VIA FERRATA FRANCO GADOTTI

Wenig schwieriger Klettersteig, insgesamt aber ziemlich fordernde, recht lange Tour. Gesicherte Passagen wechseln immer wieder ab mit Gehstrecken. In der Rinne hinter dem Sas Aut erhebliche Steinschlaggefahr, von der Valacia grandioses Panorama. (Autor: Eugen E. Hüsler und Manfred Kostner)
9 km
1050 m
6.00 h
Erdgeschichte, erlebbar.
Vom Weg hinunter ins Tal gibt es noch mehr Interessantes zu entdecken, bewegt man sich doch an einer geologischen »Naht« entlang, die – selbst für wenig geübte Augen – nicht zu übersehen ist. Sie scheidet den Schlerndolomit, aus dem die Valacia aufgebaut ist, von den überwiegend magmatischen Gesteinen der Monzoni. Der Unterschied ist eklatant: hier heller Riffkalk, der zu Wandfluchten und Türmen verwittert, dort brüchiger Fels ganz unterschiedlicher, größtenteils dunkler Färbung, bis in die Kammhöhen begrünt – ein Komplex von Tiefen-, Gang- und Eruptivgesteinen, der im Dolomitenraum einzigartig ist.
Eine Haute Route.
Aus der kleinen Costelasenke braucht man übrigens nicht ins Tal abzusteigen. »Alta via Federspiel« steht auf einem Wegzeiger, der zum Monzonigrat weist, und weiter: »Passo le Selle, 4 ore«. Dort wiederum wartet eine gemütliche, bewirtschaftete Hütte, und eine Fortsetzung am Kamm entlang Richtung Osten gibt es auch: die »Alta via Bepi Zac« (siehe Tour 12). Eine kleine »Haute Route« also, abschnittweise gesichert und mit einem Ma-ximum an Eindrücken: Dolomiten pur! Für die gesamte Route von Pozza di Fassa bis zum Passo di San Pellegrino muss man mit einer Gehzeit von etwa 19 Stunden rechnen; etwa auf halber Wegstrecke steht das Rifugio Passo delle Selle (Bergvagabundenhütte, 2530 m).
Zustieg.
Die Runde startet bei der originellen Baita Monzoni (1792 m), wo ein Schilderbaum über allerlei globale Entfernungen informiert (u.a. nach Peking und St.Pauli). Klettersteigler interessieren sich mehr für den SAT-Wegweiser, der zum Bivacco Zeni, dem Ausgangspunkt der »Ferrata Gadotti«, weist. Man folgt dabei zunächst der fast flach verlaufenden Forstpiste, biegt nach etwa 20 Minuten links in einen schmalen Pfad ein (Hinweistafel), der erst an-, dann wieder absteigend, unter dem Felsfuß des Elfersteins (Sas de le Undesh, 2550 m) in die Valacia führt. Aus dem ummauerten Graben steigt man über Schrofen und eine gesicherte Felsrampe (Drahtseile) hinauf zum Biwak (2090 m) in schöner Lage vor einem weiten steinernen Halbrund.
Via ferrata Gadotti.
Wenig oberhalb des Bivacco Zeni entdeckt man die ersten Drahtseile. Sie leiten über gestufte Felsen rechts in eine schmale Rinne, die man recht ausgesetzt quert (Eisenbügel). Anschließend führen die Drahtseile in eine mäßig steile Verschneidung unter Felsdächern. Man entsteigt ihr über ein senkrechtes Wandl (Klammern), folgt dann einer Pfadspur im Gras zur nächsten Rinne. Drahtseile helfen an ihrem linken Rand hinauf in eine Minischarte (ca. 2360 m), die den Überstieg in das Kar östlich unter dem Zwölfer (Sas da le Doudesh, 2446 m) vermittelt. Mit kleinem Höhenverlust hinüber und hinauf zum Grat (2405 m), wo ein kleiner Abstecher zum Gipfel fällig ist (10 Minuten). Für die geringe Mühe entschädigen packende Tiefblicke ins Fassatal; darüber stehen die grauen Zacken des Rosengartens.
