Ruhr

Die Ruhr ist, anders als der Name eventuell vermuten lässt, ein idealer und landschaftlich reizvoller Kanuwanderfluss. Das Ruhrgebiet ist eine Landschaft voller Kontraste mit dem Nebeneinander von sichtbaren Spuren der industriellen Vergangenheit und der modernen Gegenwart. Das Ruhrtal ist sicherlich das landschaftlich schönste Gebiet des Kohlenpotts. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
Nach dem Start in Wetter sind die Ufer grün und die Ruhr fließt ruhig und breit dahin. Vom rechten Ufer dringt gedämpft das Rattern der Eisenbahn und Verkehrslärm an unser Ohr. Nach einem kleineren Schwall liegt am linken Ufer eine DLRG-Station und in einem Seitenarm ein Campingplatz. In der Flussmitte markieren Bojen die Bahnen einer Regattastrecke, am rechten Ufer herrscht ein buntes Durcheinander aus Kajaks, Zelten und Wohnwagen an den Bootshäusern der Kanuvereine Paddler-Club Ruhrinsel e.V. Witten und Kanu-Klub Neptun (Tel. 02302/65770, www.kknwitten.de.vu). Hinter der Gaststätte eines Ruderclubs liegt voraus, zu Füßen des Berger-Denkmals, eines gerne besuchten Aussichtsturms im Naherholungsgebiet Hohenstein, das Wehr in Witten. Wir legen rechts oberhalb der Wehrkrone an und umtragen das Kajak kurz über einen Pfad auf der Insel.
Direkt hinter dem Wehr überspannt das beeindruckende Ruhr-Viadukt auf einer Länge von 800 Metern und mit 20 Bögen den Flusslauf. Am linken Ufer der Ruhr versammeln sich nach dem Wehr insgesamt vier Kanuvereine, von denen ein Teil mit einer Gaststätte lockt. Übernachtung ist nach Voranmeldung möglich beim Kanu-SkiClub Witten (Tel. 02302/33666, www.ksc-witten.info). Der Beginn der Fahrwassermarkierung kündigt auch den Beginn der Staustrecke vor dem nächsten Wehr an. Nach der Fußgängerbrücke grüßt vom linken Ufer eine Ruine, dahinter halten wir uns links, um zur Bootsgasse zu gelangen. Die Schleuse ist für Sportboote gesperrt, die Bootsgasse ist aber intakt und befahrbar. Alternativ ist auf einem Plattenweg am Rande der Bootsgasse die Portage aber ebenfalls schnell erledigt und nach dem Wiedereinstieg heißt es Achtung bei hohem Wasserstand, denn dann drückt von links eine starke Querströmung durch das Wehr.
Vor der nächsten Fußgängerbrücke ragt am rechten Ufer der Steg des KC Witten (Tel. 02302/23169, www.kcwitten.de) in die Ruhr, dahinter liegen rechts die Gaststätte Haus Ruhrblick und das Vereinsgelände der Canu-Camping-Freunde Witten. Nachdem wir eine Straßen- und dann die Autobahnbrücke passiert haben, beginnt der Kemnader Stausee. An der kleinen Insel zu Beginn des Sees halten wir uns rechts, da die Befahrung des Schutzgebietes am linken Ufer im ausgetonnten Bereich bis zu den gelben Bojen untersagt ist. Der See ist, wie auch der Baldeneysee am Ende der Tour, ein beliebtes Wassersportdorado. Das Nordufer des Sees gehört bereits zum Stadtgebiet von Bochum.
