Von Oberstdorf nach Kempten

Radtour entlang der Iller auf überwiegend flachen Uferradwegen. In den Städten ist mit Verkehraufkommen zu rechnen. Die Tour lässt sich, z. B. wenn man mit Kindern unterwegs ist, von verschiedenen Bahnhöfen an der Strecke aus abkürzen. (Autor: Lisa und Wilfried Bahnmüller)
44 km
200 m
4.00 h
Der Illerradweg bedarf eigentlich kaum einer Beschreibung. Wenn uns einmal der Einstieg auf den Radweg bei Oberstdorf gelungen ist, dann brauchen wir nur noch der Beschilderung zu folgen. Das kleine weiße Quadrat mit der blauen Illerradweg-Beschriftung finden wir fast überall entlang der Strecke. Nur an einigen wenigen Stellen hat sich nach dem Hochwasser und der daraus resultierenden Verstärkung der Dämme einiges verändert, und der Radweg befindet sich dort immer noch in der Erneuerungsphase. Solange wir aber die richtige Himmelsrichtung beibehalten, ist alles kein Problem. Vom Bahnhof in Oberstdorf radeln wir rechts in die Poststraße und am Kreisverkehr erneut rechts in die Sonthofener Straße. Kurz bevor wir Oberstdorf endgültig verlassen, beginnt an einem weiteren Kreisverkehr – dort noch geradeaus hinüber – auf der rechten Seite der Radweg. Wir überqueren zunächst die kleinere Stillach und kurz danach die Breitach. Hier biegt unser Radweg rechts parallel zur Breitach ein. Die junge Iller Unter der Bahn hindurch und erst jetzt sind wir am eigentlichen Illerursprung. Die Iller ist kein klassischer Quellfluss, sondern fließt aus drei wilden Gebirgsbächen, der Trettach, der Breitach und der Stillach, zusammen. So geht es jetzt endlich entlang der Iller nach Fischen. Nun wird im Verlauf der Tour noch einige Male das Ufer gewechselt. Der nächstgrößere Ort nach Fischen ist Sonthofen (Bhf.), an dessen Altstadt wir jedoch vorbeiradeln. Über Blaichach sind wir kurz darauf in Immenstadt (Bhf.). Hier ist ein Abstecher in die Altstadt sehr zu empfehlen. Der Marienplatz bildet das Herz der Stadt, die Mariensäule wurde zum Dank für das Erlöschen der Pest 1635 vom Stadtherrn Hugo Graf zu Königsegg-Rothenfels gestiftet, allerdings erst gut 150 Jahre später aufgestellt. Auf das Brunnenbecken musste die Säule bis 1988 warten. An dem Platz stehen das Rathaus und das alte Stadtschloss, das die Grafen von Montfort-Rothenfels erbauten. Nicht vergessen sollte man das Heimatmuseum »Hofmühle« am Rand der Altstadt, in ihm erfährt man viel über die Leinenweberei und den Leinwandhandel, die einst der Stadt großen Reichtum brachten. Zurück am Fluss, geht es weiter immer wieder in Flussnähe, nun merklich nach Norden. Kurz vor Martinszell erreichen wir noch einen der magischsten und esoterischsten Orte im Allgäu. Direkt an der Staustufe des Kraftwerks soll sich einer der wichtigsten Kraftorte der Gegend befinden. Das erzählen nicht nur die vielen Geomantie-(»Erdweissagung«-)Bücher, die Stelle wird sogar in dem berühmten Kommissar-Kluftinger-Krimi »Erntedank« von Volker Klüpfel und Michael Kobr erwähnt. Nachdem wir selbst ein bisschen Kraft am Wasser getankt haben, erreichen wir durch die Auenwälder schließlich Martinszell, das jedoch ebenfalls nicht direkt an den Radweg grenzt. Den kleinen Umweg bis zum dortigen Landgasthof Adler können wir nicht nur wegen des guten Essens empfehlen, sondern auch wegen dem schönen schattigen Biergarten. Aber auch bis Kempten ist es nun nicht mehr weit. Wir merken, dass die Hauptstadt des Allgäus näher rückt, wenn die vielen Lechwehre beginnen. Radeln Sie nicht direkt zum ausgeschilderten Bahnhof. Ein wenig Zeit für die etwas nördlicher angesiedelte Kemptener Altstadt und das am Illerhochufer liegende Cambodunum, die alte römische Siedlung, sollten wir uns noch gönnen.Der Rückweg erfolgt mit der Bundesbahn. Ab Kempten fährt ca. zweimal pro Stunde ein Zug Richtung Oberstdorf. Die Zugfahrt dauert in etwa eine Stunde.

