Großglockner-Hochalpenstraße

Alpenpässe in Österreich (Autor: Rudolf Geser)
Traumstraße der Ostalpen wird die Großglockner-Hochalpenstraße in den Fremdenverkehrsprospekten genannt. Eine Bezeichnung, die angesichts ihres Abwechslungsreichtums und der landschaftlichen Schönheit der Hohen Tauern, durch welche sie führt, gar nicht einmal übertrieben erscheint. Zu den schönsten Alpenpässen zählt sie ganz bestimmt, aber für denjenigen, der sich vorgenommen hat, diese mit dem Fahrrad zu bezwingen, auch zu den schwersten.Genau genommen sind es eigentlich drei Passstraßen, die hier auf dieser Nord-Süd-Verbindung zwischen Bruck im Norden und Heiligenblut im Süden befahren werden können, denn neben der eigentlichen Passstrecke über das Hochtor gibt es noch die etwa 2 km lange Edelweißstraße, die knapp unterhalb des Fuscher Törls zur 2571 m hohen Edelweißspitze hochzieht und den höchsten Punkt der Auffahrt bilden würde, sowie die Gletscherstraße zur 2370 m hohen Franz-Josephs-Höhe, die direkt am Fuße des Großglockners mit dem zerklüfteten Eisstrom der Pasterze endet und den wohl imponierendsten Punkt an der Glocknerstraße bildet.Um dorthinauf zu gelangen, beginnen wir die Auffahrt in Bruck (km 0,0) erst einmal auf ebener Straße und können auf einigen Kilometern an der linken Straßenseite sogar einen Radweg benutzen. Erst hinter Fusch (km 7,5), vorbei an der Embachkapelle, nimmt die Steigung auf 10 % zu und hält diese bis zur Mautstelle Ferleiten (km 14,5) bei. Beeindruckend zeigt sich die pyramidenförmige Gletscherspitze des Großen Wiesbachhorns im Westen und beeindruckend ist auch die hier ansetzende Steigung von 12 %, die, das sei vorweggenommen, auf den nächsten 12,5 km bis zum Törlgrat mit dem Fuscher Törl (km 27,0) nicht ein Mal wesentlich zurückgeht. Vorbei am Schleierwasserfall und der Raststätte Hochmais schraubt sich die Trasse zum Felssturzgebiet der Hexenküche hoch, wo man im Jahre 1977 bei Bauarbeiten Häftlingsketten und Halseisen aus dem 17. Jahrhundert von Gefangenen gefunden hatte, die hier als Galeerensträflinge nach Venedig getrieben wurden. Wir quälen uns dagegen freiwillig hoch, sehr gut trainierte sogar mit einem 23er-Ritzel, die meisten mit dem 26er-Berggang und auch ein 28er ist hier keine Schande.Beim Törlgrat dann endlich das lang erwartete Nachlassen der Steigung und wer will, kann hier die 2 km zur Edelweißspitze noch mitnehmen, deren sechs kopfsteingepflasterte Kehren allerdings 14 % Steigung aufweisen. Wer darauf verzichtet, ist nach wenigen Metern am Fuscher Törl (km 27,5) mit der steinernen Gedenkstätte für die beim Bau der Straße ums Leben gekommenen Arbeiter. Von dort geht es zuerst abwärts zur Fuscher Lacke (km 29,0), bevor es nochmals mit Steigungen zwischen 8 und 10 % durch den 117 m langen Mittertörltunnel (km 30,5) zum Nordportal des 311 m langen Hochtortunnels (km 33,5) aufwärts geht. Hier in 2504 m Höhe ist die eigentliche Passhöhe erreicht, aber noch wartet ja die Gletscherstraße zur Franz-Josephs-Höhe auf uns. Dazu rollen wir erst einmal 6,5 km bis zur Abzweigung Guttal (km 40,0) abwärts und beginnen dort die Auffahrt zur Gletscherstraße, die zwar Steigungen bis 12 % aufweist, meist allerdings weit darunter liegt. Nach 510 Höhenmetern und 8,5 Streckenkilometern, bei einem großen Parkplatz, liegt dann der Großglockner fast zum Greifen nahe vor uns und ein Schrägaufzug würde uns sogar 200 m tiefer auf den Gletscherboden der Pasterze, des größten Eisstroms der Ostalpen, bringen.Da wir dafür allerdings nicht entsprechend ausgerüstet sind, radeln wir besser zur Abzweigung Guttal zurück und beenden die Tour nach weiteren 8,5 km Abfahrt mit Gefälle bis 10 % im Kirchdorf Heiligenblut, dem südlichen Endpunkt der Glocknerstraße. In der Pfarrkirche St. Vinzenz, die mit ihrem weithin sichtbaren und stolz aufragenden gotischen Turm eines der Wahrzeichen an der Glocknerstraße bildet, wird übrigens ein Fläschchen aufbewahrt, das der Legende nach das Blut Christi enthalten soll. Es steht neben dem Hochaltar, der mit seinen elf Metern Höhe für Kirchenverhältnisse imponierende Ausmaße aufweisen kann. Und um die Kunst neben dem Radeln nicht ganz zu kurz kommen zu lassen: Laut Inschrift wurde der Altar im Jahre 1520 vollendet und stammt aus der Schule des Künstlers Michael Dacher.



GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour69 km
Höhenunterschied1885 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktNordseite – Ausgangspunkt: Bruck an der Glocknerstraße, 757 m Südseite Ausgangspunkt: Heiligenblut, 1301 m
Hinweise
Schwierigkeit: Schwere Radtour mit 12 % Höchststeigung / Mittelschwere Radtour mit 10 % Höchststeigung, Länge: Die Streckenlänge von Bruck bis Hochtortunnel beträgt 33,5 km. Der Abstecher vom Fuscher Törl bis Edelweißspitze 2 km für die Auffahrt. Der Abstecher über die Gletscherstraße von der Abzweigung Guttal bis Franz-Josephs-Höhe 8,5 km für die Auffahrt / 15,0 km, Dauer: Bruck bis Hochtor 3 1/4–5 Stunden / 1 3/4–2 1/2 Stunden, Fuscher Törl bis Edelweißspitze 1/4–1/2 Stunde; Abzweigung Guttal bis Franz-Josephs-Höhe 3/4–1 1/2 Std, Höhenunterschied: Bruck bis Hochtor 1885 m; Abstecher Fuscher Törl bis Edelweißspitze 170 m; Abstecher Abzweigung Guttal bis Franz-Josephs-Höhe 510 m / 1205 m, Befahrbarkeit:1. Mai bis 1. November, Auffahrt Edelweißspitze und FranzJosephs-Höhe 15. Mai bis 1. November
KartentippEuro Cart Regionalkarte 1:300.000, RV-Verlag, Blatt Österreich
VerkehrsanbindungAutobahn München-Salzburg A 8, Ausfahrt Traunstein/Siegsdorf – Inzell – Unken – Lofer – Saalfelden – Zell am See – Bruck an der Glocknerstraße oder Autobahn Salzburg-Villach A 10 (Tauernautobahn), Ausfahrt Werfen oder Bischofshofen – St. Johann im Pongau – Schwarzach – Lend – Bruck an der Glocknerstraße Autobahn Villach-Salzburg A 10 (Tauernautobahn), Ausfahrt Spittal/Millstätter See – Möllbrücke – Obervellach – Außerfragant – Winklern – Mörtschach – Döllach – Heiligenblut oder aus dem Pustertal über Bruneck – Toblach – Sillian – Lienz – Wink- lern – Mörtschach – Döllach - Heiligenblut
Tipps
Auf der Großglockner-Hochalpenstraße gibt es nun zwischen der Mautstelle Ferleiten und dem Fuscher Törl eine permanente Zeitnehmung zum Preis von 2 Euro, mit Teilnahmeurkunde und veröffentlichter Zeit im Internet.
Informationen
Bei der Auffahrt über die Nordseite ist wegen des 117 m langen Mittertortunnels und des 311 m langen Hochtortunnels Beleuchtung ratsam.
Höchster Punkt
2505 m

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