Von Schwedt nach Löcknitz

Bis Gartz noch auf dem Flussdeich, dann über ruhige Landstraßen oder Radwege, z. T. aber auch unbefestigte und holprige Wald- oder Feldwege. Da die Landschaft hügelig ist, erwartet den Radler auch die ein oder andere moderate Steigung. (Autor: Michael Hennemann)
73 km
450 m
5.00 h
Von Schwedt nach Gartz: Auf der Uferpromenade von Schwedt unter der Stadtbrücke durch und weiter auf der Promenade bis zum Wassersportzentrum Rotation , dahinter auf der Straße »Zu den Schloßwiesen« nach rechts und durch das Neubaugebiet. Am Ende zurück ans linke Ufer der Hohensaaten-Friedrichthaler-Wasserstraße. Über die Scheitdammbrücke ans rechte Ufer wechseln. Links säumen Kiefern den Weg, rechts quaken die Frösche in einer Sumpflandschaft. Bei Gatow lohnt sich ein Abstecher auf die andere Uferseite. Abstecher zum Tabakmuseum Vierraden (hin und zurück 4 km): Bei Gatow die Brücke über die Wasserstraße überqueren und 2 km zum Tabakmuseum Vierraden. Danach auf dem gleichen Weg zurück zur Hauptroute. Zurück auf der Hauptroute, die Brücke nach Gatow links liegen lassen und schnurgerade weiter auf dem Deich bis zur Teerofenbrücke. Dahinter vorbei an der Nationalpark Wildnisschule. Knapp 1 km hinter der Brücke rechts ab und durch den Wald, der zunächst von Kiefern, später von Birken dominiert wird, weiter bis nach Friedrichsthal. Beim Rastplatz am Ortsanfang auf der Dorfstraße nach rechts und zurück an die Oder. Auf dem Deich sind es jetzt noch etwa 7 km bis Gartz. Vor dem Start der Tour lohnt ein Rundgang durch die Altstadt von Schwedt (Bhf.) (1). Die größte Stadt der Uckermark wurde von deutschen Siedlern an der Route von Berlin nach Stettin gegründet und wurde erstmals 1265 schriftlich erwähnt. Der Ort war als befestigter Oderübergang bis zum Ende des 15. Jh. ein ständiger Zankapfel zwischen Pommern und Brandenburg. Nach einem verheerenden Stadtbrand wurde die Stadt 1685 mit einem schachbrettartigen Grundriss neu aufgebaut. Gegen Ende des 17. Jh. wählten die Markgrafen Brandenburg-Schwedt die Stadt zu ihrem Sitz und bauten sich hier eine barocke Residenz. Die aus Frankreich vertriebenen und in der Region angesiedelten Hugenotten brachten den Tabakanbau in die Uckermark. Um 1800 wurde eine Anbaufläche von 4000 Hektar mit Tabak bewirtschaftet. Von der Bedeutung dieses Landwirtschaftszweigs zeugt heute noch der Ermelerspeicher (A), den ein Berliner Tabakgroßhändler im 19. Jh. erbaute und der heute die Stadtbibliothek beherbergt. Nach der starken Zerstörung im Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Schwedt in der DDR zu einem Standort der Petrochemie und ist heute ein anschauliches Beispiel für den Stadt- und Wohnungsbau in der ehemaligen DDR. Nur wenig des einst nach holländischem Muster mit gitterförmigen Straßennetz angelegten Stadtbildes blieb erhalten. Zu den bedeutendsten Baudenkmälern zählen die Stadtkirche St. Katharinen (B) aus dem 13. Jh. mit einer guten Aussichtsplattform, der Berlischky-Pavillon (C) (1776–78 als Gebetshaus der eingewanderten französischen Siedler erbaut) und das neogotische Gebäudeensemble am Vierradener Platz (D). Letzteres besteht aus katholischer Kirche, Amtsgericht und der ehemaligen Hahn’schen