Klettersteig auf der Alpen-Südseite

Gipfel der Grigne: il Grignone

Sehr anspruchsvolle, aber überaus abwechslungsreiche Runde. Bei der »Ferrata CAI Mandello« handelt es sich um einen Klettersteig mittlerer Schwierigkeit, mit Eisenbügeln und Ketten bestens gesichert. Komplette Klettersteigausrüstung erforderlich! (Autor: Eugen E. Hüsler)
Dolomitenzauber am Lario: die Grigne, ein Kalkmassiv, gerade 150 Quadratkilometer groß, aber immerhin 2400 Meter hoch. Rückgrat der Gebirgsgruppe, die den Bergamasker Alpen zugezählt wird, ist ein von Nord nach Süd laufender Kamm, der bei Ésino ansetzt, sich über den Grignone (2409 m) und die Grignetta (2177 m) bis zum Monte Coltignone (1473 m) erstreckt, dann jäh ins Talbecken von Lecco abfällt. Baumaterial sind Sedimente der Mittleren Trias, die Schichtfolge ist durchaus mit jener der »Bleichen Berge« vergleichbar.

Es ist aber vor allem die Formenvielfalt der Grigne, die einen unwillkürlich an die »richtigen« Dolomiten denken lassen; in den Flanken der Grignetta stehen wohl mehr bizarre Türme als im Latemar, und der Sasso Cavallo (1920 m) mit seinem senkrechten Südabsturz würde auch bestens in die Pala passen. Typisch für die südlichen Kalkalpen ist auch die Flora, angereichert durch zahlreiche mediterrane Arten. Höchste Erhebung des Massivs ist der Grignone (Grigna Settentrionale, 2409 m), ein richtiger Koloss mit ausladenden Graten.

Aufstieg zum Klettersteig il Grignone

Vom Parkplatz bei den Skiliften entweder auf der Straße oder – abkürzend – über die Piste hinauf zum Vò di Moncodeno (1436 m), einer kleinen Scharte unter dem Minizacken des Cimone (1498 m). Weiter auf ordentlichem Weg in angenehmer Steigung, die nordöstlichen Hänge des Monte Pilastro (1826 m) querend, zur Weggabelung wenig unterhalb der Bocchetta di Prada (1634 m).

Hier rechts aufwärts, dem Hinweis »Rif. Bietti« folgend, in die Scharte und dann auf hübschem Weg ohne nennenswerte Steigung quer durch die dem Comer See zugewandte Steilflanke der Cresta di Piancaformia. Man kommt an der Porta di Prada vorbei, einem gut zehn Meter hohen Torbogen aus Fels. Vom Rifugio Bietti (1715 m; 1:45 Std.) führt ein Steiglein in den hintersten Winkel der Val di Sasso Cavallo. Hier schräg über schrofige Hänge und steil hinauf in eine winzige Scharte oberhalb der Bocchetta di Val Cassina.

Ferrata il Grignone

Man übersteigt eine Gratkuppe und erreicht, zuletzt wieder etwas an Höhe verlierend, den Einstieg der Ferrata. Eisenbügel, eine Leiter und Ketten helfen über die ersten, fast senkrechten 25 Meter hinweg, dann führt die Route in leichteres Gelände. Sie folgt dem Grat, nun mehr Höhenweg als Klettersteig, mit viel Aussicht und einigen solide gesicherten Felspassagen, insgesamt ein genussvolles Auf und Ab, das schließlich am Hauptkamm des Grignemassivs ausläuft. Von der Bocchetta di Releccio (2260m) am Gratweg im Zickzack zum Grignone (2409 m; 4:30 Std.).

Vom Gipfel zunächst an Drahtseilen über gestufte Felsen nordseitig abwärts in einen Geröllwinkel, dann in dem unübersichtlichen Karrengelände weiter bergab (Vorsicht bei Nebel!). Unweit eines markanten freistehenden Felsturms zweigt links die »Via Guzzi« zur Biettihütte ab. Weiter auf dem nun deutlicheren Steig über einen breiten Rücken hinunter zum Rifugio Bogani (1816 m; 5:45 Std.). Auf breitem Weg hinunter zur Alpe di Moncodeno (1680 m), dann links in die Val delle Lavine und in leichtem Gegenanstieg zur Weggabelung unterhalb der Bocchetta di Prada. Auf dem Anstiegsweg zurück zum Ausgangspunkt (7 Std.).

Herbststeige

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied1780 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktRifugio Cainallo (1241 m)
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterSehr anspruchsvolle, aber überaus abwechslungsreiche Runde. Bei der »Ferrata CAI Mandello« handelt es sich um einen Klettersteig mittlerer Schwierigkeit, mit Eisenbügeln und Ketten bestens gesichert. Komplette Klettersteigausrüstung erforderlich! (Autor: Eugen E. Hüsler)
Beste Jahreszeit
KartentippKompass 1:50000, Blatt 105 »Lecco – Valle Brembana«
MarkierungenAlle Steige sind gut bezeichnet, Hinweistafeln an den Verzweigungen.
VerkehrsanbindungZum Rifugio Cainallo (1241 m) kommt man von Varenna (202 m) über Ésino Lario (816 m) auf einer guten, aber recht kurvenreichen Straße, 18,5 km. Parkplatz bei den Skiliften, Bus bis Ésino Lario
GastronomieRifugio Cainallo (1241 m), ganzjährig bewirtschaftet, Tel. 0341/86 01 31; Rifugio Bietti (1715 m), bewirtschaftet Mai bis Mitte November an Wochenenden, im August durchgehend, Tel. 0341/5741;
Rifugio Brioschi (2403 m), ganzjährig bewirtschaftet, November bis April jeweils Dienstag und Donnerstag geschlossen, Tel. 0341/910498;
Rifugio Bogani (1816 m), bewirtschaftet Juni bis September; Tel. 0341/901163
Unterkunft
Rifugio Cainallo, Rifugio Bietti, Rifugio Brioschi, Rifugio Bogani
Tourismusbüro
Pro Locco, Via Manzoni 57, I-23826 Mandello del Lario; Tel. +39/0341/732912, prolocomand@libero.it, www.prolocomandello.it

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Region:
Italien
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