Sentiero del Coraza und Sentiero dei Sparavei

Anstrengende, landschaftlich einmalige Überschreitung: wenig Eisen, viel Natur. Gute Kondition unerlässlich. Lässt sich mit der »Via Segata« kombinieren. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Oberhalb von Pietra auf einem Asphaltsträßchen nach rechts (Tafel) und dann in einem weiten Linksbogen zur Wasserfassung an der Mündung des Val Spagnolli. Kurz in dem Graben aufwärts, im Wald links steil bergan zum (verwahrlosten) Biwak Fratta (1135 m). Hinter der Hütte ziemlich direkt am be-waldeten Hang weiter bergan, dann in einen Graben. Man quert ihn nach links (ca. 1450 m) und steigt anschließend im Zickzack an einem mit Latschen bewachsenen Rücken aufwärts. Die gut markierte Spur leitet zurück in die Geröllschlucht (Drahtseil), dann gerade hinauf zu einem Wegzeiger. Er weist nach rechts auf ein bequemes Band unter senkrechten Felsen. Das Weglein umgeht sie rechts an einem Schrofenhang, leitet dann wieder nach links in eine Steilrinne (Drahtseil). Sie führt auf das große Terrassenband »Stel del Coraza« (ca. 1900 m). Nun unter den Gipfelfelsen der Pala Granda (2017 m) nach links in einen abschüssigen Graben, der etwas heikel gequert werden muss (abdrängende Stelle, keine Sicherungen). Weiter auf dem Band leicht abwärts gehen bis zur nächsten Rinne. Noch vor der Bait del Coraza (ca. 1850 m) über leichte Felsen hinauf zu den Wiesenhängen unterhalb des Dos d’Abramo. Am Kreuz der Pala Granda vorbei bis zu dem querführenden Weglein am Felsfuß. Die Spur leitet zunächst zum Einstieg der »Via Segata«, dann weiter in den namenlosen Sattel (2078 m) zwischen Cornetto (2180 m) und Dos d’Abramo. Hier rechts aufwärts, an soliden Sicherungen (Drahtseil, Haken) durch eine Steilrinne und über einen Schrofenhang auf guter Spur zum Gipfel. Zwischen Latschen (und zahllosen Enzianen im Frühling) über das abgeflachte »Dach« des Dos d’Abramo. Das Kreuz steht auf der Nordkuppe. Der Abstieg, ebenfalls mit Drahtseilen gesichert, führt durch eine Rinne hinunter auf ein horizontales Band. Man folgt ihm (Drahtseile) nach links bis zum Felsfuß. Hier mündet der »Sentiero del Coraza«. Nun am Grat entlang und kurz bergan zur Cima Verde (2102 m), dem dritten Bondonegipfel (Tre Cime). Ein bisschen Eisen, vor allem aber nochmals packende Landschaftsbilder bietet der Abstieg über den »Sentiero dei Sparavei«; jetzt schaut man hinein und hinunter in jenes Felslabyrinth, durch das der »Sentiero del Coraza« ansteigt. Zunächst im Links-rechts-Takt am grasigen Ostrücken zu einem Felsabbruch. Am Drahtseil durch eine harmlose Rinne, dann auf einem Band nach rechts und steil, aber gut gesichert etwa fünfzehn Meter abwärts. Nun, begleitet von packenden Tiefblicken, am Rand des Abbruchs entlang. Schließlich taucht das Weglein ein in den Wald; vorbei an dem Forsthaus von Sparavei (1502 m) wandert man hinab zur Malga Albi (1264 m). Der weitere Abstieg ist nicht mehr markiert! Zunächst auf der Almstraße über zwei Kehren abwärts, dann rechts, an ein paar Häusern vorbei, auf einer breiten Mulattiera bergab. Oberhalb von Pietra stößt man wieder auf den Anstiegsweg.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1450 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPietra (708 m), Weiler der Gemeinde Cimone oberhalb von Aldeno.
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterMan kann den Dos d’Abramo auch anders besteigen, nicht am senkrecht verlaufenden Drahtseil, nicht von halber Höhe, sondern aus dem Tal. Das ergibt dann eine große Runde mit wenig Eisen, dafür mit unvergleichlichen Landschaftseindrücken. Ein Blick von Aldeno hinauf in die Ostabstürze der Tre Cime del Bondone genügt bereits, um eines klar zu machen: Das wird ein langer Weg. Und ein toller dazu, allerdings keiner für die »Eisenfresser« der Zunft, denn der »Sentiero Coraza« schlängelt sich, an zwei Stellen bloß gesichert, durch diesen vermeintlich total unwegsamen Felsabbruch. Er nutzt jede »Schwachstelle« des Geländes optimal, steigt über felsige Rippen, nimmt da eine Rinne, läuft dort über ein schmales Band und gewinnt dabei immer weiter an Höhe, bis man schließlich staunend auf den Blumenwiesen unter den Gipfelfelsen des Dos d’Abramo (2140 m) steht. Und wer jetzt noch nicht müde gelaufen ist, kann sich ja immer noch ans Drahtseil der »Via Segata« hängen.
Hinweise
Highlights: Die phantastische Felskulisse am »Sentiero Coraza«, die Blumenpracht des Frühsommers.
VerkehrsanbindungAldeno (212 m) liegt südlich von Trento im Etschtal. Am besten erreicht man den Ort von der Umfahrungsstraße: im Süden der Stadt rechts über die Etsch nach Ravina und am Fuß des Bondone weiter nach Aldeno, 11 km. Vor dem Ort rechts aufwärts nach Cimone, 6 km bis zum Weiler Pietra (708 m). Kleiner Parkplatz im Dörfchen.
GastronomieMalga Albi (1264 m), im Sommer bewirtschaftet.
Tipps
Gelegentlich schießen die italienischen Wegbauer ja auch etwas übers Ziel hinaus. Ein treffliches Beispiel ist der Monte Biaena (1615 m), der sich im Winkel zwischen Rovereto und Mori erhebt. Ein vergleichsweise harmloser Felsaufschwung an seinem Nordgrat wurde mit einer Eisenkonstruktion umgangen, die weit mehr an einen Fußgängerübergang als an einen Wanderweg erinnert. Die Gipfeltour lohnt sich übrigens trotzdem, knapp 3 Stunden vom Passo Bordala (1253 m); Aufstieg über die Ostflanke, Abstieg am Nordgrat, bemerkenswerte Aussicht aufs Etschtal.
Informationen
Gesamt 8 Std.; »Sentiero Coraza« – Dos d’Abramo 5 Std., Abstieg über den »Sentiero dei Sparavei« 3 Std.

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