VIA FERRATA ETTORE BOVERO

Kleiner Steig mit steiler Stirm: Der Col Rosà (Autor: Eugen E. Hüsler und Manfred Kostner)
Aussichten.
Das Panorama vom abgeflachten Gipfel bietet dann zahlreiche Highlights, auch verführerische Aussichten für Klettersteigler. Gleich gegenüber, jenseits des Boitetals, steht der Pomagagnon, Kletterdorado mit einer sehr schönen Ferrata (siehe Tour 30), dahinter kratzt das Cris-tallomassiv an den Wolkenschiffen, die gemächlich vorbeiziehen (siehe Tour 31). In die gleiche Höhenklasse gehört der Sorapìš (3205 m), mit einer Klettersteigrunde, zugeschnitten auf alpine Dauerläufer mit solider Bodenhaftung auch in einem Gelände, das der Italiener vokalreich als »molto friabile« bezeichnet (siehe Touren 39–41). Reichlich Geröll bie-ten auch die Tofane, dazu Klettersteige, die absolut top sind. Eine feine Rundschau für einen so kleinen Gipfel, stimmt’s?
Zustieg.
Die Runde startet als Waldspaziergang, führt links des Boite flach taleinwärts. Nach etwa einer Viertelstunde weist ein Wegzeiger zum Passo Posporcora (1711 m). Der schön angelegte Pfad windet sich in vielen Kehren angenehm schattig an der ziemlich steilen Berglehne hinauf in den Waldsattel. Hier zweigt rechts der Zustieg zur Ferrata ab (Tafel). Das schmale Weglein leitet im Zickzack bergan zum Fuß der Col-Rosà-Südwand, Steilaufschwünge dabei geschickt umgehend. Ganz ohne Klettern geht’s aber nicht; ein paar Mal muss man die Hände zu Hilfe nehmen. Nach einer Rechtsquerung zwischen Felswand und Latschendickicht ist der Anseilplatz erreicht (ca. 1920 m).
Via ferrata Ettore Bovero.
Das Drahtseil leitet steil nach oben, über die erste Wandstufe auf ein Band, wo man kurz nach rechts quert, um dann ungesichert zur Schlüsselstelle der Route aufzusteigen. Mit Armzug meistert man den kleinen Überhang; wer diese Stelle überlegt angeht, zuerst nach Tritten guckt, tut sich da leichter. Weniger Probleme macht die anschließende Rinne: fast senkrecht zwar, aber gut gestuft. Die Drahtseile führen kurz nach rechts zu einem Köpfl, das zu einer Verschnaufpause einlädt. Dann geht‘s weiter nach oben, teilweise an einer schmalen, aber griffigen Felsrippe. Bei der anschließenden Linksquerung wird die Immu-nität gegen schwindelnde Tiefblicke getestet. Dann nimmt die Steilheit ab, und man klettert an den griffigen Felsen, vom Drahtseil geleitet, bis zum Ausstieg auf einen mit Latschen bewachsenen Buckel (ca. 2050 m). Die Spur führt über eine kleine Felsstufe (Drahtseil) zum Geröllhang unter den Gipfelfelsen und im Zickzack hinauf in eine tiefe, schattige Rinne: finale Kraxelei. Allerdings nicht am sichernden Drahtseil, sondern über solide Eisenkrampen. Schließlich steht man am Rand des Gipfeldachs; ein paar Schritte noch bis zum kleinen Holzkreuz am höchsten Punkt.
Abstieg.
Der Abstieg ist mir von einer früheren Begehung in eher schlechter Erin-nerung: rau, viel Geröll, ekliges Wurzelwerk, schlechte Markierung. Das gilt nicht mehr – der Sentiero 447 wurde inzwischen vorbildlich saniert; nur im Bereich des Gipfelplateaus muss man etwas aufpassen, um richtig ein-zufädeln. Steinmännchen leiten über den steinigen Rücken nördlich sanft bergab ins Latschengelände, dann – die Richtung noch beibehaltend – durch eine Gasse zwischen dem Grün zu einem Eck mit freier Sicht zum Seekofel und zur Hohen Gaisl. Hier knickt der Pfad rechts ab und führt wenig tiefer an ehemaligen Kriegsstellungen vorbei. Im Zickzack steigt man an der Ostflanke des Col Rosà weiter ab, bald einmal im Wald und auf angenehm weicher (Nadel-)Unterlage. In Talnähe quert der Weg eine mächtige Geröllreiße; dann mündet er in das westseitige Talsträßchen. Kurz vor dem Campinggelände bietet sich als schönes Schlussbild ein Blick zurück auf die Südfront des Col Rosà.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied900 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktCamping Olympia (1283 m) im Norden von Cortina d’Ampezzo; Anfahrt über die »Strada d’Alemagna«
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterIn der fantastischen Bergkulisse von Cortina d’Ampezzo ist der Col Rosà zwar nur ein Kleiner, aber trotzdem Blickfang: ein keckes Felshorn, das geradewegs auf die heimliche »Hauptstadt« der Dolomiten herabschaut. Klettersteigler ihrerseits gucken hinauf in seine Sonnenfelsen, verläuft am linken Rand des eleganten Profils doch eine Via ferrata, kurz zwar, aber nicht ganz ungepfeffert. Ein paar Passagen verlangen kräftigen Einsatz oder halt Kletterkunst der feineren Art. Die meisten Ferratisti werden’s wohl mit dem Bizeps regeln, obwohl der feste Fels ausreichend Tritte und Griffe bietet.
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 03 »Cortina d’Ampezzo«
MarkierungenZustieg bestens markiert, Klettersteig dann nicht zu verfehlen. Einstieg in den Rückweg am weiträumigen Gipfelplateau nicht ganz leicht zu finden (Steinmännchen, dann Farbtupfer).
GastronomieKeine unterwegs
Informationen
Schwierigkeit: K 3–4 (ziemlich schwierig-schwierig)
Tourismusbüro
Ufficio Informazioni, Corso Italia, I-32043 Cortina d’Ampezzo, Tel. +39/0436/27 11,cortina@infodolomiti.it, www.dolomiti.org

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