Wupper

Besonders schöne und fast zu kurze Tagestour durch ein zum Teil tiefes Tal mit bewaldeten Hängen. Neben den landschaftlichen Reizen bietet die Tour auch kulturelle Highlights. Einige Museen am Ufer bieten einen Einblick in die Vergangenheit der Region und der hier lebenden Menschen. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
Los geht's am idyllischen, ruhigen Campingplatz Glüder und mit flotter Strömung durch ein imposantes, tiefes Tal. An einigen Stellen rauscht die Wupper in kleinen Schwällen über flache Stellen und bereits nach wenigen Metern thront eine romantische Burg auf dem Berg vor uns und zur Rechten saust der Balkhauser Kotten vorbei.
Im regenreichen Bergischen Land entstanden ab dem 15. Jahrhundert entlang der Wupper und anderer Flusstäler Manufakturen, hier »Kotten« genannt, in denen mithilfe der Wasserkraft Eisen bearbeitet wurde. Diverse Handwerker wie Eisenschmiede, Messerschleifer und Werkzeugmacher stauten das Wasser in Teichen auf, um dann mit der Wasserkraft zu arbeiten. Das Tal der Wupper war damals ein dicht besiedeltes Industriegebiet mit über 100 Schleiferkotten, dessen Ära mit dem wirtschaftlichen Abbau der Kohle ab Anfang des 19. Jahrhunderts entlang der Ruhr und dem Aufstieg des Ruhrgebiets zu Ende ging.
Längst hat sich die Natur das Flusstal zurückerobert und nach der folgenden Linkskurve beginnt ein Naturschutzgebiet. Wir halten uns in der Flussmitte, und obwohl die schönen Ufer geradezu nach einer Rast rufen, verkneifen wir uns eine Pause. Nachdem die Wupper sich in zwei Arme geteilt hat, um eine kleine Insel zu umfließen, liegt vor uns das Wehr Auerkotten. Wir legen rechts neben der Wehrkrone an und heben kurz über. Da es hinter dem Wehr auf etwa 300 Metern sehr flach ist, ist es bei geöffneten Schotten rechts neben dem Wehr sicher besser, hier in den Graben einzufahren und am Ende über die Insel zu umtragen.
Der Parkplatz an der Straßenbrücke in Wupperhofen ist auch eine gute Einsatzstelle für eine kurze Tour auf der Wupper. Den Beginn einer Reihe guter Einkehrmöglichkeiten in kurzer Folge macht das Landhaus Wupperhofen am linken Ufer. Ein weiteres Restaurant folgt nach einem landwirtschaftlichen Steg am rechten Ufer und ein paar hundert Meter weiter ein Biergarten an der Straßenbrücke in Fähr.
Auf dem nächsten Abschnitt gibt es zwei Stellen, an denen das Wasser zwar lauter rauscht, die aber dennoch kein Problem darstellen. Zunächst halten wir uns an einer etwas höheren Stufe rechts und schwenken dann ans gegenüberliegende Ufer, um im folgenden Schwall möglichst links zu paddeln.
Beim nächsten Rauschen heißt es dann allerdings aufgepasst, denn es wird durch das Wehr am Wipperkotten verursacht. Bei gutem Wasserstand ist es von erfahrenen Paddlern fahrbar, ansonsten kann man kurz und problemlos am linken Ufer umtragen. Um den Kotten zu besichtigen (oder den Imbiss bzw. ein Restaurant anzusteuern), legen Sie besser oberhalb des Wehres am rechten Ufer an.
Der Wipperkotten ist ein uralter Doppelkotten, der erstmals um 1600 erwähnt wurde und heute zwei sehr unterschiedliche Handwerke präsentiert. Im Innenkotten finden Sie die Galerie und das Atelier Wipperkotten. In der Schleiferei, untergebracht im Außenkotten, dagegen wird Solinger Industriegeschichte lebendig und eindrucksvoll vermittelt, wie vor der Erfindung des Elektromotors gearbeitet wurde. Das gewaltige Wasserrad setzte eine beeindruckende Mechanik in Gang, bei der aus 20 Umdrehungen etwa 1400 werden. Die gewonnene Energie wird über Keilriemen auf drei Geschosse verteilt, in denen bis zu acht Mann unter widrigen Umständen auf engem Raum einem schweißtreibenden Knochenjob nachgingen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Öffnungszeiten der Galerie bzw. des Schleifereimuseums finden Sie im Internet unter www.wipperkotten.de bzw. www.schleiferei-wipperkotten.de. Nachdem der Wipperkotten hinter uns verschwunden ist, wird das Tal flacher. An uns ziehen Wiesen vorüber und von den Weiden blicken uns neugierige Kühe hinterher. Schnell ist die Stadt Leichlingen erreicht, die vor allem aufgrund ihrer Kirche und diverser Straßenbrücken auffällt.
