Lienz – Toblach

Mittelschwer; 12% Höchststeigung an längeren Abschnitten bei der Auffahrt zum Staller Sattel (Autor: Rudolf Geser)
137 km
1815 m
6.00 h
Lienz ist für uns das Eingangstor nach Südtirol und in die Dolomiten, diese landschaftlich gesehen wohl einmalige Gebirgslandschaft, die sich bald hinter der österreichisch-italienischen Grenze in ihrer ganzen Schönheit zu entfalten beginnt. Um dorthin zu gelangen, sind aber noch gute 100 km zu überwinden und dabei kann man es sich leichter oder etwas schwerer machen. Der Verkehr von Lienz aus Richtung Südtirol rollt in aller Regel über die Bundesstraße 100, die sich durch das Tal der Drau – besser bekannt als Pustertal – von hier Richtung Westen und italienische Grenze zieht.Besondere Kletterfähigkeiten sind auf dieser Strecke nicht gefragt, wenngleich von Lienz bis zum höchsten Punkt der Pustertalstraße etwas östlich von Toblach, dem so genannten »Toblacher Bergsattel« mit 1219 m Höhe, immerhin auch knappe 550 Höhenmeter zu bewältigen sind. Besondere Steigungsverhältnisse sind dabei aber nirgends zu vermelden, und auf die Gesamtlänge der Strecke gesehen ergibt sich eine solch geringe durchschnittliche Steigung, dass man den größten Teil wohl mit dem großen Kettenblatt zurücklegen kann. Der Nachteil dieser Strecke sei aber nicht verschwiegen: Es ist der Verkehr, der einem das Radeln in dieser ansonsten recht freundlichen, wald- und wiesenreichen Umgebung durchaus verleiden kann. Zum Personenverkehr gesellt sich der Schwerlastverkehr, der hier nach Westen ins Eisacktal, also Richtung Brenner und Bozen zieht. Da die Straße nicht besonders breit ausgebaut ist und eigentlich immer Gegenverkehr herrscht, können die Brummifahrer gar keinen großen Sicherheitsabstand zu uns Radlern einhalten, selbst wenn sie wollen.Aber es gibt ja, wie gesagt, eine Alternative zu dieser Strecke, die landschaftlich gesehen ohnehin bei Weitem vorzuziehen ist, nämlich über den Staller Sattel, der das nördlich des Pustertales gelegene Defereggengebirge überquert. Von der Bezeichnung Sattel darf man sich dabei nicht täuschen lassen, das ist schon ein richtiger Pass mit einer 28 km langen Auffahrt, bei der 1240 Höhenmeter mit Höchststeigungen bis 12% zu überwinden sind, und einer 24 km langen Abfahrt mit einem Höchstgefälle gleicher Prozentzahl, die gute 1000 Höhenmeter abfällt.Das Besondere am Staller Sattel ist dabei, dass die westliche Abfahrtsrampe im oberen Teil über vier enge Kehren steil über einen Felshang abfällt und mit kaum 3 m Breite keinen Platz für entgegenkommende Fahrzeuge lässt. Die Abfahrt ist daher nur jeweils in den ersten 15 Minuten jeder Stunde möglich, um so ein Zusammentreffen mit ent-gegenkommenden Fahrzeugen zu verhindern. Abhalten lassen von einer Befahrung sollte man sich von diesem Hinweis auf keinen Fall, denn insgesamt gesehen führt uns der Staller Sattel durch eine über weite Teile unverbaut gebliebene Naturlandschaft, die zudem noch relativ wenig vom Verkehr frequentiert ist.Wir radeln von Lienz aus Richtung Norden, das Iseltal aufwärts, das wir uns mit dem Verkehr, der vom oder zum Felbertauerntunnel strebt, teilen müssen. In Huben, knappe 20 Streckenkilometer und 140 Höhenmeter später, verabschieden wir uns von diesem und beginnen mit der Einfahrt ins Defereggental, den Anstieg zum einzigen Pass der heutigen Etappe. Es wird uns bald klar, dass wir hier relativ ungestört radeln können, denn der Besucherandrang hält sich meist in Grenzen. Das liegt keinesfalls an der Straße, die zeigt sich nämlich gut ausgebaut, sondern eher an der Tatsache, dass dem Defereggengebirge, auch Villgratner Berge genannt, große Gletscher fehlen und sich die Gipfel mit meist nicht allzu sehr gewürdigten Höhen von 2700 bis knapp 3000 m begnügen.In den kleinen Ortschaften fallen uns manchmal alte Holzhäuser auf, die oft an extrem steile Wiesenhänge gebaut wurden und bis zu fünf Stockwerke hoch sind, ansonsten sind bis zur Passhöhe keine Besonderheiten zu vermelden. Je nachdem, um welche Uhrzeit man diese erreicht, wird man sich nun auf eine längere oder kürzere Wartezeit einstellen müssen, die uns aber durch eine herrliche Landschaft mit