Die Fortsetzung der »Ferrata Gadotti« führt mit Drahtseilsicherung über gestufte Felsen auf die gut fußballfeldgroße Gipfelwiese des Sas Aut (2555 m). An ihrem Südwestrand weist ein Schild in eine lange, steile Rinne. Das riecht nach Steinschlag durch Nachsteigende, auch wenn die Wegbauer mit Holzstufen (die teilweise bereits wieder abgerutscht sind) versucht haben, den beweglichen Untergrund zu stabilisieren. An fest verankerten Drahtseilen steigt man vorsichtig etwa 80 Meter zwischen den immer höher in den Himmel wachsenden Mauern ab bis zu einem mächtigen Klemmblock. Wie weiter? Das Drahtseil hilft in doppeltem Sinn: Es weist den Weg und leitet sichernd links unter den Felsen hinunter ins »Teufelsloch« – der absolute Gag dieser Ferrata! Eisenstifte und ein paar Klammern erleichtern den Abstieg ins Dunkel. Zurück im Sonnenlicht, steigt man weiter ab zur Mündung der Rinne (ca. 2390 m), dann links aufwärts zu einer kleinen Kanzel mit bemerkenswerter Aussicht auf den Rosengarten (Rastplatz). Der Weiterweg verbleibt rechts des schroffen Felskamms; die deutliche Spur quert mehrere Karmulden und steigt dann an zu der winzigen Scharte der Forcela Baranchie (ca. 2550 m), wo man auf die Südwestseite der Punta d’Valacia wechselt. Im Geröll zum Grat und über den letzten kurzen Hang zum Gipfel mit herrlichem Dolomitenpanorama.
Abstieg.
Vom Gipfel leitet eine Spur in Kehren über Schrofen abwärts zur Wegkreuzung an der Forcela de la Costela (2510 m; Wegweiser). In der Scharte hält man sich links und steigt auf sandig-rutschiger Unterlage (Stöcke angenehm!) hinunter in die weite Karmulde der Gardecia. Hier lädt das schmucke Rifugio Vallaccia (2275 m) zur Einkehr, mit Blick auf den Gipfelkranz des Monzonitals und zur Marmolada.
Der weitere Abstieg führt auf recht rauem Karrenweg teilweise steil hinab ins Monzonital. Oberhalb der gleichnamigen Alm stößt er auf die aus dem Nikolaustal (Val de Sen Nicolò) heraufkommende Straße. Auf ihr spaziert man zurück zum Ausgangspunkt der abwechslungsreichen Runde.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied1050 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktMalga Monzoni (1862 m); Anfahrt von Pozza di Fassa über die Malga Crocifisso (1526 m), Parkmöglichkeit an der Straße. Wer von der Malga Crocifisso aus geht, muss mit einer zusätzlichen Gehzeit von gut 1 Std. rechnen.
Endpunktwie Ausgangspunkt
TourencharakterDie kleine Valaciagruppe ist ein gutes Beispiel dafür, wie nahe beieinander in den Dolomiten Trubel und Einsamkeit manchmal sind. Wenn sich die Bergwanderer drüben im Vajolettal gegenseitig beinahe auf die Haxen treten, man auf den Hütten kaum mehr ein Nachtlager findet, herrscht hier fast schon paradiesische Ruhe. Zugegeben, mit den Vajolettürmen können die Berge um Valacia und Sas Aut nicht ganz konkurrieren. Trotzdem gehört die »Ferrata Gadotti« zu meinen Klettersteig-Favoriten, bietet sie doch viel Abwechslung, einige originelle Passagen – und jede Menge Aussicht auf fast alle berühmten Gipfel der westlichen Dolomiten. Dass man sich dabei am Drahtseil nicht total auspowern muss, stört wohl niemanden; dafür bleibt mehr Zeit für die vielen, immer wieder wechselnden Ausblicke, auch für die zahllosen bunten Sehenswürdigkeiten am Weg. Vor allem im Frühsommer blüht es üppig auf den steinigen Wiesen (Edelweiß!), und beim Abstieg von der Valacia entdeckt man unterhalb der Costelascharte im Steilfels die filigranen Blüten der Schopf-Teufelskralle (Physoplexis comosa).
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1:25000, 06 »Val di Fassa e Dolomiti Fassane«
MarkierungenDurchwegs ordentlich markierte Wege
GastronomieRifugio Vallaccia (2275 m), Mitte Juni bis Ende September, Tel. 0462/764922. Baita Monzoni (1792 m). Bivacco Zeni (2090 m), Notunterkunft, stets zugänglich
Tipps
Erläuterung zum Schwierigkeits-Grad: Von K1 - steht für: "Leicht" bis K6 - steht für: "Extrem schwierig"
Informationen
Schwierigkeit: K 2 (mittel)

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Eugen und Hildegard Hüsler

Leichte Klettersteige in den Alpen

Erleben Sie »Abenteuer light« in den Alpen. Um das Steigen auf gesicherten Routen zu lernen und zu üben, bietet dieser Führer die ideale Anleitung.

Jetzt bestellen