Seifenfabrik. Von der Schwedter Altstadt führt der Radweg vorbei am neu gestalteten Bollwerk und den Uckermärkischen Bühnen (E) (Berliner Str. 46–48, Tel. 03332/53 80, www.theater-schwedt.de). Bei Gatow lohnt es sich, die Brücke über die Wasserstraße zu überqueren und einen Abstecher ins Tabakmuseum Vierraden (Tel 03332/25 09 91; April–Sept. Di–Do 10–16 Uhr, Sa/So 10–17 Uhr) zu unternehmen. Dort wird in einer denkmalgeschützten ehemaligen Tabaktrockenscheune die Bedeutung des Tabakanbaus in der Region dargestellt. Die Ausstellung widmet sich dem Tabakanbau, dem Tabakhandel und der Tabakverarbeitung in der Uckermark. Zurück auf der Hauptroute, passieren wir nördlich von Schwedt die Teerofenbrücke, hinter der die Wildnisschule Teerofenbrücke (2) des Nationalparks (www.wildnisschule-teerofenbruecke.de, Tel. 03332/83 88 40) liegt. Neben Zelt- und Übernachtungsmöglichkeit werden hier auch Naturerlebniskurse angeboten. Von Gartz nach Penkun: In Gartz zur Hauptstraße im Ort hoch und hinter dem Biergarten an der Pension Am Mühlenteich auf der Hauptstraße (Stettiner Straße) nach rechts. Gleich darauf die nächste Möglichkeit wieder rechts und über die Straße »Am Mühlengraben« zurück an die Oder. Durch ein Waldgebiet geht es nun entlang der Westoder bis Mescherin. Auf der Hauptstraße vorbei an Parkrestaurant und Zeltplatz durch den Ort. Am Ende geht es auf der B 113 nach links. Es folgt ein kräftiger Anstieg. Bald hört die Asphaltierung auf und gibt das Kopfsteinpflaster der Straße frei, aber ein ausreichend breiter geteerter Streifen am rechten Fahrbahnrand ermöglicht dem Radfahrer ein komfortables Vorankommen. In der fast rechtwinkligen Linkskurve der Bundesstraße am Ende der Steigung rechts ab und weiter nach Staffelfelde. Im Ort am Feuerwehrgerätehaus links halten und auf der neu geteerten Lindenallee nach Nordwesten. In Neurochlitz über die Bundesstraße B 2 und auf Höhe des Dorfkrug nach rechts Am Ende vor dem Feld nach links und weiter nach Tantow. Im Ort einmal mehr auf die B 113. Nach rechts über die Bahnschienen und dann auf dem Radweg entlang der B 113 weiter. Am Ende links ab und über Schönfeld (rechts halten) nach Penkun. Gartz (3), das sich bei der Anfahrt schon von weitem durch den hoch über dem Ufer thronenden Kirchturm ankündigt, zählt heute etwa 2000 Einwohner und vom einstigen Wohlstand, bedingt durch die strategische Lage der Siedlung – ursprünglich eine gegen Brandenburg gerichtete pommersche Grenzfeste –, zeugen heute noch die im nördlichen Teil erhaltene Stadtmauer sowie einige historische Gebäude. Gartz erhielt 1249 das Magdeburger Stadtrecht. Es wurde mit gitterförmigem Straßennetz und quadratischem Markt angelegt und von einem steinernen Wall und einem Graben gesichert. Oderschifffahrt und Handel sicherten der Stadt zeitweise die Mitgliedschaft in der Hanse, ab dem 17. Jh. wurde Gartz aber immer mehr zur ländlichen Ackerbürgerstadt. Im restaurierten Torwächterhaus am Stettiner Tor ist das Ackerbürgermuseum (Stettiner Str. 14, Tel. 033332/860 44; Mai–Okt. Mo–Fr 10–17 Uhr, Nov.