Erft

Nicht unbedingt spektakuläre, aber dennoch lohnende Kanutour auf dem recht zügig strömenden linken Nebenfluss des Rheins. Abgesehen von den Portagen an den Wehren gibt es keine Schwierigkeiten. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
Es lohnt sich kaum, beim Start am Vereinsgelände des KK Bergheim die Spritzdecke zu schließen und es sich im Boot gemütlich zu machen, denn bereits nach 500 Metern müssen wir links anlegen, um das erste Wehr kurz zu umtragen.
Kurz danach hat der örtliche Kajakvermieter ein großes Transparent über die Erft gespannt, und nach einer großen Straßenbrücke und diversen kleineren Brücken ziehen am linken Ufer nacheinander Pfaffendorf und der Kirchturm von Glesch vorbei. Einige Brücken später, während am linken Ufer die Lagerhallen eines Gewerbegebiets aufragen, beginnt die Stauwirkung des nächsten Wehres in Bedburg deutlich zu werden. An der Betontreppe am rechten Ufer davor legen wir an, um zu umtragen.
Unter der Straßen- und der folgenden Holzbrücke in Bedburg rauscht die Erft über eine kleine, harmlose Stufe; unfahrbar ist dagegen das nächste Wehr, das wir am rechten Ufer auf dem Radweg umtragen. Wir setzen hinter dem Wehr wieder ein, und zwar dort, wo das Geländer, das den Radweg begleitet, aufhört, noch vor dem Zufluss des Obergrabens. Der Wiedereinstieg gestaltet sich etwas schwierig, da die Uferböschung recht steil ist.
Nun fließt die Erft durch einen stark begradigten Abschnitt. Auf der hohen Uferböschung wachsen Weiden und Faulbaum, dazwischen leuchten die purpurfarbenen Ähren großer, dichter Blutweiderich-Büsche.
Langsam nimmt die Strömung wieder ab und wir verhalten uns gegenüber den zahlreichen Schwänen sehr zurückhaltend und versuchen einen besonders großen Abstand zu ihnen einzuhalten. Wie uns Kanuten des KK Bergheim zu Beginn unserer Tour berichteten, kam es hier im Jahre 2005 zu einem bedauerlichen Vorfall, bei dem Paddler, die mit Leihbooten unterwegs waren, einige Jungschwäne erschlugen. Da dieser Vorfall auch in den örtlichen Medien für einigen Aufruhr gesorgt und den Ruf »der Kanuten« nachhaltig beschädigt hat, ist hier äußerst umsichtiges Handeln gefragt.
Schon lange vor dem nächsten Wehr ragt wie zur Ankündigung ein dampfender Kraftwerksschlot vor uns auf. Nach dem letzten Turm, am Ende des Werkszaunes, legen wir vor der Brücke rechts an und umtragen kurz über die Straße.
Der letzte Abschnitt der Tour ist der schönste. Jetzt sind die Ufer flach und grün und in schönen Kurven sucht sich die Erft unter hohen Bäumen ihren Weg. Hinter der Eisenbahnbrücke in Grevenbroich wartet das nächstes Wehr. Unter der Brücke legen wir links an und transportieren die Kajaks auf dem Weg etwa 300 Meter, bis wir eine etwas flachere Stelle am sonst recht steilen und steinigen Ufer finden, an der wir die Boote wieder zu Wasser lassen.
Zwischen den Slalomstangen des örtlichen Kanuvereins hindurch und nach diversen Brücken kehren wir dem Stadtgebiet den Rücken und es wird wieder ruhig und idyllisch. Mit gemächlicher Strömung erreichen wir nach der nächsten Straßenbrücke die Mühle Kottmann in Wevelinghoven, die uns die letzte Portage des Tages beschert. Etwa 100 Meter vor dem Wehr legen wir links an einem kleinen Holzsteg an. Hinter dem Wehr führt uns ein schmaler Trampelpfad zur Einsatzstelle im Unterwasser.
