Jeetzel - Von Müggenburg nach Hitzacker

Herrliche Tagestour auf der sich ruhig durch Felder, Wiesen und Wald dahinwindenden Alten Jeetzel. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
An der Quelle in der südwestlichen Altmark im Norden Sachsen-Anhalts entspringt ein Fluss mit Namen Jeetze. Auf seinem Weg nach Norden passiert er Salzwedel und erreicht bald darauf niedersächsisches Gebiet. Parallel zum Drawehn-Höhenzug fließt der nun im Wendland Jeetzel genannte Fluss durch vermoorte Senken und die Städte Wustrow, Lüchow und Dannenberg, um nach insgesamt 73 km bei Hitzacker in die Elbe zu münden. Der Name leitet sich vom altslawischen »jasenu« ab, was so viel wie »Eschenbach« bedeutet und sich auf die zahlreichen Eschen und Erlen-Eschen-Wälder entlang den Ufern bezieht. In Anbetracht der gut zu bewältigenden Tagestour besuchen wir vor dem Tourenstart noch das knapp 4 km westlich vom Startpunkt gelegene Freilicht-Rundlingsmuseum Wendlandhof (Lübeln 2, 28482 Küsten, Telefon 05841/96290, www.rundlingsmuseum.de, geöffnet April–Oktober täglich 10–18 Uhr, im Winter nach Vereinbarung), das umfassend über die für das Wendland typischen Rundlingsdörfer informiert und zeigt, wie die Menschen in dieser Region früher gelebt und gearbeitet haben. Darüber hinaus bietet das Museum Aktionstage, Märkte und Handwerksvorführungen.
Die Einsatzstelle hinter dem Wehr in Müggendorf ist leicht gefunden, und nachdem wir unsere Kajaks vom Dachgepäckträger abgeladen und die Sachen gepackt haben, parken wir das Auto ein paar hundert Meter weiter an einem Feldrand, um den Bauern, die hier mit ihrem schweren Gerät unterwegs sind, nicht den Weg zu versperren.
Dann legen wir ab und sind sofort von der Jeetzel begeistert, die uns mit einem dichten grünen Weidentunnel einhüllt. Auf den angrenzenden Äckern werden Kartoffeln, Sonnenblumen, Mais und Getreide angebaut. Bei Weitsche und Soven warten die ersten Wehre, und auch wenn wir nicht einmal eine Stufe erkennen können, folgen wir den Schildern und umtragen die Wehre kurz am rechten Ufer.
Kurz nach dem zweiten Wehr kreuzt bei Sove der Jeetzelkanal die Jeetzel. Da die Portage lang ist, sind wir froh, einen Bootswagen dabeizuhaben. Wir legen an dem hübschen Rastplatz mit Schutzhütte an; die Portage führt uns auf der Straße über den Kanal. Direkt hinter diesem laufen wir auf dem Weg am Deichfuß zurück und können die Boote wieder der Alten Jeetzel übergeben.
Die Jeetzel bleibt recht naturnah. In Prabstorf reichen einige schöne Grundstücke bis ans Ufer; dann müssen wir das Wehr bei Bückau kurz rechts umtragen, das aber wiederum praktisch nicht einmal eine Stufe darstellt und dennoch durch ein quer über den Fluss gespanntes Gefahrenschild gekennzeichnet ist. Nachdem wir zwei Brücken unterfahren haben, tauchen bald die ersten Häuser am Ufer auf. Dann ragt zuerst der spitze Kirchturm und bald darauf der massivrunde Waldemarturm (heute Heimatmuseum) in den Himmel, und wir legen rechts vor dem Wehr in Dannenberg an, um die Boote für ein paar Meter ins Unterwasser zu tragen. Über die Brücke vor dem Wehr sind es nur wenige Schritte ins Zentrum der Fachwerkstadt, wo Restaurants und Boutiquen zum Bummeln einladen.
