Am Karnischen Hauptkamm

Malga Coltrondo – Kniebergsattel – Sella dei Frugnoni – Eisenreich – Schöntalhöhe – Demut – Hochgränten – Nemeshütte – Malga Coltrondo (Autor: Eugen E. Hüsler)
17 km
1000 m
6.00 h
Die offene Flanke.
Dass sie es nicht waren, weil der italienische Generalstab die Situation völlig falsch einschätzte, bewahrte Südtirol vor einem mit Sicherheit verhängnisvollen Zangenangriff. Bei Kriegsausbruch war diese mit Abstand »weichste« Stelle praktisch ungeschützt; zwei schwache Forts – Haideck und Mitterberg – und einige Standschützen hätten kaum einen ernst gemeinten Angriff des zahlenmäßig hoch überlegenen Gegners abwehren können. Doch Cadorna schlug die »Einladung« aus, seine Strategie zielte darauf, erst einmal die Festungswerke der Österreicher sturmreif zu schießen. Im Fall von Sexten war das vollkommen überflüssig, weil die beiden veralteten Anlagen gleich zu Kriegsbeginn desarmiert worden waren.Trotzdem kam es am Kreuzberg im Sommer 1915 nach einem ersten Abtasten zu größeren Kämpfen, vor allem im Bereich Seikofel–Roteck–Demut, doch inzwischen waren Truppen des Deutschen Alpenkorps eingetroffen. Im Spätherbst flauten die Kampfhandlungen ab, und bis November 1917 blieb es dann bei gelegentlichen Scharmützeln.
Hinauf zum Karnischen Kamm.
Die Rundwanderung beginnt bei der Malga Coltrondo (1879 m). Man folgt zunächst dem Sandsträßchen, das oberhalb der Alm ansteigt. Bei einem Tümpel, nach gut 100 Metern, zweigt rechts ein ehemaliger Kriegsweg ab (Hinweistafel etwas versteckt an einem Baum). Über den licht bewaldeten Hang steigt er an zu einem gut getarnten italienischen ex-Fort (2058 m), das mehr in als auf eine Bergkuppe gebaut wurde. Von dieser Stelle aus hätte man die österreichischen Stellungen vom Seikofel (1908 m) über das Roteck zum Demut und weiter bis zum Eisenreich im Blick- oder Schussfeld gehabt – die Anlage wurde aber erst in der Zwischenkriegszeit erbaut.
Die zahlreichen Besucher des 21. Jahrhunderts schauen eher nach Südwesten, wo die Sextener Dolomiten eine faszinierend schöne Kulisse bilden. Markant nach Norden vorspringend die Sextener Rotwand (2965 m), einer der Angelpunkte der Gebirgsfront in Südtirol.
Der weitere Anstieg verläuft über die ziemlich verstrauchten südseitigen Hänge über dem Vallorera und mündet schließlich unterhalb des Kniebergsattels (Passo Silvella, 2359 m) in eine alte Trasse. An der Scheitelhöhe öffnet sich der Blick auf die Bergketten der Càrnia; rechts erhebt sich der Knieberg (Col Quaterna, 2503 m). Er war im Krieg stark befestigt.
Spuren des Krieges begegnet man auch oben am Frugnoni-Kamm (2.15 Std.), zu dem man vom Kniebergsattel über einen alten Kriegsweg in gut einer halben Stunde aufsteigt. Er fiel kurz nach Kriegsbeginn an die Italiener, konnte aber noch im Sommer 1915 von den Österreichern zurückerobert werden, die damit ihre Gratstellungen im Westen des Karnischen Hauptkamms entscheidend stabilisierten.
Am Karnischen Höhenweg.
Der Weiterweg folgt als Teilstück des »Karnischen Höhenwegs« im Wesentlichen dem Grat. Er umgeht eine namenlose Kuppe (2167 m), steigt dann an gegen den kreuzgeschmückten Eisenreich (2665 m; 3 Std.). Absteigend passiert man alte Stellungen; hinter einer nächsten Graterhebung (mit etwa 80 Meter Höhenverlust) geht’s bergan zur Schöntalhöhe (2634 m; links Schützengräben), dann ziemlich flach hinüber zum Demut (2592 m). Knapp unter dem Gipfel befindet sich der Eingang zu einem recht gut erhaltenen österreichischen Beobachtungsposten.
