Von Waren (Müritz) nach Linstow

Die leichte Etappe verläuft durch ausgedehnte Waldgebiete, die man meist für sich alleine hat. Da auf diesem Tagesabschnitt nur wenige Höhenmeter zu bewältigen sind, eignet sich die Tour auch gut für einen Familienausflug. Im Naturpark Nossentiner/Schwinzer-Heide gibt es eine lange Sand- und Schotterwegpassage.
33 km
40 m
3.00 h
Der Luftkurort Waren.
Theodor Fontane schrieb über Waren: »Die Luft ist wundervoll, und je nachdem der Wind steht, bin ich auf unserem Balkon von einer feuchten Seebrise oder von der Waldseite her von Tannenluft und -duft umfächelt.« Seit jeher dient der Luftkurort als beliebte Sommerfrische. In der Hauptsaison ist es daher ratsam, sein Nachtquartier vorzubuchen. Am Neuen Markt befindet sich die Touristeninformation in der Löwenapotheke (A), einem Fachwerkbau von 1800. Auf der gegenüberliegenden Seite steht das historische Neue Rathaus (B), das im Stil der englischen Tudorgotik errichtet wurde. Das Stadtgeschichtliche Museum Waren hat dort seinen Sitz (Öffnungszeiten: Mo–Fr 9–17 Uhr, Sa/So und feiertags 14–17 Uhr, Tel. 03991/17 71 37). Im Hintergrund des Marktes ragt der auffällige barocke Turm der Marienkirche (C) empor. Von der Aussichtsplattform in 45 Meter Höhe genießt man einen schönen Weitblick. Am Alten Markt befindet sich die dreischiffige, kreuzrippengewölbte Backsteinbasilika St. Georg (D) aus dem 14. Jahrhundert.
Zurück am Hafen (E), wo im Sommer reges Treiben herrscht, lädt eine Schiffstour über das »kleine Meer«, Deutschlands größtes Binnengewässer, zum Entspannen ein. Die Blau Weiße Flotte bietet täglich von 10–16 Uhr verschiedene Rundfahrten an (Tel. 039833/222 70, www.schiffahrt-mueritz.de). Die Stadt bekam 2007 mit dem Natur-Erlebnis-Zentrum Müritzeum (F) einen weiteren Besuchermagneten. Es gilt als Deutschlands größtes Aquarium für einheimische Süßwasserfische. Über zwei Etagen erstreckt sich das übergroße, mit 100 000 Liter Wasser gefüllte Becken, das Hunderte von Maränen beherbergt. Zudem gibt es noch 24 große und kleine Schau-Aquarien mit heimischen Fischarten (Öffnungszeiten: April– Okt. täglich 10–19 Uhr, Tel. 03991/63 36 80, www.mueritze um.de).
Von Waren (Müritz) nach Jabel.
In Waren dem malerischen Ufer der Müritz nach Westen folgen. Beim Wassersportverein Stille Bucht rechts, wenig später die B 192 überschreiten und auf der Fahrradstraße lange geradeaus durch den Wald. Den Jabelschen See gegen den Uhrzeigersinn umfahren und an der T-Kreuzung links in die L 205 und nach Jabel hineinrollen.
Wir rollen zum Stadthafen hinunter, fahren dort auf die Strandstraße nach rechts und wählen an der kommenden Ampelanlage vor dem Müritzeum (F) die Kiezstraße nach links. Anschließend führt uns der Radweg an einer begrünten Uferpromenade mit Bänken vorüber zur Gerhart- Hauptmann-Allee. Am Ende des Freibades leitet uns ein Radwegschild nach links in einen Naturweg. Wir erreichen ein Feuchtgebiet, das mit einem Holzbohlensteg für Fußgänger zugänglich gemacht wurde – Radfahrer müssen absteigen! Nach dem Kletterwald Müritz fahren wir geradeaus und verlassen am Campingplatz (Kamerun Loge) das Ufer der Binnenmüritz auf der nach rechts ansteigenden Straße Zur stillen Bucht. Es wird die B 192 an der Fußgängerampel überschritten und der Ort Eldenholz mittels der gleichlautenden Straße durchfahren. Nach dem Dorf lenken uns die Schilder (Jabel) auf einer Fahrradstraße durch ein weitläufiges Waldgebiet, welches nach sechs Kilometern an einer T-Kreuzung am Jabelschen See endet. Der Radwanderweg zweigt hier nach rechts ab. Zuvor lockt linker Hand noch das bekannte Wisentreservat von Damerow.
