister scheiden: zu modern, nicht in die Landschaft passend? Beim Innenausbau wurde viel Holz verwendet, was den Räumen ein freundliches, helles Ambiente verleiht. Und auf der Internetseite ist nachzulesen, dass auf der Anenhütte auch Hochzeitsfeiern ausgerichtet werden. Wenn dann die Oma noch gut zu Fuß ist ... Vom Eis geprägt Das innerste Lötschental ist eine von Gletschern geprägte Landschaft. Wo das Eis sich zurückgezogen hat, blieben zahlreiche Randund Endmoränen zurück. Noch während der sogenannten Kleinen Eiszeit, die ein paar Jahrhunderte dauerte und um 1850 zu Ende ging, schob der Langgletscher bei der Fafleralp einen mächtigen (längst überwachsenen) Moränenwall auf. Der Langgletscher hat in seinem unmittelbaren Vorfeld eine markante Randmoräne (Gandegga) zurückgelassen; von der Anenhütte kann man direkt über einen Moränengrat zum Anungletscher aufsteigen (etwa 1 Std., Spur). Im Talboden liegen einige mächtige Findlinge, die vom Gletschereis hierher transportiert wurden; glazialen Ursprungs sind auch der Grund- und der Guggisee, beides Moorgewässer. Ein kleiner Abstecher führt im Talgrund zum Tor des Langgletschers; er ist rund sechs Kilometer lang und bedeckt zusammen mit dem Anungletscher heute noch eine Fläche von etwa neun Quadratkilometern. Trittsichere Berggänger können von der Anenhütte, dem Hinweis »Gletscher« folgend, bis in die felsige Flanke unter dem Anungletscher vordringen (kaum markiert, Trittsicherheit und Bergerfahrung unerlässlich!). Namensalat Rund um die Anenhütte herrscht – zumindest auf dem 25 000er-Kartenblatt von Swisstopo ein rechter Namensalat: Die Örtlichkeit heißt da Aana, der winzige See Anusee und der Gletscher unter dem Grossund Mittaghorn Anun. Ob die Kartografen da mehr als nur eine A(h)nun(g) von der korrekten Schreibweise hatten? Zum Langgletscher Die Wanderung beginnt beim großen, im Sommer oft gut gefüllten Parkplatz (1766 m) auf der Fafleralp. Man spaziert an den Hütten des Gletscherstafels vorbei, überquert dann die junge Lonza auf einer soliden Brücke. Ein sanfter Anstieg führt zum Grundsee (1842 m), dann geht’s flach über moorige Wiesen weiter taleinwärts. Der tiefe, vergletscherte Einschnitt der Lötschenlücke (3173 m) gibt in etwa die Richtung vor; rechts ziehen mächtige Randmoränen von den Lonzahörnern (3560 m) herab, zur Linken hat man die ausgedehnte Hangterrasse der Guggialpe. Im steinigen Boden von Ganderre (1977 m) gabelt sich der Weg. Eine recht gut begehbare, leicht ansteigende Spur führt im Geröll und zwischen Felsblöcken geradeaus zum eindrucksvollen Maul des Langgletschers: die eisige Quelle der Lonza. Hüttenanstieg Von der erwähnten Verzweigung führt der Hüttenweg zunächst über den Bach, dann schräg an einem felsdurchsetzten Hang bergan. Der weitere Anstieg vollzieht sich oberhalb einer Felsbarriere; er bietet freie Aussicht auf den Langgletscher und die Gipfelkette rechts der Lötschenlücke: Sattelhorn, Schinhorn (3797 m), Beichgrat und Breithorn (3785 m). Ganz zuletzt erst kommt der graue Kubus der neuen Anenhütte (2358 m; 2.45 Std.) ins Blickfeld. In ihrer Umgebung finden sich schöne Rastplätze, ein Stück weiter taleinwärts liegt eine winzige Lacke zwischen den steinigen Wiesen: der Anusee. Abstieg Er führt zunächst über steinige Wiesen hinab zur Mündung des Jegitals, über dessen Hintergrund sich das zweite Lötschentaler Breithorn (3780 m) erhebt. Auf einer Brücke passiert man den Anunbach, dann läuft der Weg hinaus ins weite Wiesengelände der Guggialp. Rechts am Hang des Guggibergs haben die Murmeltiere ihr Revier, in den Felsen sind Gämsen zu Hause. Hinter dem seichten Guggisee (2007 m) senkt sich der markierte Weg sanft zur Alpsiedlung Guggistafel (1933 m), die im Rücken der Gletscherflue liegt. Der weitere Abstieg umgeht den Felsabbruch in einer Schleife, führt hinab zur Lonza und zurück zum großen Parkplatz (1766 m; 4.15 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied690 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortBlatten im Lötschental (1540 m)
AusgangspunktParkplatz bei der Fafleralp (1766 m)
EndpunktParkplatz bei der Fafleralp (1766 m)
TourencharakterIm Lötschental, diesem Walliser Tal, das so tief in die Berner Alpen hineinragt und weder einen bequemen Eingang noch einen gletscherfreien Ausgang hat, lebt man weniger vom als vielmehr mit dem Berg.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 264 T
MarkierungenWeiß-rot-weiß, gelbe Wegzeiger
VerkehrsanbindungIns Lötschental führt von Gampel- Steg (635 m) via Goppenstein (Autoverlad Lötschberg) eine überwiegend gut ausgebaute Straße bis zur Fafleralp. Postbuslinie Rhonetal – Fafleralp
GastronomieAnenhütte, Mitte März–Ende Okt., Tel. 079/864 66 44, www.anenhuette.ch. Einkehrmöglichkeit beim Parkplatz Fafleralp
Tipps
Eintopf aus dem Lötschental Ein Rezept aus Omas Küche ist dieser Eintopf, der garantiert gegen jeden ordentlichen Hunger hilft. Das verraten schon die Zutaten: 1 Pfund Schweinefleisch, 150 g geräucherter Speck, 150 g luftgetrockneter Schinken, 700 g Weißkraut, 100 g Steinpilze, 2 große Tomaten, 4 Zwiebeln, 2 Knoblauchzehen, je 1 Messerspitze Paprika und Majoran, 1 Flasche Fendant (0,75 l). Und die Zubereitung geht so: Das Fleisch in kleine Würfel schneiden, dann zusammen mit zwei fein gehackten Zwiebeln andünsten. Weißkraut und Tomaten grob geschnitten dazugeben und gut vermischt drei Minuten im Bratensud ziehen lassen. Die restlichen beiden Zwiebeln in Ringe schneiden, mit den Steinpilzen und dem Tomatenmark dazugeben, mischen und würzen, kurz ziehen lassen, dann den Fendant dazugießen und mit Wasser auffüllen. Zum Schluss kommen noch die zerstoßenen Knoblauchzehen dazu. Deckel auf den Topf, dann gut eine Stunde bei kleiner Hitze garen. Achtung: Während des Garens nicht umrühren! En Guete!
Informationen
Tourist-Info Lötschental Tourismus, CH-3918 Wiler, Tel. 027/938 88 88, E-Mail: info@loetschental.ch, www.loetschental.ch