VIA FERRATA BOLVER-LUGLI

Spitzenferrata, recht lang, sparsam gesichert, grandios die Kulisse. Im Frühsommer Altschnee im Valle dei Cantoni, dann sind Leichtsteigeisen sehr angenehm. Lässt sich gut mit einer Besteigung der Cima della Vezana verbinden. (Autor: Eugen E. Hüsler und Manfred Kostner)
13 km
1160 m
5.00 h
Oben sein, oben bleiben.
Unter Kennern gilt die »Bolver-Lugli« als eine der schönsten Vie ferrate der Dolomiten. Das liegt einerseits an dem wunderbar griffigen, festen Fels, dann aber auch an der fantastischen Kulisse am Westabbruch der Pala. Sie folgt einer alten Kletterführe, die mit dem III. Schwierigkeitsgrad bewertet wird (Brüder Langes, 1921), ist nur sparsam gesichert und verbindet so in idealer Weise Klettererlebnis und Landschaftsgenuss. Wer sich am Ausstieg zum Bivacco Fiamme Gialle dann noch fit genug fühlt, kann an den »Eisenweg« die Überschreitung des höchsten Palagipfels, der Cima della Vezzana (3192 m) anhängen, mit Abstieg ins Val Strut eine grandiose Tour. Dann gibt’s ja auch noch die Möglichkeit, die Nacht in der Biwakschachtel zu verbringen – 3000 Meter über dem Meeresspiegel und eine halbe Unendlichkeit weg vom Alltag. Und vielleicht entzündet die Sonne ja abends ihr Lichtspektakel an den Palazinnen, haucht ihnen Feuer und Leben ein, für ein paar magische, unvergessliche Momente.
Zustieg.
Von der Liftstation führt ein Weg mit der Markierung 706 (Hinweis beim Ristorante) erst durch Latschen, dann über steinige Wiesen hinauf zum Felsfuß (ca. 2280 m; Tafel). Farbtupfer leiten über den mächtigen Schrofenvorbau, mit Kletterpassagen im I. Grad und bis auf eine kurze Stelle (Drahtseil) ungesichert, zum eigentlichen Einstieg (2550 m).
Via ferrata Bolver-Lugli.
Den Auftakt zum eisernen Vergnügen macht ein knapp 40 Meter hoher, gut gestufter Kamin, der über ein Wandl auf einen Grashang mündet. Darüber setzt Steilfels an, griffig und fest. Rund 80 Meter klettert man, vom sichernden Drahtseil begleitet, schräg aufwärts, dann folgt eine luftige Querung nach links. Weiter geht’s über plattige Felsen zu einem hübschen Rastplatz (ca. 2750 m); die Fernsicht reicht bereits hier nach Westen bis zu Adamello- und Ortlereis.Wenig höher in der Wand passiert die »Bolver-Lugli« eine winzige Scharte, ehe sie wieder in die Vertikale geht. Ein Eisenbügel entschärft den Aufschwung; drei Krampen helfen auch beim Durchstieg eines darüber anschließenden engen, etwa 10 Meter hohen Kamins. Er mündet auf eine luftige Kante; ein erster Spalt führt in einen wilden Felswinkel, der zweite, noch engere zur nächsten Steilstufe. Dann legt sich die Wand etwas zurück; am rechten Rand einer Geröllrinne gewinnt man den Grat (2950 m). Eine rot markierte Geröllspur führt zum nahen Bivacco Fiamme Gialle (3005 m).
Abstieg.
Er führt zunächst über geröll-bedeckte Felsen schräg abwärts zum Passo del Travignolo (2925 m), wo sich ein packender Tiefblick auf den gleichnamigen (arg geschrumpften) Gletscher bietet, dann, nach rechts umbiegend, in das Valle dei Cantoni. Hier liegt im Frühsommer meistens noch reichlich Altschnee. Tafeln warnen vor einem senkrechten Abbruch im unteren Abschnitt. Man umgeht ihn rechts in leichtem Fels-gelände, steigt dann weiter ab, bis ein roter Pfeil und eine Schrift »Rif. Rosetta« nach rechts weisen. Mit 100 Metern Gegenanstieg ist der Passo Bettega (2667 m) gewonnen. Auf einer Geröllspur quert man die Westflanke der Cima Corona (2768 m) zum Rifugio Rosetta (2581 m). Etwas höher am Nordostrücken der Rosetta liegt die Bergstation (2609 m) der Seilschwebebahn.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied1160 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktLiftstation Col Verde (1965 m); Talstation der Gondelbahn in San Martino di Castrozza (1466 m). Die Bahnen Col Verde und Rosetta sind von Ende Juni bis Ende September von 8.30–17 Uhr in Betrieb.
Endpunktwie Ausgangspunkt
Tourencharakter»Chunsch vo Züri?« Verblüfft drehe ich mich um. Züridütsch hier in den Dolomiten? Der bärtige Mann, der auf der Veranda der Segantinihütte steht und freundlich lächelt, sieht nicht unbedingt aus wie ein wasch-echter Zürcher. Später dann, beim Grappa, löst sich das Rätsel: Alfredo Paluselli, der Hausherr, lernte in der Limmatstadt schreinern. Später kam er als Bergführer viel in der Welt herum, doch seine (letzte) Heimat fand der »Dolomitenmann« am Fuß des Cimòn della Pala (3184 m). Im Winter ließ sich Alfredo jeweils einschneien; da malte er seinen Hausberg, das »Matterhorn der Dolomiten« – zehnmal, hundertmal.
Im Jahr 1970 feierte man die hundertste Wiederkehr der Erstbesteigung dieses stolzen Gipfels, der sich so verwegen-elegant in den Himmel schwingt, dass man fast glauben könnte, den weltberühmten Viertausender vor sich zu haben. Und pünktlich zum erwähnten Jubiläum erhielt der Cimòn della Pala seinen Klettersteig. Ob sich Alfredo über dieses Geschenk gefreut hätte?
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 022 »Pale di San Martino«
MarkierungenOrdentlich markierte Wege
GastronomieRifugio Rosetta (2581 m), 20.6.–20.9., Tel. 0439/68308. Bivacco Fiamme Gialle (3005 m), stets zugänglich, Notunterkunft
Tipps
Erläuterung zum Schwierigkeits-Grad: Von K1 - steht für: "Leicht" bis K6 - steht für: "Extrem schwierig"
Informationen
Schwierigkeit: K 3–4 (ziemlich schwierig-schwierig)