–Apr. Mo–Do 10–16 Uhr, Fr. 10–12 Uhr) untergebracht. Das kleine uckermärkische Dorf Mescherin mit gut 500 Einwohnern hat für Touristen einiges zu bieten: Neben einem Campingplatz und mehreren Pensionen gibt es das Parkrestaurant mit deutscher und polnischer Küche und zwei Aussichtspunkte, die bei gutem Wetter einen Blick bis nach Stettin bieten. Der nächste größere Ort, Tantow (Bhf.), ist der letzte deutsche Bahnhof der Bahnlinie von Berlin nach Szczecin(Stettin). Hinter Schönefeld passieren wir die Landesgrenze von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und erreichen die vorpommersche Stadt Penkun (4). Von Penkun nach Löcknitz: Auf der Hauptstraße durch Penkun bis zum Schloss. Nach links auf das Schlossgelände und links am Schloss vorbei. Dahinter recht steil hinab zum Seeufer und vorbei an der Gaststätte Anglerheim. Unten wieder auf die Straße, die von einem Radweg begleitet wird. Die Landestraße nach rechts verlassen und auf dem Radweg unter der Autobahnbrücke der A 11 hindurch und weiter bis Wollin. Rechts halten und weiter auf der Battinsthaler Straße nach Nordwesten. In Battinsthalnach links auf der Straße weiter bis Krackow. Am Ortsende hinter dem Eiscafé wieder auf die B 113 und auf dem parallelen dazu verlaufenden Radweg nach Lebehn. Hinter dem Ortsausgang links ab und über Sonnenberg nach Ramin. Im Ort nach links auf die Dorfstraße und vorbei an der Kirche. Auf der Hauptstraße nach links und am Ortsende nach rechts auf den Salzower Weg. Weiter für etwa 4 km in nordwestliche Richtung. Am Ende auf der relativ großen Landesstraße für knapp 1 km nach rechts. Dann links und durch den Wald auf einem sandigen Weg am Nordufer des Löcknitzer Sees entlang bis zum Rastplatz und dem großen Parkplatz am Hotel »Haus am See«. Dort nach rechts und über die Straße Am See und die Karl-Liebknecht-Straße zur Hauptstraße von Löcknitz. Das Stadtzentrum liegt linker Hand, für den weiteren Verlauf des Oder-Neiße-Radweges auf der Hauptstraße weiter nach rechts. Die strategisch günstige Lage inmitten von Seen veranlasste die Slawen, auf dem Gebiet des heutigen Penkun (4) eine erste Siedlung mit Burgwällen zu errichten. Im Mittelalter folgte an ihrer Stelle eine Burg, die das Grenzgebiet zwischen Pommern und Brandenburg überwachte. Im Schutz der Burg entstand eine Ansiedlung, die 1240 erstmals urkundlich als Dorf und 1269 als Stadt Penkun erwähnt wurde. Um 1600 wurde die Burg zu einem Renaissanceschloss mit drei Flügeln und einem Treppenturm aus- und umgebaut. Das Schloss kann besichtigt werden, es beherbergt ein Museum mit wechselnden Sonderausstellungen (Tel. 039751/6 98 30, www.museum-schloss-penkun.de). Am gegenüberliegenden Ufer des Schlosssees entführt das Freilichtmuseum Penkun (Sommersdorfer Chaussee 1, Tel. 039751/698 86; April–Sept. Mo–Do 10–16 Uhr, Fr 12–18 Uhr, Sa 12–18 Uhr, So 12–17 Uhr) seine Besucher ins frühe Mittelalter. Herzstück des Museums ist die »frühdeutsche Siedlung«. Durch einen Torturm betritt man das von Palisaden geschützte Dorf. In den schilfgedeckten Holzhäusern werden die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen im Mittelalter dargestellt und verschiedene Handwerkstechniken demonstriert. Die Besucher dürfen aber nicht nur den Handwerkern über die Schulter schauen, sondern auch selbst tätig werden und nach historischen Vorbildern gebaute Geräte und Werkzeuge