Wiesen, auf denen im Sommer Abertausende von blauen und dunkelroten Akeleien blühen, verschönt wird. Auch einen kleinen See gibt es hier oben, den Obersee, der als Badesee jedoch nur den Abgehärtetsten unter uns empfohlen werden kann.Zur vollen Stunde sollte man dann auf der Passhöhe ganz vorne in der Reihe der wartenden Autos stehen, um unbedrängt von diesen die Abfahrt angehen zu können. Vorsichtig bremsen wir die obersten vier Kehren mit 12% Gefälle hinab, aber auch dann können wir die Bremsen nicht loslassen. Das Gefälle geht auf 10% zurück, nimmt nach einem unbeleuchteten, etwa 50 m langen Tunnel aber wieder teilweise bis auf 12% zu. Auch die Straße bleibt schmal, und so geht es konzentriert abwärts bis zur Enzian-Hütte, wo wir zwar auf eine breitere Straße, aber auch auf die Schlange der auf die Auffahrt wartenden Fahrzeuge treffen. Der dunkelblaue Antholzer See, um den herum sich das Trainingszentrum der italienischen Biathlon-Mannschaft befindet, bleibt durch dichten Wald meist verborgen. Dafür können wir dahinter die Südostwände von Wildgall (3436 m) und Hochgall (3273 m) erkennen, Gipfeln der Rieserfernergruppe, die schon deutlich alpinere Züge tragen als die Berge des Defereggengebirges.Nach einem ebenen Straßenstück zwischen Antholz-Niedertal und Oberrasen treffen wir nach einem letzten Gefällstück bei Olang wieder auf die freundlichen Wald- und Wiesengruppen des Pustertales, allerdings auch auf den Verkehr der Staatsstraße 46, der wir nun Richtung Toblach taleinwärts folgen.Unser Tagesziel Toblach ist von hier noch 17 Streckenkilometer entfernt, auf denen wir 200 Höhenmeter bei allerdings kaum einmal nennenswerter Steigung zu bewältigen haben. Wer sein Soll für heute noch nicht ausgeschöpft haben sollte und wem zudem noch der Sinn nach landschaftlich Besonderem steht, für den gibt es eine Alternative, nämlich die Auffahrt zu Pragser Wildsee und Plätzwiese, zwei absoluten Schaustücken der Dolomiten.Am Ausgangspunkt zu diesen beiden Sehenswürdigkeiten kommen wir in jedem Fall vorbei, es ist eine kleine, unscheinbare Abzweigung etwa in der Mitte zwischen den Ortschaften Welsberg und Niederdorf gelegen, wo uns ein braunes Hinweisschild mit der Aufschrift »Pragser Wildsee« den Weg weist. Bevor wir diesem folgen, sollten die noch vorhandenen Kraftereserven genau geprüft werden, denn von den Streckendaten her gesehen könnte dieser Abstecher schon als eigenständige Tagestour ausreichen. Insgesamt sind es 41 km und 1170 Höhenmeter mit einer Höchststeigung von 18%, die auf 1 km Länge bei der Auffahrt zur Plätzwiese durchzuhalten sind. Von der Abzweigung verläuft der Weg zunächst für beide Abstecher bis zum Weiler In der Sag (2,5 km), mit Steigungen zwischen 6 und 8%. Dort gabelt sich der Weg, und wer dem nach rechts abzweigenden Innerpragser Tal zum Pragser Wildsee folgt, erreicht den dunkelgrünen, von den hoch aufragenden, steilwandigen Felswänden des Seekofels fast völlig eingeschlossenen See nach weiteren 6 km mit einer anfangs bei 8% liegenden Steigung, die auf den letzten 1,5 km bis zum See aber auf 12% zunimmt. 374 Höhenmeter werden dabei von der Abzweigung herauf überwunden, von denen man knappe 300 bis zum Weiler In der Sag wieder abfährt.Zur Plätzwiese sind es 12 km und 790 Höhenmeter mit einer Steigung, die immer wieder bis zu 12% erreicht und zuletzt auf gut 1 km Länge sogar schwere 18%. Oben angelangt, können wir das Rad beim Alpengasthof Plätzwiese oder vor dem Hotel Hohe Gaisl inmitten eines lang gestreckten, von Zirben und Lärchen bedeckten Hochtales abstellen und die brüchigen, gelben Steinmassen der Hohen Gaisl im Westen und die lang gezogene Felsmauer des Dürrenstein, der von den Helltaler Schlechten begrenzt wird, im Osten bewundern. Im südlichen Einschnitt zeigen sich über der Ruine eines österreichischen Sperrforts die Spitzen der Cristallogruppe, die wir auf der folgenden Etappe besuchen werden.Unseren Weiterweg können wir von hier oben leider nicht abkürzen, denn die Südabfahrt ist unbefestigt und somit ausschließlich den Mountainbikern vorbehalten. Also radeln wir auf der Auffahrtsstrecke zurück, um den Weiterweg von Toblach aus anzugehen.

