Am Algunder Waalweg

Einfache Wanderung auf bequemen Promenaden, Panoramawegen und schmalen Fahrstraßen; die Orientierung verlangt wegen der Vielzahl an Wegen etwas Aufmerksamkeit; jedoch lückenlose Beschilderung.
Töll – Leiter am Waal – Gasthaus Konrad – Gratsch – Tappeiner Weg – Meran oder Töll – Leiter am Waal – Gasthaus Konrad – Gratsch – St. Peter – Schloss Tirol – Dorf Tirol (Autor: Peter Mertz)
10 km
645 m
3.00 h
Auf dem Algunder Waalweg.
Wir können den Weg sehr einfach als Streckenwanderung absolvieren, denn die Vinschgauer Bahn bringt uns von Meran aus dem Zentrum in wenigen Minuten nach Töll. Vom Bahnhof folgen wir einen Kilometer lang dem Radweg bzw. der Straße nach Vellau, um zum Ausgangspunkt zu gelangen. Der Waalweg wird mit einem hölzernen Tor markiert und macht bereits zu Beginn deutlich, dass es sich nicht nur bei Touristen um einen beliebten Spazierweg handelt. Zunächst wandern wir ein kurzes Stück im Kastanienwald, überqueren die Straße nach Vellau und betreten die weitläufigen Apfelbaumhaine oberhalb von Plars. Wegweiser helfen uns bestens bei der Orientierung, sodass wir uns gänzlich aufs Genießen der herrlichen Route konzentrieren können. Nach etwa 20 bis 30 Minuten erreichen wir das Gasthaus Leiter am Waal, die erste Einkehrmöglichkeit. Danach wandern wir einige hundert Meter durch eine schattige Weinlaube, von der im Herbst die Trauben so tief herabhängen, dass wir den Kopf einziehen müssen. Später folgt ein idyllischer Abschnitt im Kastanienwald, der knapp bis zum nächsten Haltepunkt, dem Gasthaus Konrad, reicht. Kurz zuvor durchqueren wir wiederum Weinterrassen. Vor dem Gasthaus setzt sich die Route auf dem linken, leicht ansteigenden Weg fort. Wir müssen nun eine kleine Umleitung in Kauf nehmen, um in den Graben des Mühlbachs zu gelangen. Dieser wird vom Waal mit einer Rohrbrücke überquert, danach folgen wir wieder dem nun teilweise kanalisierten Verlauf. Wir wandern jetzt in Richtung Gratsch und müssen stellenweise etwas steileres Gelände bewältigen. Dann wieder teilweise von Weinreben überdacht und durch Kastanienhaine wandernd erreichen wir Gratsch. Hier endet unser Waal, doch nicht die Wanderung. Wir entscheiden, ob wir zum Schloss Tirol aufsteigen wollen, oder den berühmten Tappeiner Weg benützen, um ins Zentrum von Meran zu wandern.
Zum Schloss Tirol.
Nach etwa 20 Minuten auf der Straße zum Schloss Thurnstein wechseln wir nach vier Spitzkehren etwa auf Höhe des Schlosses auf den Wanderweg nach St. Peter, der heute eine schmale Fahrstraße ist. Vom kleinen Kirchlein mit seinen wertvollen Fresken liegt das Schloss Tirol nur einen Steinwurf entfernt. Wir müssen noch den Graben des Burgbachs auf einem nahezu ebenen Fahrweg queren, um nach einem kleinen Anstieg Tirols Wahrzeichen erreicht zu haben. Nach einer Besichtigung wandern wir in südöstlicher Richtung ins Dorf Tirol. Wir passieren den Köstengraben und müssen danach das Knappenloch durchqueren. Der Bau dieses Tunnels wurde notwendig, weil im 16. Jahrhundert der Zugang zur Burg durch einen Felssturz verlegt war. Wenig später sehen wir zur Brunnenburg hinab. Von da an bringt uns der Falknerweg ins Dorf, wo wir den Bus zurück ins Zentrum von Meran benützen.
Auf dem Tappeinerweg.
Wir durchqueren Gratsch etwa zehn Minuten auf der Laurinstraße, die zum Schloss Thurnstein führt. Am Ostrand des Dorfs beginnt der Waalweg, eine auserwählte Promenade, die bis zum Pulverturm oberhalb von Meran etwa 60 bis 100 Höhenmeter oberhalb den Dächern von Meran verläuft. Unterhalb des Wegs breitet sich die Kurstadt in einem sonnendurchfluteten Becken aus, das zu jeder Jahreszeit in einen besonderen Glanz getaucht ist. Im Frühjahr blühen die Gärten und versprühen den mediterranen Duft des nahen Südens, im Herbst erstrahlen die Reben und Obstgärten in den buntesten Farben von Gelb bis Feuerrot. Dann fließt der junge Wein, und die Apfelbäume quellen von Früchten über. Den Tappeinerweg verdanken wir dem Kurarzt Franz Tappeiner, der am Ende des 19. Jahrhunderts wirkte und 1892 für 50000 Gulden diese Aussichtspromenade erbauen ließ.
Heute steht die Route für geruhsames Flanieren durch üppige Gärten, die botanischen Anlagen gleichkommen. Wir finden hier aufgrund des begünstigten Klimas eine außergewöhnlich vielfältige Vegetation vor, deren Spektrum von der Agave bis zum Zürgelbaum reicht. Bereits im April eröffnen die großen Blütenglocken des Blauglockenbaums den Blütenreigen, dann folgen Hanfpalme, Zeder und Opuntie, gefolgt von Erdbeerbaum, Oleander und Zistrose. Im Hochsommer brechen die roten Blüten des Granatapfelstrauchs hervor, während der Spätsommer den rosafarbenen Blüten der Lagerstroemie gehört. Die Wegroute ist einfach, bestens markiert und deshalb auch an kreuzenden Seitenwegen problemlos zu erkennen. Etwa auf halbem Wege beginnt das »Urstück« der zu Tappeiners Zeiten nur zwei Kilometer langen Promenade, die die Meraner Stadtväter später bis Gratsch erweitern ließen. Mit herrlicher Aussicht auf das Burggrafenamt und vorbei an einigen Gaststätten erreichen wir nach knapp einer Stunde den Pulverturm und das Tappeiner-Denkmal, bevor unsere Wanderung am Platz vor der St.-Nikolaus-Kirche von Meran endet.

Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied645 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktTöll (542 m), westlich von Meran am Übergang vom Burggrafenamt ins Vinschgau
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterEin klassischer Waalweg bei Meran beginnt in Töll und führt als Promenade nach Algund mit Anschlussmöglichkeiten an den berühmten Tappeinerweg oder nach Dorf Tirol. Wir sprechen vom beliebten Algunder Waalweg, der, wie der Marlinger Waalweg, ebenfalls in Töll beginnt und sich des Etschwassers bedient. Hier bewässert er aber oberhalb von Algund und Meran die Nordhänge, die zur Texelgruppe gehören. Vom Algunder Waal weiß man, dass er bereits 1333 das lebensnotwendige Nass für die Bauern aus den Bergen zu den Talwiesen bei Gratsch und Algund ableitete. Da Herzog Heinrich IV. von Kärnten, damals auch Tirols Landesherr, den Algundern erlaubte, den bereits vorhandenen Wasserkanal nach Plars zu verlängern, muss der Waals bereits längere Zeit davor bestanden haben. Entlang dem Weg durchstreifen wir ein Landschaftsgemälde wie von einem Künstler der Romantik, komponiert aus Weinbergen, Obstgärten, Wiesen und Kastanienwäldern. Stets fallen unsere Blicke auf das Meraner Becken, während in der Ferne die Hochalmen und Felsen der Ultener Berge oder der Sarntaler Alpen aufleuchten. Zahlreiche Einkehrstätten gewähren genussvolle Verschnaufpausen, bis zuletzt das Schloss Tirol alle Eindrücke zu überbieten versucht.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt Wanderkarte 1:30000, Blatt WKS 1 (Bozen–Meran) ; Kompass Wanderkarte 1:25000, Blatt 053 (Meran)
VerkehrsanbindungAuf der Vinschgau-Staatsstraße (SS 38) nach Töll; von hier in Richtung Algund/ Vellau 300 m nach Norden zum Parkplatz am Waalweg Mit der Vinschgaubahn von Meran nach Töll, vom Bahnhof 1 km zu Fuß zum Ausgangspunkt; Busverbindungen von Meran nach Töll und von Dorf Tirol nach Meran
GastronomieZahlreiche Gasthäuser entlang des Waalweges, in Dorf Tirol oder entlang des Tappeiner Wegs, z.B. Leiter am Waal, Gasthaus Konrad
Tipps
Schloss Tirol. Stolz über dem Meraner Kessel thront die für Gesamttirol namengebende Burg, die in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut wurde. Sie diente damals den Grafen des Vinschgau , die sich später Grafen von Tirol nannten, als Residenz. Da der Schlosshügel aus weichem Moränenschutt besteht, stürzte im 16. Jahrhundert ein Stück der Burg in den Köstenbachgraben hinein. Das Schloss kann heute besichtigt werden und birgt sowohl ein aufwändig gestaltetes Erlebnismuseum mit dem Titel »Zeitreisen« als auch Teile des Südtiroler Archäologischen Landesmuseums. Hier werden Funde aus der frühgeschichtlichen Zeit gezeigt, die 10000 Jahre zurückreicht (März–November 10–17 Uhr, Montag Ruhetag; www.schlosstirol.it).
Informationen
Dauer: Töll – Gasthaus Konrad 1 Std. – Gratsch 45 Min. – St. Peter 30 Min. – Schloss Tirol 15 Min. – Dorf Tirol 1.30 Std.; Gesamtgehzeit 3.15 Std.
Tourismusbüro
Kurverwaltung Meran, Freiheitsstraße 45, I–39012 Meran,Tel.: 0473/239008, www.meran–tirol–algund.com, info@meran–tirol–algund.com

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