Auch der letzte Kilometer bleibt grün. Die Erft teilt sich und umschließt eine kleine Insel. Nach einigen Brücken ignorieren wir an der Brücke mit dem grünen Geländer das Schild »Hier ausbooten«, um einige Paddelschläge später oberhalb des nächsten Wehres am Vereinsgelände der PG Grevenbroich die Tour zu beenden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour27 km
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktAm Vereinsgelände des KC Bergheim. Wenn kein Mitglied anwesend und das Tor verschlossen ist, finden Sie am angrenzenden Fußballfeld eine ausreichend große Lücke im Zaun, um die Boote zu Wasser zu lassen.
EndpunktVereinsgelände PG Grevenbroich.
TourencharakterDie Erft entspringt am Nordrand der Eifel und mündet nach 103 Kilometern bei Neuss in den Rhein. Sie ist zwar nicht spektakulär, die Ufer sind größtenteils begradigt und die Gegend rundherum ist dicht besiedelt, aber Paddler aus der Region schätzen den kurzweiligen und abwechslungsreichen Wiesenfluss mit flotter Strömung.

Befahrbarkeit - Ganzjährig.
Befahrungsregeln: Keine Einschränkungen.
Hindernisse: Sechs Wehre, die allesamt einfach zu umtragen sind.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA61 bis Ausfahrt 18 Bergheim, weiter über Zieverich nach Bergheim. Am Ortseingang, noch vor der Brücke über den Erftflutkanal, rechts zum Bootshaus einbiegen.
GastronomieKeine Restaurants direkt am Wasser.
Tipps
Braunkohletagebau Garzweiler. Westlich von Grevenbroich erstreckt sich bis zur Autobahn A44 (Aachen–Düsseldorf) der Braunkohletagebau Garzweiler. Die Braunkohle liegt in einer Tiefe von 40 bis maximal 160 Metern unter der Erdoberfläche und lagert in drei Flözen, die zusammen im Durchschnitt etwa 40 Meter stark sind. Die geförderte Kohle wird ausschließlich in den nahe gelegenen Kraftwerken für die Stromerzeugung verfeuert. Ab 2006 verlagert sich die Kohleförderung in das westlich angrenzende Abbaufeld Garzweiler II. Beim Braunkohleabbau werden Jahr für Jahr Millionen Kubikmeter von Sand, Löss und Kies bewegt und dazu genutzt, ältere Abraumhalden zu rekultivieren. Dennoch bleiben tiefe Narben in der Landschaft zurück. Eine Vorstellung vom Eingriff in den Naturhaushalt durch den Tagebau können Sie sich am Aussichtspunkt bei Grevenbroich mit eigenen Augen machen.
Verleih
Sport und Spaß Event GmbH, Tel. 02271/ 985985, www.sportundspass.de
Informationen
Transfer - Von der Aussatzstelle am Vereinsgelände der PG Grevenbroich vorbei an der Kirche und nach links auf der Hauptstraße über das Wehr und der Straße Richtung Kapellen-Wevelinghoven folgen (Gehzeit zum Bahnhof in Kapellen mindestens 30 Min., alternativ Busverbindung). Von dort Zugverbindung Kapellen–Bergheim im 60-Minuten-Takt. In Bergheim nicht am Hbf, sondern in Zieverich aussteigen (Fußweg zum KK Bergheim
Unterkunft
Zeltmöglichkeit beim KK Bergheim, Ansprechpartner - Peter Meyer, Tel. 02271/61294, www.kanuklubbergheimerft.de
Tourismusbüro
Stadt Bergheim, Bethlehemer Str. 9–11, 50126 Bergheim, Tel. 02271/890, www.bergheim.de; Stadt Grevenbroich, Am Markt 1, 41515 Grevenbroich, Tel. 2181/6080, www.grevenbroich.de