Übersetzungsvorschlag: 39/26–28 (Abstecher Plätzwiese mind. 39/29), Streckenverlauf: Lienz (km 0,0) – Huben (km 20,0) – Dölach (km 23,5) – Hopfgarten (km 26,0) – St. Jakob in Defereggen (km 41,5) – Maria Hilf (km 44,0) – Staller Sattel (km 56,0) – Oberrasen/Rasun di Sopra (km 75,5) – Unterrasen/Rasun di Sotto (km 78,0) – Einmündung in Pustertaler Staatsstraße 49 bei Valdaora/Olang (km 79,0) – Welsberg (km 88,0) – (Abstecher ca. 3 km hinter Welsberg zum Pragser Wildsee: hin und zurück 17 km; Plätzwiese: hin und zurück 29,0 km) – Niederdorf/Villabassa (km 94,0) – Toblach (km 99,0), Straßenverhältnisse: 300 m langer Tunnel und 50 m lange Galerie sowie 50 m langer unbeleuchteter Tunnel bei Auffahrt zum Staller Sattel. Vier enge Kehren am Beginn der Abfahrt vom Staller Sattel, Passöffnungszeiten: Staller Sattel 1.6.–31.10. (Grenzübergang 6–22 Uhr geöffnet) Abfahrt vom Staller Sattel ins Pustertal nur die ersten 15 Min. einer Stunde; Auffahrt zum Pragser Wildsee ganzjährig; Auffahrt zur Plätzwiese 1.6.–30.9.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour137 km
Höhenunterschied1815 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktLienz, 673 m
EndpunktToblach, 1210 m
Hinweise
Übersetzungsvorschlag: 39/26–28 (Abstecher Plätzwiese mind. 39/29) Streckenverlauf:: Lienz (km 0,0) – Huben (km 20,0) – Dölach (km 23,5) – Hopfgarten (km 26,0) – St. Jakob in Defereggen (km 41,5) – Maria Hilf (km 44,0) – Staller Sattel (km 56,0) – Oberrasen/Rasun di Sopra (km 75,5) – Unterrasen/Rasun di Sotto (km 78,0) – Einmündung in Pustertaler Staatsstraße 49 bei Valdaora/Olang (km 79,0) – Welsberg (km 88,0) – (Abstecher ca. 3 km hinter Welsberg zum Pragser Wildsee: hin und zurück 17 km; Plätzwiese: hin und zurück 29,0 km) – Niederdorf/Villabassa (km 94,0) – Toblach (km 99,0) Straßenverhältnisse: 300 m langer Tunnel und 50 m lange Galerie sowie 50 m langer unbeleuchteter Tunnel bei Auffahrt zum Staller Sattel. Vier enge Kehren am Beginn der Abfahrt vom Staller Sattel Passöffnungszeiten: Staller Sattel 1.6.–31.10. (Grenzübergang 6–22 Uhr geöffnet) Abfahrt vom Staller Sattel ins Pustertal nur die ersten 15 Min. einer Stunde; Auffahrt zum Pragser Wildsee ganzjährig; Auffahrt zur Plätzwiese 1.6.–30.9.
KartentippGeneralkarte 1:200000 Österreich, Blatt 3 Vorarlberg-Tirol-Südtirol-Oberbayern
VerkehrsanbindungAutobahn Salzburg–Kufstein, Ausfahrt 101 Innsbruck/Kufstein – Ausfahrt 6/Kufstein-Süd/Felbertauern – Richtung St. Johann in Tirol/Felbertauern – Söll – Kitzbühel – Matrei in Osttirol – Lienz
Tipps
Streckenprofil: Höchster Punkt: 2052 m Tiefster Punkt: 677 m Höhenmeter Auffahrt: 1815 m Höhenmeter Abfahrt: 1290 mMax. Steigung: 12% (18% bei Auffahrt Plätzwiese)Max. Gefälle: 12% (18% bei Abfahrt Plätzwiese)Durchschn. Steigung Auffahrt: 2,7%Durchschn. Gefälle Abfahrt: 4,2%PassangabenStaller Sattel: 2052 m; Auffahrt Huben – Passhöhe 28 km mit 12% Höchststeigung, 1238 Hm; Abfahrt Passhöhe – Einmündung in Pustertal-Staatsstraße bei Niederrasen/Olang 24 km mit Gefälle bis 12%Abstecher Pragser Wildsee/Plätzwiese: Abzweigung an der Pustertal-Staatsstraße zwischen den Ortschaften Welsberg und Niederdorf (Hinweisschilder »Pragser Wildsee«); von der Abzweigung 2,5 km lange Auffahrt mit 8% Höchststeigung an einem kurzen Abschnitt bis zur Straßenkreuzung beim Weiler In der Sag; von dort ist die Auffahrt zum Pragser Wildsee (1494 m) 6 km lang mit zuletzt 12% Höchststeigung, 374 Hm; Anstieg zur Plätzwiese (1993 m) von der Straßenkreuzung 12 km mit zuletzt 18% Höchststeigung auf 1 km, dazwischen längere Steigungsabschnitte bis 12%, 873 Hm; Sehenswert: Lienz: Schloss Bruck mit Albin-Egger-Lienz-Galerie; Toblach: Pfarrkirche, Ansitz Herbstenburg sowie das Komponierhäuschen von Gustav Mahler
Höchster Punkt
Unterkunft
Rasen/Antholz: Camping Corones; Toblach: Camping Olympia, Camping Toblacher See; alle ganzjährig

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