Unter einer recht imposanten Doppeldecker-Straßen-Fußgängerbrücke wartet noch einmal ein kräftiger Schwall und die Wupper holt Schwung für den letzten großen Mäanderbogen der Tour. Nachdem eine weitere Eisenbahnbrücke und eine Fußgängerbrücke hinter uns liegen, setzen wir links vor der Straßenbrücke in Opladen an einem kleinen Park (ca. 50 m von der Straße entfernt) aus.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour19 km
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktCampingplatz in Glüder; es gibt zwar keinen öffentlichen Steg, aber bei freundlicher Nachfrage darf man die Privattreppen der Dauercamper in der ersten Reihe zum Einsetzen nutzen. Wer nicht auf dem Campingplatz übernachten will, kann alternativ an der Straßenbrücke Wupperhof einsetzen und »spart« sich so nicht nur ein Wehr, sondern profitiert auch von den etwas häufigeren Busverbindungen beim Nachholen des Autos.
EndpunktStraßenbrücke in Opladen.
TourencharakterAls einer der großen rechtsseitigen Rheinzuflüsse schlängelt sich die Wupper mit zahlreichen kleinen Schwällen und in sanften Bögen durch das Rheinische Schiefergebirge. Das Tal ist bewaldet und zum Teil recht tief eingeschnitten. Neben zahlreichen Biergärten laden an den Ufern auch die Spuren der Jahrhunderte andauernden Nutzung durch den Menschen zu einer Rast ein.

Befahrbarkeit - Meist ganzjährig, allerdings ist ein Mindestwasserstand (Pegel Wuppertal, Nr. 22, >19 cm) erforderlich.
Befahrungsregeln: Auf der Strecke von 500 m hinter dem Balkhauser Kotten bis zur Straßenbrücke Wupperhof besteht folgende freiwillige Selbstbeschränkung: Nur in der Flussmitte paddeln und nicht anlegen. Das Umtragen des Wehres ist erlaubt.
Hindernisse: Wehre in Auerkotten und Wipperkotten, Letzteres ist bei gutem Wasserstand für erfahrene Kanuten fahrbar; beide Wehre können auch einfach umtragen werden.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA3 bis Ausfahrt 3 Opladen, auf der B229 weiter bis Solingen, dort der Ausschilderung zum Campingplatz folgen.
GastronomieDiverse Einkehrmöglichkeiten zwischen Wupperhofen und Leichlingen.
Tipps
Die Müngstener Brücke. Südöstlich von Solingen überspannt Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke seit über 100 Jahren die Wupper. Sie verbindet Solingen mit Remscheid und verkürzt den einstigen Schienenweg von 44 Kilometer Länge auf die Luftlinienentfernung von acht Kilometern. Am 26.2.1894 wurde der Bau dieses 107 Meter hohen technischen Wunderwerks begonnen. Nachdem 5000 Tonnen Eisen und fast eine Million Nieten verbaut worden waren, wurde die Brücke 1897 fertig gestellt. Die Müngstener Brücke ist nicht nur eine obligatorische Sehenswürdigkeit, sondern bei gutem Wasserstand außerdem eine gute Einsatzstelle, um die beschriebene Tour um knapp sechs Kilometer zu verlängern. Der Pegel sollte dann aber deutlich über den beschriebenen 19 Zentimeter liegen, ansonsten reicht der Wasserstand hinter dem Wehr in Burg auf einer Strecke von einem Kilometer nicht aus und es muss getreidelt werden.
Verleih
WupperKanuTouren Thomas Becker, Tel. 0212/ 2642705, www.wupperkanutouren.de
Informationen
Transfer - Nicht ganz einfach, aber machbar: Bus-Linie250 von Opladen nach Solingen, von dort fahren einige der Busse der Linie252 über Glüder, der größere Anteil aber über Wupperhof. Fahrplaninfos bei Kraftverkehr Gebrüder Wiedenhof, Tel. 02174/3333.
Unterkunft
Sehr schöner und ruhiger Campingplatz in Glüder, Tel. 0212/242120, www.camping-solingen.de
Tourismusbüro
Bürgerbüro Clemens-Galerien, Mummstraße 10, 42651 Solingen, Tel. 0212/2903601, www.solingen.de