Lahn - Von Oberbiel nach Runkel

Schöne Wandertour in einem mal etwas weiteren, mal etwas engeren Tal, in dem es immer genug zu gucken und zu erleben gibt: mittelalterliche Fachwerkstädte, Schlösser, Burgen und Kirchen. Ein besonderes Erlebnis und einzigartig in Deutschland ist die Fahrt durch den 200 m langen Schiffstunnel, der eine große Lahnschleife bei Weilburg abkürzt. Die Infrastruktur für eine Paddeltour ist auf der Lahn ideal, kein anderer Fluss in Deutschland bietet mehr Angebote für Kanuten. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
Auf dem Campingplatz Schooleck in Solms herrscht meist munteres Treiben. Die Planen von Tipizelten flattern im Wind, vom Kletterturm erschallt eine Glocke, wenn es jemand bis nach oben geschafft hat, und der Lagerfeuergeruch ist allgegenwärtig. Schooleck ist kein klassischer Campingplatz auf dem Liegestühle, Wohnmobile und Vorzelte regieren, sondern eine, für manchen vielleicht etwas chaotische, große Wiese auf der mehrere Kanuvermieter Zeltmöglichkeiten und ihren Service anbieten und kleine Imbissbuden errichtet haben, an denen gekühlte Getränke, Snacks und Frühstück serviert wird.
Ein paar hundert Meter weiter führt zunächst eine Holzbrücke über die Lahn, dann zieht der Steg an der Anlegestelle unterhalb des Bahnhofes vor der Eisenbahn- und der Autobahnbrücke an uns vorüber. Anschließend schwingt die Lahn in einem großen Bogen nach Norden, vorbei am Jugendzeltplatz in Leun. Am Ende des Schlenkers kreuzen erneut Eisenbahnstrecke und Autobahn das Lahntal und wir passieren einen zweiten Jugendzeltplatz ohne jegliche sanitäre Einrichtungen am rechten Ufer.
Kurz vor Selters wenden wir uns dem rechten Ufer zu, da die Lahn hier wieder als Wasserskistrecke dient. Für den Anleger im Ort mit einem schönen Biergarten am linken Ufer überlegen wir kurz, die Seiten zu wechseln, entscheiden uns dann aber, weiter zur Schleuse Löhnberg zu paddeln. Während die Lahn unser Vorankommen von Solms bis hierher mit einer flotten Strömung unterstützte, sind wir auf der nun folgenden Staustrecke bis Weilburg auf uns alleine gestellt.
Aber die knapp 4 km, bis hinter einer Brücke die ersten Industrieanlagen und Fahrgastschiffanleger vorbeiziehen, sind schnell bewältigt und vor uns spannt sich eine große Brücke über die Lahn, hinter der sich deutlich die Silhouette der Kirche von Weilburg abhebt. Vor der Brücke biegen wir nach links ab und verschwinden im etwa 200 m langen, stockdunklen Schiffstunnel, der eine große Schleife der Lahn abkürzt. Am Ende entlässt uns eine Doppelkammerschleuse wieder ans Tageslicht.
Der rechts hinter der Schleuse liegende Jugendzeltplatz wurde 2005 umgebaut und war daher geschlossen, umso mehr Betrieb herrscht dagegen auf dem Campingplatz in Odersbach (Tel. - 06471/7620, www.camping-odersbach.de). Wer nicht übernachten will, aber seinen Proviant auffüllen oder eine Pause im Gasthaus einlegen möchte, kann vor dem Campingplatz rechts unter der Brücke anlegen.
Vom Campingplatz sind es etwa noch 1,5 strömungslose Kilometer bis zur Schleuse Kirschhof, danach schiebt uns eine leichte Strömung durch ein einsames, beeindruckendes Tal mit bewaldeten Hängen, an denen zwischen den Bäumen zum Teil der nackte Fels durchscheint. Zunächst taucht am linken Ufer die Bahnstrecke aus einem Tunnel auf, dann ziehen die ersten Vorzelte der Dauercamper am Campingplatz Gräveneck (Tel.: 06471/4485) vorbei. Nach etwa 500 m sind, kurz vor der Straßenbrücke, der Anleger und die Zeltwiese für Kanuten erreicht. Am linken Ufer vor der nächsten Schleuse in Fürfurt paddeln wir an einem Gasthaus vorbei, hinter der Schleuse trägt uns die gute Strömung schnell zum Anleger von Aumenau mit zahlreichen Hotels und Gaststätten, die wir allerdings rechts liegen lassen, weil unser Tagesziel, das Jugend- und Wanderheim des ESV Limburg (Tel.: 06482/4615), nicht mehr weit ist. Dort könnten wir zwar ein Bett im Bootshaus bekommen, ziehen aber unser Zelt vor und dürfen es direkt im Vorgarten der Wirtschaft aufbauen.