ausprobieren. Ein Kleinod ein paar Meter abseits des Weges ist die Grabkapelle Battinsthal (5), die im Jahr 1845 nach einem Entwurf von Gustav Stier, einem Schüler Schinkels, gebaut wurde. Im Frühjahr 1946 wurden vor der Kapelle Grabstätten für die Kriegsopfer errichtet, bis nach 1990 wurde die Gruftkapelle als Friedhofshalle des Ortes genutzt. Sehenswert im 400-Seelen-Dorf Krackow sind der historische Nutzgarten, die Feldsteinkirche aus dem 13. Jh. und zwei Gutshäuser. Letzte Zwischenstation auf der Tour ist die Gemeinde Ramin. Die Dorfstraße des alten Gutsdorfes steht unter Denkmalschutz und ein extra für Radtouristen angelegter Rastplatz lädt zum Verweilen ein. Ebenfalls einen Besuch lohnen die Feldsteinkirche aus dem 13. Jh. sowie die Heimatstube (Tel. 039749/25 50 oder 039749/203 07; Mi 8–12 und 13–16 Uhr), die über das frühere Handwerkerleben des Ortes informiert. Durch Wald und am Löcknitzer See vorbei wird schließlich der Endpunkt dieser Tour, Löcknitz (Bhf.) (6) (Beschreibung siehe Tour 10), erreicht.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour73 km
Höhenunterschied450 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSchwedt
EndpunktLöcknitz
TourencharakterVon Schwedt folgen wir weiterhin der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße und kehren bei Friedrichsthal noch einmal an die Westoder zurück, bevor es durch Mecklenburg-Vorpommern in Richtung Oderhaff weitergeht. Ab Gartz erwartet uns eine waldreiche und hügelige Landschaft.
Beste Jahreszeit
MarkierungenRadwegweiser mit Oder-Neiße-Logo.
VerkehrsanbindungBahnverbindung Schwedt liegt an der DB-Strecke nach Berlin (regelmäßiger Regionalexpress mit begrenzter Fahrradmitnahme). Anreise mit dem Auto A 11 Berlin–Pomellen, Ausfahrt 5 (Dreieck Uckermark); B 166 bis Schwedt; großer Parkplatz an den Uckermärkischen Bühnen in der Berliner Str. Rückfahrt Problemlos mit dem Regionalexpress bei 1-maligem Umsteigen; Fahrtdauer gut 1,5 Std.
GastronomieMescherin: Park Restaurant und Dorotheenhof. Friedrichsthal: Zur alten Schule. Gasthöfe und weitere Einkehrmöglichkeiten in Gartz, Penkun, Neurochlitz und Löcknitz.
Verleih
Schwedt: Fahrradhaus Schwedt, Vierradener Str. 31, Tel. 03332/230 97; Radlertreff Zech im Nordcenter, Berliner Str. 137, Tel. 03332/52 31 15. Löcknitz: Gerhard Kiel, Prenzlauer Str. 3, Tel. 039754/204 96; Dieter Bathke, Chausseestr. 27, Tel. 039754/203 45.Schwedt: Fahrrad- und Touristik-Center Bodo Butzke, Kietz 11, Tel. 03332/83 95 00.
Unterkunft
Mescherin: Dorotheenhof Mescherin, Untere Dorfstr. 16, Tel. 033332/807 26, www.dorotheenhof-mescherin.de (DZ 55 €); Campingplatz am Oderstrom, Obere Dorfstr. 17, Tel. 033332/87 00 44. Penkun: Ferienpark Möwe S, Schlossstr., Tel. 039751/607 77 (Übernachtung ab 15 €/Person). Löcknitz: Übernachtung im Burgturm, Buchung über Tourismusinformation Löcknitz, Tel. 039754/204 54, www.loecknitz-online.de; Hotel Haus am See, Am See 5 a, Tel. 039754/519 30 (DZ ab 75 €); Campingplatz Waldblick, Retziner Str., Tel. 039754/203 03.
Tourismusbüro
Tourist-Information Unteres Odertal, Vierradener Str. 36, 16303 Schwedt/Oder, Tel. 03332/255 90, www.unteres-odertal.de

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