Abstecher zu den Wisentgehegen.
Wer sich für die großen Wildrinder interessiert, folgt der Straße am Werder nach Süden und passiert dabei das Dorf Damerow. Auf dem Damerower Werder, einer Halbinsel des Kölpinsees liegt ein über 300 Hektar großes Wisentreservat , das hier zum Schutz von Wisenten ausgewiesen wurde. In den 1920er-Jahren war die europäische Bisonart in der freien Wildbahn ausgerottet. Polen gilt als wichtigstes Zentrum der Erhaltungszucht. In den 1950er-Jahren konnten so in den Wäldern des polnischen Bialowieza-Nationalparks die ersten frei lebenden Wisentherden ausgewildert werden. Derzeit gibt es weltweit wieder 3500 Exemplare. Die im Reservat lebenden Wisente können Sie am besten zur Fütterungszeit um 11 und 15 Uhr beobachten (Öffnungszeiten: Ostern–30. Sept. 10– 20 Uhr, Tel. 03996/17 34, www.wisentinsel.de).
Wir fahren auf dem gleichen Weg zurück zum Ausgangspunkt. Dort angelangt geht es der Straße Zum Werder nach und in einem Halbbogen um den See. Am Nordende des Gewässers nimmt uns der Begleitradweg der L 205 auf und wir erreichen Jabel, das sich am westlichen Ufer entlangzieht. Im Jahr 1256 wurde der Ort »Jabele « erstmals in einer Urkunde erwähnt. Slawische Siedler prägten den Namen, der vom altslawischen »jabl « abstammt und so viel wie »Apfelbaum« bedeutet. Dies spiegelt sich heute auch im Gemeindewappen wider. Darauf werden die drei Ortsteile Jabel, Damerow und Loppin durch einen Apfelbaum mit drei Äpfeln dargestellt; daneben ziert ein Wisent das Emblem.
Von Jabel nach Linstow.
Nach dem Überschreiten der Gleise zweigt rechter Hand der Weg nach Loppin ab. Nun links und auf einer langen Geraden der Beschilderung durch den dicht bewaldeten Naturpark Nossentiner/ Schwinzer-Heide bis Drewitz nachradeln. Anschließend geradewegs bis Bornkrug, dort links aus dem Waldgebiet heraus bis Linstow.
In Jabel folgen wir der Straße Hoher Damm und steuern bei der Ortsausfahrt zunächst in Richtung Nossentin. Wir treffen auf einen beschrankten Bahnübergang, den wir überqueren müssen, um dann die Landstraße nach 500 Metern rechts zu verlassen. Dort legen wir auf einem unbefestigten Weg 1,2 Kilometer zurück, bis dieser am Jugendwaldheim Loppin in einen geteerten Weg übergeht, welcher uns ins nächste Dorf bringt. In Loppin radeln wir ein kurzes Stück auf der Straße Am Wallberg und schwenken bei der Bushaltestelle links in den sandigen Waldweg.