Motto: Wandern am Wasser; Thermentour

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour44 km
Höhenunterschied200 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktOberstdorf, Bahnhof
EndpunktKempten, Bahnhof
TourencharakterGibt es einen Radweg, der direkt in den Alpen startet und trotzdem mit normaler Muskelkraft zu beradeln ist? Ja, den gibt es. Der Illerradweg verläuft mitten durch das Herzstück des Allgäus, aber ohne dass wir gleich in olympische Mountainbikedisziplinen einsteigen müssen. Seine Gesamtstrecke verläuft von Oberstdorf bis Ulm. Wir haben eine der schönsten Tagesetappen ausgewählt und radeln mit dem Hauptstrom, denn trotz nördlicher Richtung wird uns links und rechts des Weges Alpenpanorama serviert. Die Tour lässt sich auch in entgegengesetzter Richtung fahren.
Hinweise
OBERSTDORF – DAS OBERE DORF. Die Besiedelung des Illertales erfolgte zu Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. Die Bauern ließen sich in allein stehenden Höfen nieder, aus denen sich im Laufe der Jahrhunderte die vielen kleinen Ortschaften entwickelten, die wir heute im Illertal finden. Aber sie brauchten auch ein Zentrum, wo sie Handel treiben konnten, wo sie sich trafen, um gemeinsam ihre Probleme zu besprechen. Solche Zentren entstanden immer an herausragender Stelle, und genau an einer solchen liegt Oberstdorf. Hier fächert sich das Illertal in mehrere Nebentäler auf. Trotz der Abgelegenheit des Ortes waren die Oberstdorfer wohl nicht gerade arm, denn 1495 erhielten sie von Kaiser Maximilian das Marktrecht, und das kostete einen guten Batzen Geld. Trotzdem, bis ins ausgehende 19. Jh. war Oberstdorf eher von der Landwirtschaft geprägt, doch dann kam der Aufschwung mit dem Fremdenverkehr. Heute ist der Ort zu einem Touristenmagneten geworden, was wohl ein Verdienst der Oberstdorfer ist. Sie haben die Täler und Berge der Umgebung in ungewöhnlich hohem Maß für Wanderer erschlossen, weder dem Extremsportler noch dem ruhigen Urlauber bleibt hier ein Wunsch verwehrt.Wandert man durch den Ort, so fällt auf, dass praktisch kein wirklich altes Haus zu finden ist. Die Ursache ist nicht der ungebremste Bauboom der letzten Jahrzehnte, sondern eine gewaltige Brandkatastrophe im Jahre 1865, die innerhalb zweier Tage einen großen Teil des Ortes vernichtete. Doch die Oberstdorfer haben es verstanden, dennoch das Gesicht ihres Ortes zu bewahren. Trotz gewaltiger Bettenzahlen stört kein einziges Hochhaus das Ortsbild.
KartentippBayerisches Landesvermessungsamt, Blatt UK L8 Allgäuer Alpen + UK L17 Kempten, jeweils 1:50 000
VerkehrsanbindungVon München auf der A 96 bis Memmingen und weiter auf der A 7 nach Kempten oder ab Buchloe über die B 12. Zugverbindungen von München/Augsburg nach Kempten sowie zwischen Kempten und Oberstdorf.
GastronomieUnterwegs direkt an der Strecke gibt es fast nichts. In den an der Iller liegenden Städten findet wir dagegen genug für unser leibliches Wohl.
Tipps
BADEMÖGLICHKEITEN: Am Illerufer nur Plantsch- bzw. Kneippmöglichkeiten. Wir passieren einige Badeseen.

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Wilfried und Lisa Bahnmüller

Radeln am Wasser im Allgäu

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