Von Ochtrup zur Höhenburg Bentheim

Gut beschilderte, leichte Rundfahrt durch Wald- und Wiesenfluren. (Autor: Bernhard Pollmann)
32 km
100 m
4.00 h
Aus dem Bahnhof Ochtrup tretend, folgen wir der Schlösserroute geradeaus Richtung Gronau (Wabennummer 24/25) und biegen an der ersten Kreuzung links in die lang gestreckte Straße Gausebrink ein, bis nach Queren der B 54 (geradeaus Rüenberger Straße und gleich links) die reizvolle Fahrt durch die Feldmark beginnt. An Einzelgehöften vorbei führt der Asphaltweg zur Autobahn, überquert sie bei der einsamen Bushaltestelle Paßlick, verliert wenig später den Asphaltbelag (zusätzliche Markierung »x« = Hollandgängerweg), in einem Waldstück lädt eine Sitzbank zur Rast (hier geradeaus). Schließlich zweigt die Schlösserroute an einer Hundezuchtanstalt rechts auf den asphaltierten Hermann-Löns-Weg ab, wendet sich am Ende links (Brechter Weg) und erreicht im nächsten Waldstück die Drilandsee-Verzweigung: Hier ist der kurze Abstecher auf dem Richtung Gronau führenden Strang der 100-Schlösser-Route zum Drilandsee zu empfehlen (siehe Tour 22).
Zurück an der Drilandsee-Verzweigung folgen wir der Schlösser-Route links in den nicht asphaltierten Venner Weg, einen Waldweg, neben dem sich bald das Moor-Naturschutzgebiet Gildehauser Venn erstreckt, während an einer Wiese vorübergehend die Zinnen und Türme des Bentheimer Schlosses ins Blickfeld rücken – ein imposantes Panorama. Gleich darauf lädt ein hölzerner Aussichtsturm zu einem Rundblick über die Heideweiher, Kolke und Birkenwälder des Moorgebiets ein, während sich auf dem Rücken der Bentheimer Berge das Flügelkreuz der Gildehauser Ostmühle zeigt. Das Gildehauser Venn im äußersten Nordwesten des Münsterlands ist eines der landschaftlich reizvollsten und botanisch und ornithologisch interessantesten Naturschutzgebiete Nordwestdeutschlands, zugleich ist es eines der wenigen großflächig erhaltenen Moor- und Bruchgebiete, wie sie von Droste-Hülshoff in ihren »Heidebildern« besungen wurden. Venn, Fehn und Veen sind in Nordwestdeutschland und Holland Bezeichnungen für weitflächige Moorlandschaften, die ab dem 17. Jh. entwässert und abgetorft wurden. Auch die Hochmoore im Gildehauser Venn wurden abgetorft, allerdings lagen sie so ungünstig, dass keine Moorkanäle, Klappbrücken, Siedlungen und andere für Fehngebiete typische Anlagen geschaffen wurden.
Am Ende des Vennwegs wendet sich die Schlösserroute kurz rechts und biegt sofort links in den Sieringhoeker Weg ein, der in leichtem Anstieg in den aussichtsreichen Hang des Bentheimer Höhenrückens wechselt. Nach Passieren einer Gruppe von sieben uralten Eichen (aussichtsreiche Sitzbank) wechselt die Markierung rechts hinauf, überquert den Bergrücken, dann geht es in flotter Fahrt hinab nach Gildehaus: hier links, am Gasthof Kerkhoff rechts, nach Queren der Landstraße geradeaus/halb rechts – und wir sind in Bad Bentheim. Nach Queren der Rheiner Straße an der großen Ampelkreuzung lenken oder schieben wir die kopfsteingepflasterte Gildehauser Straße hinauf und sind am imposanten Schloss Bentheim. Für Jacob van Ruisdael und viele andere Maler war die auf einem isoliert herausragenden Sandsteinfelsen erbaute Burg Bentheim ein Wirklichkeit gewordenes Idealbild. Der bis zu 98 Meter aufragende Sandstein-Felsrücken des Bentheimer Bergs bildet die höchste Landmarke im deutsch-niederländischen Grenzgebiet. Der bis zu 70 m mächtige Sandsteinkörper tritt in einem etwa 200–500 m breiten, beidseitig steil abfallenden Streifen zwischen Bad Bentheim im Osten und Gildehaus im Westen zu Tage. Er hat eine Länge von ca. 9 km und zeigt zwei Farbvarianten: Der Typ »Bentheim« ist hellrot, der Typ »Gildehaus« (gebrochen im Fürstlichen Steinbruch in Gildehaus-Romberg) weiß bis gräulich-orange. Seit der Urzeit lockt dieser Sandsteinrücken Menschen aus nah und fern. Die Kelten sollen die Ersten gewesen sein, die auf dem »Druidenfelsen« ihre Gottheiten verehrten, ihnen folgten die Germanen mit einer »Volksburg«, und in der Zeit der Romanik verschmolzen heidnische und christliche Vorstellungen in einer einzigartigen Steinkreuzplastik: dem in der Burg aufgestellten Herrgott von Bentheim. Höhepunkt des Schlossbesuchs ist das zinnenbekränzte Dach des Pulverturms: In einem gigantischen Panorama schweift der Blick über die Grafschaft, in die Twente hinein, in das Emsland und über das westliche Münsterland hinweg