Nach dem Wehr in Dannenberg paddeln wir kurz unter mehreren Straßen- und einer Eisenbahnbrücke hindurch, bis sich uns bei Lüggau das Pumpwerk in den Weg stellt. Wir setzen davor am rechten Ufer aus, montieren den Bootswagen und schieben die Kajaks am Pumpwerk vorbei über den Deich. Hier trifft die Alte Jeetzel auf den Jeetzelkanal, und auf dem letzten Abschnitt wird der Fluss breiter und recht gerade, bleibt aber idyllisch. Am Ende öffnet sich vor uns ein See und uns kommt ein erster Einbaum aus dem Archäologischen Zentrum Hitzacker entgegen. Wir überqueren den See in nordwestliche Richtung und beenden die abwechslungsreiche Tagestour am Steg des archäologischen Zentrums unterhalb eines großen Parkplatzes. Von hier aus lohnt noch ein Bummel durch die historischen Fachwerkgässchen der Altstadt, die von zwei Flussarmen umschlossen wird.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour24 km
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktHinter dem Wehr in Müggenburg.
EndpunktAm Steg beim Archäologischen Zentrum in Hitzacker.
TourencharakterDie Alte Jeetzel ist durch zwei Sperrwerke vom Jeetzelkanal abgeschnitten und konnte sich so zu einem naturnahen Fluss zurückentwickeln.
Befahrbarkeit.
Ganzjährig.
Befahrungsregeln.
Keine Einschränkungen für Paddler.
Hindernisse.
Insgesamt vier Wehre, die leicht und kurz umtragen werden können (Ein- und Ausstiegsstellen direkt vor und hinter den Wehren). Zwei längere Portagen: Soven: Kreuz Alte Jeetzel mit dem Jeetzelkanal; Lüggau: Pumpwerk (Bootswagen hilfreich).
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA250 und weiter auf der B4 bis Lüneburg, anschließend die B216 bis Dannenberg (Elbe) und auf der B248 in Richtung Lüchow; kurz vor Erreichen des Ortseingangs links ab nach Müggenburg. Geradeaus durch den Ort und über einen schmalen Entwässerungskanal zur Einsatzstelle an der Brücke hinter dem Wehr. Transfer: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht möglich; entweder mit dem Verleiher absprechen oder per Rad oder mit zweitem Auto.
GastronomieUnterwegs keine Einkehrmöglichkeiten direkt am Fluss; Restaurants in Dannenberg und Hitzacker.
Tipps
Kulturelle Landpartie im Wendland. Seit 1989 öffnen die Künstler und Kunsthandwerker im Wendland während der Kulturellen Landpartie (KLP-Büro, Drawehner Str. 2, 29439 Lüchow, www.kulturelle-landpartie.de) ihre Hoftore und präsentieren zwischen Himmelfahrt und Pfingsten für zehn Tage große und kleine Kunst von fast vergessenen Handwerkstechniken bis hin zur Avantgarde-Kunst. Die Besucher können dann von einem Rundlingsdorf zum nächsten pilgern und den Künstlern bei der Arbeit zuschauen. Dazu wird Theater und Musik in alten Scheunen geboten, und es kann schon einmal vorkommen, dass der ehemalige Kuhstall zum Laufsteg für außergewöhnliche Mode mutiert.
Verleih
Siehe Tour Elbe - Von Schnackenburg nach Boizenburg
Informationen
Archäologisches Zentrum Hitzacker. Das Archäologische Zentrum Hitzacker (Tel. 05862/6794, www.archaeo-centrum.de, geöffnet April und Oktober Di–Fr 10–16 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr, Mai–September Di–So 10–18 Uhr) ist kein verstaubtes Museum, sondern bietet seinen Besuchern aktiv die Möglichkeit, den Alltag der Menschen in der Bronzezeit mitzuerleben. In den reetgedeckten Langhäusern eines bronzezeitlichen Dorfs erfährt der Besucher vieles über die Arbeit von Archäologen, kann mit Pfeil und Bogen auf Wildschweinjagd gehen oder die Kunst des prähistorischen Feuermachens erlernen.
Unterkunft
Keine Übernachtungsmöglichkeiten direkt an der Jeetzel, aber in Wassernähe in Dannenberg - Campingplatz Thielenburger See, Am Bäckergrund, Tel. 05861/4183. Hitzacker: Jugendherberge, An der Wolfsschlucht, Tel. 05862/244.
Tourismusbüro
Siehe Tour Elbe - Von Schnackenburg nach Boizenburg