Auf Höhe der Seemitte befindet sich am rechten Ufer ein Gasthaus, die Bootsgasse für das Wehr am Seeende liegt am linken Ufer und funktioniert sogar. Davor gibt es einen kleinen Kiosk. Nach der nächsten Straßenbrücke flankieren rechts der WSV Bochum (www.wassersportvereinbochum.de) und die DKVKanustation des Kanu-Club Wiking Bochum (Tel. 0234/793054, www.kc-wiking.de) sowie das Gasthaus Zur alten Fähre die Ruhr. An der folgenden Flussteilung halten wir uns rechts, um am Ende am Wehr in Blankenstein vor dem Schwimmbalken am linken Ufer (Schild - »Bootsumtrage«) auszusetzen und geradeaus am Gebäude (nicht nach rechts über die Brücke) zu umtragen. Nach der Straßenbrücke folgen weitere Kanuvereine (Übernachtung möglich beim Bochumer KC, www.bochumer-kanu-club.de, Tel. 02324/61247) und die letzten Kilometer bis Hattingen sind schnell gepaddelt. An den Treppen des Campingplatzes an der Ruhrbrücke in Hattingen beenden wir unsere Tagesetappe. Vom Campingplatz ist es nur ein kurzer, lohnender Fußweg in den historischen Ortskern der Innenstadt mit einer Vielzahl von Bürger- und Fachwerkhäusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Einen Besuch wert ist auch das Industriemuseum Henrichshütte. In der ehemaligen Eisengießerei lernen wir, womit die Menschen im Ruhrtal ursprünglich ihr Geld verdienten und bekommen eine Vorstellung davon, wie früher Erz und Kohle gefördert sowie Koks, Eisen und Stahl produziert, gegossen, gewalzt und geschmiedet wurde. Über 150 Jahre lang prägte das Hattinger Hüttenwerk Stadt, Landschaft und Menschen.
Am nächsten Morgen starten wir vom trotz der Stadtnähe erstaunlich ruhigen Campingplatz und genießen das spritzige Erlebnis in der Bootsgasse des modernen Wehres. Beim Neubau vor einigen Jahren wurde an alles gedacht. Am rechten Rand gibt es drei Bahnen: in der Mitte den Fischaufstieg, links davon eine Bootsgasse und rechts davon einen Treidelpfad. Nach der Straßenbrücke der B51 passieren wir die S-Bahn-Trasse mit dem Pegel Hattingen, der jetzt im Frühsommer 158 Zentimeter anzeigt. Im Sommer kann der Wert bis auf 100 Zentimeter sinken. In den Hochwasserschutzbuhnen am rechten Ufer sonnen sich Schwäne, Enten, Graureiher, Gänse und Haubentaucher und die blühenden Schwertlilien sorgen für gelbe Farbtupfer.
Die Ruhr macht einen großen Bogen und nach dem Scheitelpunkt mit einem DLRG-Häuschen am linken Ufer fließt sie nach Norden und wird hoch über dem linken Ufer von der Burgruine Isenburg, der Residenz der Grafen von Isenberg aus dem Jahre 1200, überwacht. Da auf dem Radweg am Ruhrufer recht reger Betrieb herrscht, trauen wir uns nicht, die voll beladenen Boote unbeaufsichtigt zurückzulassen, und verschieben die Bergbesteigung und den Ausblick über das Ruhrtal auf den Abend, wenn wir das Auto nachholen.
Vor lauter Träumerei und Ausblicken in die Landschaft versäumen wir es fast, vor dem nächsten, doch recht großen Schwall die Spritzdecke zu schließen. Wir schaffen es aber noch rechtzeitig und können so einen ungewollten Wassereinbruch im Boot vermeiden. Am linken Ufer machen nacheinander zwei Schilder auf Gasthäuser an der nur wenige Meter entfernten Straße aufmerksam, am gegenüberliegenden Ufer weiden urig anmutende Galloway-Rinder.
Da am Wehr in Dahlhausen die Bootsgasse leider außer Betrieb ist, legen wir am Steg vor dem Schwimmverein an und tragen die Boote parallel zur Bootsgasse ins Unterwasser. Weil wir noch nicht lange unterwegs sind, stoppen wir weder an dem neben dem Wehr liegenden Restaurant noch an der großen Zeltwiese des Linden-Dalhausener KC (Tel. 0234/490603). Nach einer Straßenbrücke folgt das Wehr in Horst, dessen Bootsgasse ebenfalls außer Betrieb ist. Am rechten Ufer ragt der Schornstein einer Industrieruine in den Himmel, es folgen einige private Campingplätze und das Vereinsgelände der Freien Wasserfahrer Essen-Steele (Tel. 0201/581630). Links hinter der S-Bahn- und Eisenbahntrasse bietet sich das Restaurant Ruhreck zu einer Rast an, am Wehr in Steele halten wir uns zunächst rechts, um dann vor der Brücke nach links zur intakten Bootsgasse zu paddeln.
