Kanuwanderung auf der Sieg

Die Sieg ist der ideale Fluss für Wanderfahrer, die es etwas spritziger mögen. In vielen Windungen, aber ohne enge Kurven und lästige Baumhindernisse fließt sie mit munterer Strömung durch ein naturnahes Auental, umgeben von mal bewaldeten, mal schroffen Hügeln, und bietet so den idealen Rahmen für eine lange Wochenendfahrt. (Autor: Michael Hennemann)

Paddeln auf der Sieg

Die Sieg zählt zwar nicht zu den Kanuwanderklassikern, hat aber ihre Liebhaber unter den Kanuten. Und das zu Recht, ist sie doch ein herrlicher Mittelgebirgsfluss durch dichte Wälder und natürliche Auen, bei dem das Naturerlebnis nicht durch große Städte getrübt wird.
Bereits kurz nach unserem Start in der 10000 Einwohner zählenden Stadt Wissen zeigt uns die erste Brücke unweit des Bahnhofs, was uns auf dieser Tour erwartet. Hinter praktisch jeder der unzähligen Straßen- und Eisenbahnbrücken bilden sich, je nach Wasserstand, mehr oder weniger ausgeprägte Stromschnellen und die Wellen der Schwälle glitzern in der Sonne.

In den vergangenen Tagen hat es in der Region intensiv geregnet, und was die Wohnmobilfahrer neben unserem Zelt heute Morgen fast zur Verzweiflung brachte, da sie statt sich vorwärts zu bewegen eher die durchweichte Wiese umpflügten, kommt uns jetzt zugute. Bei einem Pegelstand von 80 Zentimeter in Eitorf ist der Wasserstand mehr als ausreichend und wir brauchen keine Grundberührungen zu befürchten. Von links mündet die Nister, die bei diesem Wasserstand sicher ein großer Spaß wäre, aber man kann ja nicht überall gleichzeitig paddeln.

Tragepassage am Wasserfall in Schladern

Wir passieren einige kleinere Orte, lassen eine Rast am Gasthof in Imhausen aber aus. Ein Zwangsstopp dagegen fordert der Wasserfall in Schladern. Er ist nicht natürlichen Ursprungs, sondern die Folge einer Sparmaßnahme aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Um beim Bau der Eisenbahn mit Brücken geizen zu können, verlegte man das Flussbett und es entstand eine 84 Meter breite und vier Meter hohe Felsstufe über die Sieg, die je nach Wasserstand als kleines Rinnsal oder imposanter Wasserfall plätschert bzw. rauscht. Wir landen rechts hinter der Brücke an und montieren die Bootswagen. Wir laufen mit den Booten über die kleine Holzbrücke vor dem Teich und weiter nach links vorbei am Aussichtsturm bis zur Straße. Dort wenden wir uns nach links, folgen dem Zaun am Kraftwerksgelände, bis wir in einer Kurve am Ende der Leitplanken wieder hinab ans Siegufer kommen.

Nun liegen erst einmal fünf hindernisfreie Kilometer vor uns, bis das Wasser über das Wehr in Dattenfeld braust. Da man die Einfahrt zur Bootsgasse von oben nicht erkennen kann, legen wir rechts vor der Brücke am Tretbootverleih an und schauen uns das Ganze vom Radweg aus an. Die mit Gummimatten ausgelegte Bootsrutsche befindet sich im linken Drittel. Weil wir schon einmal das Wasser verlassen haben, gönnen wir uns ein Hefeweizen im hiesigen Biergarten, bevor wir in den Fluss zurückkehren und die Spritzdecken unserer Boote fest verschließen.

Feierabend mit Lagerfeuer

Auch das nächste Wehr an der Unkelmühle ist mit einer Bootsrutsche ausgestattet, die mit Gummimatten ausgelegt und daher problemlos zu befahren ist. Hier ist die Einfahrt leicht zu finden - Wir halten uns ganz am linken Ufer. Bei niedrigerem Wasserstand könnte man die Boote auch gut vom Weg neben der Bootsrutsche aus treideln. Bis Eitorf weitet sich das Siegtal, und nachdem das Pegelhäuschen passiert ist, liegt in einer großen Linkskurve am linken Ufer der Campingplatz Happach, der mit seinem sehr schönen Uferstreifen wie gemacht ist für Paddler, und auf der Kiesbank davor dürfen wir sogar ein Feuer entfachen. So klingt der Paddeltag zünftig aus und nicht einmal die nahe gelegene Bahnstrecke kann die Idylle merklich stören.