Nächste Station an der Runde ist der Hochgränten (2429 m; 4.30 Std.). Auf dem Joch stand während des Krieges eine ganze Ba-rackenstadt mit Unterkünften und Magazinen, die über eine große Seilbahn aus dem Hollbrucker Tal versorgt wurde; geblieben sind lediglich ein paar Fundamente. An die schreckliche Zeit erinnert auch ein kleiner Soldatenfriedhof gleich neben dem winzigen Schwarzsee.
Zurück ins Tal.
Der Abstieg führt auf der Südtiroler Seite mit schöner Sicht auf die Sextener Dolomiten schräg abwärts in die Senke im Rücken des Rotecks (2390 m). Sie hieß bei den Österreichern Chinasattel, weil hier Gebirgsgeschütze standen, die ursprünglich für den Export gedacht waren, dann aber doch nicht nach China verschifft wurden und an der Alpenfront landeten.
Der Kanonendonner ist längst verhallt, drunten auf der Oberen Pulle begrüßt einen freundliches Kuhglockengebimmel. An der Unteren Pulle wechselt man die Talseite und wandert auf einem holperigen Sträßchen hinab zur Alpe Nemes (1877 m), einer beliebten Einkehr. Rechts an Haus und Stall vorbei und auf deutlichem Weg erst flach, dann kurz absteigend zum Grenzbach (Torrente Pádola). Man überquert ihn auf einer soliden Holz-brücke und steigt dann im Wald steil bergan zu einer Sandstraße, die zurückleitet zur Malga Coltrondo (1879 m; 6.30 Std.)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1000 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortSexten (1316 m), Ferienort im Nordosten der Dolomiten
AusgangspunktMalga Coltrondo (1879 m); Wanderparkplatz
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterAm Kreuzbergpass hätte der Dolomitenkrieg enden können, bevor er richtig begann. »Ich dachte mir«, schrieb Anton von Mörl, »wenn die Ita-liener klug sind und es so machen wie die Deutschen bei Lüttich, stoßen sie noch in der Nacht auf der Talstraße durch und sind am Morgen an der Pustertaler Bahn.«
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1 - 25 000, Blatt 010 »Sextener Dolomiten«
VerkehrsanbindungVon Sexten über den Kreuzbergpass (1636 m) ins Val Pádola, dann in einer Rechtskehre signalisierte Abzweigung zur Malga Coltrondo. Auf schmaler, aber asphaltierter Straße teilweise sehr steil bergan zu der Sommerwirtschaft. Wanderparkplatz
GastronomieNemesalpe, Anfang Mai bis Anfang November; Tel. 0474/71 06 99. Malga Coltrondo (keine Übernachtung), Mitte Juni bis Mitte Oktober; Tel. 0368/40 96 04
Tipps
Zitat. Die Frauen sahen mit starren Augen zu. Sie wurden still. Viele heiße Muttertränen begannen zu rollen. Der schwere Abschied von ihren jungen Söhnen. Das Bataillon wurde zusehends fertiger. Die Leute waren uniformiert, die Rucksäcke gepackt. Proviant und Munition waren auch da. Die Einwaggonierung konnte zeitgerecht erfolgen. Major An der Lan schickte mich mit einem Auto zur Bahn, um dort alles wegen der Einwaggonierung zu veranlassen. Dort rollte gerade der Zug mit der Kompanie Hall des Bataillons Innsbruck II ein. Als ich zurückkam, stand das Bataillon tadellos ausgerichtet. »Habt Acht!« Feldkurat Hosp hielt eine kurze Ansprache, dann erfolgte die Vereidigung. Laut und klar sprach das Bataillon die Eidesworte nach. Ein Gewitter zog der Nordkette entlang, und gerade am Ende der Eidesformel, die sechshundert Hände waren noch zum Schwur erhoben, fuhr ein Blitz nieder und ein gewaltiger Donnerschlag erfüllte das Inntal als grandioser Schlußpunkt der Eidesformel. Anton von Mörl: Vereidigung der Innsbrucker Standschützen, Mai 1915
Informationen
Gehzeit - Gesamt 6.30 Std. Malga Coltrondo – Sella dei Frugnoni 2.15 Std., Sella dei Frugnoni – Eisenreich – Hochgränten 2.15 Std., Abstieg 2 Std.
Tourismusbüro
Tourismusverein, I-39030 Sexten, Dolomitenstraße 45; Tel. +39/0474/71 03 10, info@sexten.it, www.sexten.it

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