Die nächsten drei Kilometer geht es unentwegt geradeaus durch die einsame Nossentiner/Schwinzer-Heide. Der Naturpark erstreckt sich auf einer Fläche von 365 Quadratkilometern. Charakteristisch sind die Sander, übrig gebliebene Sand- und Kiesablagerungen aus der Eiszeit, die heute von weiten Wäldern bedeckt sind. Das Landschaftsbild prägen zudem die 60 kleineren und größeren Seen. Die meisten davon haben glasklares und sauberes Wasser. Der Landstrich ist ein Paradies für Seeadler, Kraniche und Fischotter. An der kommenden Wegscheide orientieren wir uns nach links in Richtung Drewitz. Als Nächstes münden wir in einen Waldweg, dem wir rechts über die L 20 folgen und so den eingeschlagenen Kurs für fünf Kilometer beibehalten. Ein gutes Asphaltband läuft nun nach Norden bis zur Waldsiedlung Drewitz. Hier, am Drewitzer See, besaß der ehemalige Staatschef der DDR, Erich Honecker, ab 1982 eine Jagdresidenz. Der heutige Besitzer hat die Anlage zu einer Feriensiedlung umgestaltet. Danach geht es über eine Kuppe, bis die lange Fahrt durch den Forst in Bornkrug endet. An der alten Poststation bietet sich die letzte Möglichkeit zum Einkehren, bevor wir den Linksabzweig zum Etappenziel nutzen. Eine kleine Anhöhe vermittelt uns auf dem letzten Kilometer einen schönen Rundblick über den Linstower See und so rollen wir ins gleichnamige Dorf.
Die 270-Seelen-Gemeinde beherbergt das Umsiedlermuseum der Wolhyniendeutschen (Hofstr. 5). Durch den Zweiten Weltkrieg waren viele Siedler Wolhyniens auf der Flucht. Sie wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. 73 deutschstämmige Umsiedler fanden in Linstow eine neue Heimat. Das eingerichtete Museum im Bauernhaus von 1947 gibt Einblick in die Geschichts-, Arbeits- und Lebenswelt der Wolhynier und ist zugleich eine Dokumentation der Nachkriegszeit (Öffnungszeiten: Di–Fr 13–16 Uhr, Juni–Sept. auch Sa/So 14–16 Uhr, Tel. 038457/519 63, www.umsiedlermuseumwolhynien.de).

Etappe auf einen Blick.
km 0 Waren (Müritz), berühmter Luftkurort mit dem informativen Müritzeum, km 5 Eldenholz, nördlich des Kölpinsees auf guter Fahrradstraße durch den Wald, km 13 Jabel, bei Damerow Ausflug zum nahen Wisentreservat, km 28 Drewitz, kilometerlang auf unbefestigtem Waldweg nach Westen, km 33 Linstow, ein lohnendes Ziel ist das Wolhynier Umsiedlermuseum.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour33 km
Höhenunterschied40 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortWaren (Müritz)
AusgangspunktWaren (Müritz)
EndpunktLinstow
TourencharakterZu Beginn der Etappe fällt es noch schwer, sich vom prächtigen Wasserpanorama um die Müritz zu trennen – doch die Weiterfahrt lohnt. So erfreuen wir uns unterwegs am Kölpinsee, am Jabelschen See und schließlich an der langen Waldfahrt durch den Naturpark Nossentiner/Schwinzer-Heide.
Hinweise
Bademöglichkeiten entlang der Strecke.
KartentippTopografische Karte 1:50 000, L2540 Malchow, ISBN 978-3-8326-1020-3, www.laiv-mv.de
VerkehrsanbindungWaren (Müritz) liegt günstig an der Bahnstrecke Berlin–Rostock. Den Ferienort erreicht man auch via A 19, Abfahrt Pritzwalk, und letztlich über die B 192.
GastronomieJabel: Gästehaus Maribell, Am Ufer 2, Tel. 039929/705 00. Bornkrug: Alte Poststation Bornkrug, Forststr. 14, Tel. 038457/502 69. Linstow: Van der Valk Resort Linstow, Krakower Chaussee 1, Tel. 038457/70.
Unterkunft
Loppin: Scheune am Loppiner See, Am Wallberg 1, Tel. 039929/702 22. Jabel: Wirtshaus Zur Eibe, Hoher Damm 7, Tel. 039929/769 55, www.zur-eibe.de. Linstow: Gutshaus Linstow, Hofstr.15, Tel. 038457/517 50, www.gutshaus-linstow.de
Tourismusbüro
Touristinformation Krakow am See, Lange Str. 2, Tel. 038457/22258, www.krakowam- see.de

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