Nach der nächsten großen Siegschleife thront hoch über dem linken Ufer die alte Stadt Blankenberg mit einer imposanten Burganlage, die im Mittelalter den Zugang zum Siegtal kontrollierte. An den Ausläufern des Siebengebirges entlang strömt die Sieg vorbei an Hennef und weiter nach Nordwesten. Hinter der Autobahnbrücke erreichen wir am rechten Ufer das Vereinsheim der Kanuten des STV Siegburg.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour66 km
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktAn der Straßenbrücke von Wissen nach Morsbach; einsetzen können Sie die Boote am Uferweg neben der Bäckerei direkt gegenüber vom Parkplatz.
EndpunktVereinsgelände des STV Siegburg.
TourencharakterDie Sieg entspringt im Rothaargebirge und bringt ihr klares Wasser am Rande des Bergischen Landes mit flotter Strömung über etwa 130 Kilometer bis zur Mündung in den Rhein nahe Bonn. Das urwüchsige Auental inmitten bewaldeter Hügel bietet den idyllischen Rahmen für eine ausgedehnte Wochenendtour und zahlreiche Schwälle, Stufen sowie Bootsrutschen an den Wehren sorgen dafür, dass es nie langweilig wird.

Befahrbarkeit: Frühling bis Frühsommer und nach länger anhaltenden Regenperioden im Sommer. Der Pegel Betzdorf (Nr. 04) sollte mindestens 55 cm melden, besser ist ein höherer Wasserstand, bei Mindestpegel drohen sonst in vielen Schwällen und Stufen Grundberührungen.
Befahrungsregeln: Derzeit keine Einschränkungen, im Gespräch ist allerdings eine Beschränkung der erlaubten Boote pro Tag. Um den Status quo zu erhalten, bitte besonders umsichtig und naturbewusst paddeln, vor allem nur an den dafür vorgesehenen Stellen rasten und ein- bzw. aussetzen.
Hindernisse: Diverse Schwälle und kleinere Gefällestrecken geben der Tour eine sportliche Note. Insgesamt drei Wehre, zwei davon sind mit Bootsrutschen ausgestattet. Das Wehr in Schladern allerdings macht eine längere Portage von 1 km notwendig, ein Bootswagen ist daher ein Muss.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA45 Ausfahrt 21 Siegen und auf der B62 durch das Siegtal nach Wissen; oder A3 bis Kreuz Bonn/Siegburg und über die A560 und B8 bis Hennef und von dort weiter nach Wissen.
GastronomieZahlreiche Gasthöfe direkt am Ufer, u.a. in Imhausen, Rosbach, am Wehr in Dattenfeld sowie in Windeck-Dreisel, Herchen, Stromberg, Alzenbuch und Siegburg.
Tipps
Die Große Nister. Die Große Nister ist ein äußerst spannender, aber auch anspruchsvoller Kleinfluss im Westerwald. Der schnelle Wasserabfluss macht die Strömung rasant und neben der herrlichen Landschaft in der Kroppacher Schweiz mit Wald, Wiesen und Felsen sorgen viele fahrbare Wehre dafür, dass eine Tour auf der Nister einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die Große Nister ist nur bei gutem Wasserstand im Frühjahr fahrbar, Bezugspegel ist Betzdorf/Sieg (Nr. 04). Der erforderliche Mindestwasserstand für eine Tour auf der Nister ist 90 Zentimeter für die Fahrt ab Langenbach und 80 Zentimeter bei einem Start in Heimborn.
Verleih
Peter Hübinger, Schlosserstr. 5a, 57076 Siegen, Tel. 0271/71518 www.kanusport-huebinger.de; WupperKanuTouren Thomas Becker, Tel. 0212/ 2642705, www.wupperkanutouren.de
Informationen
Transfer - Regelmäßige Zugverbindung von Siegburg nach Wissen.
Unterkunft
Zeltmöglichkeit nach Absprache am Gasthof zur Sieg in Windeck, Tel. 02292/ 800130; Campingplatz Happach hinter Eitorf, Tel.02243/3533; Campingplatz in Lauthausen; DKV-Kanustation am Bootshaus des STV Siegburg, Tel. 02241/ 63220.
Tourismusbüro
Verkehrsverein Wisserland e.V., Rathausstraße 75, 57537 Wissen, Tel. 02742/939134, www.wissensieg.de; Tourist-Information Siegburg, Europaplatz 3, 53721 Siegburg, Tel. 02241/ 9698533, www.siegburg.de; gemeinsame Website der Gemeinden entlang der Sieg unter www.siegtal.com