Hinter dem Wehr wird die Ruhr zur Schifffahrtsstraße, deutlich zu erkennen am ausgetonnten Fahrwasser. Allerdings hält sich der Motorbootverkehr heute in sehr engem Rahmen und uns kommen kaum Boote entgegen. Das dürfte im Hochsommer und an Wochenenden deutlich anders sein.
Schnell wird deutlich, dass wir nun nach Essen kommen. Essen, mit 28 Großzechen einst größte Bergbaustadt Europas, repräsentiert eindrucksvoll den Strukturwandel und hat sich zum »Schreibtisch des Ruhrgebiets« entwickelt, von dem aus viele deutsche Großkonzerne gelenkt werden. Von den modernen Bürokomplexen ist vom Wasser aus aber nichts zu sehen, dafür tummeln sich zahlreiche Kanuvereine und Restaurants an den Ufern. In kurzem Abstand folgen am rechten Ufer der KSV Rote Mühle (Tel. 0201/440191) und eine Gaststätte, vor der Brücke der B227 am linken Ufer das Bootshaus des KC Industrie (Tel. 0201/484888), rechts gegenüber ein Restaurant, links an der folgenden Straßenbrücke ein weiteres Gasthaus und nach der nächsten Brücke das Vereinsgelände des KK Zugvogel.
Langsam geht die Ruhr nun in den Baldeneysee über, der weit über die Stadtgrenzen hinaus ein beliebtes Ziel von Ausflüglern und Wassersportlern ist. Auf dem neun Kilometer langen Stausee zwischen waldbedeckten Hügeln kreuzen Segler, Kanuten und viele Ruderboote und natürlich ist auch das ein oder andere Motorboot unterwegs. Um diesen nicht in die Quere zu kommen, sollten Kanus und andere Kleinfahrzeuge möglichst nicht im ausgetonnten Fahrwasser fahren und es wenn nötig auf dem kürzesten Weg queren.
Der Baldeneysee wird breiter und macht einen Knick nach Norden. An beiden Uferseiten des Sees entdeckt das Auge zahlreiche Yachthäfen sowie Gaststätten, Cafés und Biergärten. Gelbe Bojen markieren den gebührenden Abstand zum rechten Ufer, das als Laich- und Vogelschutzgebiet nicht befahren werden darf.
Am nördlichen Ende des Baldeneysees thront über den Hügeln am Ufer die bekannte Villa Hügel – 1870 für Alfred Krupp errichtet und bis 1945 Wohnsitz der Familie. Seit 1953 präsentiert die Villa Kunstschätze, Konzerte und Ausstellungen der Öffentlichkeit und eine historische Sammlung erzählt die Firmen- und Familiengeschichte der Krupps.
Am gegenüberliegenden Ufer der Villa und der darunter liegenden Regattatribüne beenden wir links vor dem Wehr in Essen-Werden unsere Tour auf der Ruhr.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour50 km
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGroßer Parkplatz direkt am Ufer hinter der Straßenbrücke der B234 zwischen Oberwengern und Wetter.
EndpunktVor dem Kettwiger Wehr in Essen am linken Ufer des Baldeneysees.
TourencharakterDie Zeit, in der Kohle- und Stahlproduktion für das Ruhrgebiet von Bedeutung waren, ist längst passé. Das »neue« Ruhrgebiet fasziniert durch einen einzigartigen Mix aus Natur-, Kultur- und Freizeitlandschaft und auch die Namenspatronin macht da keine Ausnahme. Die Ruhr führt nicht durch graue Industriestandorte, sondern ist der ideale Wanderfluss für die ganze Familie durch eine fast urwüchsig erscheinende Natur.

Befahrbarkeit - Die Ruhr ist ganzjährig fahrbar, bei Hochwasser ist allerdings jeglicher Bootsverkehr auf ihr untersagt. Der Pegel Hattingen darf maximal 358 cm betragen, den jeweils aktuellen Messwert finden Sie im ARD-Videotext auf Tafel 192.