Ein paar Kilometer weiter liegt in Villmar am rechten Ufer, schräg gegenüber von der Anlegestelle und der Pizzeria, die Einfahrt zum Schleusenkanal. Nachdem wir einmal mehr die Kurbeln und Hebel der Schleuse betätigt haben, zieht am linken Ufer ein steil aufragender Fels an uns vorbei. Als Nächstes taucht vor uns die eindrucksvolle Silhouette mit der mächtigen Burg von Runkel vor uns auf. Im Ort selbst geleiten uns schöne Fachwerkhäuser zur Schleuse. Am rechten Ufer vor der Stelle liegt eine Anlegestelle, an der wir unsere Tour beenden könnten, doch wir betätigen gerne ein letztes Mal die hydraulischen Kurbeln und Hebel der Selbstbedienungsschleuse und paddeln dann unter einer malerischen Steinbogenbrücke hindurch zum Campingplatz der Firma Lahntours (Tel.: 06426/92800, www.lahntours.de).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour45 km
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktZeltplatz Schooleck in Solms
EndpunktSteg oder Campingplatz in Runkel
TourencharakterRundherum unproblematischer Kanuspaß auf einem charmanten Fluss mit hervorragender Infrastruktur an Verleihern, Unterkunfts- und Einkehrmöglichkeiten. Die ideale Mehrtageswandertour (nicht nur) für Anfänger und Familien mit Kindern.
Befahrbarkeit.
Ganzjährig
Befahrungsregeln.
Entlang der Lahn sind diverse Schutzgebiete eingerichtet. Vom Wasser aus gut sichtbare Informationstafeln markieren die Ein- und Ausstiegstellen sowie Rastplätze. Bitte nur an diesen Stellen anlanden. Bei Hochwasser darf die Lahn nicht befahren werden. Es gilt ein höchster Schifffahrtswasserstand von 360 cm für die Pegel Leun (Tel.: 06473/19429) und Kalkofen (Tel.: 06439/19429).
Hindernisse.
Sechs Wehre, die aber nicht umtragen werden müssen, sondern in Selbstbedienungsschleusen komfortabel »umschifft« werden können.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA45 bis zur Ausfahrt 29 Wetzlarer Kreuz oder 30 Wetzlar-Ost, weiter auf der B49 über Wetzlar nach Oberbiel. Transfer - Sehr gute Nachholbedingungen, da die Eisenbahnstrecke entlang des gesamten Lahntales verläuft und es in vielen Orten nur ein Katzensprung von der Ausstiegstelle zum Bahnhof ist.
Gastronomiegute Einkehrmöglichkeiten in diversen Restaurants, Cafés und Biergärten direkt am Ufer entlang der gesamten Strecke
Verleih
Die Lahn ist wohl Deutschlands Kanufluss mit der höchsten Verleiherdichte. Eine umfangreiche Übersicht der Anbieter mit Adressen und Telefonnummern erhalten Sie beim Fremdenverkehrsverein (siehe unten).
Informationen
Besucherbergwerk Fortuna. Als letztes hessisches Eisenwerk wurde 1983 die Grube Fortuna in Solms-Oberbiel stillgelegt. Heute führen ehemalige Bergleute Touristen durch das Industriedenkmal. Nach der Fahrt hinab zur 150 m tiefen Sohle führt die alte Grubenbahn in den ehemaligen Abbaubereich, wo der Eisenerzabbau mit Originalmaschinen, z. B. Bohrwagen, Radlader und Schrapper vorgeführt wird. Wie die Bergleute damals gelebt und gearbeitet haben, wird im Bergbaumuseum dokumentiert. Weitere Infos unter www.grube-fortuna.de
Unterkunft
Vom einfachen Biwakplatz bis zur Hotelübernachtung ist an der Lahn alles möglich. Etappenvorschlag für eine Zweitagestour Einstieg - Zeltplatz Schooleck; Übernachtung Camping Odersbach (22 km); Ausstieg Camping Runkel (20 km)
Tourismusbüro
Lahntal Tourismus Verband e. V., Karl-Kellner-Ring 51, 35576 Wetzlar, Tel.: 06441/4071900, www.daslahntal.de

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