zu den Baumbergen. Bentheimer Sandstein wird seit dem 13. Jh. in größeren Umfang abgebaut und wurde bis in die Niederlande, nach Belgien und Dänemark ausgeführt. Bedeutende Bauwerke aus Bentheimer Sandstein sind das Königliche Palais und das Stadthaus in Amsterdam, das Theater und die Frauenkirche in Antwerpen, die katholische Kirche in Aarhus und das Rathaus in Münster. Die Abfahrt unterhalb des Schlosses ist leicht zu übersehen: Es ist die schmale, steile, kopfsteingepflasterte Niehausstiege, gleich halb links und wieder rechts, hinab durch die Brennereistraße und unten geradeaus, Zur Großen Maate autofrei hinaus in die Wiesen-, Wald- und Feldflur auf einem ungeteerten Pättke. Am Ende des Pfads wechselt die Schlösserroute beim Restaurant Altes Backhaus links auf den Teerweg (Ithorst), folgt der nächsten Autostraße ganz kurz rechts auf dem Radweg, zweigt sofort links auf den Asphaltweg Im Zitter ab und wendet sich hinter dem Bauernhof erneut links (Up de Högde) – eine flotte Wald- und Wiesenfahrt bis zur Bundesstraße. Letzterer folgen wir rechts am Ausflugsrestaurant Pöplenburg vorbei und biegen wenig später halb links auf den Burgsteinfurter Damm ab. Geruhsam rollen die Räder auf dieser weitgehend autofreien, breiten Straße. Vor dem Bundeswehrdepot geht es rechts ab auf einen schmaleren Asphaltweg im Wald, und wenig später zeigt an einem Pilzunterstand das Schlösser-Routen-Schild nur noch 8,5 km bis Ochtrup an; hier links, gleich rechts (Osterstraße) durch aussichtsreiche Wiesenfluren, dann links (Kranenbült) am Ausflugslokal Happens Hof vorbei nach Ochtrup. Nun geradeaus (Langenhorster Weg), nächste – hier die Radroutenverzweigung, an der es links Richtung Wettringen und Rheine weitergeht – rechts (Buschlandweg) und am Ende aufpassen: kurz rechts und nach wenigen Metern (beim Restaurant »Zur Erholung«) links auf den autofreien Klinkerweg. Zuletzt leitet der ruhige Brookweg zurück: Am Ende rechts (Metelener Straße) und hinter den Gleisen links zum Bahnhof. Das wenige Fahrminuten enfernte Ochtruper Töpfereimuseum in einem Ackerbürgerhaus von 1678 in der Töpferstraße 10 ist eines von nur drei Keramikfachmuseen in Deutschland. Es dokumentiert die Vielfalt des Töpferhandwerks seit dem Mittelalter.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour32 km
Höhenunterschied100 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBahnhof Ochtrup (Radstation).
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterVon der Töpferstadt Ochtrup leitet der Nordwestrundkurs der 100-Schlösser-Route auf Asphaltwegen und Pättkes durch Feldmark und durch das Moorgebiet Gildehauser Venn zur Bentheimer Burg, der im 18. Jh. zum Schloss umgebauten einzigen Höhenburg der 100-Schlösser-Route.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte 1:50000 Radelpark Münsterland, Blatt Kreis Steinfurt.
MarkierungenSchloss, Richtungspfeile und namentliche Ausschilderung.
VerkehrsanbindungA 31 Ruhrgebiet – Emden Ausfahrt Ochtrup/Gronau; Bahnlinie Münster – Gronau.
GastronomieOchtrup, Drilandsee, Bad Bentheim, Altes Backhaus, Pöplenburg, Happens Hof.
Tipps
Variante: Der von Gronau kommende Strang der 100-Schlösser-Route mündet beim Drilandsee auf unseren Rundkurs ein und verlässt ihn mit Ziel Rheine am Bahnhof von Ochtrup; siehe Tour 22.
Informationen
Thermalsole, Schwefelmineralwasser und Naturmoor sind die drei ortsgebundenen heilkräftigen Kurmittel von Bad Bentheim. Die Badeanlagen mit Thermalsolebad, Hallen- und Außenbad und Saunen liegen nördlich des Schlosses im Bentheimer Wald. Möglicherweise wurde die dortige Schwefelquelle bereits in vorgeschichtlicher Zeit zu Heil- und/oder Orakelzwecken genutzt. Ab dem frühen 19. Jahrhundert entstanden an der Quelle und ihrer Umgebung klassizistische Badeanlagen, darunter das vierflügelige Logierhaus (1820), das Badhaus (1823) und das Kurhaus (1848). 1573 erfand Andries van Moerbecke die Windmühle mit Drehhaube; da sich die Kappenwindmühle von Holland aus verbreitete, wird sie meist als »Holländer« bezeichnet (»Galerieholländer«).
Tourismusbüro
Verkehrsgemeinschaft Ochtrup, Bahnhofstraße 67, 48607 Ochtrup, Tel. 02553/98180, Fax 02553/98181, Internet www.ochtrup-info.de. Verkehrsamt Bad Bentheim, Haus des Gastes, Schlossstraße 18, 48455 Bad Bentheim, Tel. 05922/98330, Fax 05922/983320, Internet http://www.badbentheim.de.
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