Befahrungsregeln: Der Kemnader Stausee darf nur im ausgetonnten Bereich durchfahren werden, das durch Bojen markierte Vogelschutzgebiet am Südufer des Baldeneysees darf nicht befahren werden. Hindernisse: Auf der beschriebenen Strecke behindern acht Wehre bzw. gesperrte Schleusen den Bootswanderer. Ein Teil der Wehre ist mit Bootsgassen ausgestattet, die allerdings leider oft außer Betrieb sind. In jedem Fall sind alle Wehre leicht zu umtragen. Die intakten Bootsgassen werden oft durch eine Ampel geregelt: Sie fahren bis zum Zugschalter vor und müssen nach dem Betätigen die Grünphase, die etwa 1 Min. dauert, abwarten. Bei mehreren Booten muss eventuell mehrmals grün angefordert werden. Bis auf die Bootsgasse am Wehr in Hattingen sind am Grund aller Bootsgassen Leitbleche eingebaut, sodass Kajaks und Kanus automatisch und ohne Steuerung die Gasse mittig durchfahren.
Hinweise
Route der Industriekultur. Fördertürme, Schlote und Gasometer - das Ruhrgebiet blickt auf eine über 150-jährige industrielle Vergangenheit zurück, die ihre Spuren hinterlassen hat. Einen guten Überblick über die Geschichte der Region verschafft die Route der Industriekultur, die auf einer Strecke von etwa 400 Kilometern durch das Ruhrgebiet führt. Entlang der Route halten insgesamt 52 herausragende Zeugnisse der Geschichte, darunter Industrieanlagen, spannende Museen und Aussichtspunkte mit beeindruckenden Panoramablicken über die Industrielandschaft, das industriekulturelle Erbe der Region lebendig. Weitere Infos: www.route-industriekultur.de
VerkehrsanbindungA1 Richtung Dortmund, Ausfahrt 89 Hagen-West, weiter Richtung Wetter.
GastronomieDiverse Gasthäuser, Cafés und Biergärten entlang der gesamten Strecke, besonders aber am Baldeneysee.
Tipps
RuhrTriennale. Die Idee und das Konzept, die großen Industriedenkmäler des Ruhrgebiets mit Kunst und Kultur zu verbinden, machten aus der ersten RuhrTriennale 2002 bis 2004 auf Anhieb ein herausragendes europäisches Festival. Die New York Times sprach sogar von einem weltweit einmaligen Laboratorium für neue künstlerische Entwicklungen. An Spielstätten in Bochum, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Gladbeck, Hamm, Herne und Mülheim werden dabei besondere Industriedenkmäler des Ruhrgebiets in spektaku- läre Aufführungsorte für Musik, Theater, Literatur und Tanz verwandelt. Das aktuelle Programm, eine Übersicht der Spielstätten und weitere Infos finden Sie unter www.ruhrtriennale.de
Verleih
Sport Zölzer GmbH, Kupferdreher Str. 196, 45257 Essen-Kupferdreh, Tel. 0201/487815, www.kanu-tour-ruhr.de
Informationen
Transfer - Ideale Rückholmöglichkeiten durch gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr. Mit der S-Bahn-Linie 6 vom Bahnhof Essen-Werder nach Essen Hbf und weiter mit der S3 nach Hattingen-Mitte. Von dort geht es stündlich mit dem Bus SB38 Richtung Ennepetal nach Oberwengern. Aktuelle Fahrpläne unter www.vrr.de
Unterkunft
Campingplatz Ruhrbrücke in Hattingen, Tel. 02324/80038, www.camping-hattingen.de; gegenüber Hotel Haus Wallbaum, Tel. 02324/ 950370; unterwegs diverse Kanuvereine mit guten Zeltmöglichkeiten (die jeweiligen Telefonnummern und/oder Internetadressen finden Sie in der Wegbeschreibung).
Tourismusbüro
Verkehrsverein Hattingen e.V., Langenberger Str. 2, 45525 Hattingen, Tel. 02324/951395, www.verkehrsverein-hattingen.de; Touristikzentrale Essen, Im Handelshof, Am Hauptbahnhof 2, 45127 Essen, Tel. 0201/19433, www.essen.de; Ruhrgebiet Tourismus, c/o Regionalverband Ruhr, Gutenbergstr. 47, 45128 Essen, Tel. 0201/17670, www.ruhrgebiettouristik.de; www.dasruhrtal.de